Klagen Patienten über Kurzatmigkeit beim Treppensteigen und Erschöpfung, kann eine Herzinsuffizienz, also eine Herzmuskelschwäche, die Ursache sein. Die Symptome treten auf, weil das kranke Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper mit ausreichend Blut zu versorgen. In dieser gefährlichen Situation benötigen die Patienten sowohl im Krankenhaus als auch in der schwierigen Phase nach der Entlassung aus dem Krankenhaus spezielle Pflege und Versorgung. Pflegekräfte können nun erstmals diese anspruchsvolle Tätigkeit erlernen: in der Weiterbildung "Herzinsuffizienzschwester/-pfleger".
In Deutschland leiden etwa 1,3 Millionen Menschen an einer Herzinsuffizienz – das entspricht der Einwohnerzahl von München. Und die Erkrankungsrate steigt. „Schon heute ist der Grund für jeden zehnten Krankenhausaufenthalt eine Herzinsuffizienz“, erklärt Privatdozent Dr. Stefan Störk, Teilprojektleiter im Kompetenznetz Herzinsuffizienz an der Universität Würzburg. Und damit nicht genug: Die Herzinsuffizienz gehört in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. „Die Pflege und Versorgung herzinsuffizienter Patienten ist in vielerlei Hinsicht sehr anspruchsvoll und erfordert eine strukturierte Ausbildung“, betont Dr. Störk. Oft leiden die Patienten zusätzlich zur Herzmuskelschwäche an weiteren Begleiterkrankungen, die ihre Behandlung erschweren. Typische Begleiterkrankungen sind zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, Blutarmut, Stoffwechselprobleme sowie Lungen- und Nierenerkrankungen. „Die optimale medikamentöse Behandlung von herzinsuffizienten Patienten muss deshalb mit verschiedenen Fachärzten abgestimmt erfolgen und gerade in der schwierigen Phase nach einer Krankenhausentlassung regelmäßig überprüft und angepasst werden“, erklärt Dr. Störk.
In angloamerikanischen und skandinavischen Ländern ist deshalb seit vielen Jahren das Berufsbild der „Heart Failure Nurse“, also der Herzinsuffizienzschwester, fester Bestandteil der Pflege und Langzeitversorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz. In Deutschland gab es bisher kein derartiges Ausbildungsangebot. „Wir sind sehr froh darüber, dass wir nun im Rahmen des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) an der Universität Würzburg einen Weiterbildungslehrgang für Pflegekräfte zur Herzinsuffizienzschwester beziehungsweise zum Herzinsuffizienzpfleger anbieten können“, sagt Dr. Störk. Im November 2009 haben die ersten acht Teilnehmer den Weiterbildungslehrgang in Würzburg erfolgreich abgeschlossen. „Die Nachfrage nach der Ausbildung ist groß, sodass wir jährlich zwei Kurse planen“, erklärt Dr. Störk.
In 120 Stunden Theorie und 40 Stunden praktischen Übungen, in einer Facharbeit und beim Arbeiten unter ärztlicher Anleitung im Heimatkrankenhaus lernen die Schwestern und Pfleger, herzinsuffiziente Patienten empathisch und professionell zu betreuen. Der Unterricht erfolgt durch Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen – Kardiologen, Palliativmediziner, Psychologen, Psychiater und spezialisiertes Pflegepersonal. Dr. Störk: „Im Mittelpunkt steht die verbesserte interdisziplinäre Versorgung zum Wohle unserer Patienten.“
Der Lehrgang wurde in Zusammenarbeit mit der Europäischen und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie entwickelt. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie stellt den Absolventen nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung zusätzlich ein Zertifikat aus. Die Anerkennung der Weiterbildung durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft ist beantragt.
Der Erfolg der Nachbetreuung durch eine spezialisierte Herzinsuffizienzschwester ist eindrucksvoll. Bereits sechs Monate Spezialbetreuung führen zu einem deutlichen Überlebensvorteil von Patienten mit Herzinsuffizienz im Vergleich zur üblichen Versorgung. Dies wurde an der Universität Würzburg in einer großen, mit Unterstützung des BMBF durchgeführten Studie gezeigt (Projektleiter: Prof. Dr. Christiane Angermann und Prof. Dr. Georg Ertl). Weitere positive Effekte fanden sich in Bezug auf die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit der Patienten.
Das Kompetenznetz Herzinsuffizienz ist ein interdisziplinäres Kooperationsvorhaben und wird seit Juni 2003 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Führende Wissenschaftler auf dem Gebiet der Herzinsuffizienz aus 30 Universitätskliniken, fünf Forschungsinstituten, sieben Herzzentren, 17 Herz-Kreislauf-Kliniken, über 200 Arztpraxen, vier Rehakliniken sowie Organisationen und Verbänden sind an diesem Kooperationsnetz beteiligt. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Projekte steht die Erforschung der Herzinsuffizienz, angefangen von der Epidemiologie und den molekulargenetischen Ursachen über moderne Diagnoseverfahren bis hin zur Therapie. Patienten erhalten über das Kompetenznetz umfassende und allgemeinverständliche Informationen über den Stand der Wissenschaft und konkrete Handlungsempfehlungen sowie Gelegenheit zur Fortbildung und Kontakte zu Spezialisten. Sprecher des Netzwerks ist Prof. Dr. Rainer Dietz von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, an der sich auch die Netzwerkzentrale des Kompetenznetzes befindet.
Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Stefan Störk
Zentrum Innere Medizin – Kardiologie
Universität Würzburg
Oberdürrbacher Straße 6
97080 Würzburg
Tel.: 0931 201-43410
Fax: 0931 201-70380
E-Mail: stoerk_s@klinik.uni-wuerzburg.de