Nervenmonitoring senkt Verletzungsgefahr bei chirurgischen Eingriffen
Verletzungen der Nerven sind eine häufige und mitunter lebensbedrohliche Folge von Operationen. In Struktur und Farbe ähneln Nerven dem Bindegewebe und kleinen Blutgefäßen. Die Verwechslungsgefahr ist hoch - und mit ihr das Risiko für Verletzungen. Diese können fatale Konsequenzen haben: Nervliche Funktionsstörungen nach chirurgischen Eingriffen können laut Dr.-Ing. Klaus Peter Koch vom Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik und PD Dr. med. Wolfram Lamadé vom Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart zu gravierenden Behinderungen bis hin zu Berufsunfähigkeit und sozialem Rückzug führen. Nach Operationen an der Schilddrüse drohen beispielsweise Verletzungen der Stimmbandnerven, die zu chronischer Heiserkeit, Stimmlosigkeit oder gar lebensbedrohender Atemnot führen. Bei Eingriffen im sogenannten kleinen Becken, etwa bei Mastdarmoperationen, können Nervenverletzungen Störungen der Blasenentleerung und der sexuellen Funktionen verursachen. Um operative Nervenverletzungen einzudämmen und Komplikationen besser zu beherrschen, müssen die Nerven während der Operation pausenlos überwacht werden. So können Druck- und Zugkräfte ebenso wie Temperatureinwirkungen schon vor einer Verletzung erkannt und verhindert werden.
Als Wachdienst für die Nerven eignen sich am besten Elektroden. Sie sondieren sensibel alles, was die Nerven bedrohen könnte und erstatten umgehend Alarm - in Bild und Ton. Die von Koch und Lamadé für das Nervenmonitoring eingesetzten flexiblen Elektroden bestehen aus biokompatiblem Material. Sie sind einfach anzuwenden und stören den Ablauf der Operation nicht. Weiterhin wichtig: Die Übertragung der Signale ist robust gegenüber Fehlern bei der Platzierung oder einer Verschiebung der Elektroden während der Operation. All das wird gewährleistet durch die Kombination der Elektroden mit einer intelligenten Software: "Diese sucht automatisch den optimalen Stimulations- und Ableitpunkt", so Koch. Er und sein Team gehen davon aus, dass die Nervenschädigungen während der Operation durch die dauerhafte Überwachung um mindestens die Hälfte zurückgehen werden. Dies reduziert die Risiken für die Patienten erheblich und würde auch zu enormen Kosteneinsparungen führen. Nach den Worten von Koch ließen sich mit dem intraoperativen Nervenmonitoring jährlich über 35 Millionen Euro einsparen.
Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Klaus Peter Koch
Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik
Ensheimer Straße 48
66386 St. Ingbert
Tel.: 06894 980-404
Fax: 06894 980-400
E-Mail: klauspeter.koch@ibmt.fraunhofer.de
Kooperationspartner:
PD Dr. med. Wolfram Lamadé
Geschäftsführender Oberarzt
Dr. med. Christoph Ulmer
Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie
Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH (RBK)
Auerbachstraße 110
70376 Stuttgart
PD Dr. med. Werner Kneist
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Klinikum
Langenbeckstraße 1
55101 Mainz
Dipl.-Ing. (FH) Rudi Mattmüller
Inomed Medizintechnik GmbH
Tullastraße 5a
79331 Teningen
Dr.-Ing. P. Osypka
Dr. Osypka GmbH
Earl-H.-Wood-Straße 1
79618 Rheinfelden
Dr. Ernst Feurer
Reinhardt Microtech GmbH (RMT)
Wörthstraße 85
89077 Ulm