Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der modernen Lebenswissenschaften und der Biotechnologie

1997 begann das BMBF, Forschung im Bereich der ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte (ELSA) der molekularen Medizin zu unterstützen, zunächst als Begleitmaßnahme zu Aktivitäten im Bereich der Humangenomforschung. Aus dieser Begleitforschung entwickelte sich ein eigenständiger Förderschwerpunkt mit mehreren Förderprogrammen. Derzeit fließen jährlich 3,8 Mio. Euro in die Förderung eines breiten Spektrums interdisziplinärer Projekte im Bereich der ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte der modernen Lebenswissenschaften und der Biotechnologie ("Bioethik").

 

 

 

Förderschwerpunkt: "Ethische, Rechtliche und Soziale Aspekte der Modernen Lebenswissenschaften und der Biotechnologie"

 

Programm

Beschreibung

 

 

A1:
Förderung von Forschungsprojekten

Finanzierung 3-jähriger, interdisziplinärer Forschungsprojekte mit Schwerpunkt auf Forschungsverbünden

A2:
Förderung von internationalen Forschungsprojekten

Finanzierung 3-jähriger, interdisziplinärer Forschungsprojekte mit internationalen Verbundpartnern

B1:
Nachwuchsförderung: Nachwuchsgruppen

Aufbau und Unterhaltung strukturbildender Kapazitäten an geeigneten Forschungseinrichtungen. Schaffung von Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für interdisziplinär orientierte Nachwuchswissenschaftler. 5 Jahre Förderung der Nachwuchsgruppen durch das BMBF (Bedingung: Übernahmegarantie für die Gruppe durch die beherbergende Forschungseinrichtung für mindestens 3 weitere Jahre).

B2:
Nachwuchsförderung: Klausurwochen

Förderung der interdisziplinären Kommunikationsfähigkeiten junger Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen; Netzwerkbildung. Finanzierung 1-2-wöchiger Klausurwochen, auf denen festgelegte Themenkomplexe interdisziplinär bearbeitet und diskutiert werden.

C:
Diskursprojekte

Unterstützung des öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses durch Finanzierung von Diskursprojekten und Symposien.

Jährliche Bekanntmachungen mit unterschiedlichen Zielgruppen und Foci.

D:
Nationale Ressourcen und Infrastruktur

Aufbau zentraler, nationaler Informationszentren für die interdisziplinäre Forschung. 

 

Derzeit im Rahmen des Förderschwerpunktes "Ethische, rechtliche und soziale Aspekte (ELSA) der modernen Lebenswissenschaften und der Biotechnologie" geförderte Projekte:

(Sortierung innerhalb der Programme nach Förderkennzeichen)

Programm A1: Förderung von Forschungsprojekten

Forschungskooperation ELSA: Grenzen einer präferenz-orientierten Medizin: Analyse am Beispiel Anti-Aging Medizin

Das interdisziplinär ausgerichtete Verbundprojekt "Grenzen einer präferenz-orientierten Medizin: Analyse am Beispiel Anti-Aging Medizin" befasst sich, von der Analyse ethischer Grenzen ausgehend, mit grundlegenden Fragen nach der Bedeutung des Alterns für den Menschen im medizinischen Kontext.

Teilbereich "Verteilung knapper Ressourcen"

Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Medizinische Fakultät
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin

Schleichstr. 8
72076 Tübingen

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

PD Dr. Georg Marckmann
07071 29-78032
01GP0622
94.322 EUR
01.07.2006 - 30.06.2010

Das Tübinger Teilvorhaben "Allokation - Verteilung knapper Ressourcen" untersucht am Beispiel der Anti-Aging-Medizin die gerechtigkeitsethischen, ökonomischen und gesundheitssystemischen Fragen einer präferenzorientierten Medizin. Zunächst werden die gerechtigkeitsethischen Implikationen der Anti-Aging-Medizin sowie die ökonomischen Auswirkungen analysiert. Anschließend soll untersucht werden, welche Probleme sich durch die zunehmende Verfügbarkeit von Anti-Aging-Maßnahmen für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland ergeben. Hierzu ist auch eine Analyse der derzeitigen Allokationspraxis in der GKV erforderlich. Die zunächst allgemein ausgerichteten Überlegungen werden dann für zwei Anwendungsbereiche (kosmetische Interventionen und Behandlung leichter kognitiver Einschränkungen) konkretisiert. Abschließend wird ein ethisch begründetes Modell für die Allokation von präferenzorientierter Medizin allgemein und speziell für Anti-Aging-Maßnahmen entwickelt. Damit stellt das Vorhaben praktische Lösungsansätze für die GKV zur Verfügung.

Die Ergebnisse stellen Input für die anderen Teilvorhaben dar. Die Ergebnisse des Gesamtvorhabens können von Leistungserbringern zur Ausdifferenzierung ihres Leistungsangebotes herangezogen werden.

Forschungskooperation ELSA: Genetische Risiken - Kommunikation genetischer Risiken und der Umgang mit prädiktiven genetischen Untersuchungsmöglichkeiten in der ärztlichen Primärversorgung in Deutschland im Vergleich zu Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden

Teilvorhaben C

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Medizinische Fakultät - Institut für Humangenetik und Anthropologie
Breisacher Str. 33
79106 Freiburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Gerhard Wolff
0761 2707055
01GP0619
55.500 EUR
01.07.2006 - 31.12.2010

Für die Gesamtstudie ist die Frage zentral, ob genetische Information grundsätzlich eine Sonderstellung einnimmt und deswegen anders behandelt werden muss als nicht-genetische Information (sog. genetischer Exzeptionalismus). Im Teilvorhaben Freiburg wird eine systematische Übersicht über den gegenwärtigen Stand der internationalen Diskussion des genetischen Exzeptionalismus erstellt. Die Ergebnisse gehen vor allem in Teilprojekt A in die konzeptionelle Gestaltung und in die Auswertung des Fragebogens ein. Die Ergebnisse werden in internationalen Journals und auf Kongressen vorgestellt, ebenso innerhalb des europäischen "Networks of Excellence" EuroGentest.

Teilvorhaben B

Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jörg Schmidtke
0511 5326537
01GP0618
86.000 EUR
01.07.2006 - 31.12.2010

Das Teilvorhaben Hannover besteht in der systematischen vergleichenden Beschreibung der strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden prädiktive genetische Testverfahren angeboten werden. Eingeschlossen werden Richtlinien, Empfehlungen und gegebenenfalls auch gesetzliche Maßnahmen. Als methodisch-analytisches Gerüst sollen "Strengths" (z. B. vorhandene Ressourcen, Richtlinien zur Qualitätssicherung), "Weaknesses" (z. B. Wo bestehen Probleme?), "Opportunities" (z. B. Ausbau von Ressourcen, Entwicklung von Fortbildungsmodellen, Gesetzgebung) und "Threats" (z. B. Unter- oder Überversorgung, Kosten, potentiell nachteilige Folgen für Patienten durch mangelhafte Ausbildung der Anbieter prädiktiver Testverfahren) untersucht werden (SWOT-Analyse). Die Ergebnisse werden in internationalen Journals und auf Kongressen vorgestellt, ebenso innerhalb des europäischen "Networks of Excellence" EuroGentest.

Teilvorhaben A

Westfälische Wilhelms-Universität Münster Medizinische Fakultät
Institut für Humangenetik
Arbeitsstelle Frauengesundheitsforschung
Vesaliusweg 12-14
48149 Münster

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Irmgard Nippert
0251 83-58410
01GP0617
308.500 EUR
01.07.2006 - 31.12.2010

Das Teilvorhaben Münster besteht aus einer vergleichenden empirischen Untersuchung folgender Fragen: Wie wird in Deutschland in der ärztlichen Primärversorgung mit der Option prädiktiver genetischer Testmöglichkeiten umgegangen? Wird der Ermittlung von Wahrscheinlichkeitsaussagen für Erkrankungen mit Hilfe genetischer Untersuchungsverfahren ein anderer Stellenwert zuerkannt als Ermittlungen mit Hilfe nicht-genetischer Verfahren? Unterscheidet sich die beobachtbare Praxis in Deutschland von der in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden? Die Fragen sollen anhand von empirischen Daten bearbeitet werden, die mit einer repräsentativen Befragung von Fachärztinnen und Fachärzten für Allgemeinmedizin sowie Fachärztinnen und Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in den vier Staaten erhoben werden. Die Ergebnisse werden in internationalen Journals und auf Kongressen vorgestellt, ebenso innerhalb des europäischen "Networks of Excellence" EuroGentest.

Forschungskooperation ELSA: Allokation - Ethische, ökonomische und rechtliche Aspekte der Allokation kostspieliger biomedizinischer Innovation 

Das interdisziplinär ausgerichtete Verbundprojekt "Ethische, ökonomische und rechtliche Aspekte der Allokation kostspieliger biomedizinischer Innovation" befasst sich mit grundlegenden und anwendungsorientierten Fragen anhand welcher Kriterien aufwändige medizinische Leistungen in einem solidarisch ausgerichteten Versicherungssystem bei begrenzten finanziellen Möglichkeiten verteilt und angewendet werden können. Weitere Informationen sind auch unter http://www.uni-tuebingen.de/medizinethik/allokation/ einsehbar.

Teilvorhaben A

Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Medizinische Fakultät
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin

Schleichstr. 8
72076 Tübingen

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

PD Dr. Georg Marckmann
07071 29-78032
01GP0608
228.397 EUR
01.07.2006 - 31.10.2010

Teilvorhaben A analysiert theoretisch-argumentativ und sozialempirisch die ethischen Implikationen der Allokation kostpieliger biomedizinischer Innovationen in der interventionellen Kardiologie und Intensivmedizin. Zunächst wird die aktuelle Verteilungssituation in den Anwendungsbereichen theoretisch analysiert und empirisch durch die Befragung von Ärzten in einer Universitätsklinik, einer großen städtischen Klinik und einer Klinik in privater Trägerschaft untersucht. Anschließend werden die in Teilvorhaben B entwickelten kostensensiblen Versorgungsstandards für ausgewählte Verfahren in der interventionellen Kardiologie und der Intensivmedizin empirisch auf ihre Akzeptanz bei Ärzten und Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen geprüft. Die in den analytischen und empirischen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse zur impliziten und expliziten Leistungsbegrenzung werden zu bereichsspezifischen Lösungsansätzen für interventionelle Kardiologie und Intensivmedizin zusammengeführt. Daraus sollen mögliche Lösungsansätze für die Allokation kostspieliger biomedizinischer Innovationen unter Knappheitsbedingungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung allgemein abgeleitet werden.

Forschungskooperation ELSA - Interdisziplinäre Studie zu Faktoren der Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabruch nach PND

Teilvorhaben B

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Universitätsklinikum
Professur für Frauengesundheitsforschung

Von-Esmarch-Str. 54
48149 Münster

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Irmgard Nippert
0251 83-58410
01GP0602
187.020 EUR
01.10.2006 - 31.12.2010

Teilvorhaben A

Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Virchow-Klinikum
Institut für Humangenetik

Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Heidemarie Neitzel
030 450- 566411
01GP0601
106.760 EUR
01.10.2006 - 31.12.2010

Die Studie beabsichtigt zum ersten Mal in Deutschland eine systematische vergleichende zwölf-monatige follow-up Studie von Frauen durchzuführen, die nach auffälligen PND-Befunden ihre Schwangerschaft abbrechen oder aber fortsetzen. Folgende Fragen werden bearbeitet: 1. Welche sozialen Faktoren beeinflussen die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch nach PND? 2. Welche Norm- und Wertvorstellungen sind entscheidungsrelevant oder werden es im Rückblick? 3. Wie ist die psychosoziale Lebensqualität von Frauen, die nach auffälligem PND-Befund ihre Schwangerschaft abbrechen im Vergleich zu Frauen, die bei gleichem Befund die Schwangerschaft fortsetzen? Die Studie wird an drei Standorten in Deutschland (Münster, Frankfurt und Berlin) durchgeführt. In die beantragte Studie sollen Frauen aufgenommen werden, die eine PND erhalten (Rekrutierungszeitraum: 18 Monate). Die Daten werden dezentral erhoben und in EDV-gestützte Dateien übertragen.


Programm A2: Förderung von internationalen Forschungsprojekten

Neuroethik-Initiative: Förderung internationaler Verbundvorhaben von Wissenschaftlern aus Deutschland, Finnland und Kanada zu ELSA der Neurowissenschaften

Im Folgenden werden die deutschen Teilprojekte dieser trinationalen Initiative dargestellt:

Verbundprojekt: Cognitive Enhancement - Normalität, Normalisierung und Enhancement in den Neurowissenschaften: Ethische, soziokulturelle und neuropsychiatrische Aspekte von Cognitive Enhancement

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Interdisziplinäres Forschungszentrum für Neurowissenschaften

Duesbergweg 6
55128 Mainz

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Thomas Metzinger
06131 39-23279
01GP0807
514.950 EUR
01.07.2008 - 30.06.2011

Das Projekt bündelt Forschungsanstrengungen in Philosophie, Psychiatrie, Neurowissenschaften und Medizinethik zu dem Thema "Cognitive Enhancement" (CE). CE ist der Versuch, bestimmte Aspekte unserer kognitiven Leistungsfähigkeit wie Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Wachheit durch neue Medikamente zu verbessern und möglicherweise auch bei gesunden Personen dauerhaft zu optimieren. Das wirft die Frage auf, welcher Grad von Intelligenz und kognitiver Leistungsfähigkeit als "normal" anzusehen sei; und zwar nicht nur in einem objektiven, statistischen Sinn, sondern auch in einem normativen, unsere Wertvorstellungen widerspiegelnden Sinn. Dabei geht es zunächst um die begriffliche Abgrenzung, (etwa den  Unterschied zwischen Therapie und kosmetischer Psychopharmakologie), dann um konkrete ethische Fragestellungen, wie die militärische Anwendung des CE, Probleme der Verteilungsgerechtigkeit oder allgemeine gesellschaftliche Konsequenzen. Die Ergebnisse werden der interessierten Öffentlichkeit, politischen Entscheidungsträgern über das Neuroethik-Webportal zugänglich sein.

Verbundprojekt: Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der Tiefen Hirnstimulation - Gesundheit, Lebensqualität und personale Identität

Universität zu Köln - Medizinische Fakultät
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin

Joseph-Stelzmann-Str. 20/Gebäude 42
50931 Köln

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

PD Dr. Christiane Woopen
0221-478-5266
01GP0806
766.535 EUR
01.09.2008 - 31.08.2011

Untersucht werden ethische, rechtliche und soziale Aspekte der Tiefen Hirnstimulation bei verschiedenen Patientengruppen aus der Neurologie und der Psychiatrie insbesondere im Hinblick auf die Konzepte von Gesundheit, Lebensqualität und personaler Identität. Die Untersuchung erfolgt in drei Teilprojekten: Im Rahmen des sozialen Teilprojekts werden die relevanten Aspekte in Form von Interviews und Fragebögen in der Neurologie und in der Psychiatrie empirisch untersucht. Neben den Patienten werden auch ihre Angehörigen berücksichtigt. Im ethischen Teilprojekt werden die Konzepte von Gesundheit, Lebensqualtät und personaler Identität im Zusammenhang mit den Ergebnissen der empirischen Erhebung auf der Grundlage der internationalen Literatur untersucht und diskutiert. Das rechtliche Teilprojekt widmet sich rechtsvergleichend mit Kanada der Untersuchung und Diskussion der juristischen Aspekte.

Verbundprojekt: Ethische und rechtliche Aspekte von Normen im Bereich 'Neuroimaging'

Institut für Wissenschaft und Ethik e.V.
Bonner Talweg 57
53113 Bonn

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Dr. Tade Matthias Spranger
0228 3364-1953
01GP0805
123.552 EUR
01.09.2008 - 31.08.2011

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Sigmund-Freud-Str. 25
53127 Bonn

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Dr. Henrik Walter
0228 287-19123
01GP0804
218.252 EUR
01.09.2008 - 31.08.2011

Das Vorhaben an der Uniklinik untersucht mögliche Auswirkungen, welche die neuen Befunde der bildgebenden Hirnforschung auf das Menschenbild haben können. Insbesondere sollen hier Theorien menschlichen Handelns im Vordergrund stehen, die auf das menschliche Reflektionsvermögen rekurrieren. Das Projekt findet in enger Kooperation mit den deutschen, finnischen und kanadischen Kooperationspartnern statt. Das Teilprojekt des Instituts für Wissenschaft und Ethik untersucht die durch die jeweiligen Rechtskulturen geprägten nationalen Herangehensweisen und Regulierungsansätze. Auf dieser Basis erfolgt ein Abgleich mit zentralen Dokumenten des Völkerrechts: einschlägigen UNESCO-Erklärungen, dem Biomedizin-Übereinkommen des Europarates sowie europa- und welthandelsrechtlichen Instrumentarien. Diese normative Gesamtschau bildet den Ausgangspunkt für die Erarbeitung eines einheitlichen Regelwerkes, das die internationale und interdisziplinäre Dimension der Thematik berücksichtigt.

Verbundprojekt: "Other Minds"

Selbsbewusstsein, Fremdverstehen und die Rolle von Emotionen aus der Sicht von Philosophie und Neurowissenschaft

Ruhr-Universität Bochum
Institut für Philosophie

Universitätsstr. 150
44801 Bochum

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Albert Newen
0234 32-22139
01GP0803
395.121 EUR
01.09.2008 - 31.08.2011

Neurophilosophie und Neuroethik der Intersubjektivität

Universität zu Köln - Universitätsklinikum
Klinik und Poliklinik für Psychatrie und Psychotherapie

Kerpener Str. 62
50937 Köln

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley
0221 478-87155
01GP0802
227.225 EUR
01.09.2008 - 31.08.2011

Ziel des Gesamtprojektes ist eine systematische und interdisziplinäre (philosophische, neurowissenschaftliche und psychopathologische) Untersuchung zur Intersubjektivität unter Beachtung psychologischer und neurowissenschaftlicher Zugänge ("mindreading" und "brainreading"). In Köln sollen die neuralen Grundlagen der sozialen Kognition und ihr Wert für das Verständnis psychopathologischer Zustände untersucht werden. Im Rahmen des Arbeitsplans werden Literaturstudium, empirische Untersuchungen (funktionelle Bildgebung) sowie philosophische Reflexion miteinander verbunden. In Bochum wird ein theoretischer Rahmen für das Problemfeld des Verstehens mentaler Zustände anderer Personen (insbesondere Emotionen) unter Verwendung theoretischer wie auch empirischer Forschung über emotionales "Gedankenlesen" und seine Pathologie entwickelt. Hinzu kommt die Entwicklung einer repräsentationalen Theorie von Selbstbewusstsein einerseits und von sozialer Interaktion andererseits auf der Basis einer bereichsspezifischen Identitätstheorie, die die Relation zwischen Geist und Gehirn adäquat zu beschreiben erlaubt.

Verbundprojekt: "Neuroethik chronischer Bewusstseinsstörungen"

Neurowissenschaftliches Krankheitsverständnis, Lebensqualität der Patienten und Entscheidungen über lebenserhaltende Therapiemaßnahmen

Klinikum der Universität München
Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin

Marchioninistr. 15
81377 München

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Ralf Jürgen Jox
089 7095-7945
01GP0801
261.403 EUR
01.09.2008 - 31.08.2011

Das Vorhaben verfolgt das Ziel, die ethischen, rechtlichen und sozialen Herausforderungen bei chronischen Bewusstseinsstörungen ("Wachkoma" und ähnliche Zustände) zu identifizieren und praktikable Lösungswege aufzuzeigen. Zunächst werden die aktuellen neurowissenschaftlichen Erkenntnisse mittels einer systematischen Literaturrecherche resümiert. Danach wird in einer komparativen Analyse rechtlicher und berufsrechtlicher Dokumente aus Deutschland, England und Kanada sowie in einer Interviewstudie unter pflegenden Angehörigen, Ärzten und Pflegekräften der Zusammenhang zwischen Krankheitsverständnis, Annahmen über mentale Prozesse und ethisch-moralische Einstellungen untersucht. Zuletzt wird auf der Basis der empirisch gewonnenen Erkenntnisse eine normative Analyse der Entscheidungsprobleme bei chronischen Bewusstseinsstörungen unternommen. Konkrete Entscheidungshilfen in der Form ethisch-rechtlicher Leitlinien, Handlungsalgorithmen und didaktischer Instrumente sollen den Umgang mit komplexen Entscheidungen erleichtern.

ELSA-GEN-Initiative: Förderung internationaler Verbundvorhaben von Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und Finnland zu ELSA der Genomforschung

Im Folgenden werden die deutschen Teilprojekte dieser trinationalen Initiative dargestellt:

Verbund: PRIVATE Gen: Vergleichende und interdisziplinäre Erforschung von Regimen zum Schutz von Privatsphäre in Biobanken, sowie deren Variationen, Anpassungen und Transformationen im (Post-) Genomischen Zeitalter

Koordination des trinationalen Projekts (TP 1), Ethische Aspekte (TP 2)

Philipps-Universität Marburg
FB 05 Evangelische Theologie

Lahntor 3
35037 Marburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Peter Dabrock
06421 28-22447
01GP0905A
461.937 EUR
01.02.2010 - 31.01.2013

In Biobankenprojekten werden große Mengen an sensiblen Daten gesammelt und gespeichert, um für die Verwendungen in gesundheitsrelevanten Forschungsprojekten abrufbar zu sein. Das PRIVATE Gen Konsortium untersucht Regime, die Abgrenzung sowie Schutz von Privatsphären organisieren. Solche ,privacy regimes' - bestehend aus gesetzlichen Regelungen, ,soft law' und (informations-) technische Instrumenten - werden an drei ausgewählten Biobankeninfrastrukturen in Deutschland, Österreich und Finnland vergleichend analysiert. Die Fallstudien spielen eine zentrale Rolle in der transnationalen Vernetzung von Biobanken-Projekten im Rahmen des pan-europäischen ,Biobanking and Biomolecular Resources Research Infrastructure Projects' (BBMRI). Die Forschung bietet damit einen hervorragenden Ausgangspunkt, für Reflexionen über spezifische Dynamiken und notwendige Adaptionen von ,privacy regimes' auf transnationaler Ebene. In einem ersten Schritt werden die drei ausgewählten Fallstudien aus den Perspektiven der vier Subprojekte (Ethik, Recht, Soziologie und Politikwissenschaft) in enger Abstimmung zwischen den Projektpartnern beforscht. Die zweite Projektphase ist geprägt von extensiver Feldforschung der Subprojekte. Vergleichende Fokusgruppen werden an mehreren Biobankenstandorten durchgeführt. Workshops und ein Progress-Meeting sorgen für weitere Integration der Subprojekte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse der Subprojekte in einem ,Governance- Framework' synthetisiert.

Juristische Aspekte (TP 4)

Universität Mannheim
Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht,
Gesundheitsrecht und Bioethik

Schloß
68161 Mannheim

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jochen Taupitz
0621 181-1381
01GP0905B
90.549 EUR
01.02.2010 - 31.01.2013

Das Hauptziel des juristischen Subprojekts besteht darin, in enger Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern zu evaluieren, inwieweit die besonderen Rahmenbedingungen von (international verknüpften) Biobanken zu einem neuen Schutzbedürfnis und zu einem eventuell neuen Schutzkonzept der Privatssphäre führen. Dabei sollen (auch mit Hilfe der Fallstudien) die bisherigen vornehmlich auf dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung fußenden nationalen wie internationalen Schutzkonzepte der Privatheit kritisch untersucht werden. Ein Hauptaugenmerk des juristischen Teilprojekts soll dabei auf der Untersuchung liegen, inwieweit das legitime Forschungsinteresse der Betreiber von Biobanken, das Interesse der Bevölkerung an einem effizienten Gesundheitssystem und ein (möglicherweise bestehendes) "Recht des Einzelnen auf Gesundheit" das bisherige Verständnis des Privatssphärenschutz überlagern kann. In einer ersten Arbeitsphase wird zunächst rechtsvergleichend das unterschiedliche dogmatische Rechtsverständnis in Bezug auf (multi-)nationale Biobankprojekte herausgearbeitet. In einem zweiten Schritt werden die Ergebnisse der drei vorgesehenen Fallstudien mit den Forschungspartnern evaluiert und in das bisherige Forschungsergebnis integriert. Im Rahmen der vorgesehenen Meetings soll aus rechtlicher Sicht insbesondere auf die Schaffung eines möglichst global anwendbaren Rechtsrahmens für grenzüberschreitende Biobanken hingearbeitet werden, der auf der Abschlusskonferenz präsentiert wird.

Verbund THCL: Holistische Konzepte des Lebens: Erkenntnistheoretische und soziokulturelle Implikationen der Systembiologie

Universität Hamburg
Forschungsschwerpunkt Biotechnik, Gesellschaft und Umwelt
Forschungsgruppe Medizin/Neurowissenschaften

Lottestr. 55
22529 Hamburg

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Regine Kollek
040 7410-56309
01GP0904
600.205 EUR
01.05.2010 - 30.04.2013

Nach der erfolgreichen Entschlüsselung der Struktur des menschlichen Genoms sowie der Genome anderer Organismen hat sich in den vergangenen Jahren ein grundlegender Wandel im Forschungsgebiet der molekularen Biologie vollzogen: Die Entwicklung so genannter "Omicsansätze". Die Anwendung dieser Verfahren führte zu einer unüberschaubaren und schwer fassbaren Menge an Daten über Genome, Transcriptome und Proteome, die neue methodische und konzeptuelle Herausforderungen für neue Forschungsansätze darstellen, mit denen komplexe nonlineare Prozesse in Systemen erfasst, abgebildet und interpretiert werden können. Dieses neue Gebiet der Systembiologie stellt systemische Ansätze in den Vordergrund und zielt auf die Modellierung, das tiefere Verständnis und die Beeinflussung und Veränderung lebender Systeme ab. Ziel des Projektes ist es, die sich aus dieser Entwicklung ergebenden ethischen, rechtlichen und sozialen Problemlagen empirisch zu analysieren und mit Wissenschaftlern zu diskutieren. Das vorliegende Projekt analysiert aus Perspektive der Wissenschaftsforschung den Ansatz der Systembiologie im Hinblick auf seine epistemischen Vorannahmen, auf seine soziokulturellen Implikationen sowie seine innovativen Potenziale für Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland und Österreich. Dies geschieht durch Analysen der wissenschaftlichen Literatur, durch Fallstudien sowie durch Experteninterviews/Fokusgruppen mit Wissenschaftlern, Journalisten, Verwaltungsbeamten und Industrievertretern.

Verbund: Soziale, politische und ethische Implikationen der Nutzung von DNA-Tests in Einwanderungsverfahren (TP 1)

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
FB 03 Gesellschaftswissenschaften
Institut für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften

Robert-Mayer-Str.
60325 Frankfurt

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Thomas Lemke
069 798-22567
01GP0903
405.085 EUR
01.02.2010 - 31.01.2013

Gegenstand des Projekts ist die Praxis, bei Anträgen auf Familienzusammenführung im Rahmen von Einwanderungsverfahren genetische Abstammungstests zu verwenden. DNA-Analysen kommt in diesem institutionellen Kontext eine ambivalente Rolle zu. Sie erlauben einerseits den Nachweis der biologischen Verwandtschaft in "zweifelhaften" Fällen und ermöglichen auf diese Weise die Familienzusammenführung. Andererseits geht diese Praxis mit einer Vielzahl von Problemen einher, die von datenschutzrechtlichen Bedenken bis hin zur Abwertung sozialer Familienmodelle reichen. Das Projekt ist Teil eines Forschungsverbunds, der in drei europäischen Staaten - Österreich, Deutschland und Finnland - der Frage nachgeht, wie sich der Einsatz von DNA-Tests in Einwanderungsverfahren auf das gesellschaftliche Verständnis von Familie und Verwandtschaft auswirkt und welche ethischen, sozialen und rechtlichen Probleme diese Praxis in den jeweiligen Ländern aufwirft. Das Forschungsvorhaben untersucht in vergleichender Perspektive die historische Entstehung und die rechtlich-administrative Regulierung des Einsatzes genetischer Tests zur Bestimmung von Familienbeziehungen am Beispiel der deutschen Einwanderungspraxis. Auf der Grundlage der Analyse von Dokumenten und Interviews mit Vertretern von Ausländerbehörden, Rechtsanwälten, Menschenrechtsaktivisten und Familienmitgliedern sollen die vielfältigen Dimensionen und Folgen der Nutzung von genetischen Informationen für Einwanderungsverfahren dargestellt werden.

Verbund: Translationale Forschung in der Genom-basierten Medizin (TRi-Gen)

Definition und Konzept für "Translationale Forschung" (TP 1) und ELSA-Aspekte der "Translationalen Forschung" (TP 5)

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)
Breslauer Str. 48
76139 Karlsruhe

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Bernhard Bührlen
0721 6809-182
01GP0902A
295.977 EUR
01.02.2010 - 31.01.2013

Das Vorhaben ist ein Teil des tri-nationalen Verbundprojektes "Translational research in genomic medicine: Institutional and social aspects (TRi-Gen)". Das Konzept der translationalen Forschung (translational research, TR) hat in den vergangenen Jahren langsam an Aktualität gewonnen, und eine Anzahl von Programmen und Institutionen wurden unter diesem Etikett aufgebaut. Während die TR sich im umstrittenen Feld der Biomedizin im Zentrum der Aushandlungsprozesse zwischen Biologie und Medizin, Kommerz und öffentlicher Gesundheit entwickelt, wird es zwingend erforderlich zu verstehen, wie neue Formen von Innovationspolitik und Steuerung in diesem sich wandelnden Feld funktionieren. Dieses Projekt zielt darauf ab: 1) die Diskurse und Praxis der TR durch eine Übersicht zum "State of the art" und den Wurzeln des Konzepts und durch einen Überblick zu laufenden Aktivitäten in Österreich, Finnland und Deutschland zu definieren und nachzuzeichnen; 2) die Modalitäten der Generierung von Evidenz im Bereich der Gendiagnostik als translationale Praktiken zu verstehen; 3) die genetische Beratung als Fallstudie für die Einbeziehung von Patienten in translationale Aktivitäten zu analysieren; 4) neue Formen von Innovationspolitik und Steuerungsprozessen für TR zu untersuchen; 5) die Ergebnisse hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Relevanz zu diskutieren. Das Fraunhofer ISI koordiniert den trinationalen Verbund und leitet die Teilprojekte 1 und 5.

Erzeugung und Umsetzung von Evidenz für den klinischen Nutzen genomischer Interventionen (TP 2)

Medizinische Hochschule Hannover
Institut für Humangenetik

Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jörg Schmidtke
0511 5326537
01GP0902B
28.183 EUR
01.02.2010 - 31.01.2011

Das Teilprojekt befasst sich mit der Erzeugung und Umsetzung von Evidenz für den klinischen Nutzen genomischer Interventionen. In einer Fallstudie "Kardiogenetik" sollen genetisch (mit)bedingte Herz-Kreislauferkrankungen  auf den Stellenwert von Interventionen untersucht werden, die durch genetische Untersuchungen in Gang gesetzt werden. Die Studie basiert auf Vorarbeiten im Rahmen des EU Network of Excellence  EuroGentest, Literaturstudien und Experteninterviews. Der Arbeitsplan sieht vor, ein Rahmengerüst für die Erfassung von Kriterien für den Nutzwert genetischer Tests zu entwickeln, dieses durch eine Reihe von Experten innerhalb und außerhalb Deutschlands kommentieren zu lassen, sowie ausgewählte Experten zu persönlichen Interviews aufzusuchen. Das Projekt wird eine parallel vom UMIT Partner durchgeführte Fallstudie "Onkogenetik" in das Gesamtprojekt integrieren.


Programm B1: Nachwuchsförderung: Nachwuchsgruppen

Religion in bioethischen Diskursen

Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)
Evangelisch-Theologische Fakultät
Lehrstuhl für Systematische Theologie und Ethik

Schellingstr. 3
80799 München

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Friedemann Voigt
089 5895-605
01GP0592
565.358 EUR
01.09.2006 - 31.08.2011

Ziel der interdisziplinären Nachwuchsgruppe ist die grundlegende Erforschung der Wirkung religiösen Denkens auf die bioethischen Diskurse der Gegenwart. In mehreren Etappen untersucht die Gruppe entsprechende Quellen und bereitet sie für eine effiziente Auswertung auf. Anhand von ausgewählten Fallstudien sollen, vor allem durch Vergleiche über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg, die Einflüsse geistiger und institutioneller religiöser Faktoren auf Sprache, Stil und Argumentationen in Bioethik und Biopolitik sichtbar werden. Die Arbeit der Gruppe, die eng und interdisziplinär mit dem neuen Münchner Kompetenzzentrum Ethik an der LMU verzahnt wird, lässt sich in drei übergeordnete Ziele gliedern: Darstellung der institutionellen Wirklichkeit von Religion in der deutschen und internationalen Bioethik-Diskussion, Entwicklung eines Beitrags zur "Selbstaufklärung der Bioethik", Differenzierung des Religionsbegriffs im Kontext der Bioethik

Normierung in den Modernen Lebenswissenschaften

Institut für Wissenschaft und Ethik e.V.
Bonner Talweg 57
53113 Bonn

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Dr. Tade Matthias Spranger
0228 3364-1920
01GP0591
681.211 EUR
01.08.2006 - 31.07.2011

Die Nachwuchsgruppe "Normierung in den Modernen Lebenswissenschaften" hat zum Ziel, die normativen Perspektiven von Recht und Ethik, denen man in aktuellen Fragen der Modernen Lebenswissenschaften begegnet, in ihren jeweiligen Geltungsbereichen sowie in ihrem spezifischen Verweisungszusammenhang zu bestimmen, ihre Abhängigkeit von unterschiedlichen Rechtskulturen und divergierenden Moralüberzeugungen zu analysieren sowie ihre Funktionen hinsichtlich künftiger Regelungsprobleme in Medizin und Biotechnologie zu charakterisieren. Die thematische Arbeit umfasst inhaltliche, begriffliche und argumentative Grundaspekte rechtlicher und ethischer Normierung, ihren jeweiligen Bezug auf die medizinisch-naturwissenschaftliche Ebene sowie den Umgang mit Normenvielfalt und Wertepluralität. Die Nachwuchsgruppe ist am Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE) angesiedelt und in die Forschungsstruktur des IWE wie auch des Instituts für Öffentliches Recht der Universität Bonn eingebunden.

Gerechtigkeit in der modernen Medizin

Ruhr-Universität Bochum
Medizinische Fakultät
Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Abt. für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin

Markstr. 258 a
44799 Bochum

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Dr. Jochen Vollmann
0234 32-23394
01GP0590
737.412 EUR
01.04.2006 - 31.03.2011

Die Nachwuchsforschergruppe will kontextorientiert und methodenreflektiert anhand ausgewählter Modellsysteme Beiträge zur interdisziplinären Erforschung von Allokationsfragen in der modernen Medizin leisten. In einem ersten Teil werden Tragweite und Grenzen des moralischen Anspruchs auf öffentliche Gesundheitsversorgung am Beispiel der modernen Reproduktionsmedizin untersucht. Im zweiten Teil wird die Problematik von Kostenerwägungen bei Behandlungsentscheidungen anhand von je einem Untersuchungsmodell aus dem Bereich Diagnostik und Therapie moderner medizinischer Techniken erforscht. Die genannten Themen werden sowohl ethisch-konzeptionell als auch anhand einer empirischen Befragung von relevanten Gruppen (Patienten, Versicherte, Mediziner, Pfleger, MDK) untersucht. Aus dem Vorhaben resultieren Tagungen und Publikationen. Umsetzungen und Verwertungen der Vorhabenergebnisse sind möglich in Bezug auf den fachlichen Diskurs und öffentliche Meinungsbildung sowie Politikberatung im Hinblick auf Verteilungsentscheidungen im Gesundheitswesen.

Würde in der Gentechnologie

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Lehrstuhl für Angewandte Ethik
Zwätzengasse 12
7743
Jena

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Nikolaus Knoepffler
03641 945801
01GP0494
564.478 EUR
01.01.2005 - 31.12.2010

Die Gentechnologie stellt eine der innovativsten und zugleich umstrittensten Technologien dar. Ziel des Vorhabens ist es, den Begriff der Würde der Kreatur und damit verbunden Fragestellungen zum moralischen Status nicht-menschlicher Lebewesen zu klären, soweit dies für gentechnologische Anwendungen von Bedeutung ist. In der ersten Phase (2005-2007) wird zur Semantik von "Würde der Kreatur" geforscht, um vor diesem Hintergrund Fallunterscheidungen im Blick auf die Würdeattribution zu unterschiedlichen Lebewesen zu erarbeiten. Diese Fallunterscheidungen werden für gentechnologische Anwendungen im Bereich der Grünen und Grauen Gentechnik fruchtbar gemacht. In der zweiten Phase (2008-2009) werden die Fallunterscheidungen für Fragen der Gentechnik an Tieren erarbeitet. Die vorgesehene dritte Phase (2010-2112) soll die Brücke zurück zum Menschen und gentechnischen Anwendungen schlagen, die vor dem Hintergrund der Würde von nicht-menschlichen Lebewesen in neuer Weise zu diskutieren sind (z. B. gentechnische Optimierung von Menschen). Die Ergebnisse werden in Publikationen und auf Tagungen präsentiert. Sie sollen in die gesellschaftliche Diskussion und in laufende Gesetzgebungsvorhaben einfließen.

Molekulare Medizin und medizinische Hirnforschung - Zum ethischen Profil molekularer Ansätze in der Humanmedizin und ihrer Anwendung auf das menschliche Gehirn

Institut für Wissenschaft
und Ethik e.V.
Niebuhrstr. 51
53113 Bonn

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

PD Dr. Thomas Heinemann
0228 73-1921
01GP0492
750.904 EUR
01.07.2004 - 30.06.2010

Die Nachwuchsgruppe "Molekulare Medizin und medizinische Hirnforschung - Zum ethischen Profil molekularer Ansätze in der Humanmedizin und ihrer Anwendung auf das menschliche Gehirn" ist am Institut für Wissenschaft und Ethik e. V. in Bonn angesiedelt. Ihr Ziel ist es, das neue Paradigma der "molekularen Medizin" und seine Bedeutung insbesondere für die Hirnforschung auf seine ethischen Fragestellungen zu untersuchen. Dies geschieht in enger Kooperation mit der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Durch Analyse der Methoden und Gegenstandsfelder wird die Gesamtstruktur des gegenwärtig noch weitgehend unbestimmten Paradigmas der "Molekularen Medizin" ermittelt und der Zusammenhang der ethischen Fragestellungen mit den in der herkömmlichen Medizin relevanten medizinethischen Fragen vergleichend bewertet. Durch den Vergleich soll das ethische Profil der molekularen Medizin ermittelt werden. Im Rahmen des Aufbaus der Nachwuchsgruppe ist auch die Erarbeitung und Umsetzung curricularer Elemente für die Lehre im Rahmen des Studiengangs "Molekulare Biomedizin" an der Universität Bonn vorgesehen.

Psychosoziale, ethische und rechtliche Konsequenzen genetischer Befunde bei Adipositas

Philipps-Universität Marburg
AG Klinische Psychologie und Psychotherapie
Gutenbergstr. 18
35037
Marburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Winfried Rief
06421 2823641
01GP0491
628.935 EUR
01.01.2005 - 31.12.2010

Vorhabenziel: Aufbau einer Nachwuchsgruppe zur Erforschung ethischer, rechtlicher und psychosozialer Konsequenzen genetischer Befunde am Beispiel Adipositas; Untersuchung des Einflusses genetischer Befunde bei Adipositas auf soziale Stigmatisierung, subjektive Ursachenmodelle, Selbstkontrolle beim Essverhalten etc.; Zusammenstellung der rechtlichen Konsequenzen und ethischer Implikationen dieser Befunde. Arbeitsplanung: Zusammenstellung und Güteprüfung von Messinstrumenten für die interessierenden Merkmale (z.B. soziale Stigmatisierung, emotionale Reaktionen, Schuldgefühle); epidemiologische Erhebung von Einstellungen zur Adipositas; Experimentell-sozialpsychologische Untersuchung der Relevanz von genetischer Verursachung für die soziale Stigmatisierung; ethische und rechtliche Implikationen für Krankheitsdefinition; sozial- und versicherungsrechtliche Aspekte. Ergebnisverwertung: Durch die genetischen Befunde soll ggf. die soziale Stigmatisierung Adipöser reduziert werden. Hierzu werden Ansatzpunkte erarbeitet, ebenso Leitfäden zu ethischen und rechtlichen Implikationen genetischer Befunde bei Adipositas.


Programm B2: Nachwuchsförderung: Klausurwochen

Ästhetische Chirurgie - Medizinische, ethische, philosophische, kulturwissenschaftliche, rechtliche und soziale Aspekte

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Centrum für Bioethik

Von-Esmaarch-Str. 62
48149 Münster

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Beate Lüttenberg
0251 83-55287
01GP1091
43.826 EUR
01.05.2010 - 30.04.2011

Klausurwochen zielen darauf ab, über die interdisziplinäre Diskussion eines Themas aus dem Bereich der ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte der modernen Lebenswissenschaften die interdisziplinäre Kommunikations- und Arbeitsfähigkeit junger, an disziplinübergreifenden Herangehensweisen interessierter Wissenschaftler zu schulen. Hierdurch wird ein Beitrag zum Aufbau einer deutschen Szene für den o. g. Bereich geleistet. Konkret geht es in diesem Vorhaben um Folgendes: Durchführung einer  Klausurwoche "Ästhetische Chirurgie - Medizinische, ethische, philosophische, kulturwissenschaftliche, rechtliche und soziale Aspekte" mit insgesamt 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Dabei sollen insbesondere die folgenden Aspekte im Vordergrund stehen: Risiken und unerwünschte Wirkungen ästhetisch-chirurgischer Eingriffe; professionelle Ziele der Medizin; Ästhetisch-chirurgische Eingriffe als Enhancement; Medikalisierungs- und Komplizen-Argument; Ästhetische Chirurgie als Mittel der Selbstverwirklichung bzw. als Lifestyle-Medizin; Natürlichkeitsargumente und normativer Status der menschlichen Natur; rechtliche Fragen im Zusammenhang der Ästhetischen Chirurgie. Die verschiedenen thematischen Blöcke sollen durch Impulsreferate der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, durch vorbereitend gelesene einschlägige Literatur sowie durch Vorträge international ausgewiesener Expertinnen und Experten erarbeitet werden. Die Klausurwoche generiert Wissen, das in Form einer öffentlichen Veranstaltung sowie einer wissenschaftlichen Publikation der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.

Ethische, rechtliche und soziale Herausforderungen der Synthetischen Biologie

Philipps-Universität Marburg
FB 05 Evangelische Theologie

Lahntor 3
35037 Marburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Peter Dabrock
06421 28-22447
01GP1088
53.683 EUR
01.05.2010 - 30.04.2011

Klausurwochen tragen generell zur Förderung der interdisziplinären Kompetenz junger Wissenschaftler bei. Das Vorhaben setzt sich konkret das Ziel, den Lebensbegriff als natur- und geisteswissenschaftlichen Kristallisationspunkt des ELSA-Diskurses zur Synthetischen Biologie zu erschließen und vor diesem Hintergrund die ethischen, rechtlichen und sozialen Kategorien bzw. Kriterien für die kulturelle Deutung und die ethische, rechtliche und gesellschaftliche Gestaltung synthetisch-biologischer Verfahren zu eruieren. Während der 7-tägigen Klausurwoche werden die Beiträge von Teilnehmenden sowie von eingeladenen Experten diskutiert. Der frühzeitige und kontinuierliche Austausch unter den Teilnehmenden wird bereits im Vorfeld der Klausurwoche durch Intranet und e-learning-Plattform gefördert. Im Dialog mit Experten/innen aus verschiedenen Wissenschaften erhalten die Teilnehmenden die Gelegenheit, ihre eigene Position zu reflektieren und durch eine interdisziplinär angelegte Diskussion zu vertiefen. Dabei wird insbesondere den Teilnehmenden aus den Geisteswissenschaften durch Laborführungen die Möglichkeit geboten, sich mit den naturwissenschaftlich-biotechnologischen Verfahren näher vertraut zu machen. Die allgemeine Öffentlichkeit wird durch eine Podiumsveranstaltung in die Debatte einbezogen.

Good life better - Anthropologische, soziologische und philosophische Dimensionen von Enhancement

Universität zu Lübeck
Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung

Königstr. 42
23552 Lübeck

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter
0451 7079-9815
01GP1087
51695 EUR
01.06.2010 - 31.05.2011

Die Absicht dieses Projekts ist, den kritischen interdisziplinären Dialog zum Thema "künstliche Verbesserung von Eigenschaften", d. h. Enhancement des Menschen zwischen Forschern aus den Bereichen Ethik, Philosophie, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie der Medizin und der Biowissenschaften zu fördern und auf eine neue Ebene zu führen. Doktoranden, Post-Docs und Habilitanten sollen die Gelegenheit zur Erweiterung und Vertiefung ihrer Problemwahrnehmung der modernen Biomedizin im gesellschaftlichen und ethischen Kontext erhalten. Es sollen Konzepte erarbeitet werden, die geeignet sind, die neuen und in der Zukunft zu erwartenden Entwicklungen im Bereich der "verbessernden" Medizin im Kontext ihrer kulturellen und gesellschaftlichen Deutung sowie ihrer sozialen und medizinischen Chancen und Risiken zu verstehen und aus einer erweiterten ethischen Perspektive zu beurteilen. Speziell soll es um die Herausarbeitung und konstruktive Weiterentwicklung der impliziten Vorstellungen vom "guten" und "erfüllten" Leben gehen, die einer Vorstellung von "Verbesserung" den Maßstab liefern und sie insofern erst möglich machen.

Medizinische Forschung: eine interdisziplinäre Klausurwoche zu ethischen, ökonomischen und soziokulturellen Fragestellungen

Ruhr-Universität Bochum
Medizinische Fakultät und Klinikum
Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin

Markstr. 258 a, Malakowturm
44799 Bochum

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Jan Schildmann
0234 32-28654
01GP1086
48701 EUR
01.06.2010 - 31.12.2011

Im Rahmen einer einwöchigen interdisziplinären Tagung sollen ethische, ökonomische und soziokulturelle Fragestellungen bezüglich medizinischer Forschung mit Menschen bearbeitet werden. Mit Blick auf die Zielsetzung der Klausurwoche, jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit zu bieten, das Thema unter Anwendung disziplinspezifischer sowie disziplinübergreifender Arbeitsmethoden zu bearbeiten und unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Fragestellungen im Kontext der medizinischen Forschung wurden folgende Themenfelder als inhaltliche Schwerpunkte für die Tagung gewählt: 1) Empirische und normative Aspekte einer evidenzbasierten Medizin; 2) Interessenkonflikte in der medizinischen Forschung; und 3) Herausforderungen globaler medizinischer Forschung. Die Tagungsschwerpunkte sollen didaktisch mit Hilfe von Referaten der Teilnehmer, interdisziplinären Diskussionen sowie in thematisch ergänzenden Workshops bearbeitet werden. Folgende Kompetenzen sollen im Hinblick auf die interdisziplinäre Arbeit und fachliche Profilierung der Teilnehmer besonders gefördert werden: 1) Inhaltliche Vertiefung des Themas; 2) Diskurskompetenz; 3) Reflexion interdisziplinärer wissenschaftlicher Arbeit und Grundkenntnisse disziplin-übergreifender Arbeitsmethoden; 4) Begutachtung wissenschaftlicher Beiträge im Rahmen interdisziplinärer Tagungs- und Forschungsprojekte; 5) Medienkompetenz und 6) Netzwerkbildung.

Gentechnologisches Enhancement im Spitzensport: Avantgarde eines neuen Menschenbildes? Ethische, rechtliche und soziale Perspektivierungen

Universität Hildesheim
Fachbereich I
Erziehungs- und Sozialwissenschaften
Institut für Evangelische Theologie

Marienburger Platz 22
31141 Hildesheim

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Stefanie Schardien
05121 883-520
01GP1084
48.769 EUR
01.05.2010 - 30.04.2011

Die Klausurwoche fördert und fordert den Diskurs zwischen theoretisch und praktisch ansetzenden Positionen, zwischen Verfechtern und Gegnern gentechnologischen Enhancements im Spitzensport und letztlich auch zwischen konkurrierenden anthropologischen Konzepten heraus. Als Ergebnis der Klausurwochen werden nach einer vertieften ethischen, sozialen und rechtlichen Beurteilung des Gendopings Antwortrichtungen auf die Frage erwartet, ob die gentechnologischen Methoden zur Leistungssteigerung entweder im Sinne einer Avantgarde eines sich verändernden Menschenbildes abzuwehren oder aber als angemessener Ausdruck der herrschenden Anthropologie zu respektieren sind. Im Zentrum stehen sowohl die Vorträge und Koreferate der teilnehmenden NachwuchswissenschaftlerInnen als auch die eingeladenen externen Experten, die durch Vorträge zusätzliche Inputs bieten und zur Diskussion zur Verfügung stehen. Im Vorfeld und im Nachgang zur aktuellen Tagung ermöglicht ein Online-Netzwerk Kommunikation und Wissenstransfer. Die Teilnehmenden werden ermuntert, ihre Beiträge auf der Tagung medial zu unterstützen. Hohen Wert erhält die Förderung der Diskussionskultur - im Anschluss an Vorträge, aber auch in Kreativphasen und in der öffentlichen Veranstaltung. Geplant ist zudem eine Exkursion zum Olympiastützpunkt nach Hannover.

Grüne Gentechnik: Zwischen Forschungsfreiheit und Anwendungsrisiko. Zu den normativen Voraussetzungen der Forschungsfreiheit am Beispiel des Risikodiskurses um MON810

Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften
an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Marsstr. 19
80335 München

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Stephan Schleissing
089 5595-601
01GP1083
61.842 EUR
01.05.2010 - 31.07.2011

Das deutschlandweite Verbot der Maissorte MON810 führte in der Debatte um die Grüne Gentechnik zu einer neuerlichen Thematisierung des Verhältnisses gesellschaftlicher Wahrnehmung von Risiken, wissenschaftlicher Forschung und politischer Entscheidungsfindung. Insbesondere die Frage, ob die Forschung an gentechnisch veränderten Nutzpflanzen aufgrund von Risiken der Anwendung eingeschränkt werden soll, trat dabei in den Fokus der Diskussion. In den Klausurwochen wird der grundgesetzlich verankerte Wert der Freiheit der Forschung im Kontext der Debatte um die Risiken neuer Technologien analysiert: Welchen Einfluss haben die ethischen Voraussetzungen sowie die rechtlichen und sozialen Bedingungen bei der Abwägung von Forschungsfreiheit und Anwendungsrisiken? Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sind eingeladen, sich mit dem gesellschaftlichen Wert der Forschungsfreiheit in interdisziplinärer Perspektive auseinanderzusetzen und diesen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Bedingungen zu verantworten. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ist dazu angehalten, die Perspektive seiner Disziplin in einem Thesenpapier zu elaborieren, das als Grundlage der Arbeit dient. Die Arbeit wird zudem durch externe Wissenschaftler, eine Exkursion und moderierte Workshops unterstützt. Die Beiträge und Ergebnisse werden in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert und in einem Sammelband publiziert.

Public Health Ethik - Eine europäische Klausurwoche zu wissenschaftlichen Methoden, normativen Konzepten, Fallanalysen und interdisziplinärer Kooperation

Medizinische Hochschule Hannover
Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin

Carl-Neuberg Str. 1
30625 Hannover

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Dr. Daniel Strech
0511 532-2709
01GP1081
47132 EUR
01.06.2010 - 30.08.2011

In einer fünftägigen interdisziplinären Klausurwoche sollen Fragestellungen der Public Health Ethik von 15 europäischen Wissenschaftlern, i.d.R. Postdocs, bearbeitet und weiterführende Forschungsfragen aufgezeigt werden. Diese Ziele erfordern eine interdisziplinäre Kooperation. Die Klausurwoche richtet sich deshalb an europäische Wissenschaftler aus den Bereichen Public Health, Versorgungsforschung, Medizin, Philosophie, Theologie, Medizinethik, Pflegewissenschaften, Gesundheitsökonomie, Psychologie, Rechts-, Politik- und Sozialwissenschaften. Thematisch sollen sich die Beiträge der Teilnehmer einordnen lassen in entweder "Wissenschaftliche Methoden und interdisziplinäre Kooperationen in der Public Health Ethik" oder "Normative Analysen von spezifischen Fällen bzw. Problembereichen und von Grundbegriffen der Public Health Ethik". Alle Teilnehmer referieren einen Beitrag, der im Plenum ausführlich diskutiert wird. Darüber hinaus werden in vier von Experten moderierten Workshops aktuelle methodische und praktische Herausforderungen der Public Health Ethik in Kleingruppen vertieft: 1) Systematische Übersichtsarbeiten zu Argumenten und Empirie; 2) Planung einer Internetplattform zur Public Health Ethik; 3) Analyse und Ergänzung von Curricula für eine Public Health Ethik; 4) Ethik der Verpflichtung zur Impfung gegen saisonale Influenzagrippe bei Gesundheitsberufen. Die Beiträge sollen nach einem peer-review Verfahren in einem Sammelband publiziert werden.

Proceed with caution? Konzept und Applikation des Precautionary Principle im Bereich der Nanobiotechnologie

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Centrum für Bioethik

Von-Esmaarch-Str. 62
48149 Münster

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Johann S. Ach
0251 8355-287
01GP1080
44826 EUR
01.06.2010 - 31.05.2011

Das Precautionary Principle, das mitunter auch als Vorsorgeprinzip bezeichnet wird, spielt in den gegenwärtigen philosophisch-ethischen, politischen, rechtlichen und völkerrechtlichen Debatten eine zentrale Rolle, ohne dass aber in jedem Falle klar wäre, wie das Prinzip inhaltlich genauer zu verstehen ist, und welche praktischen Konsequenzen sich aus einer Anwendung des Prinzips im Bereich der Nanobiotechnologie ergeben. Vor diesem Hintergrund soll während der Klausurwoche den Fragen nachgegangen werden, welchen Status das Precautionary Principle in rechtlichen und politischen Dokumenten auf europäischer Ebene besitzt und wie es dort jeweils verstanden und interpretiert wird, welche unterschiedlichen theoretischen Konzepte des Precautionary Principle in der philosophischen Debatte diskutiert werden, und wie eine sinnvolle und nachhaltige Implementierung des Precautionary Principle in der Nanobiotechnologie aussehen und realisiert werden kann. Die verschiedenen thematischen Blöcke sollen durch Impulsreferate der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, durch vorbereitend gelesene Literatur sowie durch Vorträge international ausgewiesener Expertinnen und Experten erarbeitet werden.


Programm C: Diskursprojekte

zellux.net - Stammzellen im Schlaglicht von Forschung, Medizin, Kirche, Ethik und Recht

DSMZ - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Inhoffenstr. 7b
38124 Braunschweig

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Dagmar Fritze
0531 2616-215
01GP0901
467.362 EUR
01.12.2008 - 30.11.2011

Die mit dem Themenkreis Stammzellforschung/Transplantationsmedizin verbundenen Fragen haben ihren Ursprung in komplexen Sachverhalten unterschiedlicher Disziplinen und werden von zahlreichen, unterschiedlichen Wertesystemen beurteilt. Mit zellux.net wurde in der abgelaufenen Förderperiode eine nachhaltig angelegte Plattform für einen multilateral geführten Diskurs junger Menschen etabliert. In einer sich nun anschließenden Förderung soll das Portal weiter ausgebaut werden und somit für die Schulung der Diskurskompetenz junger Erwachsener weiter gutes Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen. Wichtige Aspekte, die über den bisherigen Stand vertieft werden sollten sind: umfassende Informationen zu induzierten pluripotenten Stammzellen, zum Einsatz und den Möglichkeiten von Nabelschnurblut-Zellen, Hintergrundinformationen zu den britischen "Kuh-Mensch-Hybrid"-Embryonen sowie weitere Videointerviews mit Ansprechpartnern aus biomedizinischer Forschung und Ethik. Für Einzelstunden (z. B. auch Vertretungsstunden) wären weitere kurze Unterrichtsmodule hilfreich, die zusätzlich entwickelt werden sollen. Zudem wird das Portal und die "Aktionen" auf Grund von Rückmeldungen aus den anwendenden Schulen und aktuellen Entwicklungen angepasst, um einen vielseitigen Einsatz von zellux.net und Aktualität zu gewährleisten.

Lebenswissenschaftliche Diskurse in der museumspädagogischen Praxis

Stiftung Deutsches Hygiene-Museum
Lingnerplatz 1
01069 Dresden

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dipl. Päd. Katja Kailer
0351 4846-107
01GP0777
188.947 EUR
01.09.2007 - 31.12.2010

Jugendliche und junge Erwachsene werden für bioethische Fragen interessiert und in den Dialog über moderne Lebenswissenschaften einbezogen. Über den schulischen Rahmen hinaus erfolgt eine fächerübergreifende, intermediale und kritische Auseinandersetzung mit den ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten wissenschaftlich-technischer Entwicklungen. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, sich mittels der Objekte der Dauerausstellung des Deutschen Hygiene-Museums und verschiedener Medienformate mit lebenswissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Zur Durchführung werden unterschiedliche Methoden (strukturierte Falldiskussion, Ulmer Methode) kombiniert. Die Diskussionen finden in Kleingruppen statt. Eine wissenschaftliche Evaluation wird die Qualität der methodisch-didaktischen Umsetzung gewährleisten. Angestrebt wird die längerfristige Implementierung des Projekts ins museumspädagogische Programm des DHMD und die Übertragung der Vermittlungsformen auf andere Museen, Schulen und außerschulische Einrichtungen.


Programm D: Nationale Ressourcen und Infrastruktur

Demonstrationsprojekt für ein globales Netzwerk von biologischen Ressourcen-Zentren GBRCN - gemäß OECD

DSMZ - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Inhoffenstr. 7b
38124 Braunschweig

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Dagmar Fritze
0531 2616-215
01GP0901
467.362 EUR
01.12.2008 - 30.11.2011

Ziel des Projekts ist der Aufbau eines globalen Netzwerks von biologischen Ressourcenzentren. Erarbeitet werden sollen Maßnahmen zur Umsetzung der OECD Best Practice Guidelines in einem angemessenen Qualitätsmanagement-Umfeld. Insbesondere in den Bereichen Authentifizierung, biologische Sicherheit und geistiges Eigentumsrecht sollen gemeinsame Verfahren und Prinzipien erarbeitet werden, um den Zugang zu und den sicheren, legitimen Austausch von Material und Information zu erleichtern. Die finale Infrastruktur und Architektur des GBRCN, die Mechanismen zur nachhaltigen Existenz des Netzwerks und zur Erweiterung sollen erfasst werden. Das GBRCN wird die notwendige Anpassung von BRCs an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts, als einem Schlüsselelement der wissenschaftlich-technologischen Infrastruktur für die Lebenswissenschaften, voran bringen. Dabei werden Qualität und Zugänglichkeit von Ressourcen international vergleichbar gemacht. Der harmonisierte und geschützte Austausch von Ressourcen wird zur ökonomischen Entwicklung beitragen und den weiteren wissenschaftlichen Fortschritt sicherstellen.


b) 
abgeschlossene Vorhaben