Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt

 

Öffentliche Bekanntmachung:  2010 

Förderzeitraum:

2012 - 2015

Gesamtvolumen:

ca. 13 Mio. Euro

Vorhabenzahl:

7 Verbünde mit insgesamt 24 Zuwendungsempfängern

 

Verbund: AMIS
Verbund: CANMANAGE
Verbund: CANSAS
Verbund: D-CPT
Verbund: NeMUP-Nord
Verbund: SexPrev_MR
Verbund: UBICA

1. Ziele des Förderschwerpunktes

Sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen ist ein seit langem bekanntes Problem. Das Thema wurde jedoch nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Forschung lange Zeit tabuisiert. Die Bundesregierung hat daher am 24. März 2010 den Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen im familiären Bereich“ eingerichtet. Ziel des „Runden Tisches“ ist es, Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt besser zu schützen und das Thema Missbrauch zu enttabuisieren.

Forschung zu Missbrauch ist in diesem Zusammenhang notwendig, um gezielte Behandlungs- und Präventionsstrategien definieren zu können. Da sich die Folgen von im Kindesalter erlebter (sexueller) Gewalt über die gesamte Lebensspanne zeigen, sollen die Forschungsfragen nicht auf die Kindheit beschränkt bleiben. Vielmehr können auch - wo sinnvoll - Untersuchungen bis ins Erwachsenenalter Gegenstand der Forschung sein. Die Forschungsfragen können sich sowohl auf Betroffene als auch auf Täter sowie die Rahmenbedingungen beziehen. Die Förderung zielt insbesondere ab auf die Erforschung der biologischen, psychischen und psychosozialen Ursachen und Folgen von Gewalt und Missbrauch, der Interventions- und Therapiemöglichkeiten bei Betroffenen und Gefährdeten sowie der Prävention, Diagnostik und Therapie sexueller Präferenz oder Verhaltensstörungen, die zur Gewaltausübung gegenüber Kindern und Jugendlichen prädisponieren.

Forschergruppen müssen durch einschlägige Vorarbeiten in Forschung und Entwicklung zu Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgewiesen sein.

2. Stand der Fördermaßnahme

Mit der Fördermaßnahme "Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt" unterstützt das BMBF auf diesem Gebiet die Forschungslandschaft in Deutschland und fördert seit 2012 sieben Forschungsverbünde.
Die Auswahl der Anträge verlief zweistufig: Zunächst wurden 45 Projektskizzen für Verbundvorhaben eingereicht. Von diesen Skizzen wurden 23 von einem internationalen Gutachtergremium positiv bewertet und für die zweite Verfahrensstufe ausgewählt. Im Falle einer positiven Begutachtung wurden die Antragsstellenden anschließend eingeladen, einen detaillierten Antrag einzureichen. Diese Anträge wurden im Rahmen einer Gutachter-Sitzung vom 11.-12. Juli 2011 in Berlin bewertet. Abschließend wurden sieben Anträge für Verbundvorhaben zur Förderung ausgewählt. Hieran sind insgesamt 24 Zuwendungsempfänger und 31 Forschergruppen aus ganz Deutschland beteiligt.
Es ist eine 3-jährige Förderung vorgesehen. Das BMBF stellt dafür in den Jahren 2012 bis 2015 ca. 13 Millionen Euro zur Verfügung.

Geförderte Verbünde

a) Kurzbeschreibungen der laufenden Vorhaben

(Sortierung innerhalb der Verbünde nach Förderkennzeichen) 

Verbundprojekt UBICA; Den Teufelskreislauf der Traumatisierung verstehen und unterbrechen

Neurobiologische Mechanismen und psychotherapeutische Interventionen bei Müttern mit traumatischen Lebenserfahrungen und ihren Kindern

 

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Heidelberg
KIinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Blumenstr. 8
69115 Heidelberg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Romuald Brunner
06221-566911
01KR1207A
755.118 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

Im Vorhaben der Universität Heidelberg sollen neurobiologische und psychologische Folgen traumatischer Kindheitserfahrungen untersucht werden. Die Basisdiagnostik erfasst die Psychopathologie sowie physiologische Daten von Mutter und Kind, die kindliche Entwicklung und die Mutter-Kind-Interaktion. Durch bildgebende Verfahren werden neuronale Korrelate mütterlicher Sensitivität und Emotionsregulation gemessen. Parallel hierzu soll durch eine interaktionsfokussierte Intervention eine Verbesserung dieser Faktoren erforscht werden. Die Interventionsstudie vergleicht hierbei die interaktionsfokussierte Intervention mit einem Stressbewältigungstraining. Das Projekt wird zu einem vertieften Verständnis der psychologischen und neurobiologischen Korrelate der intergenerationalen Transmission traumatischer Kindheitserfahrungen beitragen. Zudem wird es Aufschluss über die Effektivität einer spezifisch auf die Mutter-Kind-Interaktion fokussierten Intervention geben, die von der Arbeitsgruppe für Kinder im Grundschulalter entwickelt wurde.

 

Behandlungseffekte und neurobiologische Grundlagen eines standardisierten Mutter-Kind-Interventionsprogramms bei adoleszenten Müttern und ihren Kindern

 

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Fakultät 10
Medizin und Universitätsklinikum
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Neuenhofer Weg 21
52074 Aachen

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann
0241 80-88737
01KR1207B
507.786 EUR
01.07.2012 - 30.06.2015

Kinder von Teenage-Müttern stellen eine Hochrisikogruppe für Kindesvernachlässigung und Misshandlung dar, insbesondere, wenn weitere familiäre Stressfaktoren hinzukommen. Im diesem Vorhaben soll durch eine randomisiert-kontrollierte Studie ein 9-monatiges, strukturiertes Interventionsprogramm erforscht werden. Dieses Programm zielt sowohl auf die Verbesserung der Mutter-Kind-Interaktion wie auch auf eine gezielte kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung der jungen Mutter ab. Erste Interventionsstudien konnten zeigen, dass durch ein Training der mütterlichen Sensitivität eine sichere Eltern-Kind-Bindung gefördert und die mütterliche Depressivität reduziert wird. Das hier zu erforschende Programm soll mit dem Standard-Hilfsangebot des Jugendamtes verglichen werden. Zusätzlich zur Evaluation des Interventionsprogramms wird der moderierende Einfluss von hormonellen, epigenetischen und neuronalen Faktoren, die mit der frühen mütterlichen Bindung assoziiert sind, untersucht. Ergänzend werden Temperamentsmerkmale des Kindes erfasst.

Neurobiologische Mechanismen und psychotherapeutische Interventionen bei Kindern und ihren Müttern mit depressiven Erkrankungen

 

 

Charité - Universitätsmedizin Berlin
Psychiatrische Klinik im St. Hedwig-Krankenhaus
Große Hamburger Str. 5-11
10115 Berlin

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Andreas Heinz
030 450-517001
01KR1207C
480.346 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

Im Vorhaben der Charité Berlin soll untersucht werden, wie Depressionen und traumatische Erfahrungen bei Müttern die Interaktion mit ihren Kindern beeinflussen und welche Auswirkungen sie auf die Entwicklung und das Wohlergehen der Kinder haben. Hierzu werden 80 traumatisierte und 30 nicht traumatisierte Mütter mit Depression sowie 30 gesunde Kontrollprobandinnen und die dazugehörigen Kinder untersucht. Emotionsverarbeitung und Sensitivität der Mütter werden mit der Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie analysiert. Neben psychiatrischen und psychometrischen Untersuchungen von Müttern und Kindern wird in Interaktionsbeobachtungen die Qualität der Mutter-Kind-Interaktion analysiert. Bei Müttern und Kindern werden zudem genetische, epigenetische und endokrinologische Untersuchungen durchgeführt. Die in Berlin erhobenen Daten werden mit Daten aus dem Heidelberger Teilprojekt (Mütter mit Trauma ohne Depression) verglichen. Im zweiten Teil des Projekts wird die Wirksamkeit eines psychotherapeutischen Verfahrens (PCIT), das auf eine Verbesserung der Mutter-Kind-Interaktion zielt, mit der Wirksamkeit eines Stressmanagement-Trainings für die Mütter verglichen. In diese randomisiert-kontrollierte Studie werden traumatisierte Mütter mit Depressionen eingeschlossen, die Auffälligkeiten in der Interaktion mit ihren Kindern zeigen. Die Studienergebnisse werden einen Beitrag zum Verständnis der Entstehung von Depressionen liefern. Das Projekt wird zudem psychosoziale und biologische Faktoren identifizieren, die an der Weitergabe traumatischer Erfahrungen von einer Generation zur nächsten beteiligt sind.

Epigenetische Mechanismen von generationsübergreifenden neuronalen und synaptischen Veränderungen im Tiermodell

 

 

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fakultät für Naturwissenschaften
Institut für Biologie
Abteilung Zoologie/
Entwicklungsneurobiologie

Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Jörg Bock
0391 67-55005
01KR1207D
345.925 EUR
01.06.2012 - 31.05.2015

 

Im Vorhaben der Universität Magdeburg werden epigenetische Veränderungen im Kontext mütterlicher Vernachlässigung in einem Tiermodell untersucht. Es soll geprüft werden, ob epigenetische Veränderungen von der Mutter auf ihre Nachkommen und weitere Generationen übertragen werden und somit eine mögliche Ursache für die generationsübergreifende Übertragung von Prädispositionen für psychische Erkrankungen darstellen. Der Vorteil des Tiermodells liegt darin, dass Veränderungen, die in Humanstudien nur in Blut oder Schleimhaut analysiert werden, beim Tier im Gehirn untersucht werden können. So wird ein Vergleich von epigenetischen Veränderungen zwischen Nervenzellen (Neuronen) und nicht-neuronalen Zellen möglich. Die Kooperation mit den klinischen Projekten der anderen Teilprojekte des Verbundes liefert einen Bezug zur Untersuchung der Entstehungsmechanismen verschiedener psychischer Erkrankungen. Die Ergebnisse werden zu einem besseren Verständnis der zu Grunde liegenden Mechanismen führen und somit langfristig verbesserte Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bieten.

Verbundprojekt SexPrev_MR

Ziel des Vorhabens ist es, ein Trainingsprogramm für geistig behinderte Mädchen zu erstellen, das theoretische Erkenntnisse internationaler Forschung mit den praktischen Erfahrungen deutscher Experten kombiniert. Die bisher stark vernachlässigte Hochrisikogruppe der Mädchen mit geistiger Behinderung soll mithilfe des Programms vor sexuellen Übergriffen geschützt werden. Dieses Vorhaben wird von der Universitätsmedizin Rostock in Zusammenarbeit mit den Kliniken des Bezirks Oberbayern sowie mit Wildwasser München e.V. durchgeführt.

Entwicklung und Evaluation eines Programms für Mädchen mit geistiger Behinderung zur Prävention von sexuellem Missbrauch

 

Universitätsmedizin Rostock
Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter

Gehlsheimer Str. 20
18147 Rostock

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Frank Häßler
0381 494-4601
01KR1206
535.217 EUR
01.09.2012 - 31.08.2015

Das Projekt besteht aus drei Phasen. In der Planungsphase wird zusammen mit Experten aus den Bereichen Missbrauchsprävention und Geistige Behinderung in Fokusgruppen ein bestmöglich auf die Zielgruppe zugeschnittenes Programm erstellt, das auch die Ergebnisse der internationalen Forschung, Anweisungen der Ethikkommission sowie statistische Anliegen beachtet. Eine Pilotstudie erlaubt die Aufdeckung und Änderung von Mängeln vor Studienbeginn. In der Durchführungsphase durchlaufen die Probanden das von geschulten Trainern dargebotene Programm. Die Evaluation überschneidet die Durchführung und erhebt das Wissen und die Fertigkeiten der Teilnehmer vor sowie nach der Teilnahme am Training, um Aussagen über die Wirksamkeit des Programms zu treffen. In der Durchführungs- und Evaluationsphase werden durch enges Monitoring die Einhaltung der Standards sowie Abbruchkriterien gewährleistet.

 

Verbundprojekt NeMUP-Nord

Trotz des häufigen Vorkommens von Kindesmissbrauch sind die neurobiologischen Grundlagen von Pädophilie und sexueller Gewalt bei Tätern nur unzureichend erforscht. Neuere Theorien gehen davon aus, dass genetische Veranlagung und lebensgeschichtliche Ereignisse gemeinsam Veränderungen in Hirnstruktur und -funktion bewirken können, die objektiv messbar sind und einer sexuellen Vorliebe für Kinder (Pädophilie) und/oder sexuellem Missbrauch zugrunde liegen.

Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder

 

Medizinische Hochschule Hannover
Zentrum für Seelische Gesundheit
Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Tillmann Krüger
0511 532-2407
01KR1205A
592.351 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

Das Vorhaben der Medizinischen Hochschule Hannover widmet sich daher der Erforschung der neurobiologischen Unterschiede zwischen pädophilen und nicht-pädophilen Kindesmissbrauchern sowie pädophilen und nicht-pädophilen Männern, die keinen sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben. Im Vorhaben soll das Zusammenwirken von psychologischen, neuropsychologischen, endokrinologischen, (epi-)genetischen, hirnstrukturellen und hirnfunktionellen Faktoren untersucht werden. Zudem sollen Rezeptorprofile des serotoninergen und dopaminergen Transmittersystems des zentralen Nervensystems mit der Single-Photon-Emission-Computed-Tomography (SPECT) ermittelt werden, um zu erforschen, ob es bei Pädophilie und/oder Kindesmissbrauch zu Veränderungen der Funktionalität dieser Neurotransmittersysteme kommt. Im Rahmen der Studie werden an fünf sexualmedizinischen und psychiatrischen Standorten insgesamt 250 Probanden untersucht. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse sollen das Grundlagenverständnis erweitert sowie diagnostische Methoden und therapeutische Strategien evaluiert und verbessert werden.

Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder: Empathiefähigkeit und ihre Rolle in der Regulation sexueller Erregung

 

 

Charité - Universitätsklinikum Berlin
Campus Berlin Mitte
Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin
Luisenstr. 57
10117 Berlin

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Dr. Klaus Beier
030 450529-301
01KR1205B
458.489 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

Im Vorhaben der Charité Universitätsmedizin Berlin werden zusätzlich Empathie und Emotionsregulationsfähigkeit bei pädophilen Männern systematisch untersucht. Dabei werden sowohl kognitive und affektive Empathie als auch die spezifische Empathie für Kinder berücksichtigt. Außerdem wird betrachtet, welche Rolle Empathiedefizite für die sexuelle Selbstregulation und das Begehen sexueller Übergriffe spielen. An fünf sexualmedizinischen und psychiatrischen Forschungseinrichtungen werden die möglichen Einflussfaktoren an einer großen Zahl sowohl von straffällig als auch nicht straffällig gewordenen Männern mit Pädophilie, sowie von nicht-pädophilen Männern, die sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben, untersucht. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse sollen die Einschätzung von Übergriffsrisiken sowie diagnostische Methoden und therapeutische Strategien verbessert werden.

Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellen Missbrauchsverhalten gegen Kinder: Kognitive Kontrolle und moralisches Schlussfolgern

 

 

Universität Duisburg-Essen
LVR-Klinikum Essen
Institut für Forensische Psychiatrie
Virchowstr. 174
45147 Essen

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Boris Schiffer
0201 7227-102
01KR1205C
413.806 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

Das Vorhaben der Universität Duisburg-Essen widmet sich der Erforschung der neurobiologischen Unterschiede zwischen pädophilen und nicht-pädophilen Männern, die sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben, sowie pädophilen und nicht-pädophilen Männern, die keinen sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben. Im Vorhaben soll das Zusammenwirken von psychologischen, neuropsychologischen, endokrinologischen, (epi-)genetischen, hirnstrukturellen und hirnfunktionellen Faktoren untersucht werden. Zudem sollen kognitive Kontrolldefizite und Auffälligkeiten in der moralischen bzw. der juristisch-normativen Beurteilung und deren neuronale Verarbeitung vor und nach einer "Sozialtherapie" untersucht werden. Anhand der gewonnenen Ergebnisse sollen die wichtigen Erkenntnisse über kognitive Kontrollmechanismen in der Verhaltenssteuerung um neurobiologische Daten ergänzt und langfristig ggf. psychotherapeutische Behandlungsziele angepasst werden.

Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellen Missbrauchsverhalten gegen Kinder

 

 

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Kiel - Klinik für Urologie und Kinderurologie
Sektion Sexualmedizin
Arnold-Heller-Str. 3
24105 Kiel

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Jorge Ponseti
0431 597-3652
01KR1205D
420.670 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

Das Vorhaben der Universität Kiel widmet sich der Erforschung der neurobiologischen Unterschiede zwischen pädophilen und nicht-pädophilen Männern, die sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben, sowie pädophilen und nicht-pädophilen Männern, die keinen sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben. Im Vorhaben soll das Zusammenwirken von psychologischen, neuropsychologischen, endokrinologischen, (epi-)genetischen, hirnstrukturellen und hirnfunktionellen Faktoren untersucht werden. Zudem soll ein neues, auf funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) basierendes, Diagnoseverfahren zur Messung der Pädophilie gegenüber dem bisher verwendeten Instrument der verhaltensbasierten Phallometrie validiert werden. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse sollen das Grundlagenverständnis erweitert sowie diagnostische Methoden evaluiert und verbessert werden.

Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellen Missbrauchsverhalten gegen Kinder

 

 

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Martin Walter
0391 6117-533
01KR1205E
408.089 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

 

Das Vorhaben der Universität Magdeburg widmet sich der Erforschung der neurobiologischen Unterschiede zwischen pädophilen und nicht-pädophilen Männern, die sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben, sowie pädophilen und nicht-pädophilen Männern, die keinen sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben. Im Vorhaben sollen die betroffenen neurobiologischen Strukturen sowie die Regelkreisläufe im Gehirn identifiziert werden, welche an der Entwicklung abweichender sexueller Orientierung sowie der Verhaltenssteuerung beteiligt sind. Neben dem Verständnis der zugrundeliegenden Hirnerkrankung sollen auch differenzialdiagnostische, non invasive Biomarker erarbeitet werden. Insbesondere sollen Untersuchungen am Hochfeld-MRT erfolgen, anhand derer gezielt tiefe Hirnstrukturen in ihren einzelnen Schaltkreisen unter Einbeziehung der molekularen Darstellung von neuronalen Botenstoffen (Glutamat und GABA) multimodal erfasst werden.

Verbundprojekt D-CPT

Sexueller und/oder physischer Missbrauch in der Kindheit und Jugend kann ernsthafte psychopathologische Folgen für die Betroffenen nach sich ziehen. So entwickelt ein Teil der Betroffenen infolge eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und andere psychische Gesundheitsbeeinträchtigungen. Zurzeit existieren zwar Therapiemanuale für missbrauchte Kinder und für Erwachsene. Es gibt jedoch kaum evidenzbasierte psychotherapeutische Interventionen, um Jugendliche und junge Erwachsene zu behandeln.

Entwicklungsangepasste kognitive Therapie für Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung nach körperlichem und sexuellem Missbrauch

 

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Philosophisch-Pädagogische Fakultät

Ostenstr. 26
85072 Eichstätt

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Rita Rosner
08421 931581
01KR1204A
1.013.682 EUR
01.09.2012 - 31.08.2015

Hauptziel dieser randomisierten, kontrollierten klinischen Studie ist es, die Wirksamkeit einer neu entwickelten psychotherapeutischen Behandlungsmethode, der entwicklungsangepassten kognitiven Verhaltenstherapie (E-KVT) im Vergleich zur in Deutschland üblichen Behandlung von missbrauchten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit PTBS zu untersuchen. Die Behandlungsstrategie wird hierbei gezielt auf die Altersgruppe der 14 bis 21-Jährigen angepasst. So werden zusätzliche Module zur Emotionsregulation integriert, das Therapieformat angepasst und spezifische Entwicklungsaufgaben eingesetzt. Die Patienten werden vor und nach der Therapie, sowie drei und sechs Monate nach Therapie-Ende untersucht. Partnerprojekte untersuchen epigenetische, gesundheitsökonomische und psychopathologische Aspekte.

 

Experimentelle Erfassung der Psychopathologie von Jugendlichen mit Posttraumatischer Belastungsstörung in Folge von Kindesmisshandlung im Verlauf einer randomisiert kontrollierten Behandlungsstudie

 

Universität Bielefeld
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Abt. für Psychologie

Universitätsstr. 25
33615 Bielefeld

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Frank Neuner
0521 1064493
01KR1204B
129.503 EUR
01.09.2012 - 31.08.2015

Ziel des Teilprojekts ist es zu untersuchen, ob traumatisierte Patienten bedrohliche Reize anders verarbeiten als gesunde Kontrollpersonen und ob sich die Reizverarbeitung durch eine traumafokussierte Psychotherapie verändert. Ein Partnerprojekt des Forschungsverbunds führt in diesem Zusammenhang eine Therapievergleichsstudie durch, an der Jugendliche und junge Erwachsene mit einer misshandlungsbezogenen Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) teilnehmen. Die Patientinnen und Patienten werden hierbei entweder mit einer Kognitiven Verhaltenstherapie oder einer Standardbehandlung behandelt. Vor Beginn der Behandlung werden drei Gruppen von Probanden untersucht: 1) eine Kontrollgruppe ohne Traumaerfahrung und ohne vorliegende psychische Störung 2) eine Trauma-Kontrollgruppe mit Traumaerfahrung, aber ohne psychische Störung und 3) die Gruppe mit Misshandlungserfahrung und PTBS. Diesen Gruppen werden affektive Wörter aus vier Kategorien (neutral, positiv, körperlich bedrohlich, sozial bedrohlich) dargeboten. Die neuronale Reizverarbeitung hierauf wird mit hochauflösendem EEG erfasst. Durch diese Methode kann die affektive Modulation der Reizantwort der drei Gruppen verglichen werden. Insgesamt sollen bei diesem ersten Arbeitsschritt 120 Probanden untersucht werden. Sechs Monate nach der psychotherapeutischen Behandlung werden die Probanden der PTBS-Gruppe sodann erneut untersucht. Es wird erwartet, dass ihre Reizverarbeitung insbesondere dann verändert ist, wenn sie durch eine Kognitive Verhaltenstherapie behandelt wurden und wenn die Therapie erfolgreich war.

 

Behandlungsentwicklung, Therapeutentraining, Behandlungsadhärenz

 

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
FB 05 Psychologie und Sportwissenschaften
Institut für Psychologie
Klinische Psychologie und Psychotherapie

Varrentrappstr. 40-42
60486 Frankfurt

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Regina Steil
069 798-23379
01KR1204C
182.522 EUR
01.09.2012 - 31.08.2015

Ziel dieses Teilprojekts ist es, ein Behandlungsmanual für die D-CPT zu erstellen, das auf Jugendliche und junge Erwachsene ausgerichtet ist, die Therapeuten der beteiligten Studienzentren zu trainieren und die Sicherheit sowie die Anwendbarkeit der Intervention in Bezug auf diese Patientengruppe zu untersuchen. Hierzu sollen Skalen entwickelt und eingesetzt werden, die die Therapietreue und die Kompetenz der Therapeuten widerspiegeln. Ein weiteres Ziel ist es, „Therapie-Responder“ und „Nicht-Responder“ zu identifizieren und Faktoren zur Vorhersage des regulären Therapieabschlusses und der Therapieergebnisse zu untersuchen.

 

Gesundheitsökonomische Evaluationen

 

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Institut für Medizinische Soziologie, Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie (IMSG)

Martinistr. 52
20251 Hamburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Hans-Helmut König
040 7410-53382
01KR1204D
55.154 EUR
01.09.2012 - 31.08.2015

Das Vorhaben analysiert die gesellschaftlichen Kosten von PTBS infolge von Missbrauch anhand verschiedener Parameter. Hierzu werden Daten begleitend zu einer Klinischen Studie des Verbundprojekts erhoben. Die Klinische Studie untersucht die Wirksamkeit einer neu entwickelten psychotherapeutischen Behandlungsmethode im Vergleich zur in Deutschland üblichen Standardbehandlung von missbrauchten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit PTBS. Anhand einer Querschnittsanalyse werden im Vorhaben die medizinischen Versorgungskosten und die volkswirtschaftlichen Produktivitätsverluste gemessen und mit den Kosten aus einer gesunden Vergleichsgruppe verglichen. Anschließend werden in einer Längsschnittanalyse die Behandlungskosten für PTBS abgeschätzt und qualitätsgewichtete Lebensjahre ermittelt.

 

Identifikation epigenetischer PTBS-Biomarker mittels Vergleich der DNA-Methylierungsprofile PTBS-kranker junger Erwachsener und Adoleszenter vor und nach Durchführung zweier unterschiedlicher Therapieverfahren

 

Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Kraepelinstr. 2-10
80804 München

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Ulrike Schmidt
089 30622-0
01KR1204E
59.501 EUR
01.09.2012 - 31.08.2015

Das Epigenom stellt eine dynamische Steuerzentrale dar, die die Aktivität unserer Erbinformation reguliert. Ziel des Vorhabens ist es, die bislang noch weitestgehend unbekannte Rolle des Epigenoms in der Krankheitsentstehung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) des Jugendalters zu erhellen und nach molekularen Strukturen zu suchen, die langfristig 1. zur Herstellung von neuen Medikamenten zur Behandlung von PTBS dienen könnten und 2. zur Identifikation von Blutwerten führen könnten, sog. Biomarker, die helfen könnten, den Therapieverlauf bei PTBS zu beschreiben. Die Daten werden im Rahmen einer Klinischen Studie erhoben, die ein Partner im Forschungsverbund durchführt. Bei dieser Studie wird die Wirksamkeit von zwei Therapieverfahren verglichen: die bisherige Standardbehandlung und ein neues psychotherapeutisches Verfahren (Cognitive Behavioural Therapy, CBT). Untersucht werden hierzu 14 bis 21-jährige Patienten mit PTBS. Vor und nach der jeweiligen Therapie werden Speichelproben erhoben, anhand derer eine Vielzahl epigenetischer Schaltermolekülen analysiert werden. Ziel ist es festzustellen, welche Genabschnitte durch die Therapie an- oder abgeschaltet werden. Auf dieser Basis könnte eine neue Entstehungshypothese der PTBS entwickelt werden.

 

Verbundprojekt CANSAS

Substanzmissbrauch als Ursache und Folge früher Gewalt und Vernachlässigung (UK Hamburg-Eppendorf)

 

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Martinistr. 52
20251 Hamburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

PD Dr. Ingo Schäfer
040 7410-59290
01KR1203A
1.459.385 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

Substanzmissbrauch und –abhängigkeit gehören zu den häufigsten Folgen früher Gewalt und Vernachlässigung. Weiter sind Suchterkrankungen bei den Eltern einer der bedeutsamsten Risikofaktoren für Gewalt und Vernachlässigung gegenüber Kindern. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Verbundprojekt CANSAS folgende Ziele: 1) Ein verbessertes Verständnis der Zusammenhänge zwischen Substanzmissbrauch und Gewalt in frühen Lebensphasen. 2) evidenzbasierte Behandlungsansätze für Personen mit substanzbezogenen Störungen, die an den Folgen früher Gewalt leiden. 3) geeignete diagnostische Ansätze und Weiterbildungsstrategien für professionelle Helfer, die an der Versorgung von Personen mit substanzbezogenen Störungen beteiligt sind. Zur Erreichung dieser Ziele werden zwei potenzielle Mediatoren zwischen früher Gewalt und Substanzmissbrauch (Emotionsregulation und neuroendokrine Stressreaktion) untersucht. Weiterhin wird ein kognitiv-verhaltenstherapeutischer Behandlungsansatz für Suchtkranke mit posttraumatischen Störungen evaluiert. In einem weiteren Ansatz werden ein Instrument zur Identifikation suchtkranker Eltern mit einem Risiko für die Ausübung von Gewalt sowie ein Trainingsprogramm zur besseren Diagnostik von Gewalt bei Personen mit Suchtproblemen entwickelt.

Missbrauch und Vernachlässigung im Kindesalter als Ursache von Substanzmissbrauch: Der Einfluss von Emotionsregulation (Universität Heidelberg)

 

 

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Psychologisches Institut
Hauptstr. 47-51
69117 Heidelberg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Sven Barnow
06221 547350
01KR1203B
414.113 EUR
01.05.2012 - 30.04.2015

Das Vorhaben der Universität Heidelberg beschäftigt sich mit der Bedeutung von Emotionsregulation für die Vermittlung zwischen Trauma und Substanzstörung. Die Ergebnisse sollen helfen zu verstehen, welche Bedeutung Emotionsregulationsstrategien für die Entstehung und den Verlauf der Störung haben. Hierfür werden Patienten mit Substanzstörungen in verschiedenen kooperierenden, stationären und ambulanten Einrichtungen in den Metropolregionen Köln und Heidelberg rekrutiert. Es soll untersucht werden, ob Patienten mit Substanzstörungen Emotionsregulationsdefizite wie Grübeln, Vermeidung, weniger kognitive Neubewertung, differenziert nach dem Vorliegen eines Traumas, zeigen. Die Gruppenvergleiche werden dabei hinsichtlich psychiatrischer Komorbiditäten wie Persönlichkeitsstörungen oder Depression kontrolliert. Ausserdem soll untersucht werden, ob Zusammenhänge zwischen Emotionsregulationsdefiziten und Substanzgebrauch sowie Craving/Rückfall bei aktuell abstinenten traumatisierten Patienten mit Substanzstörungen bestehen.

Verbundprojekt CANMANAGE
 
Opfer von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch können lang anhaltende Traumafolgestörungen entwickeln. Neben der Sicherstellung des Schutzes der Kinder vor weiteren Misshandlungen sind die frühzeitige Identifikation ihres psychiatrisch-psychotherapeutischen Hilfebedarfs und die Umsetzung evidenzbasierter Interventionen entscheidend für die langfristige Prognose.

 

Implementierung und Evaluation einer bedarfsgerechten, gemeindenahen Hilfeprozess-Koordination für Kinder und Jugendliche nach Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung

 

Universitätsklinikum Ulm
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie
Steinhövelstr. 5
89075 Ulm

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Lutz Goldbeck
0731 500-61661
01KR1202A
1.588.835 EUR
01.04.2012 - 31.03.2015

Das Vorhaben der Universität Ulm widmet sich der Erforschung und Evaluation einer systematischen Versorgungsstrategie an der Schnittstelle verschiedener Hilfesysteme (Kinder- und Jugendhilfe, Justiz, Gesundheitsversorgung). Im Rahmen einer Case-Management-Studie sowie einer Resilienzstudie werden an fünf klinischen Zentren in regionalen interdisziplinären Netzwerken insgesamt 500 von Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung betroffene Kinder im Alter von 4-14 Jahren untersucht. In einer kontrollierten Interventionsstudie wird die Wirksamkeit einer systematischen Hilfeprozesskoordination bei Kindern und Jugendlichen mit klinisch relevanten Störungen untersucht. Resilienzfaktoren werden identifiziert, indem über den Beobachtungszeitraum stabil unauffällige Misshandlungsopfer mit der klinisch auffälligen Gruppe verglichen werden.

 

Migrations- und kulturbezogene Themen in der Versorgung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen nach Missbrauch und Gewalt

 

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Philosophisch-Pädagogische Fakultät
Ostenstr. 26
85072 Eichstätt

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Rita Rosner
08421 931581
01KR1202B
216.956 EUR
01.04.2012 - 31.03.2015

Ziel des Vorhabens der KU Eichstätt-Ingolstadt ist die Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Migrationshintergründen (türkisch, russisch und serbo-kroatisch). Hintergrund dieses Ziels ist die Annahme, dass traumatisierten und vernachlässigten Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund seltener eine Behandlung angeboten und dass diese auch häufiger abgebrochen wird. In einem ersten Schritt soll ein Manual zum Umgang und der Bewältigung migrations- und kulturspezifischer Barrieren erstellt werden. Weiterhin sollen alle Fragebögen und Interviews, die Eltern betreffen, übersetzt werden. Im zweiten Schritt soll das Manual dann nach dem ersten Studienjahr in den Studienzentren des klinischen Verbundprojektes implementiert und evaluiert werden.

 

Verbundprojekt AMIS: Von der Kindesmisshandlung zu Internalisierungssymptomen und -störungen in Kindheit und Adoleszenz

Im Verbundvorhaben AMIS sollen zwei Kohorten aus Kindern mit Misshandlungserfahrung rekrutiert, untersucht und beobachtet werden. Das Forschungsziel ist die Identifizierung von Risikofaktoren, die zur Entstehung psychischer Auffälligkeiten in Folge von Kindesmisshandlung beitragen. Ebenso sollen Schutzfaktoren ermittelt werden, die zur Entwicklung geeigneter Maßnahmen beitragen, um diesem Risiko zu begegnen.

Psychologische Untersuchungen bei Kindern mit Misshandlungshintergrund (TP 2 und 3)

 

Universität Leipzig - Medizinische Fakultät
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Liebigstr. 20a
04103 Leipzig

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Kai v. Klitzing
0341 97-24010
01KR1201A
1.322.576 EUR
01.07.2012 - 30.06.2015

Im Vorhaben wird die Entwicklung von Kindern mit psychischen Störungen und/oder Misshandlungserfahrungen mit der von gesunden Kindern verglichen. Dabei sollen psychische, soziale und neurobiologische Faktoren identifiziert werden, die das Risiko für eine psychische Störung erhöhen bzw. solche, die vor einer psychischen Störung schützen. Zur Klärung dieser Zusammenhänge werden zwei Gruppen von knapp 600 Kindern verschiedener Altersstufen untersucht, die sich bereits in Voruntersuchungen als psychisch belastet gezeigt haben. Darüber hinaus werden mehr als 100 Kinder, die in Folge von erlebter Gewalt, psychischer oder sexueller Misshandlung oder Vernachlässigung vom Jugendamt in Obhut genommen werden, um Beteiligung an den Forschungsuntersuchungen gebeten. Aus den Ergebnissen sollen Rückschlüsse für gezielte Behandlungsprogramme für solche Kinder gezogen werden, die aufgrund ihrer Verletzlichkeit einem besonders hohen Risiko unterliegen, infolge erlebter Misshandlung psychisch krank zu werden.

 

Endokrinologische Laboruntersuchungen im AMIS Forschungsverbund (TP 4)

 

Technische Universität Dresden
Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften
Fachrichtung Psychologie
Institut für Allgemeine Psychologie, Biopsychologie und Methoden der Psychologie

Chemnitzer Str. 46
01067 Dresden

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Clemens Kirschbaum
0351 463-39660
01KR1201B
147.888 EUR
01.07.2012 - 30.06.2015

Die TU Dresden wird die Labordiagnostik zur Bestimmung von Hormonspiegeln durchführen. Es soll die Cortisolkonzentration in Haarproben der beteiligten Kinder gemessen werden, eine innovative Methode zur Erfassung langfristiger Cortisolausschüttungen als Zeichen langanhaltender Stressbelastung. Des Weiteren wird eine Messung der Stressreaktionsregulation durch Speichelcortisol- und Speichelamylasekonzentration erfolgen. Die Proben werden im Rahmen eines standardisierten biopsychosozialen Stresstestes (Trierer Sozialer Stresstest) gesammelt. Dabei handelt es sich um Proben von einer Subgruppe von Kindern, bei denen es erwiesenermaßen zu schwerwiegenden Misshandlungserfahrungen gekommen ist. Die zu sammelnden Haar- und Speichelproben werden im biochemischen Labor der TU Dresden aufgearbeitet und analysiert. Die Arbeiten werden dazu beitragen, Risiko- und Schutzfaktoren zu identifizieren, die die psychische Entwicklung von Kindern nach erlebter Gewalt oder Misshandlung beeinflussen.

 

Gewinnung und Charakterisierung einer Stichprobe von Kindern (bis 14 Jahre) mit Misshandlungserfahrung

 

Stadt Leipzig – Jugendamt
Abt. Fachkoordination und -beratung
Jugendhilfeplanung

Naumburger Str. 26
04229 Leipzig

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dipl. Soz. Päd. Katrin Hoffmann
0341 123-4340
01KR1201C
124.281 EUR
01.07.2012 - 31.12.2014

Im Vorhaben der Stadt Leipzig sollen 110 Kinder mit Misshandlungshintergrund rekrutiert und in die Studie eingeschlossen werden. Weiterhin soll in Leipzig ein Aktenanalysesystem erforscht werden. Kinder und Jugendliche im Alter bis 14 Jahre, die auf Grund von Misshandlungen in Obhut gem. §42 SGB VIII genommen wurden oder durch richterlichen Beschluss außerhalb der Familie fremdplatziert wurden, werden durch den allgemeinen Sozialdienst erfasst und durch Aktenanalyse eine Falleinschätzung erarbeitet. Die Untersuchung der Kinder erfolgt dann in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig.

 

Gewinnung und Charakterisierung einer Stichprobe von Kindern (bis 14 J.) mit Misshandlungserfahrung

 

Landeshauptstadt München
Sozialreferat - Stadtjugendamt

Prielmayerstr. 1
80335 München

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Maria Kurz-Adam
089 233-23349502
01KR1201D
454.876 EUR
01.08.2012 - 31.07.2015

Im Vorhaben der Stadt München sollen 110 Kinder mit Misshandlungshintergrund rekrutiert werden. Mit Zustimmung der Personenberechtigten wird eine Projektstudie mit psychologischen Testungen, Interviews (Eltern u. Kinder) und medizinische Untersuchungen am Kind durchgeführt. Die Zustimmung wird in einem Hausbesuch bei den Personensorgeberechtigten eingeholt und mit der Begleitung zu Testverfahren und medizinischen Untersuchungen sowie Aufwandsentschädigungen unterstützt. Gleichzeitig werden auch mit den Eltern standardisierte Interviews geführt bzw. Erhebungen per Fragebogen durchgeführt. Weiterhin soll in München ein Aktenanalysesystem erforscht werden. Kinder und Jugendliche im Alter bis 14 Jahre, die auf Grund von Misshandlungen in Obhut gem. §42 SGB VIII genommen wurden oder durch richterlichen Beschluss außerhalb der Familie fremdplatziert wurden, werden durch den allgemeinen Sozialdienst erfasst und durch Aktenanalyse eine Falleinschätzung erarbeitet.

 

Laboranalysen, Datenbankbetreuung und Datenanalyse (TP 5)

 

Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Kraepelinstr. 2-10
80804 München

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Marcus Ising
089 30622-430
01KR1201E
662.924 EUR
01.07.2012 - 30.06.2015

Das MPI für Psychiatrie in München wird die Labordiagnostik durchführen. Dies umfasst die Genotypisierung von Kandidatengenen der Stressregulation, die Bestimmung epigenetischer DNA-Modifikationen in diesen Genen und die Messung von Steroidhormonen und deren Metaboliten. Hierzu werden Speichel- und Blutproben aus Subgruppen der in die Kohorte eingeschlossenen Kinder aufgearbeitet und analysiert. Des Weiteren wird das MPI für Psychiatrie die Datenbank, die zur Durchführung einer komplexen Kohortenstudie benötigt wird, erstellen und betreuen. Dies umfasst neben der reinen Datenbankarbeit auch die Qualitätssicherung der Daten sowie statistische Auswertungen und Datenanalysen. Die Arbeiten werden dazu beitragen, Risiko- und Schutzfaktoren zu identifizieren, die die psychische Entwicklung von Kindern nach erlebter Gewalt oder Misshandlung beeinflussen.

 

 

 

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