Chronischer Schmerz

Daten und Fakten
Die Medizin unterscheidet zwischen akutem und chronischem Schmerz. Ersterer weist auf eine drohende oder bereits eingetretene Gewebeschädigung hin. Er hat eine wichtige biologische Warnfunktion, hält nur kurze Zeit an und klingt nach Beseitigung der auslösenden Ursache rasch ab. Von chronischem Schmerz spricht man, wenn der Schmerz länger als sechs Monate anhält oder immer wiederkehrt. Ursache hierfür können unheilbare Erkrankungen wie zum Beispiel bösartige Tumoren oder Rheuma sein. Oft ist jedoch kein Zusammenhang mehr zwischen dem Schmerz und der Schädigung bzw. der Erkrankung, die einst den Schmerz auslöste, erkennbar. Der Schmerz hat seine Warnfunktion verloren und ist zu einem eigenständigen Krankheitsbild geworden. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland rund sechs Millionen Menschen an chronischen Schmerzen und bei 500.000 bis 600.000 Patienten liegt ein schwer therapierbares Schmerzsyndrom vor. Rückenschmerzen stellen die häufigste Form chronischer Schmerzen dar, Kopfschmerzen stehen an zweiter Stelle.

Die Lebensqualität der Schmerzpatienten ist erheblich beeinträchtigt. Als besonders gravierend gelten die psychosozialen Folgen (Vereinsamung, Depression), von denen diese Menschen und ihre Angehörigen oft zusätzlich betroffen sind. Auch die volkswirtschaftlichen Belastungen sind erheblich: So werden bei Rückenschmerzen die Kosten für Behandlung, Rehabilitation, Arbeitsausfälle und frühzeitige Verrentung auf über 15,3 Milliarden EURO pro Jahr geschätzt, bei Kopfschmerzen belaufen sie sich auf etwa 2,5 Milliarden EURO jährlich.

Was tut das BMBF?
Der Verbesserung der schmerztherapeutischen Versorgung in Deutschland kommt daher im Sinne der Betroffenen und aus gesundheitsökonomischer Sicht eine große Bedeutung zu. Es besteht noch immer erheblicher Forschungsbedarf. Daher fördert das BMBF seit März 2002 drei überregional und interdisziplinär angelegte Forschungsverbünde, die sich jeweils auf definierte Schmerzsyndrome konzentrieren:

Kopfschmerzen/Migräne
Rückenschmerzen
Neuropathischer Schmerz (Nervenschmerzen)

In den Verbünden arbeiten Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen (u.a. Neurobiologie, Neurologie, Psychologie, Pharmakologie, Anästhesiologie, Sozialmedizin, Biometrie) überregional in oder mit Kliniken und Schmerzambulanzen zusammen. Da die meisten Schmerzpatienten nicht in Universitätskliniken, sondern bei ihrem Hausarzt Hilfe suchen, sind auch niedergelassene Ärzte in die Verbünde einbezogen. Auf diese Weise wird der optimale Transfer von Forschungsergebnissen in die Versorgung gewährleistet

Beispiele aus den breitgefächerten Forschungsthemen sind:

Forschungsverbund Rückenschmerz:
Welche Prozesse spielen sich bei der Chronifizierung von Rückenschmerz ab?
Lässt sich die Chronifizierung von Rückenschmerz verhindern?
Wann hilft die Physiotherapie bei chronischem Rückenschmerz?
Soll bei Bandscheibenvorfall operiert werden oder nicht?

Forschungsverbund Kopfschmerz:
Gibt es genetische Grundlagen für Migräne-Anfälligkeit?
Lässt sich die Chronifizierung von Kopfschmerzen durch psychologische Ansätze verhindern?
Wie verbreitet sind chronische Kopfschmerzen bei Kindern und Erwachsenen in Deutschland?
Wie lassen sich Veränderungen im Gehirn bei Migräne und Spannungskopfschmerz durch funktionelle Bildgebungsverfahren (fMRT) darstellen?

Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz: 
Welches sind die grundlegenden molekularen und zellulären Mechanismen bei der Entstehung von chronischen Schmerzen?
Wie und wo werden Schmerzen im Gehirn verarbeitet?
Lässt sich die Entstehung von neuropathischen Schmerzen, z.B. Phantomschmerzen nach Amputation von Gliedmaßen, durch gezielte Medikamentengabe verhindern?
Wie kann man bereits aufgetretene neuropathische Schmerzen besser medikamentös behandeln?

Beiträge aus der Forschung:

Einzigartiges Diagnoseverfahren für Nervenschmerzen


 

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