2013 - 2016: Förderung von europäischen Forschungsprojekten zu neuen Methoden und Forschungsansätzen zum besseren Verständnis von Hirnerkrankungen

Erkrankungen des zentralen Nervensystems sind eine Hauptursache für Morbidität, Mortalität und Beeinträchtigung der Lebensqualität in der heutigen Zeit. Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen hiervon beeinträchtigt. Daher ist es von höchster Priorität, neurologische Erkrankungen zu erforschen sowie ihre Diagnose und Therapie zu verbessern. Die Bekanntmachung fokussiert auf innovative Methoden und Forschungsansätze zum besseren Verständnis von Hirnerkrankungen.

Die folgenden NEURON-Partnerorganisationen haben deshalb die eine gemeinsame Fördermaßnahme implementiert:
• Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Deutschland
• Austrian Science Fund (FWF), Österreich
• Research Foundation – Flanders (FWO), Belgien
• Fonds de Recherche du Québec-Santé (FRQS), Kanada (Québec)
• Academy of Finland (AKA), Finnland
• National Funding Agency for Research (ANR), Frankreich
• Chief Scientist Office, Ministry of Health (CSO-MOH), Israel
• Ministry of Health (MOH), Italien
• National Research Fund (FNR), Luxemburg
• National Centre for Research and Development (NCBiR), Polen
• Executive Agency for Higher Education, Research, Development and Innovation Funding (UEFISCDI), Rumänien
• Ministry of Science and Innovation (MICINN), Spanien
• Institute of Health Carlos III (ISCIII), Spanien

1. Ziel der Fördermaßnahme

Mit der vorliegenden Fördermaßnahme wird das Ziel verfolgt, einerseits die Entwicklung von Methoden und Forschungsansätzen zum besseren Verständnis von Hirnerkrankungen zu fördern und andererseits die Expertise und Ressourcen einschlägig qualifizierter Arbeitsgruppen aus den oben genannten Ländern zusammenzuführen. Durch gemeinsame kooperative Forschungsansätze sollen Fortschritte bei der Diagnose und der Therapie neurologischer Erkrankungen erzielt und Synergieeffekte ermöglicht werden, die allein auf nationaler Ebene nicht zu erreichen sind. Hierbei soll nicht die Methodenentwicklung per se gefördert werden. Vielmehr müssen die Forschungsprojekte hypothesengeleitet sein und innovative technologische Entwicklungen mit einer klaren und relevanten wissenschaftlichen Fragestellung kombinieren. Infrastruktur ist nicht Gegenstand der Förderung.

Die Förderung ist nicht begrenzt auf spezifische Methoden oder Forschungsansätze. Eine klare Begründung ist jedoch notwendig, die aufzeigt, warum ein Ansatz/eine Methode neu ist oder dass eine existierende Methode auf ein neues Forschungsfeld angewandt wird. Gefördert werden können Vorhaben, die beispielsweise die folgenden Bereiche thematisieren (andere Bereiche sind nicht ausgeschlossen): Bildgebung (z. B. optische, MR- und PET-Methoden), molekulare, (epi)genetische und „omics“-Ansätze, Stammzellen und neurale Differenzierung mit Bezug zur Zelltherapie, 'gene targeting' im Gehirn, molekulare Modellierung, elektrische und magnetische Hirnstimulation sowie verhaltensbezogene und epidemiologische Methoden.

Insbesondere sollen integrierte Methoden und Forschungsansätze und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Arbeitsgruppen gefördert werden sowie translationale Forschungsansätze, bei denen Grundlagenforschung mit klinischen Fragestellungen kombiniert werden. Klinische Studien sind bis zur Phase 2, „proof-of-concept“ zuwendungsfähig.

2. Stand der Fördermaßnahme

Die „Richtlinien zur Förderung von europäischen Forschungsprojekten zu neuen Methoden und Forschungsansätzen zum besseren Verständnis von Hirnerkrankungen“ wurden am 5.01.2012 veröffentlicht. In Reaktion hierauf wurden 184 Projektskizzen beim NEURON „Joint Call“-Sekretariat (Leitung: MINECO, Spanien) eingereicht. Zur Prüfung der Projektskizzen wurden externe, internationale Expertinnen und Experten der relevanten Fachdisziplinen einbezogen. 34 Projektvorschläge wurden positiv bewertet. Nach Einreichung von ausführlichen Projektanträgen und einer erneuten externen fachlichen Begutachtung wurden hiervon 11 transnationale Verbundvorhaben mit insgesamt 47 beteiligten Forschergruppen für eine Förderung ausgewählt. Von diesen kommen 13 Forschergruppen aus Deutschland. Die gesamte Fördersumme beträgt etwa 11,3 Mio €, das BMBF fördert hierbei die deutschen Forschergruppen mit 3,9 Mio €.

3. Geförderte Vorhaben
(Sortierung nach Förderkennzeichen)

NEURON-Verbund TargetECM: Hochauflösende Bildgebung und therapeutisches Targeting der extrazellulären Matrix (ECM)-vermittelten Signalübertragung bei Gehirnerkrankungen

Viele neurodegenerative Erkrankungen beruhen auf einer gestörten Kommunikation zwischen neuronalen Zellen. Diese Kommunikation findet in der Regel über Synapsen statt, das sind Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen, über die Signale in Form von elektrischen Impulsen übertragen werden. Bislang wurde noch kaum untersucht, welche Bedeutung das Gewebe zwischen den Nervenzellen, die sogenannte extrazelluläre Matrix (ECM), für die Funktion der Synapsen hat. Diese Thematik soll in dem Verbundvorhaben "TargetECM" untersucht werden.

Standort Magdeburg

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V.
Standort Magdeburg

Leipziger Str. 44, Haus 15
39120 Magdeburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Alexander Dityatev
0391 67-24526
01EW1308A
305.966 EUR
01.06.2013 - 31.12.2016

Das Vorhaben am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) entwickelt für das Projekt fluoreszierende Proben für die Bildgebung. Mithilfe von fluoreszierenden Markierungen können Proteine, die an der ECM-vermittelten Signalübertragung beteiligt sind, sichtbar gemacht werden. So lässt sich ermitteln, wo und zu welchem Zeitpunkt diese Proteine aktiv sind. Ein weiteres wichtiges Ziel dieses Vorhabens ist die Entwicklung von neuen therapeutischen Strategien für die Behandlung von Epilepsie und Alzheimerkrankheit.

 

Standort Hannover

Medizinische Hochschule Hannover
Zentrum Physiologie
Institut für Neurophysiologie
Zelluläre Neurophysiologie (OE 4230)

Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Evgeni Ponimaskin
0511 532-4858
01EW1308B
294.000 EUR
01.06.2013 - 31.12.2016

Das Vorhaben an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelt für das Projekt neue Mikroskopie- und Spektroskopiemethoden. Mit diesen Techniken können Proteine, die an der ECM-vermittelten Signalübertragung beteiligt sind, sichtbar gemacht werden. So lässt sich ermitteln, wo und zu welchem Zeitpunkt diese Proteine aktiv sind. Die Untersuchungen konzentrieren sich dabei auf Proteine, die bei der Epilepsie und der Alzheimerkrankheit eine wichtige Rolle spielen. Ein weiteres wichtiges Ziel dieses Vorhabens ist die Entwicklung von neuen therapeutischen Strategien für die Behandlung von Epilepsie und Alzheimerkrankheit. Die Ergebnisse des Vorhabens könnten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Signalübertragung zwischen Nervenzellen und die Ursachen von Gehirnerkrankungen wie Epilepsie und Alzheimer besser zu verstehen.

 

NEURON-Verbund SEMAINE: Simultane Messung von MEG oder fMRT und intrakraniellem EEG

Zusammenhang zwischen Magnetfeldern und icEEG-Komponenten

Universität Konstanz
Mathematisch- Naturwissenschaftliche Sektion
Fachbereich Psychologie/Zukunftskolleg
Fach D25

Universitätsstr. 10
78464 Konstanz

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Sarang Dalal
07531 88-5706
01EW1307
258.316 EUR
01.06.2013 - 31.12.2016

Rund zwei Millionen Europäer leiden an einer medikamentenresistenten Epilepsie, mit jährlich etwa 100.000 neuen Fällen. Häufig ist zur Behandlung der Betroffenen ein chirurgischer Eingriff notwendig und das Hirngewebe, in dem der epileptische Herd entsteht, muss entfernt werden. Um das betroffene Gewebe möglichst exakt eingrenzen zu können, sind bislang EEG-Messungen am offenen Gehirn notwendig, die sogenannte intrakranielle Elektroenzephalographie. Das Verbundprojekt "SEMAINE - Simultane Messung von MEG oder fMRT und intrakraniellem EEG " hat zum Ziel, diese Messung durch eine nicht-invasive Untersuchung zu ersetzen. Hierzu soll die Magnetenzephalographie (MEG) und die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) eingesetzt werden. Übergangsweise sollen diese Techniken dazu dienen, wichtige neuronale Netzwerke während eines chirurgischen Eingriffs besser identifizieren zu können, so dass sie möglichst intakt bleiben. Das Vorhaben der Universität Konstanz wird sich hierbei auf den Einsatz der MEG-Messungen konzentrieren und prüfen, ob diese intrakranielle EEG-Messungen ersetzen können. 

 

 

Abgeschlossene Vorhaben


 

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