Das Blut entgiften - effizient und kostengünstig

Neue Therapieoption für Patienten mit Leberversagen
Nanopartikel sollen das Blut von Patienten mit Leberversagen zukünftig effizient und kostengünstig entgiften. Das neue Verfahren für die Blutreinigung ist eines der Gewinnerprojekte des diesjährigen Innovationswettbewerbs zur Förderung der Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Das Projekt wird vom BMBF mit rund 300.000 Euro unterstützt.


Die Leber spielt eine zentrale Rolle bei zahlreichen Stoffwechsel-, Regulations- und Entgiftungsreaktionen im Körper. Fällt das Organ aus, wird die Situation für den Patienten schnell lebensbedrohlich. Die erfolgreichste Therapieoption eines solchen Leberversagens ist heutzutage eine Lebertransplantation. Doch zum einen mangelt es an Spenderorganen, zum anderen können Transplantationen wegen der starken Belastung für den Patienten nicht immer vorgenommen werden. Daher besteht ein hoher Bedarf an Systemen, die die Leber solange unterstützen, bis eine Transplantation durchführbar ist oder sich das Organ wieder erholt hat.

Leberversagen führt unter anderem zu Schädigungen des Gehirns, Nieren- und Lungenversagen bis hin zu Koma und Tod. Die Symptome resultieren hauptsächlich aus der mangelnden Entgiftung des Blutes. Deshalb wurden bereits in der Vergangenheit unterschiedliche Systeme entwickelt, um die Giftstoffe aus dem Blut zu entfernen. Zum Beispiel ein Dialyseverfahren, bei dem das Blut an einer Membran vorbeigeführt wird, auf deren blutabgewandter Seite eine Lösung mit dem Eiweiß Albumin vorbeifließt. Albumin kommt auch im Blut vor und bindet dort viele wasserunlösliche Giftstoffe. Wenn Blut und Albumin in dem Dialysesystem aneinander vorbeifließen, können Giftstoffe aus dem Blut durch die Membran in die Albuminlösung übertreten. Dieses Verfahren ist jedoch kompliziert und teuer.

Professor Achim Jörres und Dr. Igor Sauer vom Virchow-Klinikum der Berliner Charité entwickeln daher gemeinsam mit Dr. Ulrich Baurmeister vom Wuppertaler Unternehmen MedTec Consultants ein System, bei dem sie Albumin durch Nanopartikel ersetzen. Diese sind wesentlich preiswerter als Albumin und können Giftstoffe sehr gut binden. Auch das Transportmedium für die Partikel wollen die Wissenschaftler verbessern. "Ebenso wichtig sind die Eigenschaften der Membran, die das Blut von den Nanopartikeln und der Transportflüssigkeit trennt", erklärt Sauer. Sie muss einerseits sicherstellen, dass funktionswichtige Eiweiße im Blut bleiben und die Partikel nicht aus der Transportflüssigkeit ins Blut übertreten können. Andererseits muss sie so beschaffen sein, dass sie einen möglichst geringen Widerstand für die Giftstoffe darstellt.

"Jetzt wollen wir in einem Modellsystem nachweisen, dass wir mit unserem Verfahren eiweißgebundene Toxine effizient aus dem Blut entfernen können", erklärt Baurmeister. "Denn damit schaffen wir die Voraussetzungen, um ein kostengünstiges, leistungsfähiges und sicheres Entgiftungssystem für Patienten mit Leberversagen zu entwickeln." Jörres denkt auch schon weiter: "In modifizierter Form könnte das neue Blutreinigungssystem zukünftig auch bei anderen Erkrankungen wie dem chronischem Nierenversagen eingesetzt werden."

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Achim Jörres
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt
Nephrologie und internistische Intensivmedizin (CVK)
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Tel.: 030/450-553423
Fax: 030/450-553916
E-Mail: achim.joerres@charite.de