2014 - 2017 Förderung von Europäischen Forschungsprojekten zur Identifizierung von genetischen, epigenetischen und umweltbedingten Risiko- und Schutzfaktoren für Neurodegenerative Erkrankungen im Rahmen von JPND

Eine der größten noch ungelösten Herausforderungen hinsichtlich der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen ist fehlendes und unvollständiges Wissen über die Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen. Es ist daher von allergrößter Wichtigkeit, das Verständnis zu verbessern für:

• genetische, epigenetische und umweltbedingte Faktoren der individuellen Risiko- und Schutzmechanismen,
• auslösende Ereignisse, die zur Erkrankung führen,
• das Verhältnis und das Zusammenspiel dieser Faktoren und ihre jeweilige Bedeutung sowie
• die Rolle umwelt- und verhaltensbedingter Modulatoren.

Dieses Wissen kann dazu beitragen, neue Ansätze für Pharmakotherapien der zweiten Generation sowie Präventionsstrategien zu entwickeln. Ein europaweites Programm wird daher benötigt für:
• den Vergleich unterschiedlicher genetischer Hintergründe unter Verwendung innovativer Methoden und Verfahren,
• die Zusammenführung vorhandenen Wissens und vorhandener Ressourcen,
• die gemeinsame Nutzung vorhandener Infrastrukturen,
• die Bereitstellung von Methoden für Bioinformatikstudien sowie
• die Schaffung von Kapazitäten für die Analyse von Daten aus Hochdurchsatzverfahren.

Im Rahmen des „EU Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research“ (JPND) wurde daher die vorliegende länderübergreifende Bekanntmachung veröffentlicht, um die Erforschung von genetischen, epigenetischen und umweltbedingten Risiko- und Schutzfaktoren für Neurodegenerative Erkrankungen zu unterstützen. Die folgenden Förderorganisationen werden diese gemeinsame multinationale Bekanntmachung zu fördern, um hierdurch einen Mehrwert gegenüber bereits bestehenden nationalen Förderaktivitäten zu realisieren.

- Deutschland, Bundesministerium für Bildung und Forschung
- Belgien, 
    - Agency for Innovation by Science and Technology, Flanders region 
    - Research Foundation, Flanders region
- Dänemark, Danish Strategic Research Council
- Finnland, Academy of Finland 
- Frankreich, French National Research Agency 
- Großbritannien, Medical Research Council
- Israel, Chief Scientist Office, Ministry of Health
- Italien 
    - Ministry of Health 
    - Ministry of Education, Universities and Research
- Luxemburg, National Research Fund 
- Niederlande, The Netherlands Organisation for Health Research and Development
- Norwegen, The Research Council of Norway
- Österreich, Austrian Federal Ministry of Science and Research
- Polen, National Science Centre
- Portugal, Portuguese Foundation for Science and Technology
- Slowakei, Ministry of Education, Science, Research and Sports of the Slovak Republic
- Spanien, National Institute of Health Carlos III
- Schweiz, Swiss National Science Foundation
- Türkei, Scientific and Technological Research Council of Turkey

1. Ziele der Fördermaßnahme

Durch gemeinsame kooperative Forschungsansätze sollen Fortschritte bei der Identifizierung von genetischen, epigenetischen und umweltbedingten Risiko- und Schutzfaktoren erzielt werden. Synergieeffekte sollen ermöglicht werden, die allein auf nationaler Ebene nicht zu erreichen sind. Gefördert werden Vorhaben, die neurodegenerative Erkrankungen thematisieren wie z.B. die Alzheimererkrankung und andere Demenzen, Parkinsonerkrankung und mit Parkinson verwandte Erkrankungen, Prionenerkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Huntington-Krankheit, Spinozerebelläre Ataxie (SCA) oder Spinale Muskelatrophie (SMA).

2. Stand der Fördermaßnahme

Die „Richtlinien zur Förderung von Europäischen Forschungsprojekten zur Identifizierung von genetischen, epigenetischen und umweltbedingten Risiko- und Schutzfaktoren für Neurodegenerative Erkrankungen“ wurden am 10.12.2012 zeitgleich von insgesamt 18 JPND-Partnerländern veröffentlicht. In Reaktion hierauf wurden 52 Verbundanträge von insgesamt 307 Forschergruppen beim JPND „Joint Call“-Sekretariat (Leitung: PT-DLR) eingereicht. Die wissenschaftliche Auswahl der eingegangenen Vollanträge wurde durch ein gemeinsames internationales Expertengremium vorgenommen. Die Begutachtung des wissenschaftlichen Gutachtergremiums sowie der an der Fördermaßnahme beteiligten Partnerorganisationen im Juni 2013 führten zu Förderempfehlungen von 5 Verbünden. Das Gesamtfördervolumen beträgt ungefähr 17 Mio. €. Das BMBF fördert aus drei dieser Verbünde drei Vorhaben von deutschen Forschergruppen in Höhe von insgesamt 3,6 Mio. €.

3. Geförderte Projekte

Verbundprojekt STRENGTH

Überleben, Auslöser und Risikofaktoren, epigenetische und genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse bei Motoneuronerkrankungen

Universität Ulm
Universitätsklinikum - Abt. Neurologie
Oberer Eselsberg 45
89081 Ulm

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jochen Weishaupt
0731 500-63073
01ED1408
989.776 EUR
01.03.2014 - 28.02.2018

Ziel des Projektes ist es genetische, epigenetische und Umweltfaktoren zu charakterisieren, welche die Anfälligkeit, das Erkrankungsalter oder den Verlauf der ALS-Erkrankung modifizieren. Es soll insbesondere auch die Interaktion zwischen verschiedenen solcher Faktoren untersucht werden. Hierfür werden in dem geplanten Forschungsverbund zusammen mit universitären und außeruniversitären Einrichtungen in ganz Europa klinische Daten und Informationen über Umwelteinflüsse von ALS-Patienten erhoben sowie genetische Faktoren und Mechanismen untersucht, welche die Genaktivität regulieren (epigenetische Faktoren). An der Universität Ulm wird hierzu auf existierende Datenbank- und Biomaterialbankstrukturen zurückgegriffen. Diese werden gemäß den spezifischen Zielen des Antrags erweitert. Es sollen, ergänzend zu bereits bestehenden Datensammlungen spezielle technische Untersuchungen zur Charakterisierung vorhandener sowie in Ulm noch zu sammelnder Biomaterialproben durchgeführt werden. Hierzu zählen vor allem Teile der genetischen Untersuchungen sowie die epigenetischen Untersuchungen (Methylom- und Mikro-RNA-Screening mittels entsprechender Array-Screening-Verfahren). Ein Teil der genetischen Untersuchungen (GWAS, Exom-Sequenzierung) soll in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz Institut für Humangenetik in München durchgeführt werden.

 

Verbundprojekt RiMod-FTD

Risikofaktoren und modifizierende Mechanismen bei Fronto-Temporaler Demenz

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V.
Standort Tübingen
Otfried-Müller-Str. 27
72076 Tübingen

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Peter Heutink
07071 9387-362
01ED1407
1.067.596 EUR
01.03.2014 - 28.02.2018

Anhand von integrativer Bioinformatik wird der Zusammenhang zwischen genetischen, epigenetischen und umweltbedingten Risiko- und Schutzfaktoren für die Frontotemporale Demenz (FTD) analysiert. Dabei werden genetische Daten sowie „omics" Daten in Zell- und Tiermodellen systematisch validiert. Dieser integrative Ansatz trägt zu einem besseren Verständnis der Krankheitsentstehung bei und kann dabei helfen, Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Der Arbeitsplan ist in drei Arbeitspakete (WPs) unterteilt, die von verschiedenen DZNE-Partnerstandorten in Zusammenarbeit realisiert werden. WP1 konzentriert sich auf die Identifizierung neuer genetischer Risikofaktoren für familiäre und sporadische FTD (DZNE-Tübingen). In WP2 wird post-mortem Gehirnmaterial von genetisch definierten Patientengruppen, Mausmodellen und aus induzierbaren pluripotenten Stammzellen (iPS) untersucht. Genomweite RNA-Expressionsprofile (DZNE-Tübingen, DZNE-Bonn), epigenetische (DZNE-Göttingen) und Proteomprofile (DZNE-München) aus Mensch- und Maushirngeweben aus Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Cerebrospinal fluid, CSF) und aus differenziertem iPS werden verglichen. Über eine bioinformatische Analyse werden Gengruppen identifiziert, die verschiedene Formen von FTD unterscheiden können oder die zwischen verschiedenen Formen gemeinsam sind. Diese werden in Tier-(DZNE-München, DZNE-Bonn) und Zellmodellen (DZNE-Tübingen, DZNE-München) weiter analysiert.

 

Verbundprojekt COURAGE-PD

Umfassende und unabhängige Beurteilung von genetischen und umweltbedingten Risikofaktoren bei der Parkinson-Erkrankung

Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät 
Hertie Institut für klinische Hirnforschung
Otfried-Müller-Str. 27
72076 Tübingen

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Thomas Gasser
07071 29-86529
01ED1406
1.564.244 EUR
01.03.2014 - 31.10.2017

Trotz beachtlicher Fortschritte bei der Identifizierung von Genen für erbliche Formen der Parkinsonkrankheit bestehen weiterhin erhebliche Lücken in unserem Verständnis der Krankheitsentstehung. In diesem Projekt soll daher ein umfassender Ansatz genutzt werden, um die komplexe genetische Architektur der Parkinsonerkrankungen zu verstehen. Genetische Studien und die systematische Erfassung von Umweltfaktoren sollen dabei in einem Modell integriert werden, das mithilfe von zellulären Modellen validiert werden soll. Dazu wird eine einzigartige Sammlung von autosomal-dominanten und autosomal-rezessiven Familien sowie große Kohorten klinisch gut definierter, sporadischer Parkinson-Patienten aus verschiedenen Populationen genutzt. Die drei Arbeitspakete 1) der umfassenden genetischen Charakterisierung von Familien und sporadischen Parkinson-Patienten mit Hilfe von Next-generation Sequencing (NGS) und chip-basierten Hochdurchsatzmethoden, 2) der systematischen Erfassung von Umweltfaktoren und 3) ihre Validierung in Modellsystemen basierend auf der Differenzierung von patientenspezifischen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSCs) greifen dabei komplementär ineinander, um die molekularen Mechanismen und Stoffwechselwege der Krankheitsentstehung zu verstehen und für die Entwicklung neuer Therapien zu nutzen.

 

 

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