Das Zusammenwirken verschiedener Forschungsrichtungen über die Grenzen der jeweils eigenen Disziplin hinweg ist ein wichtiger Baustein für funktionierende ELSA-Forschung. Traditionell eher isoliert voneinander handelnde Forschungsdisziplinen aus den medizinisch-naturwissenschaftlichen und den geistes- bzw. sozialwissenschaftlichen Fächern müssen in Beziehung gebracht und füreinander interessiert werden. Schaffung von Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für interdisziplinär orientierte Nachwuchswissenschaftler gehört zu den Prioritäten der ELSA-Förderung. Zu diesem Zweck wird jungen, interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch Förderung von Klausurwochen die Möglichkeit zum Training ihrer fächerübergreifenden Arbeits- und Kommunikationsfähigkeiten geboten. Auch in der Nachwuchsförderung wird zunehmend international gearbeitet.
Klausurwochen ELSA: Genom-Hacking: Klausurwoche zu ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten moderner Verfahren der Genom-Editierung und deren möglicher Anwendungen
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Sondervermögen Großforschung beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) |
Leiter: |
Dr. Harald König |
Klausurwochen ELSA: Genom-Editierung in der Humanmedizin? Ethische und rechtliche Probleme der Anwendung am Menschen: Ein Ländervergleich zwischen Deutschland, Österreich und Schweiz
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Westfälische Wilhelms-Universität Münster |
Leiterin: |
Dr. Beate Lüttenberg |
Klausurwochen ELSA: Eine neue Genrevolution? Ethische Rechtliche und Soziale Herausforderungen des Gen-Editing
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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg |
Leiter: |
Prof. Dr. Peter Dabrock |
Klausurwochen ELSA: Jenseits des Vorsorgeprinzips? Ethische, rechtliche und soziale Aspekte einer produktbezogenen Regulierung neuer Züchtungstechniken bei Pflanzen und Tieren
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Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften |
Leiter: |
Dr. Stephan Schleissing |
Die neuen Methoden der Genom-Editierung machen es notwendig, die Rolle des Vorsorgeprinzips bei der wissenschaftlichen Risikobewertung von neuen Pflanzenzüchtungen und Techniken der Tierzucht zu diskutieren. Die internationale Klausurwoche diskutiert deshalb in vergleichender Absicht die unterschiedliche Debattenlage in Deutschland und Großbritannien. Thema sind rechtliche, soziale und ethische Aspekte der Risikobewertung und die Suche nach neuen Möglichkeiten der Kennzeichnung solcher Produkte. Dazu wird auch die aktuelle Debatte über die GVO-Kennzeichnung in den USA herangezogen. Die fünftägige Klausurwoche wendet sich vor allem an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus den Disziplinen der Molekularbiologie ebenso wie der Agrar- und Sozialwissenschaften, dem Recht und der Praktischen Philosophie/Ethik. Ziel ist die Erarbeitung von Empfehlungen für den Umgang mit einer produktbezogenen Regulierung neuer Züchtungstechniken bei Pflanzen und Tieren sowie Vorschläge für eine bessere gesellschaftliche und ethische Kommunikation des Themas im Hinblick auf die zu verwirklichende Wahlfreiheit des Verbrauchers.
Klausurwochen ELSA: Kinderwunsch und Genomchirurgie: Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der Anwendung der Genomchirurgie in der In-vitro Fertilisation
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Eberhard-Karls-Universität Tübingen |
Leiter: |
Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing |
Die Klausurwoche soll NachwuchswissenschaftlerInnen unterschiedlicher Disziplinen dazu befähigen, Fragestellungen zu den ethischen, legalen und sozialen Aspekten des Einsatzes der Genomchirurgie im Kontext der In-vitro Fertilisation zu bearbeiten. Dabei werden insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Anwendung einer international vergleichenden Perspektive gefördert. Vorgehensweise: Die Klausurwoche bringt NachwuchswissenschaftlerInnen und ExpertInnen aus den Bereichen Genomchirurgie, In-vitro Fertilisation, Ethik, Sozialwissenschaften und Rechtswissenschaften zusammen, um eine interdisziplinäre Herangehensweise zu fördern. Großbritannien ist hinsichtlich der erlaubten Methoden bei der assistierten Reproduktion und der Genomchirurgie liberaler als Deutschland und daher besonders gut als Vergleichsland geeignet. Um die internationale Vernetzung zu fördern, werden für die Klausurwoche sieben TeilnehmerInnen aus Deutschland und sieben TeilnehmerInnen aus Großbritannien sowie ExpertInnen aus beiden Ländern eingeladen. Die TeilnehmerInnen bewerben sich auf eine Ausschreibung mit Abstracts zu eigenen Beiträgen, die in der Klausurwoche vorgestellt und diskutiert werden. Die Klausurwoche verbindet unterschiedliche methodische Zugänge: Vorträge von TeilnehmerInnen, Expertenvorträge, Kleingruppenarbeit sowie einen Theaterworkshop. Im Anschluss an die Veranstaltung werden die TeilnehmerInnen bei der Veröffentlichung ihrer Beiträge unterstützt.
Klausurwochen ELSA: Moralische Grenzen der Regenerativen Medizin am Beispiel der Verwendung humaner embryonaler Stammzellen
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Universität Leipzig |
Leiterin: |
Dr. Susanne Müller |
Klausurwochen ELSA: Digitale Epidemiologie aus ethischer, rechtlicher und sozialer Perspektive
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Robert Koch-Institut (RKI) |
Leiter: |
Dr. Tim Eckmanns |
Die Klausurwoche "Digitale Epidemiologie aus ethischer, rechtlicher und sozialer Perspektive” ("Digital Epidemiology and its ethical, legal and social aspects”/DELSI) will die gesellschaftlichen Implikationen von neuesten infektionsepidemiologischen Surveillanceansätzen untersuchen. Gemeinsam mit TeilnehmerInnen und ExpertInnen aus der Epidemiologie und der Public Health, den Computerwissenschaften wie auch den Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften sollen digitale Verfahren des Big Data und Data Mining, die die Erfassung, Speicherung und Auswertung epidemiologisch relevanter Daten aus dem Internet und den sozialen Medien beinhalten, hinterfragt und erörtert werden. Hierbei gilt es die Frage zu beantworten, ob und inwieweit eine Digitalisierung der öffentlichen Infektionsüberwachung epidemiologische Aufmerksamkeitsverlagerungen, Transformationen organisatorischer Abläufe und Entscheidungsprozesse sowie weitergehende Konflikte zwischen den Imperativen von Gesundheit, (globaler, nationaler) Sicherheit, sozialer Gerechtigeit und Bürgerrechten (Privatheit etc.) erwarten lässt. Potentielle Entwicklungspfade einer digitalisierten Infektionsüberwachung sollen auf der Basis eines Planspiels sowie des Vergleichs der Public-Health Sektoren in der Bundesrepublik Deutschland und in Großbritannien identifiziert und gerade auch im Hinblick auf Erfahrungen mit dem aktuellen Ebolafieberausbruch in Westafrika diskutiert werden. Arbeitspaket 1: Wissenschaftliche Konzeption, Forschung und Weiterentwicklung des Thema; Arbeitspaket 2: Wissenschaftliche Vor- und Nachbereitung des Planspiel; Arbeitspaket 3: Administrative Koordination, Buchhaltung und Assistenz; Arbeitspaket 4: Durchführung der Klausurwoche; Arbeitspaket 5: Nachbereitung, Publikationen, Ergebnisverwertung.
Klausurwochen ELSA: Ethische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte invasiver und nichtinvasiver genetischer Pränataldiagnostik in Deutschland und Polen
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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg |
Leiter: |
Dr. Maximilian Schochow |
Klausurwochen ELSA: Caring about Care. Der Sorgebegriff im Gesundheitswesen. Ein Vergleich zwischen Deutschland und den Niederlanden
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Albert-Ludwigs-Universität Freiburg |
Leiterin: |
M.A. Franziska Krause |
Klausurwochen ELSA: Der Fetus als Patient - ein tragfähiges Konzept für klinische Interaktionen im Rahmen neuer pränatalmedizinischer Technologien?
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Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen |
Leiterin: |
PD Dr. Dagmar Schmitz |
Die Pränatalmedizin wirft zunehmend die Frage auf, ob der Embryo bzw. der Fetus im klinischen Kontext als "Patient" verstanden werden kann bzw. soll. Es ist in ganz neuer Form und Dimension möglich geworden, den Fetus direkt zu untersuchen. Zusätzlich stehen verstärkt auch Optionen der pränatalen Therapie zur Verfügung. Ein so zuwachsender Patientenstatus aber geht im üblichen Verständnis einher mit einem bestimmten moralischen Status und bindet den Arzt im Rahmen definierter professioneller Verpflichtungen. Diese stehen jedoch insbesondere im Umgang mit den neuen, nicht-invasiven Diagnostikverfahren unter Umständen im Widerspruch zu den behandlerischen Verpflichtungen gegenüber der Schwangeren. Die Klausurwoche hat das Ziel, aus interdisziplinärer und internationaler Perspektive zu diskutieren, ob und unter welchen Prämissen das Konzept des "Fetus als Patient" trotz dieses inhärenten Konfliktes als ein tragfähiges Konzept für die Interaktionen im Umgang mit Pränataldiagnostik ausformuliert werden kann bzw. welche Alternativen dazu denkbar sind. Grundlage der Diskussion bilden drei, zum Teil bereits abgeschlossene empirische Projekte in den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland zu Einstellungen und Wünschen im Hinblick auf neue nicht-invasive pränataldiagnostische Verfahren (NIPT). Neben dem Austausch zu den hier erzielten empirischen Ergebnissen im Hinblick auf den Patientenstatus des Feten soll gemäß der interdisziplinären Ausrichtung auch eine philosophisch-theoretische Analyse hierzu vorgenommen werden. Insgesamt soll versucht werden, aus unterschiedlichen Perspektiven (in Gynäkologie, Huamngenetik, Pädiatrie, Medizinrecht, Medizinethik, Medizingeschichte) den Blick auf den normativen Gehalt des Patientenbegriffes in seiner Verwendung in Bezug auf den Feten zu lenken und wenn möglich eine gemeinsame, disziplinübergreifende begriffliche Basis zu formulieren, der ein einheitliches normatives Verständnis zugrunde liegt. Weitere Informationen sind auf der Internetseite des Uniklinikums der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen zu finden: www.fetalpatient.ukaachen.de.
Klausurwochen ELSA: Gesundheitsversorgung von Migrantinnen und Migranten: Ethische Herausforderungen im Ländervergleich Deutschland - Vereinigtes Königreich/England
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Ludwig-Maximilians-Universität München |
Leiterin: |
Dr. Katja Kühlmeyer |
Im Rahmen eines Ländervergleichs zwischen Deutschland und Großbritannien ist die Klausurwoche um die Fragestellung organisiert: "Was sind ethisch angemessene Strategien, um Herausforderungen in der öffentlich-staatlichen Gesundheitsversorgung von Migrant/inn/en zu begegnen?" Die methodisch-didaktische Bearbeitung dieser zentralen Fragestellung erfolgt durch eine vertiefte, interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Forschungsarbeiten in diesem Bereich, Vorträge von Expert/inn/en, sowie Exkursionen und Gruppenarbeiten. Die Teilnehmer/innen bearbeiten diese Frage in aufeinander aufbauenden Schritten: Im ersten Schritt wird thematisiert, anhand welcher Begriffe und Konzepte bestimmte Gruppen als "Migrant/innen" bzw. "ethnische Minderheiten" kategorisiert werden und wie sich dies auf die Erforschung ihrer gesundheitlichen Belange auswirkt. Darauf aufbauend analysieren wir, welche Herausforderungen auf der Systemebene bestehen: 1) Formal - rechtliche Barrieren (für Menschen ohne Aufenthaltsrecht bzw. ohne Versicherungsschutz) erfordern eine Reflexion über die Inklusion/Exklusion dieser Gruppen in die öffentlich-staatliche Gesundheitsversorgung und 2) systemimmanente Barrieren (für Migrant/inn/en mit Versicherungsschutz) erfordern eine Reflexion über die Distribution von Verantwortung für die Beseitigung dieser Barrieren. Zuletzt werden Herausforderungen auf der Mikroebene behandelt, die sich insbesondere aufgrund pluralistischer Wertvorstellungen stellen. Doktorand/inn/en und Nachwuchswissenschaftler/innen profitieren von der Möglichkeit, ihre Thesen vor einem internationalen, interdisziplinären Publikum zu präsentieren und schulen so fächerübergreifende Arbeits- und Kommunikationsfähigkeiten. Sie haben die Gelegenheit, sich mit anderen Wissenschaftlern (Peers und Expert/inn/en) international zu vernetzen, und gemeinsame Vorhaben anzubahnen. Außerdem werden Ergebnisse generiert, die für moderne, pluralistische Gesellschaften und ihre Gesundheitssysteme relevant sind.
Klausurwochen ELSA: Lebenswissenschaftliche Praxis der Forschung an pluripotenten Stammzellen in Deutschland und Großbritannien und ihre ethische, legale und soziale Kommentierung
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Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften |
Leiter: |
PD Dr. Arne Manzeschke |
Ziel der geplanten Klausurwoche ist es die aktuelle Diskurslage zur Stammzellforschung und ihre Hintergründe in Deutschland in besonderem Vergleich mit Großbritannien zu rekonstruieren. Aus lebenswissenschaftlicher, medizinischer, rechtlicher, sozialer sowie ethischer Perspektive ist jeweils nach einer Weiterentwicklung zu fragen, so dass rechtlich und ethisch eine größere Konsistenz und in den Lebenswissenschaften eine größere Handlungssicherheit gewonnen wird. Schwerpunkte der Klausurwoche: I. Stand der molekularbiologischen Debatte II. Der epistemologische und ethische Status von Stammzellen als "Biofakten" und ihre Vermittlung in die gesellschaftlichen Debatten und Entscheidungen III. Die ethische und rechtliche Kommentierung der Stammzelldebatte in Großbritannien und Deutschland IV. Konklusionen für eine europäische und internationale Stammzellregelung.
Klausurwochen ELSA: Pädiatrisches Neuro-Enhancement – ethische, soziale und rechtliche Fragen im Vergleich Nordamerika-Deutschland
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Universität Osnabrück |
Leiterin: |
Prof. Dr. Saskia K. Nagel |
Die Klausurwoche diskutiert den Einsatz von (meist) verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Steigerung von kognitiven Leistungen und Verbesserung von affektiven Zuständen bei Kindern und Jugendlichen (pädiatrisches Neuro-Enhancement). Pädiatrisches Neuro-Enhancement scheint kein universelles Problem zu sein, sondern ist von kulturellen Faktoren beeinflusst. Die Anzahl der Fälle, in denen pädiatrisches Neuro-Enhancement in Deutschland eingesetzt wird, unterscheidet sich von der in Nordamerika. Wie sind diese Unterschiede zu begründen, und welche Entwicklungen sind zu erwarten? Die Unterschiede in den Gesundheitssystemen und den Bildungssystemen spielen hierher ebenso eine Rolle wie die Einstellungen von Eltern und Lehrern zum Konsum von Psychopharmaka bei Kindern. Während der Klausurwoche wird diskutiert werden, welche Intuitionen und Argumente in der Öffentlichkeit bestehen, wer innerhalb der Arzt-Kind-Eltern-Beziehung bezüglich Neuro-Enhancement Entscheidungsgewalt haben kann, da Kinder und Jugendliche noch nicht autonom sind, und welche gesellschaftlichen Konsequenzen es gibt. Die Teilnehmer werden vorbereitet mit den Thesenpapieren aller Teilnehmer und der Gastreferenten, grundlegenden Artikel zur Thematik sowie einer Einführung zur Interdisziplinarität zur Klausurwoche. Die Klausurwoche wird nicht nach den klassischen Wissenschaftsdisziplinen strukturiert, sondern nach thematischen Einheiten, zu denen jeweils Teilnehmer unterschiedlicher Disziplinen referieren. Vorhabenziel ist eine transdisziplinäre vergleichende Diskussion zwischen Nordamerika und Deutschland, die das pädiatrische Enhancement analysiert, Bewertungen vorschlägt, und zu gesellschaftlich relevanten Handlungsempfehlungen führen kann, die in einen Sammelband münden. Die Teilnehmer der Klausurwoche werden mit den Referenten erste Schritte zu einer internationalen Studie entwickeln, die die Öffentlichkeit in die Diskussion einbezieht.