Kompetenznetze in der Medizin

Daten und Fakten
Deutschland hat eine hohe Kompetenz in der medizinischen Forschung. Diese ist jedoch verstreut und wenig sichtbar. Der Informations- und Wissenstransfer aus der Grundlagenforschung und klinischen Forschung in die Breitenversorgung vollzieht sich häufig nur langsam. Es dauert im Schnitt rund zehn Jahre, ehe Ergebnisse der Forschung tatsächlich beim Patienten am Krankenbett ankommen. Aber auch in der umgekehrten Richtung läuft der Informationstransfer unzureichend. So werden drängende Fragen aus dem medizinischen Alltag nicht ausreichend als Forschungsthemen aufgegriffen.


Durch die seit 1999 gegründeten Kompetenznetze in der Medizin sind Strukturen entstanden, die wesentlich dazu beitragen, überregional den Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis zu befördern. Sie ermöglichen herausragende Ergebnisse sowie eine wettbewerbsfähige Positionierung im internationalen Umfeld . Mit der horizontalen Vernetzung wurde die interdisziplinäre Kooperation zwischen Klinik und Grundlagenforschung ermöglicht, mit der vertikalen Vernetzung die Integration aller Ebenen der Forschung und Patientenversorgung zur Beschleunigung des Wissenstransfers von der Forschung in die Praxis und umgekehrt.

Die durch die Kompetenznetze in der Medizin geschaffenen Strukturen gilt es mit den neuen „Krankheitsbezogenen Kompetenznetzen“ zu nutzen, weiterzuentwickeln und vor allem zu flexibilisieren. Die wesentlichen Neuerungen der „Krankheitsbezogenen Kompetenznetze“ gegenüber den bisherigen „Kompetenznetzen in der Medizin“ sind:

- Krankheitsbezogene Kompetenznetze entstehen durch den Zusammenschluss von überschaubaren Konsortien von Forschern (= Verbünde) und können dadurch organisch wachsen. Die Bildung eines Netzes erfolgt erst im Verlauf der ersten Förderperiode.
- Durch die Möglichkeit der Integration neuer Partner wird zu Beginn jeder der dreijährigen Förderphasen sowie durch einen möglichen Aufwuchs der Fördermittel sichergestellt, dass sich die Netzwerke in ihrer wissenschaftlichen Aktualität und thematischen Verbreiterung über die gesamte Förderperiode organisch fortentwickeln können.
- Durch eine Förderung von bis zu vier Perioden von jeweils drei Jahren werden die Ergebnisse der Förderung nachhaltig aufgebaut und gesichert.

Was tut das BMBF?
Gefördert wurden und werden 17 Kompetenznetze mit Fördermitteln von rund 225 Mio. € (1999-2007). Je Netz waren bzw. sind zwischen 20 und über 100 Standorte bzw. Einrichtungen beteiligt. In allen Netzen gemeinsam gab und gibt es 250 Forschungsprojekte und 500 Personalstellen aus Fördermitteln.
Für die neuen Krankheitsbezogenen Kompetenznetze“  stehen in den nächsten 12 Jahren rund 250 Mio. € zur Verfügung. Die erste Förderbekanntmachung für ein Krankheitsorientiertes Kompetenznetz datiert aus 2006, sie gilt dem Krankheitsbild „Demenzen“. 2007 erfolgten Bekanntmachungen zu den Krankheitsbildern Adipositas und Diabetes mellitus. Weitere Förderbekanntmachungen folgen.

Derzeit werden 17 Kompetenznetze in der Medizin gefördert:

Neurologische und psychiatrische Erkrankungen:
Depression, Suizidalität
Schizophrenie
Parkinson-Syndrom
Schlaganfall
Demenzen

Krebs:
Akute und chronische Leukämien
Maligne Lymphome
Pädiatrische Onkologie und Hämatologie

Infektiöse und entzündliche Erkrankungen:
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Rheuma
Ambulant erworbene Pneumonie (CAPNetz)
Hepatitis (Hep-Net)
HIV/AIDS
Sepsis

Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
Angeborene Herzfehler
Herzinsuffizienz
Vorhofflimmern

Weitere Informationen zu einzelnen Kompetenznetzen, ihren Zielen, Standorten und Ansprechpartnern unter http://www.kompetenznetze-medizin.de/

Beiträge aus der Forschung:
Studie aus Jena kippt internationale Sepsis-Leitlinien
Krebszellen in den Selbstmord treiben – Kompetenznetz Pädiatrische Onkologie
Impfen gegen Krebs - bei malignen Lymphomen bald Wirklichkeit?
Abgeschnitten von der Umwelt: Wenn ein Schlaganfall Lesen, Schreiben und Sprechen behindert
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa - den Ursachen auf der Spur
Kompetenznetz gelingt wichtiger Schritt in der Akutbehandlung des Schlaganfalls

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