Telematik
Daten und Fakten
Die Telematik, der Einsatz moderner Telekommunikationstechnologien und der Informatik, eröffnet im Gesundheitswesen ebenso wie in der Gesundheitsforschung viele neue Möglichkeiten. Eine Studie, die 1997 im Auftrag des BMBF und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) erstellt wurde, kam zu dem Schluss: In Zukunft wird eine Steigerung der medizinischen Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger Kostenbegrenzung überhaupt nur durch den weitreichenden Einsatz telematischer Lösungen möglich sein. Durch die bundesweite Einführung der Gesundheitskarte ab 2007 wird die Telematik im Gesundheitswesen weiter an Bedeutung gewinnen.
Die Telematik ist ein wichtiges Mittel, um die Kooperation und Kommunikation lokaler und überregionaler Partner zu vereinfachen und zu verbessern. Dies gilt insbesondere für die Durchführung von zentrumsübergreifenden klinischen oder epidemiologischen Studien und für den Informationstransfer von Forschungsergebnissen in die Gesundheitsversorgung. Die Publikation von Patienteninformationen wird mit Hilfe des elektronischen Datenaustausches beschleunigt und der Zugang wesentlich erleichtert. Darüber hinaus bietet die Telematik eine ganze Reihe weiterer Einsatzmöglichkeiten: beispielsweise für die bildgebenden Verfahren in der Medizin oder die Simulation von Operationsverfahren per Computer.
Der Einsatz von Telematik in der Medizin hat sich in vielen Forschungs- und Modellprojekten bewährt. Praxis- und Krankenhausinformationssysteme sind weit verbreitet. Trotz der zu erzielenden Qualitäts- und Effizienzsteigerung in Forschung und Versorgung ist die praktische Umsetzung in der Breite noch nicht erfolgt - der überbetriebliche Nachrichtenaustausch wird noch immer weitgehend konventionell organisiert.
Dafür gibt es mehrere Gründe. So entwickeln sich die Informations- und Kommunikationstechnologien in einem rasanten Tempo. Die für die Anwendung notwendigen Anpassungen rechtlicher Regelungen vermögen jedoch mit dieser Entwicklung kaum Schritt zu halten. Die mangelnde Standardisierung in vielen Bereichen wirkt sich zudem nachteilig aus. Außerdem sind mit der Telematik kostenintensive Investitionen verbunden, die nur zögerlich vorgenommen werden. Aufgrund der hohen Innovationsgeschwindigkeit können keine endgültigen Lösungen angeboten werden.
Der Einsatz von Telematik in Gesundheitswesen und Gesundheitsforschung ist deshalb bisher oftmals lokal oder regional begrenzt. Für eine breite Anwendung müssen die in einzelnen Kliniken, Städten und Regionen entwickelten Lösungen ausgewertet und auf dieser Basis eine neue Konzeption sowie eine Übereinkunft aller Beteiligten entwickelt werden.
Was tut das BMBF? Die
Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze (TMF e.V.) Im Zusammenhang mit den Förderschwerpunkten für "Kompetenznetze in der Medizin" und "Koordinierungszentren für Klinische Studien" wurde die "Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze (TMF)" 1999 auf Initiative des BMBF ins Leben gerufen. Die TMF sollte eine Plattform für die Entwicklung, Koordination und Abstimmung von Lösungen bilden, die sich aus den informationstechnologischen Anforderungen im Rahmen großer Verbundvorhaben in der klinischen Forschung ergeben. Mit Unterstützung des BMBF haben die Mitglieder der TMF im Jahr 2003 den TMF e.V. mit Sitz in Berlin gegründet. Inzwischen sind über 40 Forschungsverbünde und Institutionen Mitglied in diesem Verein.
Eine funktionierende und qualitativ hochwertige Infrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung für Spitzenforschung. Hauptziel der TMF ist deshalb die Verbesserung der Organisation und Infrastruktur für die vernetzte medizinische Forschung, sowie die Etablierung nachhaltiger Kooperationsstrukturen. Wesentliche Aufgabe der TMF ist auch, eine Fach- und Standort-übergreifende Zusammenarbeit unter den Forschungsnetzen zu ermöglichen. Mediziner und Naturwissenschaftler sowie Informations- und Kommunikationsexperten arbeiten deshalb in Arbeitsgruppen zu den Themenfeldern IT-Infrastruktur und Qualitätsmanagement, Datenschutz, Biomaterialbanken, Management klinischer Studien sowie Molekulare Medizin zusammen.
Die TMF vertritt die Interessen der vernetzten medizinischen Forschung gegenüber anderen Institutionen. Gerade im Kontakt mit dem Gesetzgeber, den Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder sowie den Ethikkommissionen kann die TMF die Anforderungen der Forschung zentral kommunizieren und gemeinsam mit diesen Einrichtungen neue Wege für die Forschung bereiten. Daher legt die TMF großen Wert auf eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit.
Weitergehende Informationen zum TMF e.V. sind im Internet unter der URL
http://www.tmf-ev.de zu finden.
Weitere Telematikanwendungen in der Gesundheitsforschung
Neben der Strukturverbesserung wird auch der innovative Einsatz von Informationstechnik (IT) in der Medizin durch das Gesundheitsforschungsprogramm gefördert. Ein Aspekt ist beispielsweise die Anwendung von virtueller Realität (Virtual Reality, VR) und erweiterter Realität (Augmented Reality, AR) in der Medizin. Die virtuelle Realität steht für die Simulation von Realität per Computer. Erweiterte Realitäten ermöglichen es, zusätzliche Informationen in das reale Sichtfeld eines Betrachters einzublenden bzw. mit realen Bildern zu überlagern.
Solche Anwendungen sind nicht nur für die Ausbildung der Ärzte von großem Interesse, sondern auch für die Planung und Durchführung von Therapien, etwa in der Strahlentherapie oder für die Telekonsultation von Experten. Der Einsatz von VR und AR wird im Rahmen von Projekten der Chirurgie und der Radioonkologie gefördert.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung der Logistik und der Versorgung von Patienten durch Telematik. Im Rahmen der Verbundprojektförderung wurde das Kompetenzzentrum
TELTRA etabliert, das eine Verbesserung der Unfallversorgung aufgrund einer effizienteren Erstversorgung durch die Unterstützung von informationstechnologischen Systemen anstrebt. Es ermöglicht bestimmten Patienten bereits früher aus dem Krankenhaus entlassen zu werden, ohne auf die Betreuung durch den Klinikarzt verzichten zu müssen. Mit Hilfe der Telematik werden die relevanten Daten vom Patienten an den Arzt in der Klinik übermittelt und von ihm bewertet. Ein weiteres Kompetenzzentrum,
MOTIV, befasst sich u. a. mit der häuslichen Nachsorge bei der Wundheilung. Telematische Dienste sollen eine Kontrolle und Dokumentation der Vitalparameter sowie eine Notfallerkennung bei Kranken oder Rekonvaleszenten im eigenen Heim ermöglichen.