Die ELSA-Förderung des BMBF

Kaum ein Forschungsgebiet hat in den vergangenen Jahrzehnten eine so rasante Entwicklung durchgemacht wie die modernen Lebenswissenschaften. Mit dem neuen Wissen werden weitere Fragen über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Entwicklungen aufgeworfen. Daraus hat sich eine eigenständige Forschungsrichtung entwickelt, die die modernen Lebenswissenschaften ergänzt – die ELSA-Forschung.
Wofür steht „ELSA“?

Hinter dem Akronym „ELSA“ verbirgt sich ein vielseitiger Forschungszweig, der sich mit den ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten („Ethical Legal and Social Aspects“) der modernen Lebenswissenschaften auseinandersetzt. ELSA geht über die Ethik hinaus – viele Fachdisziplinen greifen hier ineinander und ergänzen sich.

Zielsetzung der ELSA-Forschung

Ziel der ELSA-Forschung ist es, Aussagen zu Chancen und Risiken der modernen Lebenswissenschaften zu ermöglichen. Die Ergebnisse der geförderten Projekte können Grundlage für gesellschaftliche Diskurse, Forschung und Entwicklung, ärztliches Handeln und Entscheidungen von Politik oder Gesetzgeber sein. Voraussetzung für die ELSA-Forschung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Akteuren der Geistes- und Sozialwissenschaften, der Lebenswissenschaften sowie der Öffentlichkeit. So wird sichergestellt, dass ELSA-Forschung auf dem aktuellen Stand lebenswissenschaftlicher Forschung basiert und dass Lösungskonzepte unter Einbeziehung aller notwendigen Fachdisziplinen und Personenkreise erarbeitet werden. Wichtig für die Zusammenarbeit ist auch eine größtmögliche Objektivität und Unvoreingenommenheit aller Akteure.

BMBF-Förderung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Bedeutung der ELSA-Forschung früh erkannt. Seit 1997 fördert das BMBF die ELSA-Forschung programmatisch, derzeit mit rund 4,5 Millionen Euro. Zunächst als Bestandteil der Forschung zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms gestartet, sind die BMBF-Aktivitäten im Bereich ELSA inzwischen zu einem eigenständigen Förderschwerpunkt herangewachsen, in dem verschiedenste Förderinstrumente eingesetzt werden. Aktuell sind die wichtigsten davon „Forschungsvorhaben“, „Nachwuchsförderung“ und „Diskursvorhaben“. Oft wird auch gemeinsam mit internationalen Partnern gefördert. In regelmäßigen Abständen findet ein sog. Statusseminar aller geförderten Projekte statt. Die ELSA-Förderung ist Teil des Gesundheitsforschungsprogramms der Bundesregierung.

Förderinstrument Forschungsvorhaben

Die Förderung von ELSA-Forschungsprojekten ist der zentrale Baustein des Förderschwerpunktes. Das BMBF fördert interdisziplinäre Forschungsprojekte in der Regel in Forschungsverbünden. Die Projekte greifen aktuelle Themen der modernen Lebenswissenschaften auf und tragen zur Klärung ihrer gesellschaftlichen Bedeutung bei. So wird ein wichtiger Beitrag zum Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung geleistet. Forschungsprojekte sorgen auch für Aufbau und Erhalt einer international konkurrenzfähigen ELSA-Forschungsszene in Deutschland. Seit 2006 werden auch internationale Forschungsvorhaben in Kooperation mit Fördereinrichtungen anderer Länder gefördert. Neben themenoffenen Ausschreibungen, wurde im Jahr 2011 damit begonnen, aktuelle Themen mit hohem öffentlichem Diskussionsbedarf in themenspezifischen Ausschreibungen aufzugreifen. Aktuell sind Förderrichtlinien zu den ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten der Stammzellforschung (2014), der Neurowissenschaften (2015) und der Verfahren der Genom Editierung (2015) erschienen. Die hier geförderten Projekte tragen zur Aufklärung rund um das jeweilige Thema bei und skizzieren oft auch Wege des Umgangs mit solchen neuen Möglichkeiten.

Förderinstrument Nachwuchsförderung

Das Zusammenwirken verschiedener Forschungsrichtungen über die Grenzen der jeweils eigenen Disziplin hinweg ist ein wichtiger Baustein für funktionierende ELSA-Forschung. Traditionell eher isoliert voneinander handelnde Forschungsdisziplinen aus den medizinisch-naturwissenschaftlichen und den geistes- bzw. sozialwissenschaftlichen Fächern müssen in Beziehung gebracht und füreinander interessiert werden. Schaffung von Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für interdisziplinär orientierte Nachwuchswissenschaftler gehört zu den Prioritäten der ELSA-Förderung. Zu diesem Zweck wird jungen, interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch Förderung von Klausurwochen die Möglichkeit zum Training ihrer fächerübergreifenden Arbeits- und Kommunikationsfähigkeiten geboten. Auch in der Nachwuchsförderung wird zunehmend international gearbeitet.

Förderinstrument Diskursvorhaben

Austausch ist beim Thema ELSA auch auf einer anderen Ebene wichtig, und zwar zwischen Forschung und Öffentlichkeit. Es geht darum, in unserer Gesellschaft gemeinsam über Chancen und Risiken neuer Möglichkeiten zu diskutieren. Über die Förderung von Diskursvorhaben wurden bisher vor allem junge Erwachsene angesprochen. Die jungen Diskursteilnehmer sollen befähigt werden, sich zu ELSA-Themen eine eigene, reflektierte Meinung zu bilden.

Statusseminare

Das BMBF unterstützt die Vernetzung der unterschiedlichen Akteure im Förderschwerpunkt durch regelmäßige Statusseminare aller Beteiligten. Hier kommen alle Geförderten zusammen, um sich über aktuelle Fragen und den Verlauf der einzelnen Aktivitäten auszutauschen. Die Statusseminare bieten zudem die Möglichkeit, bestimmte Fachthemen durch Vortragsreihen oder Diskussionsrunden zu vertiefen.

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