Förderung von Instrumenten- und Methodenentwicklung für die patientenorientierte medizinische Forschung

Öffentliche Bekanntmachung:  2007
Förderzeitraum:  2008 bis 2012
Gesamtvolumen:   4,0 Mio. EUR 
Zahl der Vorhaben:    3

1. Ziele des Förderschwerpunktes

Die patientenorientierte medizinische Forschung erfordert in zunehmendem Maße multizentrisch vernetzte Forschungsprojekte, da die komplexen Fragestellungen in der Regel nicht monozentrisch oder von einem Fachgebiet bzw. einer Institution zu bearbeiten sind. Beispiele hierfür sind multizentrische klinische interventionelle Therapiestudien, große prospektive Kohortenstudien sowie der Aufbau von klinischen Patientenregistern, Biomaterialbanken und die klinische bzw. genetische Epidemiologie. Das Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung trägt diesen Bedürfnissen Rechnung durch die Förderung von z. B. nationalen Kompetenznetzen klinischen Studienzentren, multizentrischen klinischen Studien und Langzeituntersuchungen in der Gesundheitsforschung. Diese Art der vernetzten patientenorientierten klinischen Forschung stellt hohe methodische, informationstechnologische und organisatorische Anforderungen, die durch entsprechende qualitätssichernde Maßnahmen unterstützt werden müssen. Gleichzeitig sind in diesen Bereichen gesetzliche Regularien zur Patientensicherheit und zum Patientenschutz (z. B. Arzneimittelgesetz, Datenschutzgesetz) zu beachten und in einer praktikablen Weise umzusetzen. Eine gemeinsame projektübergreifende Bearbeitung methodischer Fragestellungen ist in diesem Bereich dringend geboten, um Doppelarbeit zu vermeiden, Ressourcen zu sparen und einheitliche Qualitätsstandards zu schaffen. Die Erfahrung in der Umsetzung vieler Maßnahmen hat gezeigt, dass es notwendig ist den Bedürfnissen in diesem Bereich durch entsprechende Förderaktivitäten gerecht zu werden.

2. Stand der Fördermaßnahme

Anträge zu dieser Fördermaßnahme können zu insgesamt fünf Terminen eingereicht werden. Zu den beiden ersten Terminen wurden insgesamt 39 Anträge eingereicht. Hiervon wurden drei zur Förderung ausgewählt. 

3. Geförderte Vorhaben

a) Kurzbeschreibungen der laufenden Vorhaben

Qualitätsmanagement von Hochdurchsatz-Genotypisierungsdaten

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Kiel - Institut für Medizinische Informatik und Statistik

Brunswiker Str. 10
24105 Kiel

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Michael Krawczak
0431 597-3200
01EZ0874
350.639 EUR
01.07.2008 - 31.12.2009

Das Qualitätsmanagement (QM) von Hochdurchsatz-Genotypisierungsdaten erfolgt uneinheitlich. Deshalb sollen die in Deutschland mit dem QM von Hochdurchsatz-Genotypisierungsdaten befassten Fachleute hierfür gemeinsame Richtlinien und Standards entwickeln. Die Ziele des Projekts sind im Einzelnen: Entwicklung standardisierter Kriterien für die Validität qualitativer Genotypisierungsdaten; Etablierung wissenschaftlich fundierter Plausibilitätskriterien für Genotypisierungsdaten; Fehlererkennung und Entwicklung von Standards für die Korrektur bei Genotypisierungsdaten; Aufbau eines Daten- und Qualitätsmanagements für die Replikation von Genotypisierungsstudien; Beschreibung der Primärdatenstrukturen und Erarbeitung von Standards für die Haltung und den Transfer von Genotypisierungsdaten; Informationsbereitstellung im öffentlichen Portal der TMF-Website; Dissemination durch Präsentation in den Arbeitsgruppen und Foren der TMF.

GCP-konformes Monitoring in IITs (ADAMON)

Universität Leipzig - Medizinische Fakultät
Koordinierungszentrum für Klinische Studien Leipzig (KKSL)

Härtelstr. 16-18
04107 Leipzig

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Oana Brosteanu
0341 97-16251
01EZ0876
2.343.090 EUR
01.12.2008 - 30.11.2012

Ziel des Vorhabens ist es zu untersuchen, ob eine studienspezifisch adaptierte, reduzierte on-site Monitoringstrategie im Vergleich zu einem umfangreichen vollen Monitoring nach kommerziellen Standards gleichwertig ist. Zielgröße ist hierfür das Auftreten von schwerwiegenden oder kritischen Mängeln (festgestellt im Rahmen eines abschließenden Audits). Es wird eine prospektive, randomisierte Untersuchung in zwölf klinischen Studien durchgeführt. Voraussetzungen: Klinische Prüfung der Phase II-IV (analog für Nicht-AMG-Studien), nicht-kommerzieller Sponsor, multizentrisch (mindestens sechs Zentren). Gemeinsam mit den Studienteams wird eine Risikoanalyse in Bezug auf Verstöße gegen GCP durchgeführt. Daraus leitet sich ein studienspezifischer Plan für risiko-adaptiertes Monitoring ab. Innerhalb jeder Studie wird für jedes Prüfzentrum randomisiert die Monitoring-Strategie entschieden. Für jedes Zentrum ist ein abschließendes Audit geplant, in dem schwerwiegende Verstöße gegen GCP erfasst werden (entscheidend für Vergleich der Monitoring-Strategien). Die Projektergebnisse werden zur Entwicklung von evidenzbasierten Empfehlungen für Qualitätssicherungsmaßnahmen in nicht-kommerziellen klinischen Prüfungen beitragen.

Bereitstellung eines umfassenden und nachhaltigen SOP-Systems für wissenschaftsinitierte klinische Studien

Universität zu Köln
Medizinische Fakultät - Universitätsklinikum
Klinisches Studienzentrum

Kerpener Str. 62
50937 Köln

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Ursula Paulus
0221 478-7978
01EZ0931
213.644 EUR
01.02.2009 - 31.01.2011

Ziel ist die Bereitstellung eines umfassenden SOP-Systems (SOP = Standard Operating Procedure) für die GCP-konforme Durchführung von nationalen und multinationalen klinischen Studien mit einem nicht kommerziellen Sponsor. Durch die forschungsverbundübergreifende Ausarbeitung der SOPs sollen Kompetenzen gebündelt und redundante Aktivitäten verhindert werden. In das SOP-System sollen die im Rahmen eines TMF-Vorläuferprojektes für das zentrale Studienmanagement erstellten SOPs integriert werden. Das umfassende SOP-System wird darüber hinaus sowohl neu zu erstellende SOP-Vorlagen für Prüfzentren als auch SOPs für klinische Studien nach Medizinproduktegesetz (MPG) beinhalten. Das Projekt erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die SOP-Ausarbeitung und -Aktualisierung erfolgt in verschiedenen Arbeitsgruppen und -Untergruppen entsprechend des definierten Arbeitsplans. Ein abschließendes Experten-Review sichert einen hohen Ausarbeitungsstandard. Durch einen Fachübersetzer werden die SOPs ins Englische übersetzt. Die ausgearbeiteten SOPs werden allen wissenschaftsinitiierten Forschungseinrichtungen über ein Online-Dokumentenmanagementsystem der TMF zur Verfügung gestellt. Die breite Nutzung der SOPs wird zu einer nachhaltigen Erhöhung des Qualitätsstandards von wissenschaftsinitiierten Studien beitragen. Um das SOP-System langfristig nutzen zu können, wird eine Organisationsstruktur für die nachhaltige Pflege und Aktualisierung aufgebaut.

Verbundprojekt: Spezifikation und prototypische Implementierung eines Metadata Repository (MDR) für die klinische und epidemiologische Forschung in Deutschland

Im Verbund "Metadata Respository" (MDR) soll eine Datenbank zur Darstellung und Vereinheitlichung von Strukturen, Merkmalen und Vokabularien (Items) zur Datenerhebung in der medizinischen Forschung entwickelt und implementiert werden. Das MDR ist eine allgemein nutzbare Plattform zur Verwaltung von Item-Bibliotheken und soll die klinische Forschung in der Wiederverwendung von Items bei der Planung und Erstellung von Datenbanken und Dokumentationsprozessen in prospektiven klinischen und epidemiologischen Studien und Registern unterstützten. Der Aufwand der Projektvorbereitung kann durch die Verwendung von harmonisierten und definierten Items reduziert und gleichermaßen die Aussagekraft und Qualität von Studien durch den Einsatz international bewährter Merkmale gesteigert werden.

Universität Leipzig - Medizinische Fakultät
Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE)

Härtelstr. 16-18
04107 Leipzig

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Markus Löffler
0341 97-16100
01EZ0936A
243.975 EUR
01.11.2009 - 30.04.2012

Am Standort Leipzig wird das Metamodell einschließlich des Regelsystems ausgehend vom Standard ISO/IEC 11179 entwickelt. Die Übertragung von Inhalten aus gereiften, konsentierten externen Standards führt zu einer besseren Qualität der Item-Spezifikationen und kann Metaanalysen unterstützen. Deren Einbindung in das MDR soll daher genauer untersucht werden. Eine stabile und funktionsfähige Software mit den Kernfunktionalitäten wie die Bereitstellung von Schnittstellen, die Unterstützung des Retrieval von Items sowie Review- und Bewertungsmöglichkeiten hinsichtlich einer Community-basierten Harmonisierung werden entwickelt. Exemplarisch werden Inhalte als Bibliotheken angelegt und analysiert.

Ludwig-Maximilians-Universität München
Medizinische Fakultät
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie

Marchioninistr. 15
81377 München

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jürgen Stausberg
089 7095-7499
01EZ0936B
74.584 EUR
01.11.2009 - 30.04.2012

Am Standort München werden typische Strukturen von Datenmodellen der klinischen und epidemiologischen Forschung sowie Standardinformationsmodelle auf die ISO 11179 abgebildet. Ein formaler Entwurf für das MDR wird erarbeitet und ausgewählte Strukturen werden in das MDR-Metamodell aufgenommen. Es erfolgen die Analyse von externen Terminologien und Vokabularen, Erarbeitung einer generischen Erweiterung des MDR-Metamodells entsprechend der Anforderungsanalyse, Umsetzung ausgewählter Terminologien und Vokabulare in das MDR-Metamodell, Test der Umsetzung und Verfeinerung des Metamodells sowie Evaluierung der Leistungsfähigkeit des Softwareproduktes.

Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze e.V.
Neustädtische Kirchstr. 6
10117 Berlin

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Sebastian Claudius Semler
030 310119-50
01EZ0936C
73.960 EUR
01.11.2009 - 30.04.2012

Am Standort Berlin wird gemeinsam mit den Partnern eine computerbasierte Unterstützung der Community-Arbeit bei der Harmonisierung von Items entwickelt und die Leistungsfähigkeit der entwickelten Software erprobt. Im Rahmen der Erarbeitung eines Nachhaltigkeitskonzepts soll die Nutzung des Metadata Repository durch möglichst viele Studiengruppen unterstützt werden, wofür Zielgruppen und passende Anreizmodelle identifiziert werden.

Therapeutisches Drug Monitoring in der Kinder- und Jugendpsychiatrie: Kompetenznetz und Patientenregister für psychopharmakologische Forschung ("TDM-KJP"): Etablierung und Weiterentwicklung einer multizentrischen  IT-Infrastruktur

Universität Ulm - Universitätsklinikum
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie

Steinhövelstr. 5
89075 Ulm

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Claudia Mehler-Wex
0731 500-61604
01EZ0937
155.217 EUR
01.09.2009 - 31.08.2011

Zur Verbesserung der empirischen Datenlage in der zumeist "off-label" praktizierten Psychopharmakotherapie von Kindern und Jugendlichen wurde auf Veranlassung der Kommission Entwicklungspsychopharmakologie, unterstützt von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein multizentrisches Kompetenznetz zur Etablierung eines standardisierten Therapeutischen Drug-Monitoring (TDM) gegründet. Unter TDM versteht man die Messung von Arzneispiegelkonzentrationen im Blut unter systematischer Erfassung von Patientencharakteristika (u. a. Geschlecht, Alter, Diagnose, Entwicklungsaspekte) sowie Dosierung, Wirksamkeit und Nebenwirkungen des Medikamentes. Innovativ ist, dass die Datenerfassung multizentrisch, standardisiert und pseudonymisiert über eine internetbasierte Datenbank durchgeführt wird, die in Kooperation mit der technischen, ethischen und datenschutzrechtlichen Expertise des Kompetenznetz Parkinson e.V. bereits erstellt und von den zuständigen Ethikkommissionen und Datenschutzbehörden länderübergreifend zustimmend bewertet wurde. Die Datenbank wurde bereits erfolgreich initiiert. Ziel des Projektes ist die Weiterentwicklung der Datenbank und den Nachweis der Durchführbarkeit (Feasibility) unter alltäglichen Bedingungen in Klinik, Forschung und Praxis zu erbringen. Übergreifendes Ziel ist es, mit dem TDM-Netzwerk und der Weiterentwicklung der Datenbank ein Instrument zu etablieren, das künftig einen wesentlichen Beitrag zur Generierung qualitativ hochwertiger empirischer Daten zu vielfältigen wissenschaftlichen Fragestellungen leisten und damit wesentlich zur Optimierung der Forschungsinfrastruktur in der Kinder- und Jugendpsychiatrie beitragen kann.