Kinder und Jugendliche

Gesundheit von Kindern und Jugendlichen


Daten und Fakten
Durch die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionserkrankungen sowie Fortschritte in der vorgeburtlichen Medizin und der Säuglingsmedizin konnte die Zahl der Todesfälle bei Kindern und Jugendlichen in den letzten 100 Jahren drastisch reduziert werden. So sank die Sterblichkeit bei Säuglingen von rund 21 Prozent auf 0,5 Prozent und bei Kindern zwischen ein und 15 Jahren von einem Prozent auf 0,02 Prozent.

Dennoch gibt es keine Entwarnung – das Krankheitsspektrum hat sich gewandelt. Heute treten zunehmend chronische Krankheiten (Krebs, Diabetes mellitus, Asthma, Allergien) bei Kindern und Jugendlichen auf. Aktuelle Untersuchungen lassen darauf schließen, dass sich der gesundheitliche Allgemeinzustand von Kindern insgesamt verschlechtert hat. Als Ursache werden gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen (falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, Drogen) und Einflussfaktoren gesehen. Diese wirken sich negativ auf körperliche Gesundheit, schulische Entwicklung, Konfliktbewältigung und gesundheitsrelevante Verhaltensweisen aus.

Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsvorsorge im Kindes- und Jugendalter sind von großer gesundheitspolitischer und -ökonomischer Bedeutung. Denn bereits in jungen Jahren werden die Grundlagen für viele gesundheitliche Probleme im Erwachsenenalter gelegt. Aus diesem Grund misst das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dem Thema hohe Bedeutung bei. In zahlreichen Schwerpunkten fördert das BMBF im Rahmen des Gesundheitsforschungsprogramms Projekte zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dafür werden jährlich insgesamt rund zehn Millionen EURO aufgewendet.

Hier einige Beispiele:

Nationaler Kinder- und Jugendsurvey
Die derzeit verfügbaren Informationen über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind unzureichend und lassen keine bundesweit vergleichbaren Aussagen zu. Ziel des Kinder- und Jugendsurveys ist es daher, erstmals repräsentative Daten zum Gesundheitszustand der Bevölkerung unter 18 Jahren zu gewinnen. Dazu untersucht eine Arbeitsgruppe des Robert Koch-Instituts über 17.000 Kinder im Alter von 0 bis 18 und befragt deren Eltern. Das Themenspektrum umfasst unter anderem chronische und akute Krankheiten, psychische Gesundheit, Allergien, Ernährung und Essstörungen sowie Lebensqualität und soziale Bedingungen.

Das Vorgehen und die Methodik der im Mai 2003 angelaufenen Hauptphase des Surveys beruht auf den Ergebnissen der im Jahr 2002 erfolgreich abgeschlossenen Pilotphase (Pretest), deren Förderung durch das BMBF mit 0,8 Millionen EURO die Hauptstudie erst möglich gemacht hat. Die Durchführung der Studien-Hauptphase wird durch eine konzertierte Aktion mehrerer Ministerien ermöglicht. Der Kernsurvey wird gemeinsam vom BMBF und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit 4,15 Millionen EURO für vier Jahre gefördert. Daran beteiligt sich das BMBF mit 1,6 Millionen EURO für forschungsbezogene Aufgabenbereiche. Zusätzlich fördert das BMBF gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) eine Zusatzerhebung zu den Einflüssen bestimmter Umweltfaktoren auf die kindliche Gesundheit, den Kinder-Umwelt-Survey. Das BMBF unterstützt diese Untersuchung mit einer Millionen EURO.

Die gewonnenen Daten werden zur Identifizierung von Gesundheitsrisiken dienen und damit eine Basis für gezielte Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit und Prävention von Krankheiten bilden. Außerdem wird eine wichtige Voraussetzung für die weitere Forschung auf diesem Gebiet geschaffen. Nach dem Abschluss der Datenerhebung im Mai 2006 wurden erste Ergebnisse am 25. September 2006 der Öffentlichkeit auf einem Symposium des RKI vorgestellt. Weitere Auswertungen werden 2007 publiziert werden.
Weitere Informationen: http://www.kiggs.de/

Klinische Studien mit Kindern
Kranke Kinder haben ein Recht auf eine Behandlung mit Arzneimitteln, deren Dosierung, Wirksamkeit und Nebenwirkungen systematisch untersucht worden sind. Die Mehrheit der Medikamente, die bei Kindern regelmäßig eingesetzt werden, wurde jedoch nicht für diese spezielle Altersgruppe geprüft und behördlich zugelassen (off-label-use). Gängige Praxis ist die Übertragung von Ergebnissen, die an Erwachsenen erhoben wurden, auf Kinder. Diese Vorgehensweise stellt jedoch unter anderem aufgrund des unterschiedlichen Stoffwechsels und Körperbaus von Kindern im Vergleich zu Erwachsenen nicht sicher, dass Kinder nach dem aktuellen medizinischen Wissensstand und mit minimalem Risiko für Nebenwirkungen behandelt werden.

Das BMBF fördert seit 2002 bis 2005 das "Pädiatrische Netzwerk zur Arzneimittelentwicklung und -prüfung bei Kindern und Jugendlichen an KKS" (PAED-Net) mit insgesamt 2,8 Millionen EURO. Die Einrichtungen des PAED-Net an den Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Köln, Leipzig, Mainz und Münster führen gemeinsam mit Kooperationspartnern wie niedergelassenen Ärzten und kommunalen Kliniken ethisch vertretbare und fachlich qualifizierte Prüfungen von Medikamenten an Kindern durch. Als Modellstudie für die Durchführung einer multizentrischen Studie wird die "Clonidin-Studie" zur Schmerzbehandlung bei intensivmedizinisch betreuten Neugeborenen gefördert (Studienleitung: Professor Dr. Bernhard Roth, Köln).
Weitere Informationen:
Föderung klinischer Studien durch das BMBF
http://www.kks-info.de/
http://www.paed-net.org/

Suchtforschung
Missbrauch und Abhängigkeit gerade von legalen Drogen sind heutzutage weit verbreitet, ihre gesundheitlichen Auswirkungen werden häufig unterschätzt. Tabakrauchen gilt weltweit als das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. In Deutschland stehen jährlich etwa 100.000 aller Todesfälle mit Tabakrauchen in Verbindung. Die aus Krankheit und vorzeitigem Tod resultierenden volkswirtschaftlichen Kosten des Rauchens werden mit etwa 34 Milliarden EURO pro Jahr angegeben.

Die meisten Betroffenen werden nicht in Universitätskliniken beraten und behandelt, sondern bei niedergelassenen Ärzten, Kliniken der Regelversorgung oder Drogenberatungsstellen. Die Entwicklung von neuen Diagnose- und Therapieverfahren bei Suchterkrankungen wird aber wesentlich in universitären Forschungseinrichtungen betrieben. Vor diesem Hintergrund fördert das BMBF derzeit vier Verbünde zur versorgungsnahen Suchtforschung, in denen sich sowohl die universitäre Forschung als auch behandelnde Einrichtungen zusammengeschlossen haben. In den Projekten geht es um Prävention und Früherkennung sowie um eine verbesserte Behandlung von Abhängigen und die Vermeidung von Rückfällen. Auf diese Weise wird die Verbindung zwischen Patientenversorgung und Forschung hergestellt und der Transfer von der Forschung in die Praxis verbessert. Die Verbünde werden für die Dauer von sechs Jahren mit rund zwölf Millionen EURO gefördert.
Weitere Informationen:
BMBF-Broschüre "Verstehen, Helfen, Vorbeugen – Suchtforschung auf neuen Wegen"

Kompetenznetz Pädiatrische Onkologie
Krebserkrankungen stellen in Deutschland nach Unfällen immer noch die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen dar. In den letzten beiden Jahrzehnten konnten die Heilungsraten – insbesondere aufgrund kontinuierlich durchgeführter Therapieoptimierungsstudien – auf 75 Prozent gesteigert werden. Deutschland liegt damit bei der erfolgreichen Behandlung weltweit an der Spitze. Durch den Aufbau des Kompetenznetzes Pädiatrische Onkologie sollen nun Diagnostik und Therapie weiter verbessert, die Heilungsraten nochmals erhöht und die Lebensqualität von krebskranken Kindern gesteigert werden. Dies geschieht insbesondere durch eine optimierte Zusammenarbeit zwischen Klinik und Forschung und durch innovative Grundlagenprojekte (zur Therapieverbesserung, Risikofaktorbestimmung, Therapieinnovation, Therapienormierung, Spätfolgennachsorge, Lebensqualitätsmessung und Arbeitsökonomisierung). Das Kompetenznetz wird von 1999 bis 2006 mit einem Volumen von rund 13,4 Millionen EURO gefördert.
Weitere Informationen: www.kompetenznetze-medizin.de

Netzwerke für seltene Erkrankungen
Seltene Erkrankungen sind eine heterogene Gruppe von ca. 7.000 sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern, deren häufigste Ursache Fehler im Erbgut sind und die damit auch an die Nachkommen weitergegeben werden können. Zusammengenommen sind sie allerdings kein seltenes Phänomen. So sind in Deutschland schätzungsweise vier Millionen Menschen davon betroffen. Häufig handelt es sich um sehr schwere Krankheiten, die eine aufwändige Behandlung und Betreuung erfordern. Sie sind für die Patienten und ihre Familien mit hohen Belastungen verbunden und führen zum Teil schon im Kindes- oder Jugendalter zum Tode. Ein Bespiel für die Forschung auf dem Gebiet der seltenen Erkrankungen ist das Netzwerk für Epidermolysis Bullosa (EB). Damit bezeichnet man eine Gruppe von erblichen Erkrankungen der Haut, bei denen schon minimale Verletzungen, Reibung oder Druck zu Hautblasen und Wunden führen. Alltägliche Dinge wie Waschen, Gehen und Greifen können für die Betroffenen problematisch und schmerzhaft sein. Die Erkrankung ist meistens schon seit der Geburt vorhanden, kann aber auch später in den ersten Lebensjahren auftreten. Die EB kann bisher nicht geheilt werden. Es besteht lediglich die Möglichkeit, die Wunden zu versorgen und die Folgen der Krankheit zu mildern. Eine heilende Therapie für die EB ist daher dringend notwendig. Das EB-Netzwerk befasst sich deshalb mit den Ursachen, der Diagnose, der Vorbeugung und der Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten für die EB. Das Verständnis der Erkrankung ist die Voraussetzung, um molekulare Behandlungsmöglichkeiten und insbesondere gentherapeutische Ansätze zu entwickeln.

Netzwerke für seltene Erkrankungen mit Bezug zu Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen

· Ichthyosen und verwandte Verhornungsstörungen
· Epidermolysis bullosa
· Skelettdysplasie-Netzwerk (SKELNET)
· Störungen der somatosexuellen Differenzierung und Intersexualität
· Angeborene Störungen der Blutbildung
· Erbliche Stoffwechselstörungen/-krankheiten, die im Neugeborenenscreening erfasst werden (METABNET)
· Muskeldystrophien (MD-Net)
· Deutsches Netzwerk für erbliche Bewegungsstörungen
· Leukodystrophien

Weitere Informationen: BMBF-geförderte Vorhaben

Übergewicht und Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen – Die molekularen Ursachen
Innerhalb des Förderschwerpunktes "Integrierte Verbünde der Medizinischen Genomforschung - NGFN-Plus" wird ein Forschungsnetzwerk zu den „Molekularen Mechanismen der Adipositas“ gefördert. Der Fokus dieses Verbundes liegt auf der Identifizierung von Kandidatengenen, die für Adipositas prädisponieren. Diese Fragestellung wird insbesondere in Kollektiven adipöser Kinder und Jugendlicher erforscht. In dem interdisziplinären Verbund kooperieren grundlagenorientierte molekularbiologische Forschergruppen eng mit klinisch ausgerichteten Forschergruppen, um neue wissenschaftliche  Grundlagen für innovative Verfahren und Produkte in Prävention und Therapie der Adipositas zu legen. Die Arbeiten der beteiligten Gruppen bauen mehrheitlich in der derzeitigen zweiten Förderphase auf einschlägigen Vorarbeiten früherer Jahre auf. Sie analysieren dazu mit modernsten Hoch-Durchsatz-Technologien die Struktur der menschlichen Erbinformation (u. a. Sequenzierung), suchen nach krankheitsassoziierten Genvarianten (z. B. durch Verfahren der Genotypisierung) und analysieren in vielfältigen experimentellen Ansätzen die Funktion der identifizierten Gene und ihrer Genprodukte in Bezug auf die klinischen Situationen in den zu untersuchenden Krankheiten. Zunächst werden ca. 5 Mio. € für die Jahre 2008 - 2011 zur Verfügung gestellt.Weitere Informationen: www.ngfn.de/

Krebserkrankungen bei Kindern - das Neuroblastom
Im Rahmen des Förderschwerpunktes "Integrierte Verbünde der Medizinischen Genomforschung - NGFN-Plus" wird ein Forschungsnetzwerk zum Thema „Neuroblastome“ gefördert. Neuroblastome entstehen aus primitiven Vorläuferzellen der Neuralleiste und gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter. Die Entwicklung einer präzisen Diagnostik und einer maßgeschneiderten, individualisierten Therapie für Patienten mit Neuroblastom mit Hilfe moderner Techniken (Proteomics, Toponomics und transgene Mausmodelle) sind die Hauptziele des Forschungsverbundes, in dem 15 eng miteinander vernetzte Projekte arbeiten. Weitere Informationen finden Sie hier.

Atemwegsinfektionen bei Kindern
Akute Atemwegsinfektionen bei Kindern wie Bronchitis oder Lungenentzündung, auch bezeichnet als akute respiratorische Infektionen (ARI), sind für eine Vielzahl von Arztbesuchen und Krankenhauseinweisungen verantwortlich. Außerdem wird diskutiert, dass beispielsweise Asthma eine Spätfolge der Infektionen sein könnte.

Das infektionsepidemiologische Forschungsnetzwerk PID-ARI.Net (pediatric infectious diseases – acute respiratory tract infections network) hat sich daher zum Ziel gesetzt, mit modernen Nachweisverfahren die Verbreitung und Häufigkeit von akuten Atemwegsinfektionen bei Kindern bis zum 16. Lebensjahr zu erforschen. Die erhobenen Daten sollen in zukünftige Forschungsprojekte einfließen und die Entwicklung neuer Präventionsstrategien sowie besserer Behandlungsmethoden ermöglichen. Das PID-ARI.Net wird seit 1999 vom BMBF gefördert, um die Leistungsfähigkeit der infektionsepidemiologischen Forschung in Deutschland zu stärken und eine Brücke zwischen Forschung und Gesundheitswesen zu bauen. Dafür stellt das BMBF bis 2005 3,7 Millionen EURO bereit.
Weitere Informationen: www.pid-ari.net

Beiträge aus der Forschung:
Durch Würmer vor Asthma geschützt
Fast jedes zweite Kind hat Kopfschmerzen
Leistungsdruck und Trennung der Eltern - warum Kinder Kopfschmerzen bekommen.  Ein Interview mit Diplompsychologin Marion Heinrich.
Gute Heilungschancen für Kinder mit Leukämie. Ein Interview mit Professor Dr. Klaus-Michael Debatin.

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