Forschungsverbünde zu Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend

 

Öffentliche Bekanntmachung:  2010 

Förderzeitraum:

2012 - 2016

Gesamtvolumen:

ca. 23 Mio. Euro

Vorhabenzahl:

11 Verbünde mit insgesamt 34 Zuwendungsempfängern

 

Verbund: TRANS-GEN 
Verbund: RELEASE
Verbund: GROWTREAT 
Verbund: Berlin LCS
Verbund: UBICA 
Verbund: NeMUP-Nord
Verbund: CANMANAGE 
Verbund: AMIS

1. Ziele des Förderschwerpunktes

Sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen ist ein seit langem bekanntes Problem. Das Thema wurde jedoch nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Forschung lange Zeit tabuisiert. Die Bundesregierung hat daher am 24. März 2010 den Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen im familiären Bereich“ eingerichtet. Ziel des „Runden Tisches“ ist es, Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt besser zu schützen und das Thema Missbrauch zu enttabuisieren.

Um gezielte Behandlungs- und Präventionsstrategien definieren zu können, ist Forschung zu Missbrauch in diesem Zusammenhang zwingend notwendig. Da sich die Folgen von im Kindesalter erlebter (sexueller) Gewalt über die gesamte Lebensspanne zeigen, sollen die Forschungsfragen nicht auf die Kindheit beschränkt bleiben. Vielmehr können auch - wo sinnvoll - Untersuchungen bis ins Erwachsenenalter Gegenstand der Forschung sein. Die Forschungsfragen können sich sowohl auf Betroffene als auch auf Täter sowie die Rahmenbedingungen beziehen. Die Förderung zielt insbesondere auf

• die Erforschung der biologischen, psychischen und psychosozialen Ursachen und Folgen von Gewalt und Missbrauch,

• die Interventions- und Therapiemöglichkeiten bei Betroffenen und Gefährdeten sowie

• die Prävention, Diagnostik und Therapie sexueller Präferenz oder Verhaltensstörungen, die zur Gewaltausübung gegenüber Kindern und Jugendlichen prädisponieren.

Forschergruppen müssen durch einschlägige Vorarbeiten in Forschung und Entwicklung zu Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgewiesen sein.

2. Stand der Fördermaßnahme

Mit der Fördermaßnahme "Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt" unterstützt das BMBF in zwei Förderrunden auf diesem Gebiet die Forschungslandschaft in Deutschland und fördert seit 2012 elf Forschungsverbünde.
In der ersten Runde verlief die Auswahl der Anträge zweistufig: Zunächst wurden 45 Projektskizzen für Verbundvorhaben eingereicht. Von diesen Skizzen wurden 23 von einem internationalen Gutachtergremium positiv bewertet und für die zweite Verfahrensstufe ausgewählt. Im Falle einer positiven Begutachtung wurden die Antragsstellenden anschließend eingeladen, einen detaillierten Antrag einzureichen. Diese Anträge wurden im Rahmen einer Gutachter-Sitzung im Juli 2011 in Berlin bewertet. Abschließend wurden in der ersten Runde sieben Verbundvorhaben zur Förderung ausgewählt.

In der zweiten Runde wurde denjenigen Forschungsverbünden, deren Vollantrag in der Begutachtung nicht zur Förderung empfohlen wurde, aufgrund des großen Potentials für die deutsche Gesundheitsforschung die Möglichkeit gegeben, ihre Anträge insbesondere hinsichtlich einer Verbesserung der methodischen Qualität zu überarbeiten. Von den 16 Forschungsverbünden, deren Vollantrag in der ersten Runde nicht zur Förderung mit hoher Priorität empfohlen werden konnte, nutzten zwölf Forschungsverbünde die Möglichkeit, ihre überarbeiteten Anträge erneut einzureichen. Im Rahmen der zweiten Begutachtung im Dezember 2012 wurden abschließend vier weitere Verbundvorhaben zur Förderung empfohlen.

Insgesamt sind in der Fördermaßnahme "Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt"  34 Zuwendungsempfänger und 47 Forschergruppen aus ganz Deutschland beteiligt.
Für alle Vorhaben ist eine 3-jährige Förderung vorgesehen. Das BMBF stellt dafür in den Jahren 2012 bis 2016 ca. 23 Millionen Euro zur Verfügung.

Geförderte Verbünde

a) Kurzbeschreibungen der laufenden Vorhaben

(Sortierung innerhalb der Verbünde nach Förderkennzeichen)

Verbundprojekt TRANS-GEN: Stressresilienz in der transgenerationalen Weitergabe von Missbrauchs-, Misshandlungs- und Vernachlässigungserfahrungen in der Kindheit

Mütter mit eigenen traumatischen Erfahrungen von Kindesmisshandlung oder -vernachlässigung (KM) haben ein erhöhtes Risiko auch den eigenen Nachwuchs inadäquat zu behandeln. Allerdings trifft das nur auf 7-23 Prozent der Mütter zu, die Mehrzahl der Mütter gibt diese schlechte Erfahrung nicht weiter und ist „resilient" (widerstandsfähig). Diese Längsschnittsstudie hat sich zum Ziel gesetzt, psychologische, physiologische und soziale Faktoren zu identifizieren, die ganz besonders die Resilienz der Mutter-Kind-Dyade im ersten Lebensjahr fördern.

Kindliche Stressresilienz und Entwicklung und biologische Korrelate von traumatischem Stress

Universität Ulm – Universitätsklinikum
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie
Steinhövelstr. 5
89075 Ulm

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jörg Fegert
0731 500-61601
01KR1304A
1.732.512 EUR
01.06.2013 - 31.03.2017

Es wird eine Geburtskohorte an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Ulm untersucht und zu möglichen traumatischen Erfahrungen in Kindheit und Jugendalter befragt. Mütter mit und ohne Misshandlungserfahrung werden ein Jahr lang begleitet, um psychologische (mütterliche Psychopathologie und Bindungsrepräsentation, mütterliche Trauma- und Stressbelastung, Mutter-Kind-Bindung), physiologische (hormonelle und epigenetische Korrelate von Stress und Bindung) sowie soziale Risiko- und Schutzfaktoren (soziale Unterstützung, Hilfebedarf der Familie) zu erheben. Zu den Ergebnissen gehören sowohl kindliche psychologische, physiologische und verhaltensmäßige Stressreaktionen als auch die kindliche (kognitive) Entwicklung. Die Erhebungen erfolgen im 3. und 12. Lebensmonat des Kindes. Im parallelen Tiermodell können vor allem die biologischen Parameter detaillierter untersucht werden.

 

Epigenetische Analysen am Tiermodell

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fakultät für Naturwissenschaften
Institut für Biologie
Abt. Zoologie/Entwicklungsneurobiologie
Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Anna Katharina Braun
0391 67-55001
01KR1304B
465.312 EUR
01.06.2013 - 31.03.2017

An einem Tiermodell für frühkindliche Misshandlung und Vernachlässigung (childhood maltreatment CM) soll die Hypothese überprüft werden, ob CM das Methylierungsmuster der DNA im Gehirn verändert, und dadurch die funktionelle Reifung der neuronalen Schaltkreise stört, die für sozio-emotionales Verhalten relevant sind. Ein besonderer Fokus liegt in der Identifizierung geschlechtsspezifischer und individueller Anfälligkeit bzw. Widerstandsfähigkeit und der Charakterisierung von Faktoren, die zu Widerstandsfähigkeit führen. Hierzu werden Immunohistochemische Untersuchungsmethoden und quantitative Analysen von "emotionalen” neuronalen Systemen, in Kombination mit zellulären Aktivitätsmarkern untersucht. Der Methylierungsstatus wird über methylierungsspezifische molekulargenetische Methoden geprüft. Zusätzlich zu einem explorativen Ansatz soll auch hypothesengeleitet auf spezifische Targets fokussiert werden, über welche die Anfälligkeit bzw. Widerstandsfähigkeit gegenüber CM vermittelt wird. Ein entscheidender Vorteil des Tiermodells ist, dass Veränderungen der Methylierungsmuster nicht-neuronaler peripherer Zellen z. B. Blut, Speichel direkt mit denen im Gehirn verglichen werden können. Die Auswirkungen von Veränderungen der DNA-Methylierung auf die Expression spezifischer Gene und der entsprechenden Proteine werden quantitativ untersucht.

 

Stressresilienz in der transgenerationalen Weitergabe von Misshandlung in der Kindheit

Deutsches Jugendinstitut e.V.
Nockherstr. 2
81541 München

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Heinz Kindler
089 62306-245
01KR1304C
163.575 EUR
01.06.2013 - 31.03.2017

In einer Geburtskohorte von mehr als 300 Kindern, deren Mütter etwa zur Hälfte Misshandlungserfahrungen in ihrer eigenen Kindheit machen mussten, werden zum Alterszeitpunkt 3 Monate die von Müttern selbst wahrgenommene soziale Unterstützung, Stress aufgrund der Versorgungsaufgaben mit dem Kind sowie der selbst und fremd eingeschätzte Unterstützungsbedarf der Familie erhoben. Zum Alterszeitpunkt 12 Monate werden diese Angaben erneut sowie zusätzliche tatsächliche Nutzung von Hilferessourcen erhoben. In der Zusammenarbeit mit anderen Teilprojekten werden anschließend biologische, psychologische und soziale Determinanten des Unterstützungsbedarfs und der tatsächlichen Nutzung von Hilfen untersucht und mögliche Querverbindungen zur Stressresilienz beim Kind und der Entwicklung der Mutter-Kind Beziehung untersucht. Die Vorgehensweise beinhaltet zunächst die Aufbereitung mehrerer international erprobter Fragebögen zu Unterstützungsbedarfen, sozialer Unterstützung und Elternstress für die Nutzung in der Studie, die Unterstützung des Einsatzes dieser Maße zu t1 (incl. Fragebogenauswertung), die Entwicklung eines lokal angepassten Fragebogenverfahrens zur Erhebung der Nutzung lokaler Hilfsangebote durch die Familien und die Unterstützung des Einsatzes dieses Verfahrens zu t2 sowie uni- und multivariate Auswertung der Ergebnisse.

 

Verbundprojekt RELEASE: Behandlung psychosozialer und neuronaler Folgen von interpersoneller Gewalt in der Kindheit bei Erwachsenen

Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung nach interpersonellen Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend leiden meist unter schweren zusätzlichen psychischen Störungen. Insbesondere die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine häufige Folgestörung und führt zu komplexen Symptombildern.

Evaluation eines ambulanten Behandlungsprogramms und experimentelle Validierung des Therapieerfolgs

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin

J5
68159 Mannheim

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Martin Bohus
0621 1703-4001
01KR1303A
1.662.845 EUR
01.09.2013 - 31.12.2016

Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim wurde erstmals ein stationäres Behandlungskonzept für diese häufige Störungsgruppe entwickelt und evaluiert (DBT-PTSD). Das Hauptziel des Verbundprojektes stellt nun die Überprüfung der Wirksamkeit dieses Behandlungsprogrammes unter ambulanten Bedingungen dar. Darüber hinaus werden Faktoren untersucht, die den Erfolg der Therapie maßgeblich beeinflussen. In Teilprojekten werden neuronale Mechanismen der Therapie und deren Auswirkung auf das emotionale Wiedererleben von traumatischen Erinnerungen beforscht. Im Rahmen einer multizentrischen Studie in Mannheim, Frankfurt und Berlin wird die Wirksamkeit der DBT-PTSD mit „Cognitive Processing Therapy" verglichen. Dabei werden 180 Patientinnen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung nach Gewalterfahrung in der Kindheit und Jugend sowie einer Emotionsregulationsstörung den beiden Behandlungen randomisiert zugeteilt. Die Patienten erhalten 40 Therapiesitzungen. Die Messungen erfolgen zu Beginn, während der einjährigen Therapie sowie drei Monate nach Abschluss der Therapie. Eine Untergruppe wird bei Einschluss und Abschluss der Therapie an einer Bildgebungsstudie teilnehmen.

 

Therapeutische Kernkomponenten und Kompetenzen als Prädiktoren für den Therapieerfolg

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für Psychologie
PEG - Gebäude

Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Regina Steil
069 798-23379
01KR1303B
138.257 EUR
01.09.2013 - 31.08.2017

Ziel der Studie ist es, den Einfluss allgemeiner sowie spezifischer therapeutischer Kompetenzen auf den Behandlungserfolg durch DBT-PTSD (Dialektisch Behaviorale Therapie für PTBS) und CPT-C (Cognitive Processing Therapy) bei Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach sexuellem oder körperlichem Missbrauch in der Kindheit zu untersuchen. Der Erfolg wird über ein klinisches Interview (CAPS) erfasst. Zusätzlich wird der Einfluss der Symptombelastung vor der Behandlung, das Ausmaß der Manualtreue der Therapeuten (Adhärenz) und die Interaktion zwischen Therapeut und Patient (Allianz) untersucht. Im Rahmen der Behandlungen erfolgt die Einschätzung der spezifischen therapeutischen Kompetenz auf Basis von Therapievideos mittels eigens entwickelter Skalen: DBT-PTSD Competence Rating Scale (Steil et al., 2012a) sowie CPT-C Competence Rating Scale (Steil et al., 2011). Die allgemeine Kompetenz wird durch die Cognitive Therapy Scale (CTS; Young & Beck, 1980) überprüft. Rater haben fünf Therapien durchgeführt und durchlaufen ein 3tägiges Training. Das Penn Helping Alliance Rating überprüft die therapeutische Allianz und wird in Moderatoranalysen einbezogen werden. Des Weiteren wird die Adhärenz durch die „DBT-PTSD Adherence Rating Scale" respektive die "CPT-C Adherence Rating Scale" erfasst. Das Rating von Kompetenz/Adhärenz nimmt pro Therapiesitzung ca. zwei Stunden in Anspruch. Als primärer Outcome dient der CAPS.

 

Verbundprojekt GROWTREAT: Auswirkungen von Vernachlässigung und Kindesmisshandlung unter verschiedenen Interventionsbedingungen

Viele Pflegekinder haben Misshandlungserfahrungen gemacht, die zu einer Fremdplatzierung geführt haben. Frühe traumatische Erfahrungen, seelische Verletzungen, Umbrüche und Krisen stehen oft mit zahlreichen emotionalen und Verhaltensproblemen bei Kindern in Zusammenhang und es ist für die Betroffenen häufig nicht leicht, die Erlebnisse zu verarbeiten. Nicht selten beeinflusst es ihre Verhaltensweisen auch dann noch nachhaltig, wenn sie in einer "neuen" Familie untergebracht wurden. Die langfristigen Folgen von Misshandlungserfahrungen und Fremdunterbringungen führen dazu, dass es ehemaligen erwachsenen Pflegekindern nur in der Hälfte aller Fälle gelingt, eine ökonomische Selbstständigkeit, gute Familienbeziehungen und eine gute Fürsorge für ihre eigenen Kinder zu verwirklichen. In dem Verbundvorhaben soll die Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungsverfahrungen unter unterschiedlichen Förderbedingungen untersucht werden.

TREAT-Part

Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Institut für Psychologie
Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik
Humboldtstr. 33
38106 Braunschweig

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Nina Heinrichs
0531 391-2854
01KR1302A
555.042 EUR
01.07.2013 - 31.12.2017

Mit diesem Vorhaben soll die Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen unter verschiedenen Förderbedingungen erforscht werden. Dazu wird an der TU Braunschweig der zusätzliche Nutzen eines neues neuer Intervention ("Taking Care Triple P") untersucht, die Pflegeeltern in der Erziehung ihres Pflegekindes unterstützen soll.Die klinische Studie (TREAT-Part) ist eingebettet in eine Längsschnittstudie zur Entwicklung von Pflegekindern mit Missbrauchs- und Vernachlässigungserfahrungen. Erfasst werden sollen Veränderungen in der Pflegeeltern-Kind-Interaktion, dem elterlichen Erziehungsverhalten und der Anzahl notwendiger Unterbringungswechsel. Auch Veränderungen in Hinblick auf psychische Auffälligkeiten beim Pflegekind, die kindliche Emotionsregulation sowie neurobiologische Veränderungen in der Stressreaktion werden betrachtet. Darüber hinaus sollen durch die Studie Aussagen darüber möglich werden, inwiefern Pflegekinder, soweit sie in einer positiven und sicheren Umgebung aufwachsen, die Chance auf eine normale Entwicklung haben. Einem per Zufall ausgewählten Teil der in die Längsschnittstudie eingeschlossenen Pflegeeltern wird die Teilnahme an einer an die Bedürfnisse von Pflegefamilien angepassten Intervention zur Förderung der Erziehungskompetenz und des Umgangs mit dem Pflegekind angeboten. Das Elterntraining umfasst fünf Gruppensitzungen, zwei individuelle Telefonberatungen und eine Abschlusssitzung. Zur Überprüfung des zusätzlichen Nutzens im Vergleich zu den regulären Angeboten für Pflegefamilien finden im Rahmen des TREAT-Parts zu drei Zeitpunkten Erhebungen statt: vor Beginn, direkt nach sowie ein Jahr nach der Intervention. 

GROWPART

Universität Bielefeld
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Abt. für Psychologie
Universitätsstr. 25
33615 Bielefeld

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Arnold Lohaus
0521 106-4515
01KR1302C
484.980 EUR
01.07.2013 - 31.07.2017

Mit dem Vorhaben soll die Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen unter unterschiedlichen Förderbedingungen untersucht werden. Es wird dabei von der Annahme ausgegangen, dass Kinder mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen vor allem unmittelbar nach dem Übergang in eine Pflegefamilie deutliche Entwicklungsauffälligkeiten aufweisen, die sich jedoch mit der Dauer der Fremdunterbringung reduzieren. Mit der geplanten Studie soll deutlich werden, welche Kinder von einer Fremdplatzierung stärker und welche Kinder weniger stark profitieren. Zusätzlich soll erkennbar werden, welche Maßnahmen in besonderem Maße zu einer positiven Entwicklung von Pflegekindern beitragen.  Um mögliche Entwicklungsunterschiede und ihre Ursachen untersuchen zu können, soll bei Pflege- und Vergleichskindern eine Reihe von Erhebungen stattfinden. Dazu zählen u.a. die Beantwortung von Fragebögen durch die Eltern (z.B. zu Bewältigungs- und Emotionsregulationskompetenzen, zu kritischen Lebensereignissen und Verhaltensauffälligkeiten), die Durchführung von Verhaltensbeobachtungen sowie die Erhebung verschiedener physiologischer Parameter, die Hinweise auf das Stresserleben von Kindern liefern können (z.B. die Schlafqualität und Cortisol-Messungen). Die längsschnittlichen Erhebungen sollen in einem halbjährlichen Abstand wiederholt werden, um Entwicklungsverläufe und mögliche Einflussparameter erfassen zu können.

 

Verbundprojekt Berlin LCS

Frühe traumatische Lebenserfahrungen sind mit einem stark erhöhten Risiko für seelische und körperliche Erkrankungen im Erwachsenenalter assoziiert, wobei die genetische Ausstattung des Kindes einen schützenden Faktor darstellen kann. Es ist bislang jedoch ungeklärt, welche unmittelbaren biologischen Prozesse die Folgen von Misshandlung sowie die Modulationen durch das Erbgut vermitteln.

Unmittelbare biologische Einbettung von Kindesmisshandlung: Berliner Longitudinale Kinderstudie

Charité - Universitätsmedizin Berlin
Institut für Medizinische Psychologie
Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften
Luisenstr. 57
10117 Berlin

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Christine Heim
030 450 529-222
01KR1301A
1.798.327 EUR
01.07.2013 - 30.06.2017

Das Ziel der Studie ist es, die unmittelbaren Prozesse der Einbettung von Misshandlung auf verschiedenen Ebenen (Gene, Stressregulationssysteme, Hirnentwicklung) sowie die Wechselwirkung von Genen und Umwelt auf diese biologischen Prozesse zu identifizieren. Es werden 160 misshandelte Kinder und 160 Kontrollkinder (n=320; Altersspanne 2-5) im Längsschnitt über einen Zeitraum von 2 Jahren in 3 Teilprojekten untersucht. Teilprojekt 1 evaluiert die psychiatrische Entwicklung der Kinder. Teilprojekt 2 (Z) erfasst Veränderungen in neuroendokrinen, autonomen und immunologischen Regulationssystemen. Teilprojekt 3 untersucht die regionale Hirnentwicklung mittels Magnetresonanztomographie. Projektübergreifend wird überprüft, ob der Verlauf der biologischen Einbettung nach Misshandlung eine Vorhersage der Manifestation klinischer Symptome zulässt und inwieweit Gen-Umwelt-Interaktionen die Prozesse der biologischen Einbettung moderieren.

 

Unmittelbare biologische Einbettung von Kindesmisshandlung: Berliner Longitudinale Kinderstudie

Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Kraepelinstr. 2-10
80804 München

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Elisabeth Binder
089 30622-301
01KR1301B
471.838 EUR
01.06.2013 - 31.05.2017

Im Projekt wird untersucht, wie sich strukturelle (epigenetische) Veränderungen der DNA nach Kindesmisshandlung über die Zeit entwickeln. Das Zusammenspiel dieser Veränderungen wird im Zusammenhang mit vererbten Risikovarianten in bestimmten Genen, der Entwicklung von psychologischen Symptomen und Veränderungen im Stresshormonsystem und der kindlichen Hirnentwicklung untersucht. Diese Untersuchungen sollen ein Zeitfenster ermitteln in dem diese Veränderungen entstehen, aber möglicherweise noch rückgängig zu machen oder zu vermeiden sind. Hierzu werden bei allen Probanden DNA und RNA aus Speichelproben extrahiert und auf Quantität und Qualität geprüft. In je einer DNA-Probe pro Proband werden die Genotypen von sechs relevanten Genen bestimmt und miteinander verglichen. Mittels quantitativer PCR wird die Menge der mRNA einer der sechs Gene bestimmt. Gleichzeitig wird die Methylierung dieses Gens, die eine epigenetische Änderung anzeigen kann, in DNA-Proben aus Speichel bestimmt. Zusätzlich soll bei den Probanden das genom-weite DNA-Methylierungsprofil ermittelt werden. Außer der Bestimmung der Genotypen werden alle diese Arbeiten zu fünf Untersuchungszeitpunkten durchgeführt, um eine eventuelle zeitliche Veränderung feststellen zu können.

 

Verbundprojekt UBICA: Den Teufelskreislauf der Traumatisierung verstehen und unterbrechen

Im Verbund soll der generationenübergreifende Zyklus der Misshandlung, bei dem Mütter mit eigenem Misshandlungshintergrund häufig auch die eigenen Kinder misshandeln, erforscht werden. Hierzu sollen die Erkenntnisse aus der neurobiologischen Grundlagenforschung mit randomisierten kontrollierten Interventionsstudien kombiniert werden.

Entwicklung und Evaluation eines Programms für Mädchen mit geistiger Behinderung zur Prävention von sexuellem Missbrauch

Universitätsmedizin Rostock
Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter

Gehlsheimer Str. 20
18147 Rostock

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Frank Häßler
0381 494-4601
01KR1206
526.039 EUR
01.09.2012 - 31.12.2016

Ziel des Projekts ist es, ein Trainingsprogramm für geistig behinderte Mädchen zu erstellen, das theoretische Erkenntnisse internationaler Forschung mit den praktischen Erfahrungen deutscher Experten kombiniert. Die bisher stark vernachlässigte Hochrisikogruppe der Mädchen mit geistiger Behinderung soll mithilfe des Programms vor sexuellen Übergriffen geschützt werden, was in engem Zusammenhang mit den förderpolitischen Zielen steht. Das Projekt besteht aus drei großen Phasen. In der Planungsphase wird zusammen mit Experten aus den Bereichen Missbrauchsprävention und Geistige Behinderung in Fokusgruppen ein bestmöglich auf die Zielgruppe zugeschnittenes Programm erstellt, das auch die Ergebnisse der internationalen Forschung, Anweisungen der Ethikkommission sowie statistische Anliegen beachtet. Eine Pilotstudie erlaubt die Aufdeckung und Änderung von Mängeln vor Studienbeginn. In der Durchführungsphase durchlaufen die Probanden das von geschulten Trainern dargebotene Programm. Die Evaluation überschneidet die Durchführung und erhebt das Wissen und die Fertigkeiten der Teilnehmer vor sowie nach der Teilnahme am Training, um Aussagen über die Wirksamkeit des Programms zu treffen. In der Durchführungs- und Evaluationsphase werden durch enges Monitoring die Einhaltung der Standards sowie Abbruchkriterien gewährleistet.

 

Verbundprojekt NeMUP-Nord

Trotz des häufigen Vorkommens von Kindesmissbrauch sind die neurobiologischen Grundlagen von Pädophilie und sexueller Gewalt bei Tätern nur unzureichend erforscht. Neuere Theorien gehen davon aus, dass genetische Veranlagung und lebensgeschichtliche Ereignisse gemeinsam Veränderungen in Hirnstruktur und -funktion bewirken können, die objektiv messbar sind und einer sexuellen Vorliebe für Kinder (Pädophilie) und/oder sexuellem Missbrauch zugrunde liegen.

Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellem Missbrauchsverhalten gegen Kinder

Medizinische Hochschule Hannover
Zentrum für Seelische Gesundheit
Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Tillmann Krüger
0511 532-2407
01KR1205A
2.738.611 EUR
01.05.2012 - 31.12.2016

Das Vorhaben der Medizinischen Hochschule Hannover widmet sich daher der Erforschung der neurobiologischen Unterschiede zwischen pädophilen und nicht-pädophilen Kindesmissbrauchern sowie pädophilen und nicht-pädophilen Männern, die keinen sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben. Im Vorhaben soll das Zusammenwirken von psychologischen, neuropsychologischen, endokrinologischen, (epi-)genetischen, hirnstrukturellen und hirnfunktionellen Faktoren untersucht werden. Zudem sollen Rezeptorprofile des serotoninergen und dopaminergen Transmittersystems des zentralen Nervensystems mit der Single-Photon-Emission-Computed-Tomography (SPECT) ermittelt werden, um zu erforschen, ob es bei Pädophilie und/oder Kindesmissbrauch zu Veränderungen der Funktionalität dieser Neurotransmittersysteme kommt. Im Rahmen der Studie werden an fünf sexualmedizinischen und psychiatrischen Standorten insgesamt 250 Probanden untersucht. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse sollen das Grundlagenverständnis erweitert sowie diagnostische Methoden und therapeutische Strategien evaluiert und verbessert werden.

 

Verbundprojekt CANMANAGE

Opfer von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch können lang anhaltende Traumafolgestörungen entwickeln. Neben der Sicherstellung des Schutzes der Kinder vor weiteren Misshandlungen sind die frühzeitige Identifikation ihres psychiatrisch-psychotherapeutischen Hilfebedarfs und die Umsetzung evidenzbasierter Interventionen entscheidend für die langfristige Prognose.

Implementierung und Evaluation einer bedarfsgerechten, gemeindenahen Hilfeprozess-Koordination für Kinder und Jugendliche nach Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung

Universitätsklinikum Ulm
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie
Steinhövelstr. 5
89075 Ulm

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Lutz Goldbeck
0731 500-61661
01KR1202A
1.588.835 EUR
01.04.2012 - 30.06.2017

Das Vorhaben der Universität Ulm widmet sich der Erforschung und Evaluation einer systematischen Versorgungsstrategie an der Schnittstelle verschiedener Hilfesysteme (Kinder- und Jugendhilfe, Justiz, Gesundheitsversorgung). Im Rahmen einer Case-Management-Studie sowie einer Resilienzstudie werden an fünf klinischen Zentren in regionalen interdisziplinären Netzwerken insgesamt 500 von Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung betroffene Kinder im Alter von 4-14 Jahren untersucht. In einer kontrollierten Interventionsstudie wird die Wirksamkeit einer systematischen Hilfeprozesskoordination bei Kindern und Jugendlichen mit klinisch relevanten Störungen untersucht. Resilienzfaktoren werden identifiziert, indem über den Beobachtungszeitraum stabil unauffällige Misshandlungsopfer mit der klinisch auffälligen Gruppe verglichen werden.

 

Verbundprojekt AMIS: Von der Kindesmisshandlung zu Internalisierungssymptomen und -störungen in Kindheit und Adoleszenz

Im Verbundvorhaben AMIS sollen zwei Kohorten aus Kindern mit Misshandlungserfahrung rekrutiert, untersucht und beobachtet werden. Das Forschungsziel ist die Identifizierung von Risikofaktoren, die zur Entstehung psychischer Auffälligkeiten in Folge von Kindesmisshandlung beitragen. Ebenso sollen Schutzfaktoren ermittelt werden, die zur Entwicklung geeigneter Maßnahmen beitragen, um diesem Risiko zu begegnen.

Psychologische Untersuchungen bei Kindern mit Misshandlungshintergrund

Universität Leipzig - Medizinische Fakultät
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Liebigstr. 20a
04103 Leipzig

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Kai v. Klitzing
0341 97-24010
01KR1201A
1.322.576 EUR
01.07.2012 - 31.12.2016

Im Vorhaben wird die Entwicklung von Kindern mit psychischen Störungen und/oder Misshandlungserfahrungen mit der von gesunden Kindern verglichen. Dabei sollen psychische, soziale und neurobiologische Faktoren identifiziert werden, die das Risiko für eine psychische Störung erhöhen bzw. solche, die vor einer psychischen Störung schützen. Zur Klärung dieser Zusammenhänge werden zwei Gruppen von knapp 600 Kindern verschiedener Altersstufen untersucht, die sich bereits in Voruntersuchungen als psychisch belastet gezeigt haben. Darüber hinaus werden mehr als 100 Kinder, die in Folge von erlebter Gewalt, psychischer oder sexueller Misshandlung oder Vernachlässigung vom Jugendamt in Obhut genommen werden, um Beteiligung an den Forschungsuntersuchungen gebeten. Aus den Ergebnissen sollen Rückschlüsse für gezielte Behandlungsprogramme für solche Kinder gezogen werden, die aufgrund ihrer Verletzlichkeit einem besonders hohen Risiko unterliegen, infolge erlebter Misshandlung psychisch krank zu werden.

 

b) Abgeschlossene Vorhaben

 

 

 

 

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