Medizintechnik

Daten und Fakten
Die Medizintechnik leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung schneller, präziser und schonender Diagnoseverfahren sowie neuer Therapieverfahren mit geringeren Nebenwirkungen. Sie ist aber nicht nur für das Gesundheitssystem, sondern auch für die industrielle Entwicklung von großer Bedeutung. Der Markt für medizintechnische Produkte und Systeme gehört weltweit mit einer Steigerungsrate von sieben Prozent jährlich zu den attraktivsten Wachstumsmärkten. In Deutschland sind 150.000 Menschen in der medizintechnischen Industrie, die weitgehend von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt ist, beschäftigt. Der Jahresumsatz betrug 13,5 Milliarden EURO. Ein hoher Anteil davon wird durch den Export erwirtschaftet, mit einem Anteil von rund 13 Prozent am Weltexport nimmt Deutschland den zweiten Platz hinter den USA ein. Die deutsche Medizintechnik-Industrie investiert etwa zehn Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung und ist damit Vorreiter innovativer Prozesse.

Was tut das BMBF? 
Heute werden medizintechnische Forschungen und Entwicklungen am anwendungs- und patientenorientierten Bedarf ausgerichtet und gefördert. Um die Nutzungsperspektiven für den Patienten besser zur Geltung zu bringen, werden im Gesundheitsforschungsprogramm die Medizintechnik-Aktivitäten eng mit den anderen BMBF-Programmen verbunden. Daher hat das BMBF die bisherigen Einzelmaßnahmen der verschiedenen Fachprogramme in ein Rahmenkonzept Medizintechnik eingebunden. Außerdem sollen die beteiligten Disziplinen stärker vernetzt werden. Auch riskante innovative Forschungsansätze erhalten die Chance, verwirklicht zu werden. Dabei wird darauf geachtet, dass die geförderten Vorhaben eine konkrete Perspektive haben, in marktfähige Produktentwicklungen zu münden. Mit all diesen Förderaktivitäten will das BMBF den Wachstumsmarkt Medizintechnik stärken und weiter ausbauen. Gesundheitsökonomische Überlegungen spielen in Zukunft bei allen medizinischen Neuentwicklungen eine große Rolle. Deshalb unterstützt das BMBF die Entwicklung von Methoden und Instrumenten zur Evaluation bzw. zur Bewertung medizinischer und medizintechnischer Verfahren.

Konkrete Beispiele

KMU-innovativ Medizintechnik
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Bereich Medizintechnik sind ein wichtiger Innovationsmotor und eine entscheidende Schnittstelle für den Transfer von Forschungsergebnissen aus der Wissenschaft in die Anwendung. Sie agieren dabei in einem äußerst dynamischen Umfeld, das sie vor erhebliche Herausforderungen stellt: Dazu zählen u. a. die wachsende Interdisziplinarität und Komplexität der FuE-Prozesse sowie die anspruchsvollen regulatorischen Anforderungen. Mit "KMU-innovativ Medizintechnik" verfolgt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Ziel, ganz spezifisch das Innovationspotenzial dieser Unternehmen im Bereich Spitzenforschung zu stärken. Mit der Dachmarke "KMU-innovativ" vereinfacht das BMBF die Beantragung und Bewilligung von Fördermitteln für KMU. Insbesondere für solche KMU, die zum ersten Mal einen Antrag auf Forschungsförderung stellen, soll die Forschungsförderung im Bereich Medizintechnik attraktiver gestaltet werden.

Innovationswettbewerb zur Förderung der Medizintechnik
Im Oktober 2010 hat das BMBF zum zwölften Mal die Preise für innovative Medizintechnik verliehen. 137 Bewerberinnen und Bewerber stellten sich der internationalen Experten-Jury, 15 Sieger erhielten die begehrte Urkunde. Die Gewinnerprojekte, die insgesamt mit rund 9,1 Millionen € gefördert werden sollen, umfassen ein großes Spektrum: Zu den Preisträgern zählt ein Wissenschaftlerteam aus Lübeck, das einen neuen Test entwickeln will, der gefährliche Pilzinfektionen schneller und genauer erkennen kann. Schimmel- und Hefepilzinfektionen können besonders für Patienten, deren Immunabwehr durch Krankheit oder Medikamente geschwächt ist, lebensbedrohlich sein.
Ein anderer Forscherverbund aus Ulm hat die Jury mit der Entwicklung eines Lasers überzeugt, der dritte Zähne unbeschädigt entfernen soll. Mit dieser Technik ließe sich festsitzender Zahnersatz wie Kronen und Brücken entfernen und nach der Behandlung der darunter liegenden Zahnsubstanz auch wieder einsetzen. Die Kostenersparnis alleine in Deutschland könnte hunderte Millionen Euro betragen.
Alle Gewinner zeichnen sich durch ein hohes zukünftiges Nutzungspotenzial und durch die enge Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft aus.

Schonendes Operieren mit innovativer Technik (SOMIT) 
Im November 2003 wurden die Förderrichtlinien für SOMIT bekannt gegeben. Im Rahmen dieser Leitvision sollen zukunftsorientierte Gesamtkonzepte für die Planung und Durchführung von Operationen in bestimmten Krankheitsgebieten entwickelt und realisiert werden, die den zukünftigen Anforderungen des Gesundheitssystems, insbesondere unter Einbeziehung der demografischen Entwicklung, gerecht werden. In einem zweistufigen Auswahlverfahren wurden drei Verbundprojekte ausgewählt, die 2005 in die Förderung gingen. Das Fördervolumen wird voraussichtlich ca. 7 Millionen EURO pro Jahr betragen.

Molekulare Bildgebung in der Medizin (MoBiMed)
Nach der Bekanntmachung vom März 2007 fördert das BMBF neun Verbünde auf dem Gebiet der anwendungsorientierten Forschung in der Molekularen Bildgebung. Unter dem Begriff "Molekulare Bildgebung" werden dabei all jene Verfahren verstanden, die Methoden der Molekular- und Zellbiologie mit Technologien der morphologischen, nicht-invasiven Bildgebung kombinieren, um über Lage, Größe und Struktur hinausgehende Informationen über spezifische funktionelle Abläufe auf molekularer und zellulärer Ebene im lebenden Organismus zu erhalten und sichtbar zu machen. Ziel ist eine frühere Diagnose sowie eine verbesserte Klassifizierung und Prognose von Krankheiten auf nicht-invasivem Wege. Ferner entwickelt sich die Molekulare Bildgebung zu einem wichtigen Werkzeug zur Untersuchung grundlegender Mechanismen der Krankheitsentstehung und zur Entwicklung neuer Therapien. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen aus dem naturwissenschaftlichen, ingenieurwissenschaftlichen und medizinischen Bereich sowie von akademischer und industrieller Forschung erforderlich. Die Verbünde beschäftigen sich u. a. mit Fragen zur Methoden- und Geräteanpassung, Entwicklung und Anwendung molekularer Sonden sowie präklinischer und klinischer Validierung einer konkreten Anwendung. Bis 2011 ist für diese Arbeiten ein Fördervolumen von knapp 20 Millionen EURO vorgesehen.

Innovative Hilfen in der Rehabilitation und für Behinderte
Durch innovative technische Hilfen können verlorene Funktionen und Fähigkeiten der Betroffenen wieder hergestellt oder - soweit eine Wiederherstellung nicht mehr möglich ist - unterstützt bzw. ersetzt werden. Angesichts der zunehmend älteren Bevölkerung besteht ein wachsender Bedarf an innovativer Rehabilitations- und Behindertentechnologie, um den Betroffenen ein selbständiges Leben in Aktivität und mit Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Auf diesen Bedarf reagiert das BMBF mit der Fördermaßnahme.
Ein weiteres Ziel besteht darin, die in Deutschland vorhandenen Kompetenzen aus akademischer und industrieller Forschung in interdisziplinären Verbünden zu integrieren. Der Aufbau geeigneter Kooperationen wird entscheidend dazu beitragen, die Attraktivität des Forschungsstandorts Deutschland und die technologische Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen zu stärken. In den geförderten Vorhaben ist die Beteiligung von Partnern aus der technischen Entwicklung und der medizinischen Anwendung verpflichtend, die Einbindung forschungsaktiver Industrieunternehmen ist erwünscht. Wo möglich, sollten Patienten- und Behindertenorganisationen einbezogen werden.

Innovative Einzelansätze in der Medizintechnik 
Darüber hinaus werden auch innovative Einzelansätze in der Medizintechnik unterstützt wie z. B. die Forschung zu Retina-Implantaten. Hier wird eine elektronische Netzhautprothese für Patienten mit einer Retinitis-pigmentosa-Erkrankung entwickelt, die die Funktion der degenerierten Netzhaut ersetzen und den Patienten wieder ein begrenztes Sehvermögen geben soll. Derzeit wird ein Vorhaben gefördert, in dem zwei Universitäten sowie mehrere Unternehmen und außeruniversitäre Einrichtungen einbezogen sind.

Ein weiterer Forschungsverbund, das Virtuelle Institut für Computerunterstützung in der klinischen Radiologie, beschäftigt sich mit der Entwicklung von Software-Assistenten für die computerbasierte Diagnoseunterstützung und deren Überführung in die praktische Anwendung. Dieser Verbund setzt sich aus dem Forschungsinstitut MeVis, sieben Universitätskliniken, dem Deutschen Krebsforschungszentrum und den Firmen Siemens AG und Celon AG zusammen.

Beiträge aus der Forschung:
Neue Messmethode macht Brillen schärfer
Hightech für den Operationssaal: Intelligenter OP-Tisch denkt mit
Herz-Kapsel verbessert Therapie der Herzinsuffizienz
Eye-Tracking - Sehtraining am heimischen PC
HIMOX - Hilfe für die Lunge
Eine Leber optimal teilen

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