Gesunde Ernährung – Selbstverständlich? Ergebnisse einer Forsa-Umfrage

Ernähren Sie sich gesund? Diese Frage beantwortet die Mehrheit der Bevölkerung mit „Ja!“. Doch wie passen diese Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa mit der Tatsache zusammen, dass in Deutschland rund zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig sind?

Bildquelle: ThinkstockDas Ergebnis ist eindeutig: Eine große Mehrheit der Befragten, 84 Prozent, gibt an, sich in der Regel gesund zu ernähren – unabhängig vom Haushaltseinkommen. Nur 15 Prozent der mehr als 1.000 Befragten ernähren sich laut eigener Aussage nicht so oder überhaupt nicht gesund. Warum? Mehr als die Hälfte dieser Gruppe begründet ihre ungesunde Ernährung mit Zeitmangel. Denn eine Pizza aus der Tiefkühltruhe oder ein Hamburger vom Fast-Food-Restaurant sind bekanntlich schneller „zubereitet“ als eine selbst gekochte Mahlzeit mit frischem Gemüse. Nur 12 Prozent derjenigen, die sich meist ungesund ernähren, begründen ihre Essensgewohnheiten damit, dass ihnen gesunde Ernährung zu teuer sei.

Auch auf die Frage nach den Bestandteilen einer gesunden Ernährung wird deutlich, dass die meisten wissen, worauf es ankommt: Von fast allen der im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Befragten werden viel Obst und Gemüse (97 Prozent) genannt, gefolgt von frisch zubereiteten Speisen (96 Prozent) und ökologisch erzeugten Lebensmitteln (75 Prozent). Eine kalorienreduzierte Ernährung mit wenig Fett und Zucker sind für 60 Prozent der Befragten wichtiger Bestandteil gesunder Ernährung, für 23 Prozent der Verzicht auf rotes Fleisch. Weniger als ein Fünftel (18 Prozent) geben an, dass für sie zu einer gesunden Ernährung Nahrungsergänzungsmittel, wie beispielsweise Vitamintabletten, zählen.  

Gesunde Ernährung beginnt beim Einkaufen
Beim Lebensmittelkauf ist für mehr als 90 Prozent sehr wichtig oder zumindest wichtig, dass die Lebensmittel nicht nur gut schmecken, sondern auch gesund sind. Drei Viertel der im Dezember 2012 Befragten legen wert auf die Rückverfolgbarkeit ihrer Lebensmittel und auf regionale oder saisonale Produkte. Dass sich die Einkäufe einfach und schnell zubereiten lassen, ist lediglich für 10 Prozent sehr wichtig oder wichtig. Auf die Frage „Wie oft wird bei Ihnen zu Hause mit frischen Zutaten gekocht?“, geben zwei Drittel der Befragten an, dass in ihrem Haushalt fast täglich eine Hauptmahlzeit frisch zubereitet wird. Geringverdiener und Alleinwohnende kochen allerdings deutlich seltener als der Durchschnitt der Befragten (54 bzw. 47 Prozent geben an, fast täglich zu kochen). Auch gibt es anscheinend kein Informationsdefizit zum Thema gesunde Ernährung. Fast 90 Prozent der Befragten fühlt sich gut oder sogar sehr gut über gesunde Ernährung informiert.  

Stehen Realität und Selbsteinschätzung im Widerspruch?
Leben wir also in einem Land, in dem sich eigentlich fast alle gesund ernähren oder zumindest genau wissen, was zu einer gesunden Ernährung gehört? Die Ergebnisse der repräsentativen Forsa-Umfrage lassen dieses Fazit vermuten. Doch wie passt das mit der Tatsache zusammen, dass in Deutschland zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig sind? Die Realität zeigt: Ernährungsbedingte Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 nehmen in unserer Gesellschaft immer mehr zu. Stimmt also die Selbsteinschätzung der Bevölkerung zu ihrer eigenen Ernährungsweise vielleicht nicht? Der Experte Professor Dr. Hans Hauner gibt im Interview Antworten auf diese Fragen. „Insgesamt ist die Ernährung der Mehrheit der deutschen Bürger in Wirklichkeit zu fett und kalorienreich und oft alles andere als ausgewogen und gesundheitsförderlich“, so der Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin. „Hier schätzen sich offensichtlich viele Bürger falsch ein.“ Das ganze Interview lesen Sie hier


Mehr Gesundheit durch gezielte Prävention und Ernährung
Um der Entstehung von chronischen Volkskrankheiten vorzubeugen, weitet das BMBF die Forschungsaktivitäten zu Präventions- und Ernährungsforschung aus. Im „Aktionsplan Präventions- und Ernährungsforschung“ hat das BMBF ein Maßnahmenpaket zur strategischen Forschungsförderung aufgelegt und forschungspolitische Akzente für die kommenden Jahre gesetzt. Ziel ist, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen zu stärken und damit die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten.

Dieser Artikel ist auch im Newsletter Nr. 63 / August 2013 erschienen. 

 

 

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