Plasmajets: Rundumschutz für die Zähne?

Atmosphärisches Plasma soll in Zukunft die Zahngesundheit erhalten helfen
Leipziger Wissenschaftler wollen klären, ob sich mit einem atmosphärischen Plasmajet Zahnsubstanz und orale Gewebe nachhaltig schützen oder behandeln lassen. Sie prüfen, ob heutige mechanische Zahnbehandlungsverfahren durch einen aktivierten Gasstrahl, den Plasmajet, ersetzt werden können. Dafür streben sie eine neue Technologie an, die auf "kaltes" Plasma setzt. Nicht nur in der Zahnheilkunde könnte dieses Verfahren erfolgreich sein - nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich. Das Projekt ist einer der Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2006 und soll vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit bis zu 300.000 Euro für die Durchführung eines Schlüsselexperiments gefördert werden.


Karies und Parodontitis stellen die Zahnmedizin noch immer vor Probleme. Wissenschaftler aus Leipzig möchten nun neue Wege in der Zahnheilkunde beschreiten: Mit der Plasmajettechnologie, die mit Atmosphärendruck arbeitet. Damit könnten Zahnschmelz, Dentin und Wurzelzement schonend und preiswert bearbeitet werden. Als Handwerkszeug dient dabei ein sogenannter Plasmajet, ein gerichteter Nichtgleichgewichts-Plasmastrahl. Aufgrund der geringen Temperatur des Plasmastrahls sprechen Experten von "kaltem" Plasma - im Gegensatz zu heißen Plasmen, die beispielsweise in Blitzen vorkommen. Der Plasmajet ist sehr flexibel, lokal wirksam und könnte sich in Anschaffung und Betrieb als preiswerte Alternative zu teuren Verfahren erweisen.

Entwickelt wurde der Plasmajet im Institut für Oberflächenmodifizierung (IOM) in Leipzig. Nach mehr als zehn Jahren auf dem wissenschaftlichen Prüfstand kann die Plasmajettechnologie nun auch industriell genutzt werden. Laut PD Dr. Axel Schindler vom IOM wurde inzwischen der Reifegrad zur Überführung in die industrielle Praxis erreicht. "Die neukonzipierte Miniaturversion mit gaussförmigem Strahlquerschnitt eignet sich besonders für potenzielle Anwendungen zur medizinischen Therapie", so Schindler. Dass sich die Plasmajettechnologie in der Zahnheilkunde erfolgreich für prophylaktische und therapeutische Maßnahmen nutzen lässt, soll nun in einem Schlüsselexperiment unter Beweis gestellt werden. Geprüft werden sollen in dem dreijährigen Forschungsvorhaben verschiedene therapeutische Ansätze zu Karies und Parodontitis. Darüber hinaus erhoffen sich die Forscher aus Leipzig  eine ganze Reihe von Einsatzmöglichkeiten des Plasmajets in der Prophylaxe und der Prävention von Zahnkrankheiten.

Ein aussichtsreicher Therapieansatz - der nicht nur für die Zahnheilkunde interessant ist, sondern sich auch in Chirurgie und Dermatologie bewähren könnte. 

Miniatur-Plasmajet (rechts) zur Bearbeitung von optischen Hochleistungslinsen (links). Im IOM Leipzig werden Plasma- und Ionenstrahl-Technologien zur ultrapräzisen Bearbeitung von Oberflächen entwickelt.


Ansprechpartner:
PD Dr. Axel Schindler
IOM Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung e. V.
Permoserstraße 15
04318 Leipzig
Tel.: 0341 235-2234
Fax: 0341 235-2595
E-Mail: axel.schindler@iom-leipzig.de


Kooperationspartner:
PD Dr. Stefan Rupf
Poliklinik für konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie
Universität Leipzig
Nürnberger Straße 57
04103 Leipzig