Systemmedizin

Die Ursachen der großen Volkskrankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Demenz, sind zum Teil sehr komplex. Zahlreiche genetische Faktoren, Moleküle und Interaktionen zwischen Molekülen spielen eine Rolle. Die Systemmedizin will diese komplexen Zusammenhänge verstehen und daraus neue Möglichkeiten für Erkennung und Behandlung von Krankheiten ableiten. Hierzu greifen Medizin, Naturwissenschaften und Bioinformatik ineinander. Damit birgt die Systemmedizin ein großes Potenzial, bringt möglicherweise aber auch Probleme mit sich. Wie gehen wir zum Beispiel mit den riesigen Mengen von Patientendaten um, die für systemorientierte Ansätze erhoben werden müssen? Wie wird der Datenschutz gewährleistet? Wie gehen wir mit Wahrscheinlichkeitsberechnungen für Krankheiten um? Und wie mit dem Recht auf Nicht-Wissen der betroffenen Personen? Um Lösungsmöglichkeiten für solche Fragen zu finden, finanziert das BMBF im Förderschwerpunkt „Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der modernen Lebenswissenschaften“ fachübergreifende Forschungsprojekte zum Thema „Systemmedizin“.

 

MENON - Medizintheoretische, normative und ökonomische Evaluation der Systemmedizin

Der vorliegende Verbund beschäftigt sich mit den ethischen und gesundheitsökonomischen Implikationen der Systemmedizin.

Die Teilprojekte der Universität Greifswald fokussieren auf Zusatz- bzw. Nebenbefunde. Diese stehen zwar nicht mit der ursprünglichen Fragestellung in Verbindung, haben jedoch Bedeutung für Gesundheit und/oder Lebensplanung der untersuchten Person selbst und/oder ihrer Verwandten. Die Wissenschaftler wollen Empfehlungen für einen ethisch verantwortbaren Umgang mit Zusatzbefunden erarbeiten. Dabei sollen Wahrnehmungen, Einschätzungen, Befürchtungen und Optimierungsvorschläge von Ärzteschaft und Pflegenden einbezogen werden. Zusatzbefunde haben nicht nur ethische, sondern auch gesundheitsökonomische Konsequenzen. Diese werden ebenfalls eingehend untersucht. Das Teilprojekt der Universitätsmedizin Greifswald fokussiert auf die ethischen Problemfelder der Implementierung IT-basierter Diagnose- und Therapieplanungstools in die klinische Routine. Es wird geprüft, welche ethischen Konsequenzen mitbedacht werden müssen, um sowohl den Anforderungen an die Arzt-Patient-Beziehung, dem ärztlichen Selbstverständnis, als auch der Methodenlehre der Evidenz-basierten-Medizin und Patientenautonomie gerecht zu werden.

Teilprojekte 2 und 3

Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Theologische Fakultät
Lehrstuhl: Systematische Theologie

Am Rubenowplatz 2/3
17489 Greifswald

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Martin Langanke
03834 86-2504
01GP1408A
399.600 EUR
01.08.2014 - 31.07.2017

 

Teilprojekt 1

Universitätsklinikum Greifswald
Institut für Geschichte und Medizin

Walther-Rathenau-Str. 48
17489 Greifswald

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Tobias Fischer
03834 8657-85
01GP1408B
132.902 EUR
01.10.2014 - 31.05.2017

Durch Integration der Fachperspektiven von Medizinethik und Gesundheitsökonomik liefert der Verbund MENON einen Beitrag zur normativen und ökonomischen Bewertung der Erfolgsaussichten der Systemmedizin. Dabei fokussiert der Verbund auf Problemfelder, die bei Translation der Systemmedizin in die Versorgung aus der Verfügbarmachung großer Datenmengen für Diagnostik und Therapie erwachsen dürften. Näherhin analysiert der Verbund Herausforderungen, die a) mit der Einführung von Supportsystemen zur IT-gestützten Diagnosestellung und Therapieplanung im Rahmen einer Systemmedizin einhergehen dürften sowie b) aus quantitativ und qualitativ neuartigen Risiken hinsichtlich der Generierung von gesundheitsrelevanter Überschussinformation (Zusatz- und Nebenbefunde) resultieren könnten. Durch Zusammenführung von logischen, empirischen, normativen sowie begriffs- und diskursanalytischen Arbeitsweisen aus dem Bereich der Ethik mit ökonomischen Methoden leistet MENON einen Beitrag zur Klärung der außermedizinischen Voraussetzungen einer gelingenden Integration der Systemmedizin in die medizinische Versorgungspraxis. In den Teilprojekten 2 und 3 werden translationsethische Hürden im Zusammenhang mit der Generierung von Zusatzbefunden bzw. die damit einhergehenden ökonomischen Herausforderungen analysiert.

 


Re-Konfiguration von Gesundheit und Krankheit

Übergreifendes Ziel des Verbundes ist die Entwicklung eines Rahmenkonzeptes für einen gesellschaftlich angemessenen Umgang mit systemmedizinischen Neuerungen. Dabei wird dieser am Beispiel des erblichen Brustkrebses auf unterschiedlichen Ebenen aus ethischer, psychosozialer, rechtlicher und gesundheitsökonomischer Sicht untersucht.

Ethische Perspektiven auf die Entdifferenzierung von Krankheit und Gesundheit und ihre Implikationen für die Gesundheitsversorgung

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie
Institut für Systematische Theologie
Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik)

Kochstr. 6
91054 Erlangen

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Peter Dabrock
09131 85-22724
01GP1407A
269.063 EUR
01.09.2014 - 31.08.2017

 

Projekt-Internetseite

Das Teilprojekt (TP) 1 erfüllt die mit der Koordination und Administration des Verbundes anfallenden Aufgaben. Das TP 2 bearbeitet die durch systemmedizinische Ansätze aufgeworfenen bzw. forcierten ethischen Fragestellungen. Die Frage, welche konzeptionellen und handlungsleitenden Konsequenzen mit den Entwicklungen der Systemmedizin verbunden sind, wird dabei erarbeitet, indem: (1) das Konzept „healthy ill" aufgegriffen und in anthropologischer, handlungstheoretischer und sozialethischer Hinsicht weiterentwickelt wird. Vor diesem Hintergrund werden (2) einerseits Implikationen für klinische Beratungs- und Entscheidungssituationen ausgelotet und (3) andererseits Priorisierungsschemata entwickelt, welche die Integration der identifizierten Herausforderungen in die Strukturen der Gesundheitsversorgung modellieren. Die erzielten Ergebnisse werden durch Fachartikel, Kongresse und öffentliche Veranstaltungen disseminiert und diskutiert. Die Bearbeitung der aufgezeigten Problemstellung wird im Rahmen des TP 2 durch einen multiplen case study approach umgesetzt: Ausgehend von den fortlaufenden Arbeiten an den konzeptionellen und theoretischen Fragestellungen der „healthy ill"-Problematik (Q-1-12) werden die Perspektiven im Umgang mit systemmedizinischen Ansätzen durch die qualitative Methodik der semi-strukturierten Interviews erhoben (Q1-6), und in einer systematisch-analytischen Vergleichsstudie mit den Entscheidungsmustern von Patienten verglichen, um so ein präziseres Verständnis der Schwellenwerte und -kriterien für die Entscheidungsfindung benennen zu können (Q4-8). Die Ergebnisse  werden dann auf eine gesundheitssystemische governance-Perspektive für den Umgang mit den beschriebenen Entdifferenzierungen hin zugespitzt (Q7-12). Der Verbund wird durch einen hochrangig besetzten Beirat unterstützt, der kontinuierlich die Rückbindung der Ergebnisse des Verbundes an die Anforderungen gesundheitssystemischer und -politischer Gestaltung garantiert.

 

Ethische, psychosoziale, rechtliche und gesundheitsökonomische Herausforderungen der Systemmedizin am Beispiel des familiären Mammakarzinoms

Universität zu Köln
Medizinische Fakultät – Universitätsklinikum
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Kerpener Str. 62
50931 Köln

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Rita Schmutzler
0221 478-86009
01GP1407B
218.390 EUR
01.09.2014 - 31.08.2017

Mittels strukturierter psychoonkologischer und ärztlicher Beratungen sollen unter Zuhilfenahme validierter psychologischer Instrumentarien subjektive und  objektive Einflussgrößen auf die Entscheidung für oder gegen präventive Maßnahmen identifiziert werden. Die erzielten Ergebnisse sollen dazu dienen, evidenzbasierende Entscheidungskriterien und Entscheidungskorridore für die prädiktive genetische Testung und klinische Prävention zu definieren. Auf Basis der Ergebnisse soll nach Etablierung und Validierung eines Konzeptes zur strukturierten Risikokommunikation ein Leitfaden zur Risikokommunikation und nicht-direktiven Beratung entwickelt werden. Arbeitsschritte sind: Auswertung der Daten aus der zentralen Datenbank des dt. Konsortiums Kohorte 30.000 Frauen, Entwicklung eines strukturierten Bratungskonzeptes, Beratung und Befragung von 200 gesunden Mutationsträgerinnen, Evaluation psychosozialer Faktoren anhand validierter Instrumente HADS D, FKK, FMBS, DCS D, BREAST Q) und anhand der Befragung zur Entscheidungsfindung bezüglich präventiver Maßnahmen, Extraktion entscheidungsrelevanter Einflussgrößen und Erstellung eines Beratungsleitfadens.

 

Das Krankheitsrisiko als Rechtsproblem für das System der öffentlichen Gesundheitsversorgung am Beispiel des hereditären Mammakarzinoms

Ruhr-Universität Bochum
Juristische Fakultät
Lehrstuhl für für Öffentliches Recht,
Sozial- und Gesundheitsrecht und Rechtsphilosophie

Universitätsstr. 150
44801 Bochum

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Stefan Huster
0234 32-22239
01GP1407C
168.000 EUR
01.09.2014 - 31.08.2017

Das Teilprojekt analysiert am Beispiel des hereditären Mammakarzinoms die Rechtsfragen, die sich aus der Entwicklung systemmedizinischer Ansätze für das System der Gesundheitsversorgung ergeben. Dazu werden die gegenwärtige Rechtslage analysiert sowie – unter Berücksichtigung verfassungsrechtlicher Vorgaben – Empfehlungen zu ihrer Weiterentwicklung erarbeitet. Die erzielten Ergebnisse sind für das konkrete Handlungsfeld und – mit Blick auf die Steuerungskraft des zentralen Krankheitsbegriffs – für die künftige Regulierung systemmedizinischer Ansätze von Bedeutung. 1. Analyse des gegenwärtigen Rechtszustandes (Quartal 1 -10): In einem ersten Schritt soll der gegenwärtige Rechtszustand in der GKV analysiert werden. Dabei soll auch die Rechtspraxis berücksichtigt werden; insoweit können insbesondere die Mitglieder des Projektbeirats um ergänzende Informationen aus der Versorgungspraxis gebeten werden. Vergleichend sollen auch das Recht der privaten Krankenversicherung und das Recht der Beamtenbeihilfe betrachtet werden, um evtl. bestehende unterschiedliche Auslegungen des Krankheitsbegriffs zu identifizieren. Schließlich sind auch die Vorgaben des GenDG mit dem Recht der GKV abzugleichen.  2. Regelungslücken und Reformbedarf (Q 6-12): Es besteht die Arbeitshypothese, dass das Recht der GKV auf das Phänomen der „healthy ill" noch nicht hinreichend eingestellt ist. Soweit sich diese Hypothese in der unter 1. genannten Untersuchung bestätigt, soll in einem zweiten Schritt überlegt werden, ob und wie sich die identifizierten Probleme durch Auslegung oder Reform des Krankenversicherungsrechts lösen lassen. Dazu sind insbesondere die verfassungsrechtlichen Vorgaben herauszuarbeiten.  3. Entwicklung eines Regulierungsmodells (Q 8-12): In enger Kooperation mit den medizinischen, ethischen und ökonomischen Teilprojekten soll schließlich versucht werden, ein Regelungskonzept für ein konsistentes, bedarfsgerechtes und ökonomisch vertretbares Versorgungsmodell zu entwickeln.

 

Budgetäre Auswirkungen von Maßnahmen zur Früherkennung oder Prophylaxe des erblich bedingten Brustkrebs (hereditären Mammakarzinoms) für die gesetzliche Krankenversicherung

Universität Duisburg-Essen
Fakultät Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für Medizinmanagement

Schützenbahn 70
45127 Essen

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jürgen Wasem
0201 183-4283
01GP1407D
181.483 EUR
01.09.2014 - 31.08.2017

Das TP Ökonomie identifiziert in Zusammenarbeit mit dem TP 3 die relevanten Früherkennungsverfahren und -strategien sowie primärpräventiven Maßnahmen hinsichtlich der systemmedizinischen, hochkomplexen Erkrankung des hereditären Mammakarzinoms. Mittels eines mathematischen Modells in Anlehnung an die Methodik der Budget Impact Analyse erfolgt die Ermittlung der budgetären Auswirkungen primärpräventiver Maßnahmen im Vergleich zu einer intensivierten Früherkennung und der bislang üblichen Früherkennungsstrategie (usual care) für die gesetzliche Krankenversicherung. In Bezug auf die Inanspruchnahme der verschiedenen Strategien soll der zunehmend aufkommende Einfluss und die Inanspruchnahme der genetischen Risikodiagnostik auf die Veränderung des Budgets abgeschätzt werden. In Kooperation mit dem TP 2 werden die gesundheitsökonomischen Erkenntnisse für die im ethischen Teilprojekt angestrebte Entwicklung eines Priorisierungsmodells für komplexe Erkrankungen im Bereich der Systemmedizin verwendet. Arbeitsschritt 1: Entwicklung des mathematischen computergestützten Modell zur Budget Impact Analyse; Arbeitsschritt 2: Datenrecherche und -generierung; Arbeitsschritt 3: Berechnung der budgetären Auswirkungen und Vergleich der Therapie-Strategien.

 

Von Modellen und Menschen: Integration, Standardisierung und Individualisierung in der Systemmedizin

Universität Hamburg
Fakultät VI: Mathematik, Informatik u. Naturwissenschaften
Department Biologie - FSP BIOGUM/ FG Medizin
Forschungsgruppe Technologiefolgenabschätzung der modernen Biotechnologie

Lottestr. 55
22529 Hamburg

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Regine Kollek
040 7410-56309
01GP1406
384.013 EUR
01.08.2014 - 31.07.2017

 

Projekt-Internetseite 

Die Systemmedizin will systembiologische Erkenntnisse in diagnostische, prädiktive und therapeutische Anwendungen übertragen und dabei individuelle Unterschiede der Patienten berücksichtigen. Während sich die Individualisierte Medizin derzeit überwiegend noch an einzelnen Biomarkern orientiert, basiert die systembiologisch orientierte Systemmedizin auf Modellen, die eine Fülle von heterogenen Daten integrieren. Das Projekt untersucht, wie diese Daten über biologische Systeme in medizinisch relevantes Wissen transformiert werden. Die forschungsleitende Hypothese ist, dass es sich bei der Übertragung systembiologischer Erkenntnisse in die Medizin um einen komplexen Integrations- und Translationsprozess handelt, der neben organisatorischen und technischen Anforderungen vor allem auch kognitive, forschungspragmatische und soziale Aspekte umfasst. Die Komponenten und Dynamiken von Integrations- und Translationsprozessen sind bislang nur ansatzweise reflektiert und empirisch kaum analysiert worden. Ziel des Projekts ist es, diese Prozesse anhand zweier Beispiele aus dem Bereich der Krebserkrankung empirisch zu untersuchen. Das Projekt analysiert aus Perspektive der Wissenssoziologie die Integrations- und Translationsprozesse systemorientierter Ansätze in die Medizin. Um die kognitiven, forschungspragmatischen und sozialen Aspekte von Integration und Translation aus Sicht der involvierten Akteure empirisch analysieren zu können, werden am Beispiel der zwei Krebserkrankungen Experteninterviews und Feedbackveranstaltungen durchgeführt sowie Fachliteratur und Projektdarstellungen zu den Themen Integration und Individualisierung, und zu internationalen Standardisierungsbemühungen in diesem Bereich analysiert. Die Untersuchungsergebnisse werden genutzt, um Potenziale, Ambivalenzen und Probleme zu identifizieren, die die Übertragung systembiologischer Erkenntnisse in die Medizin fördern bzw. behindern.

 

Faire Verteilung begrenzter Biomaterialien in der Biobankforschung

Medizinische Hochschule Hannover
Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin

Carl-Neuberg Str. 1
30625 Hannover

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Dr. Daniel Strech
0511 532-2709
01GP1405
279.083 EUR
01.08.2014 - 31.07.2017

 

Projekt-Internetseite 

Biobanken sammeln Proben menschlicher Körpersubstanzen (z. B. Gewebe, Blut) und verbinden diese mit personenbezogenen Informationen. Diese Proben sind von hohem Wert für verschiedene Forschungszwecke, zugleich aber nur begrenzt verfügbar, weil sie in bestimmten Projekten „verbraucht" werden. Aus ethischer Sicht ist deshalb relevant, welche Gremien wie über die vorrangige oder nachrangige Vergabe der Proben für bestimmte Projekte entscheiden. Weiterhin ist ethisch relevant, mit welchen Priorisierungskriterien diese Entscheidungen getroffen werden sollen. FairBBank untersucht zunächst mittels Literaturanalysen und Fragebogenforschung den nationalen und internationalen Status-quo zur Vergabe von Biomaterialien zu Forschungszwecken. Die Ergebnisse werden anschließend hinsichtlich ihrer ethischen und sozialen Aspekte ausgewertet. Auf der Basis dieser empirischen und theoretischen Analysen wird zusammen mit verschiedenen Experten und Stakeholdern ein praxisorientiertes Konzept zur „Fairen Verteilung begrenzter Biomaterialien in der Biobankforschung" entwickelt und disseminiert. Das Projekt FairBBank unterteilt sich in fünf Teilaufgaben mit verschiedenen Arbeitspaketen. Die Literaturrecherche wird über 6 Monate in online verfügbaren Datenbanken nach systematischen Suchmechanismen durchgeführt und nach Methoden der qualitativen Textanalyse ausgewertet. Im Anschluss folgt über insgesamt 12 Monate die Planung, Durchführung und Auswertung einer online durchgeführten Fragebogenstudie mit ca. 400 Biobankbetreibern. Die ethische Analyse beider empirischer Teilprojekte findet jeweils im Anschluss über ca. 4 Monate statt. Für die abschließende Entwicklung von Praxisempfehlungen sind insgesamt weitere 12 Monate geplant, welche neben der konzeptionellen Arbeit auch eine Stakeholder-Konsultierung sowie eine Konsensuskonferenz einschließen. Zu verschiedenen Zeitpunkten des Projektes werden die Ergebnisse in Fachpublikationen und über die Projektwebseite veröffentlicht.

 

DASYMED: Big Data in der Systemmedizin

Ziel dieses interdisziplinären Forschungsverbunds mit ethischem Schwerpunkt ist die Untersuchung normativer Implikationen der systemmedizinischen Praxis im Hinblick auf drei Themenschwerpunkte. Im Zentrum des Projekts steht die Frage nach den neuen Verantwortlichkeiten von Ärzten und nicht-ärztlichen Forschern. Forscher gewinnen in der systemmedizinischen Datenanalyse und -interpretation an Bedeutung für Diagnose und Therapie. Dies wirft neue Fragen auf nach ihrer Verantwortung gegenüber Patienten und der der behandelnden Ärzte. Da systemmedizinische Ansätze mit großen Mengen an Patientendaten arbeiten, stellt sich zum zweiten die Frage nach dem Wert und der Schutzbedürftigkeit der Privatsphäre in Abwägung gegen andere Güter. Diese Gewichtung wird auch unter gerechtigkeitsethischen Aspekten untersucht. In einem dritten Themenkomplex werden die Folgen der Systemmedizin für die Familie hinsichtlich des intrafamiliären Umgangs mit genetischen Informationen erforscht.

Normative und soziale Aspekte für Ärzte, Forscher, Patienten und Gesellschaft, Teilprojekte 1 und 2

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Heidelberg
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen

Im Neuenheimer Feld 350
69120 Heidelberg

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Eva Winkler
06221 56-36049
01GP1404A
635.969 EUR
01.08.2014 - 31.07.2017

 

Projekt-Internetseite 

Das Projekt setzt an den systemmedizinischen Schnittstellen zwischen genomischer Forschung und klinischer Anwendung an, die bereits aktuell in der Kooperation von Heidelberger Spitzeninstituten vorzufinden sind, wie z. B. dem interdisziplinären Tumorboard „Der individuelle Patient". Der erste Arbeitsschritt ist die sozialempirische Beschreibung der Heidelberger Praxis und der sich an ihr abzeichnenden normativ relevanten Entwicklungen sowie die Klärung zentraler Begrifflichkeiten. Darauf basieren die normative Problemanalyse und die Erarbeitung von Lösungsansätzen. In einem dritten Schritt ist die Implementierung und Evaluierung und somit die Rückführung der theoretischen Ergebnisse in die Praxis vorgesehen. Das Projekt gliedert sich in ein sozialempirisches, ein ethisches und ein rechtliches Teilprojekt und findet durchweg in engem Austausch mit einer lokalen naturwissenschaftlichen Expertengruppe aus Genomforschung und Klinik statt.

 

Rechtliche Untersuchung der Auswirkungen der Systemmedizin am Beispiel der Präzisionsonkologie, Teilprojekt 3

Universität Mannheim
Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik

Schloß
68161 Mannheim

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jochen Taupitz
0621 181-1328
01GP1404B
131.834 EUR
01.08.2014 - 31.07.2017

Das rechtliche Teilprojekt kann in die beiden Blöcke „Big Data und Privatsphäre" sowie „Translationale Rollenverantwortung" eingeteilt werden. In Bezug auf den Block „Big Data und Privatsphäre" hat die rechtliche Seite insbesondere den Anwendungsbereich der für die Forschung einerseits und die klinische Anwendung andererseits geltenden Regeln, vor allem bezogen auf genetische Daten, zu konkretisieren. Einerseits muss das Potenzial der Systemmedizin angemessen berücksichtigt werden, andererseits muss auch eine Aushöhlung der (Grund-)Rechte der betroffenen Person, die aufgrund der Sammlung großer Datenmengen denkbar erscheint, verhindert werden. Hieran schließt sich die Bearbeitung des Blocks „Translationale Rollenverantwortung" an, worin die Verantwortlichkeiten sowie die Haftung in der Systemmedizin rechtlich aufgearbeitet und untersucht werden. Erforderlich ist dies, da aufgrund der großen Datensätze in der Systemmedizin eine Vielzahl nicht-ärztlicher Personen beteiligt ist und auch Computerprogramme eine große Bedeutung einnehmen.

 

Gesundheitskompetenz unter den Bedingungen der Systemmedizin im Anwendungsbereich psychischer Gesundheitsstörungen -  theoretische, normative und empirische Untersuchungen

Universität zu Köln
Medizinische Fakultät
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Forschungsstelle Ethik

Herderstr. 54
50931 Köln

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Christiane Woopen
0221 478-5204
01GP1403
844.866 EUR
01.08.2014 - 31.07.2017

 

Projekt-Internetseite 

Ziel des Verbundvorhabens ist es, theoretische und empirische Einsichten in die Herausforderungen der Systemmedizin für die Gesundheitskompetenz insbesondere im Anwendungsbereich früher psychischer Störungen zu gewinnen. Auf der Grundlage von theoretisch-konzeptionellen Analysen sowie ethischen und rechtlichen Erwägungen werden unter Berücksichtigung von Daten aus Patientenbefragungen sowie verschiedenen Akteursgruppen im Bereich der Gesundheitsversorgung und Gesundheitspolitik konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung von Gesundheitskompetenz bei psychischen Störungen und zur Einführung systemmedizinischer Maßnahmen entwickelt. In einer theoretischen Analyse wird das Modell der Gesundheitskompetenz des europäischen Health Literacy-Survey auf die Systemmedizin bezogen und für psychische Gesundheitsprobleme konkretisiert. In empirischen Erhebungen mittels quantitativer und qualitativer Methoden der Sozialforschung werden die Gesundheitskompetenz von Menschen mit frühen psychischen Störungen mittels validiertem Fragebogen untersucht, Einflussfaktoren identifiziert und Auswirkungen auf das Gesundheitsverhalten erfasst. Darüber hinaus werden in einer Policy-Delphi-Befragung Voraussetzungen für die Implementierung der Systemmedizin ermittelt. Die juristische Analyse klärt und diskutiert bereits gegebene und noch zu schaffende rechtliche Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Implementierung der Systemmedizin. Von besonderer Bedeutung sind dabei insbesondere datenschutzrechtliche Aspekte, aber auch die Klärung des rechtlichen Entwicklungsrahmens sowie der ethischen Rahmenbedingungen für die Förderung von Gesundheitskompetenz unter Wahrung von Patientenautonomie im besonderen Anwendungsfall früher psychischer Störungen.

 

GenoPerspektiv - Zum Umgang mit genomischen Hochdurchsatzdaten: die Perspektiven von Klinik, Ethik, Recht und biomedizinischer Informationstechnologie

Georg-August-Universität Göttingen
Universitätsmedizin - Institut für Medizinische Informatik

Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Dr. Nadine Umbach
0551 39-6173
01GP1402
530.870 EUR
01.06.2014 - 31.05.2017

 

Projekt-Internetseite 

Das Ziel von GenoPerspektiv besteht in der Analyse der Herausforderungen bei einer möglichen klinischen Implementierung von genomischen Hochdurchsatztechnologien, um frühzeitig geeignete Prinzipien und Strategien für den Umgang mit den durch sie aufgeworfenen ethischen, rechtlichen, sozialen und informationstechnologischen Fragen zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf den normativ-ethisch bzw. rechtlich sowie implementierungspraktisch relevanten Gesichtspunkten der Gewinnung, Aufbereitung, Darstellung, Kommunikation und (Weiter-)Verwendung genomischer Hochdurchsatzdaten. Die beteiligten Projektpartner organisieren sich in einem interdisziplinären Forschungsverbund von fünf eng verzahnten Teilprojekten (TP), deren Zielsetzungen systematisch aufeinander abgestimmt sind. In monatlichen Telefonkonferenzen sowie vierteljährlichen Face2Face-Meetings wird der aktuelle Stand der TP abgestimmt und die Verzahnung sichergestellt. Deliverables werden in einem etablierten Verfahren in der Leitungsebene diskutiert und freigegeben. Die Koordinierungsstelle ist dafür zuständig, die Arbeitsergebnisse aus den TP zu konsolidieren und die Leitfäden sowie Schulungen etc. zusammenzustellen. Weiterhin organisiert sie zusammen mit den jeweiligen TP zentrale Workshops auch unter Einbeziehung von Patientenverbänden bzw. Selbsthilfegruppen und wissenschaftlichen Fachkreisen.

 

Teilprojekt 2

Klinikum der Universität München
Campus Innenstadt
Institut für Psychiatrische Phänomik und Genomik

Nußbaumstr. 7
80336 München

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Thomas G. Schulze
089 4400-55568
01GP1402B
93.492 EUR
01.11.2014 - 30.04.2017

Das Teilprojekt 2 untersucht die anwendungspraktischen Implikationen mit Hilfe einer umfassenden Fragebogenerhebung. Es wird den Fragebogen entwickeln, 1000 Personen befragen, die Befragung auswerten und veröffentlichen.

 

Erhebung, Speicherung und Prozessierung epigenetischer Daten in der Systemmedizin im internationalen Vergleich - eine ethische Analyse

Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin

Gartenstr. 47
72074 Tübingen

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Urban Wiesing
07071 29-78015
01GP1401
332.435 EUR
01.10.2014 - 30.09.2017

Das Projekt unternimmt eine ethische Analyse der Praxis und ethischen Standards zur Erhebung, Speicherung und Prozessierung epigenetischer Daten in der Systemme­dizin im internationalen Vergleich. Kernarbeitsbereiche sind die prädiktive Diagnostik, die personalisierte Medizin und die molekulare Epidemiologie. Es beschäftigt sich mit der regulatorischen Situation und epistemologischen Voraussetzungen und ethischen Implikationen der Datenprozes­sierung und -interpretation und vergleicht diese auf Kohärenz mit ähnlichen Fällen, insbesondere den Standards, die auf Grundlage des GenDG gelten. Bestandsaufnahme: Zunächst wird eine empirische Untersuchung zur Fragestellung erfolgen. Dazu wird einerseits Quellenmaterial untersucht und ausgewertet, andererseits werden Daten mithilfe leitfadengestützter Interviews erhoben. Auswertung der empirischen Ergebnisse und ethische Analyse: Es wird untersucht, inwiefern bestehende Selbstverpflichtungen in Bezug zu anerkannten ethischen Standards positioniert werden können und inwieweit sie den Spezifika der epigenetischen Daten Rechnung tragen. Unterschiede zwischen Deutschland, Europa und den USA werden herausgearbeitet. Weiterhin wird diskutiert, ob der aktuelle modus operandi, vor dem Hintergrund hoher ethischer Standards in der BRD, wünschenswert ist. Es folgt eine Gesamtanalyse der Vor- und Nachteile bestehender Regelungen im In- und Ausland unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erwartungen, forschungspolitischer Zielsetzungen einerseits und sozialer Risiken andererseits. Rekonstruktion der juristischen Situation: Das Projekt betrachtet sich als Vorstudie zu eventuellen gesetzgeberischen Aktivitäten. Zielsetzung ist die konkrete Benennung juristischer Konfliktfelder und deren Zuordnung zu vorhandenen Regelwerken. Auf die unter Umständen notwendige Einbeziehung europäischer Vorgaben soll eingegangen werden.

 

 

 

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