Kompetenznetz Asthma/Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen

Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (CoPD) sind epidemiologisch bedeutende Erkrankungen der Atemwege. Das Asthma bronchiale kommt in der Bundesrepublik bei fünf Prozent der Erwachsenen vor, zehn Prozent der Kinder leiden daran. Zwischen 1955 und 2004 hat sich die Krankheitshäufigkeit bei Heranwachsenden verdoppelt bis verdreifacht. Von CoPD, umgangssprachlich auch „Raucherlunge“ genannt, sind nach einer aktuellen Studie 13 Prozent der Erwachsenen über 40 Jahre betroffen.

Um das Verständnis beider Lungenerkrankungen, die mit Atemnot, Hus-ten und auch Auswurf einhergehen, zu ver tiefen und neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln, wurde im Februar 2009 das Krankheitsbezogene Kompetenz-netz Asthma/CoPD (AsCoNet) gegründet. Die im Kompetenznetz Asthma/COPD beteiligten Ärzte und Wissenschaftler bearbeiten in der ersten Förderperiode folgen-de Bereiche:

  • Die möglichen systemischen Auswirkungen der CoPD können sowohl in der Breite als auch in der Tiefe wissenschaftlich analysiert werden.
  • Mit den im Netz entwickelten Bildgebungsverfahren lässt sich die Phänotypisierung von obstruktiven Lungenerkrankungen erheblich verbessern.
  • Mit dem vertieften Verständnis der systemischen Konsequenzen der CoPD und ihrer ursachen sowie einer besseren Phänotypisierung können neue Konzepte für die Diagnostik, Therapie und Prävention von obstruktiven Lungenerkrankungen entwickelt werden.

Entzündungsprozesse verstehen, Erkrankungsformen unterscheiden

AsCoNet bearbeitet die zwei Teilbereiche „COPD und systemi-sche Konsequenzen“ (COSYCONET) und „Bildgebung mittels MRT bei obstruktiven Lungenerkrankungen“ (Asthma-MRI, Magnetic Resonance Imaging).

In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Erkran-kungen außerhalb der Lunge beschrieben, die überdurch-schnittlich häufig bei COPD-Patienten auftreten. Das Spektrum reicht von Gewichtsverlust über Muskelatrophie, Osteoporose, kardiovaskuläre Erkrankungen bis hin zu De-pressionen und Angststörungen. Es wird vermutet, dass die kausale Verknüpfung zwischen der Lungenerkrankung unddiesen Erkrankungen auf eine systemische Entzündung zurückzuführen ist.

Der Teilbereich COSYCONET analysiert deshalb die Fre-quenz von extrapulmonalen Erkrankungen bei COPD-Patien-ten, prüft eine mögliche Korrelation zwischen systemischer Entzündung und Organerkrankungen und evaluiert, wie sich diese Störungen auf Morbidität, Mortalität und Kosten aus-wirken.

Beteiligt sind sieben Universitäten (Marburg, München, Greifswald, Heidelberg, MH Hannover, Gießen, Berlin) sowie das Helmholtz-Zentrum München, das Max-Planck-Institut Bad Nauheim und 20 klinische Studienzentren. Den zentralen Teil des Konsortiums bildet ein Register, welches das Netz-werk aufbaut. Es handelt sich hierbei um 3000 Patienten mit allen COPD-Schweregraden, die in einer Langzeitstudie eva-luiert werden sollen. Die Befunde aus diesem Register sollen mit Ergebnissen aus Mecklenburg-Vorpommern (SHIP, Study of Health in Pomerania) und Süddeutschland (KORA, Kooperati-ve Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) verglichen werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, eine Biobank und eine Bilddatenbank aufzubauen und eine gesundheitsökono-mische Analyse durchzuführen. Schließlich sind weiterführen-de Studien geplant, die die Auslöser für und die Konsequenzen einer systemischen Entzündung sowohl an Tier modellen als auch an biologischen Proben von Patienten beschreiben sollen.

Obstruktive Lungenerkrankungen werden in der klinischen Routine mithilfe der Lungenfunktionsprüfung analysiert. Dem-gegenüber spielt die radiologische Bildgebung in der Diagnos-tik von Asthma derzeit nur eine sehr begrenzte Rolle. So kann die hochauflösende Computertomografie (CT) zwar detaillierte Bilder der Lunge und der Atemwege einschließlich ihrer Wände liefern – doch die klinischen Bilder besagen nicht eindeutig, wie schwer ein Patient an COPD erkrankt ist.

Abb. 1: Reformatierung einer Computertomografie der Lunge mit Farb-kodierung der Emphysemareale (große Destruktionsbereiche in gelb).Die COPD umfasst eine Reihe von Phänotypen. Bei ähnli-chem Schweregrad kann die Ursache entweder in den Atem-wegen oder in einer Zerstörung des umgebenden Gewebes, einem Emphysem, liegen. Die Lungenfunktionsprüfung ist als Messverfahren nur begrenzt geeignet, diese Subtypen zu un-terscheiden. Sowohl die steigende Zahl der therapeutischen Optionen insbesondere bei fortgeschrittener COPD als auch Überlegungen zum Therapiebeginn in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung verlangen ein nicht-invasives bild-gebendes Verfahren, mit dem diese Phänotypen differenziert erkennbar werden.

Angestrebt wird ein radiologisch bildgebendes Verfahren, das – ohne Strahlenbelastung – die unterschiedlichen Typen darstellen und messen kann. Damit wären das Fortschreiten der Erkrankung, der richtige Zeitpunkt für einen Behandlungs-beginn als auch der voraussichtliche Erfolg einer Behandlung besser abschätzbar als mit der Lungenfunktionsprüfung.

Abb. 3: Farbkodierte MRT-basierte Darstellung der Lungendurchblutuung.Für diesen Zweck bietet sich die Magnetresonanztomo-grafie (MRT), die Bilder mit Magnetfeldern statt mit Röntgen-strahlen erzeugt, als geeignetes Verfahren an. Die MRT der Lunge ist aufgrund der komplexen Diagnostik von Atemwegs-erkrankungen noch nicht weit verbreitet. Sie bietet aber ein breites Spektrum von Untersuchungsformen, das eine struk-turelle und funktionelle Charakterisierung der Subtypen von COPD und Asthma erlaubt. Hierzu gehören die Erfassung von Entzündungsvorgängen, Überblähung, Zerstörung des Gewebes, Belüftung, Durchblutung, Blutdruck in den Lungengefäßen sowie Veränderungen am Herzen.

Das Projekt Asthma-MRI – durchgeführt an den Universitä-ten Heidelberg, Würzburg, Mainz und am Fraunhofer Mevis Bremen – will innerhalb von drei Jahren die verschiedenen Me-thoden der MRT der Lunge zuverlässig für eine breite Anwen-dung verfügbar machen und die klinische Aussagekraft der Messwerte belegen. Für die standardisierte computergestützte Auswertung werden die Methoden zur Analyse der Lungen-MRT auf einer Software-Plattform entwickelt und zusammen-geführt. In der zweiten Förderperiode sollen die Methoden und Ergebnisse von Asthma-MRI sämtlichen Zentren von AsCoNet bereitgestellt und dann auch in der COSYCONET Kohorte ein-gesetzt werden.

Struktur des Kompetenznetzes

Die Struktur des Kompetenznetzes wird gegenwärtig aufge-baut. Geplant sind: Geschäftsstelle, Vorstand, wissenschaftli-cher Beirat und Datenüberwachungskomitee. Angesichts des geplanten großen Patientenregisters wird dem Aufbau einer zentralen Datenbank und ihrer Pflege besonderer Stellenwert beigemessen.

Kontakt:
Klinik für Innere Medizin Marburg, Schwerpunkt Pneumologie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Baldingerstraße35033 Marburg
Tel: +49 6421 5866450
E-Mail: claus.vogelmeier@med.uni-marburg.de
www.med.uni-marburg.de

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