Blaseninfektionen ohne Antibiotika behandeln

Implantat aus Silberionen verhindert bakterielle Entzündungen
Wissenschaftler der TemplaTech GmbH in Darmstadt wollen in Zusammenarbeit mit drei Partnerinstituten ein temporäres Implantat entwickeln. Dieses sogenannte Templantat ermöglicht es, Infektionen der Blase und angrenzender Organe ohne Antibiotika zu behandeln oder sogar zu verhindern. Das Templantat gibt im Körper kontinuierlich Silberionen ab, die Keime abtöten. Das Projekt ist einer der Gewinner des Innovationswettbewerbs zur Förderung der Medizintechnik 2006 und soll vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit bis zu 1,5 Millionen Euro für die Durchführung eines Transferprojekts gefördert werden.


Frauen, Kinder, ältere Menschen, Diabetiker und Personen mit einem Blasenkatheter leiden häufig unter Infektionen der Harnblase. Hervorgerufen werden die meisten Blasenentzündungen durch Darmbakterien. Einige dieser Bakterien sind in der Lage, einen sogenannten Biofilm auf den Geweben des Körpers und auf künstlichen Oberflächen, wie beispielsweise Kathetern, zu bilden. Dieser Biofilm verhindert, dass die körpereigenen Abwehrzellen die Bakterien angreifen und vernichten können. Auch Antibiotika können damit nicht richtig wirken. Blasenentzündungen können daher leicht chronisch werden. Zusätzlich besteht das Risiko, dass sich die Bakterien über die Harnleiter bis zu den Nieren ausbreiten und diese ebenfalls infizieren.

"Eine aufsteigende Harnwegsinfektion ließe sich schon im Vorfeld verhindern, wenn Keime, die über die Harnröhre in den Blasenraum gelangt sind, bereits in der Blase effizient bekämpft werden könnten", erklärt Dr. Mark Freyberg, Geschäftsführer der TemplaTech GmbH, den Ansatz der neuen Therapie. Dabei sollen Silberionen anstelle von Antibiotika eingesetzt werden. Wie schon länger bekannt ist, hemmen Silberionen wichtige Prozesse innerhalb der Bakterienzellen. Damit können die Mikroorganismen sich nicht mehr vermehren und sterben ab. Der Vorteil gegenüber einer herkömmlichen Therapie mit Antibiotika ist, dass sich durch diese Behandlung keine Resistenzen ausbilden.

Um Silberionen gezielt in der Blase freizusetzen, entwickelten die Wissenschaftler das Modell eines temporären Implantats. Dieses Templantat ist zunächst röhrenförmig und kann aufgrund seiner geringen Größe leicht über die Harnröhre in die Blase eingeführt werden. Einmal in der Blase angekommen, entfaltet es sich dann zu seiner endgültigen Form und Größe.

Das Templantat besteht aus einem spezifischen Trägermaterial und sogenanntem Nanosilber: Silberpartikel in der Größe von einem millionstel Millimeter. Das Trägermaterial ist so aufgebaut, dass es sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums auflöst. Dies hat den Vorteil, dass das Implantat nicht wieder entfernt werden muss. Während sich das Templantat in der Blase befindet, gibt das Nanosilber kontinuierlich Silberionen ab. Dadurch bleibt ein bakterienfeindliches Milieu über längere Zeit in der Blase bestehen. Harnwegsinfektionen könnten so gar nicht erst entstehen und sogar chronische Entzündungen wären erstmals nachhaltig heilbar.


Abbildung des zusammengefalteten Templantats, das im Körper Silberionen abgibt und damit bakteriellen Infektionen vorbeugen kann.


Ansprechpartner:
Dr. Mark A. Freyberg
TemplaTech GmbH
Klappacher Straße 126
64285 Darmstadt
Tel.: 06151 9515817
Fax: 06151 9515824
E-Mail: templatech@email.de


Kooperationspartner:
Dr. Michael Doser
ITV Denkendorf
Körschtalstraße 26
73770 Denkendorf

Dr. Tobias A. Ölschläger
Universität Würzburg
Institut für Molekulare Infektionsbiologie
Röntgenring 11
97070 Würzburg

Prof. Dr. Arnulf Stenzl
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Klinik für Urologie
Hoppe-Seyler-Straße 3
72076 Tübingen