Wissenstransfer
Um neue biomedizinische Erkenntnisse und Technologien zum Wohle unserer Gesellschaft zu nutzen, müssen deren Chancen und möglichen Risiken erkannt werden. Dafür muss ein stetiger Austausch zwischen unterschiedlichsten Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft stattfinden. Daher ist es wichtig, zu verstehen, wie moderne Kommunikation funktioniert. Wie verändert sich Information zum Beispiel auf ihrem Weg vom Experten über einen Journalisten bis zur allgemeinen Öffentlichkeit? Welchen Einfluss haben Internet und soziale Netzwerke auf die Verbreitung von biomedizinischem Wissen? Welche Auswirkungen haben gesellschaftlich geführte Diskurse auf die Wissenschaft? Um Antworten auf diese und ähnliche Fragen zu finden, finanziert das BMBF im Förderschwerpunkt „Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der modernen Lebenswissenschaften“ fachübergreifende Forschungsprojekte zum Thema „Wissenstransfer“.
Die Partizipatorische Wende? Ethische, gesellschaftliche und regulatorische Aspekte von citizen science im Gesundheitsbereich
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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Kiel
Institut für Experimentelle Medizin - AG Medizinethik
Niemannsweg 11, Haus 1
24105 Kiel
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Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Dr. Alena Buyx
0431 597-8687
01GP1311
406.456 EUR
01.04.2014 - 31.12.2018
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Im geplanten Projekt werden die ethischen, gesellschaftlichen und regulatorischen Dimensionen des Phänomens der citizen science (CS, Bürgerwissenschaft) im Gesundheitsbereich untersucht. Ziel des Projektes ist die Erarbeitung von evidenzbasierten, wohlbegründeten und in der Praxis überprüften Vorschlägen für die zukünftige Regulierung/Politik im Bereich von verschiedenen Formen von CS und des sich an diese anschließenden Wissenstransfers. Geplante Endprodukte sind hochrangige Publikationen zu den Forschungsergebnissen; erfolgreicher Wissenstransfer aus dem Projekt; sowie Praxis-getestete Politik- und Regulierungs-Vorschläge, die für zukünftige forschungspolitische und -regulatorische Debatten zur Verfügung stehen. Phase 1: empirische Bestandsaufnahme von Art, Struktur und Zielsetzung gegenwärtiger und für die Zukunft geplanter Projekte von CS im Gesundheitsbereich. Phase 2: Evidenz-basierte Analyse und Diskussion verschiedener Vorteile und Nachteile, praktischer und regulatorischer Herausforderungen, sowie ethischer und gesellschaftlicher Probleme und Lösungsansätze von CS-Projekten im Gesundheitsbereich. Phase 3: Erarbeitung von Politik-Vorschlägen für CS und Wissenstransfer, die den Grundsätzen evidenzbasierter, ethisch fundierter proportionate governance entsprechen, mit Kooperationspartnern praxiserprobt, und bei einem runden Tisch mit Politik-Experten diskutiert wurden. Phase X: Begleitender und abschließender Wissenstransfer.
„M-Health"-Anwendungen als Medien des Wissenstransfers
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Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Philosophische Fakultät
Institut für Psychologie
Lehrstuhl Gesundheit und Prävention
Robert-Blum-Str. 13
17489 Greifswald
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Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Dr. Holger Muehlan
03834 86-3802
01GP1310
229.001 EUR
01.11.2014 - 31.10.2017
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Projekt-Internetseite
„M-Health" (Mobile Health) bezeichnet i.d.R. den Einsatz von mobilen Endgeräten für kommunikations, informations- und wissensbasierte Anwendungen zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention. Für deren Umsetzung werden krankheitspräventiv und gesundheitsförderlich relevante Informationen und die ambulante Erfassung von selbstberichteten Indikatoren und sensorgestützt erfassten Parametern genutzt. Aufgrund der großen Verbreitung mobiler Endgeräte, der hohen Diversifizierung der Anwendungen und der „Niedrigschwelligkeit" des Einsatzes ist deren potenzielle Reichweite als sehr hoch zu beurteilen. Das Forschungsvorhaben soll "M-Health”-Anwendungen mit Blick auf deren gesellschaftliche, soziale und personale Implikationen analysieren. Besonders soll jenen Ambivalenzen nachgegangen werden, die ein Einsatz von „M-Health"-Anwendungen als Medien des Wissenstransfers zwischen Lebens-/ Gesundheitswissenschaften und Anwendern hervorbringt. Diese Ambivalenzen beziehen sich vor allem auf Wert- und Zielkonflikte sowie auf die Abwägung von Chancen und Risiken. Dabei ist der Fokus ist auf Anwendungen zur individuellen Gesundheitsvorsorge gerichtet. Die Umsetzung erfolgt auf Grundlage eines multi-methodalen Forschungsdesigns, das die Anwendung konzeptuell-theoretischer Analysen, qualitativer Ansätze und quantitativer Methoden vereint. Konzeptuell-theoretische Arbeiten sind projektüberdauernd angelegt zielen auf die Kontextualisierung von M-Health und die vergleichende Analyse unterschiedlicher (divergierender) theoretischer Konzeptionen. Der erste empirische Studienabschnitt verfolgt eine explorative Strategie für ein "breites" Feldverständnis und beinhaltet die qualitative Analyse von Produktbeschreibungen und Befragungen von Expertengruppen und (potenziellen) Nutzern. Ein zweiter Studienabschnitt verfolgt eine hypothesengeleitete Strategie für ein vertieftes Verständnis u.A. unter Anwendung quasiexperimenteller Ansätze (faktorieller Survey, Feldexperiment).
Von den Neurowissenschaften zur Neurokultur: Eine Fallstudie zu Entwickung und Einfluss einer "erfolgreichen" Disziplin
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Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät
Institut für Geschichte der Medizin
Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf
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Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Prof. Dr. Dr. Alfons Labisch
0211 81-13940
01GP1309
222.054 EUR
01.12.2013 - 30.11.2017
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Das Thema Wissenstransfer zwischen verschiedenen Wissensdomänen, insbesondere Lebenswissenschaften, Gesellschaft und Kultur ist eine der dringenden Aufgaben der fortgeschrittenen westlichen Welt. Hier trägt Wissenschaft nicht nur zum Wohlstand bei sondern auch zu Wertewandel und Weltanschauungen. Mit dem Fokussieren auf die im Transfer "erfolgreichen” Neurowissenschaften wird ein differenzierter Ansatz zur Komplexität von Transferbeziehungen vertreten. Ziel ist die Analyse der Entwicklung der Neurowissenschaften zu einer Leitdisziplin, der "Infizierung” anderer Disziplinen und der Einflüsse auf die westliche Kultur, um lineare Transferkonzepte in Frage zu stellen und weiter zu entwickeln. Das Projekt basiert auf der Annahme, dass der historische Ansatz einen wichtigen und originellen Beitrag zur Lösung des Problems des Wissenstransfers leisten kann. Denn er bringt eine kritische Revision und Reinterpretation seiner Elemente hervor. Zunächst sind die Zentralbegriffe zu klären. Dabei sind sämtliche Elemente so wenig wie möglich als gegeben anzusehen, um sie in ihrer historisch sich entwickelnden Beziehung als Co-Evolution d.h. in komplexen Prozessen ihrer Co-Konstruktion anhand ausgewählter Fallstudien zu untersuchen. Gegenstand sind Neurowissenschaften in Deutschland und Frankreich seit den 1950er Jahren. Geprüft werden Thesen zu Transdisziplinarität, Universalitätsanspruch und kulturellem Einfluss.
Prävention im post-genomischen Zeitalter: Kommunikation von genetischen Risiken für Volkskrankheiten am Beispiel der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD)
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Universität Regensburg
Klinikum
Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin
Franz-Josef-Strauß-Allee 11
93053 Regensburg
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Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Prof. Dr. Julika Loss
0941 944-5220
01GP1308
373.433 EUR
01.11.2013 - 31.08.2017
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Projekt-Internetseite
Den meisten Volkskrankheiten liegt eine Vielzahl genetischer wie auch nicht-genetischer (z. B. verhaltensbezogener) Faktoren zugrunde. Eine diesbezüglich typische Erkrankung ist die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), die häufigste Ursache von Sehbeeinträchtigung. Für die AMD sind starke genetische Effekte nachgewiesen, gleichzeitig ist Rauchen ein wichtiger Risikofaktor. Neues Wissen über genetische Risiken wird in den Medien oft im Zusammenhang mit individuellen Präventionsmöglichkeiten thematisiert. Die Studie soll am Beispiel der AMD empirisch untersuchen, a) in welchen Deutungsrahmen das Wissen über genetische Risiken (und ihr Zusammenwirken mit nicht-genetischen Faktoren) von Experten zu Entscheidungsträgern und Laien vermittelt wird, b) welche Konzepte der Krankheitsentstehung (z. B. Risikomodelle) und Leitbilder von Prävention bei verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren dabei konstruiert werden. Methodisch kommen Auswertung genomischer Daten, Inhaltsanalyse von Medienberichten, Interviews mit Schlüsselakteuren des Wissenstransfers, Erhebungen bei AMD-Patienten und Angehörigen zum Einsatz. Die zusammengeführten Ergebnisse werden Betroffenen und Bürgern vorgestellt und sollen Empfehlungen für Wissenstransfer und Präventionsleitbilder für andere multifaktorielle Erkrankungen ermöglichen. Das Projekt wird in einem interdisziplinären Verbund von Medizinsoziologie, Kommunikationswissenschaft, Humangenetik, Genetischer Epidemiologie und Augenheilkunde bearbeitet.
Von der Wissenschaft zur Öffentlichkeit: Das Beispiel der Tiefen Hirnstimulation
Das Ziel des Verbundes ist, den Wissenstransfer zur Tiefen Hirnstimulation sowie der Variablen, die diesen Prozess beeinflussen, zu analysieren, um Strategien zur Verbesserung des Wissenstransfers zu entwickeln. Zu diesem Zweck werden die Kaskaden des Wissenstransfers vom wissenschaftlichen Expertendiskurs über die öffentlich-mediale Darstellung bis zur individuellen Rezeption in drei Teilprojekten untersucht.
Teilprojekt 1
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Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Gartenstr.
72074 Tübingen
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Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Dr. Jens Clausen
07071 29-78031
01GP1306A
204.307 EUR
01.10.2013 - 31.01.2017
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Ziel dieses Teilprojektes ist, den Wissenstransfer von der scientific community in die (mediale) Öffentlichkeit am Beispiel der Tiefen Hirnstimulation zu untersuchen. Es wird zunächst die Entwicklung der Tiefen Hirnstimulation und die Diskussion innerhalb der scientific community anhand von Publikationen und Forschungsförderung nachgezeichnet. In diesem Teilprojekt sollen wichtige Meilensteine der Entwicklung identifiziert und die wissenschaftsimmanente Diskussion in Bezug auf die etablierten und gegenwärtig erforschten Anwendungsbereiche rekonstruiert werden. Die Aufnahme dieser Technologie in die Leitlinien aufgrund von wissenschaftlicher Beweiskraft soll rekonstruiert werden. Danach ist die Rezeption dieser neuen Technologie in der Öffentlichkeit nachzuzeichnen. Anschließend sollen in einem Vergleich die Unterschiede zwischen den Diskussionen innerhalb der scientific community und der medialen Öffentlichkeit dargelegt werden. Abschließend ist ein „Blick in die Zukunft" vorgesehen.
Teilprojekte 2 und 3
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Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM)
Schleichstr. 6
72076 Tübingen
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Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Prof. Dr. Kai Sassenberg
07071 979-220
01GP1306B
329.526 EUR
01.10.2013 - 31.05.2017
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Ziel des Teilprojektes 2 ist, erstens die Wirkung von Emotionen bei der Rezeption medialer Kommunikation am Beispiel der Tiefen Hirnstimulation zu untersuchen und zweitens Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln, die emotionsbedingte Hindernisse für den Wissenstransfer von medizinischen Erkenntnissen in die Gesellschaft reduzieren. Teilprojekt 3 analysiert Verstehensprozesse im Rahmen des Wissenstransfers zwischen Lebenswissenschaften und Gesellschaft. Das Ziel besteht darin, am Beispiel der Tiefen Hirnstimulation zu untersuchen, ob Rezipienten die Fragilität wissenschaftlicher Befunde einschätzen können und welchen Einfluss dies auf ihre Meinungsbildung und ihre Äußerungen in Onlineforen ausübt. In jedem der beiden Teilprojekte werden fünf Studien (in Labor und Feld) durchgeführt. Dabei wird erforscht wie journalistische Texte rezipiert werden, wie das Thema in Onlineforen diskutiert wird, wie dabei Informationen anderer Internetnutzer aufgegriffen werden, und welche Rolle, die medizinische und die Patientenperspektive in der medialen Aufbereitung spielen.
Der Einfluss sozialer Netzwerke auf den Wissenstransfer am Beispiel der Reproduktionsmedizin (NeWiRe)
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Hochschule für angewandte Wissenschaften Regensburg
Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften
Seybothstr. 2
93053 Regensburg
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Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Prof. Dr. Sonja Haug
0941 943-1092
01GP1304
303.313 EUR
01.12.2013 - 30.06.2017
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Das Projekt zielt auf Erkenntnisse zum Wissen über neue medizinische Entwicklungen zur Verwirklichung eines unerfüllten Kinderwunsches ab. Welche Methoden der Reproduktionsmedizin sind in der Bevölkerung bekannt? Wie informieren sich Frauen, die auf reproduktionsmedizinische Unterstützung zurückgreifen wollen? Welche Quellen werden bei medizinischen, rechtlichen, finanziellen, sozialen oder religiösen Fragen herangezogen? Untersucht wird die Verbreitung von Wissen im sozialen Umfeld und in internetbasierten sozialen Netzwerken. Der Fokus liegt dabei auf Frauen mit Migrationshintergrund. Diese wachsende Zielgruppe ist in Bezug auf den Wissenstransfer schwer erreichbar. Es soll untersucht werden, wie sich der Informationszugang bei geringen Deutschkenntnissen und niedrigerem Bildungsniveau bisher gestaltet und wie er verbessert werden könnte. Aus den Ergebnissen sollen Empfehlungen für die zielgruppenspezifische Informationsweitergabe entwickelt werden. Die empirische Erhebung stützt sich dabei auf einen Mix aus quantitativen und qualitativen Methoden. Es werden vier unterschiedliche Datenquellen herangezogen. Diskussionen in Internetforen, eine selbst durchgeführte Befragung von Experten sowie von Frauen in reproduktionsmedizinischer Behandlung werden inhaltsanalytisch ausgewertet. Dem Test von Hypothesen zur Bekanntheit von Verfahren, zu Informationskanälen und zu Wirkungsmechanismen sozialer Netzwerke dient eine telefonische Umfrage bei Frauen mit Migrationshintergrund.
Pharmakologisches Neuroenhancement: Zwischen planbarem Wissenstransfer und nicht intendierten Rückwirkungen
Die zentralen Zielsetzungen des Projekts bestehen darin, a) den Wissenstransferprozess im Falle des Neuroenhancements möglichst komplett darzustellen und hinsichtlich seiner gesellschaftlichen Auswirkungen zu analysieren, b) die entsprechenden Prozesse ethisch zu bewerten, c) Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Neuroenhancement und seiner Kommunikation in der Gesellschaft zu erarbeiten und d) durch die Formulierung eines allgemeinen theoretischen Modells rekursiver Transferprozesse die Einordnung ähnlich gelagerter Fälle in Zukunft zu erleichtern. Das Projekt leistet einen wertvollen Beitrag für ein tiefergehendes Verständnis zentraler Akteure und Kommunikationsmechanismen im Wissenstransferprozess und trägt so zu den förderpolitischen Zielen bei.
Teilprojekt 1
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Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Untere Zahlbacher Str. 8
55131 Mainz
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Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Prof. Dr. Klaus Lieb
06131 17-7336
01GP1303A
284.180 EUR
01.12.2013 - 31.05.2017
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Teilprojekt 2 und Teilprojekt 3
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Johannes Gutenberg-Universität Mainz
FB 02 Sozialwissenschaften, Medien und Sport
Institut für Publizistik
Jakob-Welder-Weg 12
55128 Mainz
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Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Prof. Dr. Oliver Quiring
06131 39-25222
01GP1303B
398.960 EUR
01.12.2013 - 28.02.2017
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Es wird ein interdisziplinärer und mehrmethodischer Ansatz verfolgt. Auf Grundlage einer systematischen Literaturrecherche in den drei Teilprojekten werden die Erhebungsinstrumente erarbeitet, die in der Folge zum Einsatz kommen. Zu den verwendeten Methoden zählen u.a. eine quantitative Befragung der deutschen Bevölkerung sowie qualitative Interviews mit Forschern, Ärzten, Journalisten und Konsumenten. Zudem werden relevante Medieninhalte mit Hilfe von quantitativen und qualitativen Inhaltsanalysen unter die Lupe genommen. Nach Auswertung der Erhebungen werden die empirischen Ergebnisse in theoretische Modelle überführt und die zentralen Resultate auf nationalen und internationalen Konferenzen vorgestellt.
"Wissenstransfer 2.0": Formen und Potenziale nicht-zertifizierter Expertise für Lebenswissenschaften und Medizin
Das Verbundprojekt "Wissenstransfer 2.0" zielt darauf ab, die sich abzeichnende Veränderung des Wissenstransfers zwischen Gesellschaft und Wissenschaft, hervorgerufen durch einen Umbruch von Produktion und Kommunikation lebenswissenschaftlichen und medizinischen Wissens, in den Blick zu nehmen.
Teilprojekt 1: "Direct-to-Consumer-Tests & Health Social Networks: Vom Arzt-Patient-Verhältnis zur "Peer2Peer"-Kommunikation?"
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Universität Hamburg
Forschungsschwerpunkt Biotechnik, Gesellschaft und Umwelt
Forschungsgruppe Medizin/Neurowissenschaften
Lottestr. 55
22529 Hamburg
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Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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PD Dr. Günter Feuerstein
040 7410-56314
01GP1302A
232.372 EUR
01.03.2014 - 31.12.2016
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Das Teilprojekt 1 (TP1) hat Direct-to-Consumer-Tests und soziale Plattformen (Health Social Networks) zum Gegenstand. Ziel des TPs ist es zu erarbeiten, wie in diesem medizin-nahen Bereich Wissen produziert und in die Wissenschaft hinein kommuniziert wird, und darüber Fragen der Wissenskommunikation und Meinungsbildung zu klären sowie Potenziale und nicht-intendierte Folgen abzuschätzen. TP 1 enthält vier Arbeitspakete (AP). AP 1 umfasst die explorative Phase. Das folgende AP 2 widmet sich der Bearbeitung der Perspektive der nicht-zertifizierten Experten: hier werden Meinungsbildungsprozesse und Prozesse des Wissenstransfers untersucht (Methoden u.a.: Analysen von Health Social Networks; fokussierte & biographische Interviews). AP 3 untersucht den Transfer von Wissen in Wissenschaft und Medizin hinein und analysiert entsprechende Meinungsbildungsprozesse (Methode u.a.: Experteninterviews). AP 4 dient der Erarbeitung der Folgenabschätzung. -- Die Verbundarbeitspakete widmen sich vor allem dem Projektmanagement (AP 1) sowie vergleichenden Diskussionen der TPs (AP2&3) sowie einer Ergebniszusammenführung & Tagung (AP4).
Teilprojekt 2: "Quantified Self - neue Wissensquelle für Gesundheits- und Lebenswissenschaften?"
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Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)
Breslauer Str. 48
76139 Karlsruhe
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Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Dr. Nils B. Heyen
0721 6809-161
01GP1302B
184.374 EUR
01.03.2014 - 31.12.2016
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Das Teilprojekt 2 (TP2) zielt darauf ab, das transformative Potenzial der im Rahmen der Quantified-Self-Bewegung generierten nicht-zertifizierten Expertise mit seinen Chancen und Risiken für Gesundheits- und Lebenswissenschaften abzuschätzen und darauf aufbauend Handlungsoptionen für Politik, Wissenschaft und Medizin zu entwickeln. Das TP2 soll in insgesamt vier Arbeitspaketen bearbeitet werden. Während in Arbeitspaket 1 das empirische Feld erst einmal grob abgesteckt wird, dient Arbeitspaket 2 der Erfassung, Beschreibung und Analyse der Quantified-Self-Bewegung, ihrer Vernetzung und des durch sie generierten Wissens. Arbeitspaket 3 fokussiert dann auf die Rezeption des Quantified-Self-Wissens in den Lebenswissenschaften und der Medizin. Arbeitspaket 4 schließlich dient dazu, Chancen und Risiken des Self-Tracking und des Transfers von Quantified-Self-Wissen in die Gesundheits- und Lebenswissenschaften abzuschätzen und darauf aufbauend Handlungsoptionen für Politik, Wissenschaft und Medizin zu entwickeln. Darüber hinaus liefert das TP2 Beiträge zu den Arbeitspaketen des Verbundvorhabens, insbesondere zur vergleichenden Diskussion der beiden im Verbund bearbeiteten Themenfelder sowie zur Integration der Ergebnisse der beiden Teilprojekte.
Epidemiologische Risiko-Scores als Instrumente des Wissenstransfers
Ziel dieses Verbundes ist es Mechanismen des Wissenstransfers im Zusammenspiel von Wissensgenerierung und -zirlulation in den modernen Lebenswissenschaften empirisch anhand der drei Knotenpunkte Rekrutierung, Studienteilnahme und Wissenszirkulation zu untersuchen.
Teilprojekt 2: Infrastrukturen und Zirkulation von Risiko-Scores
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Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Institut für Soziologie
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt
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Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Prof. Dr. Susanne Bauer
069 798-36531
01GP1301A
232.952 EUR
01.11.2013 - 30.04.2017
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Teilprojekt 2 konzentriert sich auf die Untersuchung der Prozesse des Wissenstransfers mit Risiko-Scores. Dies umfasst Fallstudien langjährig eingesetzter Scores (z. B. Herz-Kreislauf-Krankheiten) wie neuer kommerzieller Risiko-Scores (z. B. nutrigenetische Tests). Das Teilprojekt untersucht die Konstruktion dieser Scores aus epidemiologischen Studien und insbesondere ihre soziale Zirkulation und Aushandlung. Neben Scores in ihrer Nutzung analysiert Teilprojekt 2 die Infrastrukturen der Scores, hier einschließlich der Datennetzwerke der Nationalen Kohorte in Zusammenarbeit mit Teilprojekt 1. Über die Fokussierung der Infrastrukturen wird neben dem Knotenpunkt „Wissenszirkulation" auch der Knotenpunkt „Rekrutierung" im Zuge entstehender epidemiologischer Infrastrukturen adressiert. Dies ermöglicht eine empirisch fundierte Analyse und Explikation der Wissenstransferprozesse an diesen Schnittstellen. An eine Bestandsaufnahme existierender Scores schließen sich detaillierte Fallstudien mit umfangreichen Erhebungen (Dokumentenanalyse, teilnehmende Beobachtung, Interviews) sowie Auswertungen (Grounded Theory) an. Alle am Wissenstransfer beteiligten Aktanten (einschließlich Daten, Software, Technologien) werden in die Analyse einbezogen. Die Wissenstransferprozesse werden entlang der Infrastrukturen und der gesellschaftlichen Zirkulation der Risiko-Scores expliziert. Die Analysen werden parallel für die Gestaltung der Informationsplattform aufbereitet.
Teilprojekt 1: Wissenstransfer in und durch Rekrutierung und Studienteilnahme
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Charité - Universitätsmedizin Berlin
Berlin School of Public Health
Seestr. 73 - Haus 10
13347 Berlin
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Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:
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Dr. Christine Holmberg
030 450 529-192
01GP1301B
185.723 EUR
01.11.2013 - 30.04.2017
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Teilprojekt 1 setzt sich mit der Nationalen Kohorte als Objekt von Wissenstransferprozessen auseinander. Der Fokus liegt auf der Rekrutierung in die Nationale Kohorte und der Studienteilnahme. Hier bietet sich die Möglichkeit komplexe Kommunikationsmechanismen, die der Wissensgenerierung inhärent ist, gebündelt von Beginn an in den Blick zu nehmen. Rekrutierung und Studienteilnahme als Knotenpunkte der Wissenskommunikation werden mithilfe ethnografischer Mittel untersucht. Von Beginn an werden umfassend Texte, Kommentare, und Artikel zur Nationalen Kohorte gesammelt. Dies umfasst die Beobachtung von Blogs (z. B. scienceblogs.de) und von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln. Die Dokumente werden systematisch als Objekte von wissenschaftlich-gesellschaftlichen Wissenstransferprozessen ausgewertet (Medienanalyse). Darüber hinaus werden explizit die Rekrutierungswege der Nationalen Kohorte erfasst und analysiert (z. B. Rekrutierungsdokumente und teilnehmende Beobachtung der Rekrutierung). Um die Studienteilnahme in den Blick zu bekommen, wird die Kommunikation von Studienzentren mit Teilnehmern analysiert und Interviews mit Studienteilnehmern durchgeführt. Analyse und Datenerhebung fokussieren darauf, die Verflechtungen von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in Wissenstransferprozessen zu explizieren.
Abgeschlossene Vorhaben
Stand 03.07.2017