Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass präventive Maßnahmen das Entstehungsrisiko für neurodegenerativen Erkrankungen und deren fortschreitenden Symptome verringern können. Jedoch ist noch nicht bekannt, ob und wie diese Erkenntnisse in effektive Präventionsstrategien überführt werden können, die speziell auf gesunde Menschen, Menschen mit einem erhöhten Risiko oder auf Betroffene im Frühstadium einer neurodegenerativen Erkrankung zugeschnitten sind. Erforderlich sind daher Studien zum „Proof-of-Concept“ und zur Designentwicklung von Präventionsstudien mit dem Ziel, die Wirkung von komplexen Interventionen zu untersuchen. Dabei ist es notwendig, die Wirkmechanismen komplexer Interventionen zu verstehen, Implementationsmethoden von Interventionen und Erfolgsindikatoren zur Ergebniskontrolle in den verschiedenen Ländern zu entwickeln und zu harmonisieren sowie „Proof-of-Concept“-Studien und Machbarkeitsstudien mit besonderer Berücksichtigung ethnischer und kultureller Unterschiede durchzuführen.
Die folgenden Förderorganisationen haben beschlossen, diese multinationale Bekanntmachung gemeinsam zu fördern, um hierdurch einen Mehrwert gegenüber bereits bestehenden nationalen Förderaktivitäten zu realisieren. Die Fördermaßnahme wird zeitgleich durch die Förderorganisationen der jeweiligen Länder herausgegeben und zentral vom „Joint Call“-Secretariat (JCS) koordiniert. Für die operative Umsetzung der nationalen Teilvorhaben in einem Verbund gelten die jeweiligen nationalen Richtlinien.
- Deutschland, Bundesministerium für Bildung und Forschung;
- Belgien, Research Foundation – Flanders;
- Dänemark, Danish Agency for Science, Technology and Innovation;
- Finnland, Academy of Finland;
- Frankreich, French National Research Agency;
- Irland, Health Research Board;
- Italien:
- Ministry of Health;
- Ministry of Education, Universities and Research;
- Luxemburg, National Research Fund;
- Niederlande, The Netherlands Organisation for Health Research and Development;
- Norwegen, The Research Council of Norway;
- Österreich, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung;
- Polen, National Centre for Research and Development;
- Portugal, Foundation for Science and Technology;
- Schweden, Swedish Research Council;
- Spanien, National Institute of Health Carlos III;
- Türkei, Scientific and Technological Research Council of Turkey.
1. Ziele der Fördermaßnahme
Ziel der Bekanntmachung ist die Förderung einer begrenzten Anzahl innovativer, multinationaler und multidisziplinärer Verbundvorhaben zur Umsetzung von Pilotinitiativen mit dem Ziel, Präventionsstrategien zu entwickeln. Vorhaben können neue Forschungsansätze für multimodale präventive Interventionen, einschließlich kulturspezifischer Aspekte, Harmonisierungsinitiativen sowie Proof-of-Concept und Machbarkeitsstudien umfassen. Projektanträge können auch die wissenschaftliche Evaluation von Interventionen sowie die Validierung von Outcome-Parametern enthalten.
Gefördert werden Vorhaben, die neurodegenerative Erkrankungen thematisieren, wie z.B. die Alzheimererkrankung und andere Demenzen, Parkinsonerkrankung und mit Parkinson verwandte Erkrankungen, Prionenerkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Huntington-Krankheit, Spinozerebelläre Ataxie (SCA) oder Spinale Muskelatrophie (SMA). Die Vorhaben sollten berücksichtigen, inwieweit ihre Forschungsergebnisse über die zu untersuchende Fragestellung, Erkrankung oder Intervention hinaus verallgemeinert oder übertragen werden können.
2. Stand der Fördermaßnahme
Die „Richtlinien zur Förderung von Europäischen Forschungsprojekten zu Pilotstudien für Präventionsstrategien mit Bezug zu neurodegenerativen Erkrankungen“ wurden am 02.12.2013 zeitgleich von insgesamt 16 JPND-Partnerländern veröffentlicht. In Reaktion hierauf wurden 35 Projektskizzen beim JPND „Joint Call“-Sekretariat (Leitung: PT-DLR) eingereicht. Nach einer wissenschaftlichen Begutachtung wurden 22 Projektskizzen ausgewählt, einen Vollantrag zu stellen. Die wissenschaftliche Auswahl der eingegangenen 22 Vollanträge wurde durch ein gemeinsames internationales Expertengremium vorgenommen. Die Begutachtung des wissenschaftlichen Gutachtergremiums sowie der an der Fördermaßnahme beteiligten Partnerorganisationen im September 2014 führten zu Förderempfehlungen von fünf Verbünden.
3. Geförderte Vorhaben
a) Kurzbeschreibungen der laufenden Vorhaben
(Sortierung innerhalb der Verbünde nach Förderkennzeichen)
JPND-Verbundprojekt PreFrontALS
Frontotemporale Demenzen gehören zu der zweithäufigsten Demenzerkrankung von Menschen unter 65 Jahren. Eine eindeutige Diagnose bereits im präsymptomatischen Stadium der Erkrankung wäre von großer Bedeutung, damit Interventionen frühzeitig eingeleitet werden können. Ziel des Projekts ist es daher, eine umfassende Studie mit einer genetisch definierten Gruppe von Betroffenen im Frühstadium der Erkrankung aufzubauen und im Verlauf zu beobachten. Die Universität Ulm ist insbesondere an den Proteinanalysen beteiligt. Diese könnten zur Identifizierung von Biomarkern führen, die den Erkrankungsbeginn anzeigen oder die Verlaufsbeobachtung verbessern könnten. Zudem werden bildgebende Untersuchungen von hirnstrukturellen Veränderungen durchgeführt.
Suche nach therapeutischen Interventionen bei Patientinnen und Patienten mit der frontotemporalen Demenz und einer genetischen Mutation - der sogenannten C9ORF72-Expansion - im präsymptomatischen Erkrankungsstadium
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Universität Ulm |
Leiter: |
Prof. Dr. Markus Otto |
Im Rahmen dieses Projektes wird an verschiedenen universitären und außeruniversitären Zentren daher eine prospektive Studie geführt, in der unter anderem auch ein Biomarker-Entwicklungskonzept und eine Biomaterialsammlung (in vivo und brain bank) integriert sind. Im Kontext dieser longitudinalen Studie werden klinische wie auch biologische Daten erhoben, die helfen werden die Früh- und Differentialdiagnose zu verbessern. Weiterhin werden durch die Verlaufbeobachtungen Daten (neurochemische, klinische, neuropsychologiche, Bildgebungsdaten) erhalten, die Informationen über den natürlichen Verlauf geben, eine Unterscheidung der Subtypen, aber auch helfen werden distinkte Endpunkte zu ermitteln, die für klinische Therapiestudien eine solide Power-Kalkulation ermöglichen.
JPND Verbundprojekt ONWebDUALS
Neurodegenerative Erkrankungen sind eine der großen Herausforderungen der Menschheit in unserem Jahrhundert. In einer älter werdenden Gesellschaft wird die Zahl der Patientinnen und Patienten mit solchen Erkrankungen steigen. Bei der Amyotrophen Lateralsklerose handelt es sich um die häufigste neurodegenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems mit Beginn im Erwachsenenalter. Bisher existiert keine wirksame Therapie. Ziel des Verbunds ist die Entwicklung von Strategien zur Risikoeinschätzung und Präventionsentwicklung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Klinik, Genetik und Bioinformatik werden zusammenarbeiten, um präventive Strategien zu entwickeln, die ein Voranschreiten des Krankheitsverlaufs verlangsamen oder aufhalten. Hierzu soll eine europaweite Datenbank erstellt werden, mit deren Hilfe die Zusammenhänge von Risikofaktoren für die Erkrankung sowie die Prognose beeinflussenden Faktoren untersucht werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Klinik, Genetik und Bioinformatik werden zusammenarbeiten, um präventive Strategien zu entwickeln. Die deutschen Vorhaben sind insbesondere an der Ausarbeitung der präventiven Strategien sowie an der gemeinsamen Analyse und Diskussion beteiligt.
Ontologie-basierte Datenbank zur Erfassung der Amyotrophen Lateralsklerose
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Universitätsklinikum Jena |
Leiter: |
PD Dr. Julian Großkreutz |
Entwicklung von Präventionsstrategien gegen Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), mit Hilfe europaweiter Ontologie-basierter Datenerfassung und Analyse von Genotyp-Phänotyp-Korrelationen
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Medizinische Hochschule Hannover |
Leiterin: |
Prof. Susanne Petri |
JPND Verbundprojekt NEUROEXERCISE
Neurodegenerative Erkrankungen, wie beispielsweise die Alzheimer-Demenz, sind eine der großen Herausforderungen der Menschheit in unserem Jahrhundert. In einer älter werdenden Gesellschaft wird die Zahl der Patientinnen und Patienten mit solchen Erkrankungen steigen. Bisher existiert keine wirksame Therapie. Der Verbund wird deshalb ein kontrolliertes Sport- und Bewegungstraining dahingehend untersuchen, ob es im frühen Stadium der Alzheimer-Demenz dem Fortschreiten des Krankheitsverlaufs entgegenwirken kann. Zuvor nicht sportlich aktive Patientinnen und Patienten im Frühstadium der Erkrankung werden hierzu ein Jahr lang ein kontrolliertes regelmäßiges Bewegungsprogramm absolvieren. Die Ergebnisse werden mit zwei Kontrollgruppen verglichen, die entweder an einem reduzierten Aktivitätsprogramm teilnehmen oder gar nicht zusätzlich aktiviert werden. Die Deutsche Sporthochschule Köln koordiniert das Forschungsprojekt und entwickelt die Trainingsmaßnahmen. Sie übernimmt auch die neuropsychologische Diagnostik und Verlaufsuntersuchungen der Patientinnen und Patienten. In Bonn werden mittels Bildgebungsverfahren strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn gemessen und epigenetische Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse des Projekts sollen dazu beitragen, den Krankheitsverlauf der Alzheimer-Demenz besser zu verstehen und positiv zu beeinflussen.
Auswirkung eines moderaten einjährigen Ausdauertrainings auf die Progression der leichten kognitiven Beeinträchtigung und den Übergang zur Alzheimererkrankung
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Deutsche Sporthochschule Köln |
Leiter: |
Dr. Stefan Schneider |
Auswirkung eines moderaten einjährigen Ausdauertrainings auf die Progression der leichten kognitiven Beeinträchtigung und den Übergang zur Alzheimererkrankung
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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn |
Leiter: |
Prof. Dr. Martin Reuter |
Das hier vorgestellte Projekt zielt darauf ab, die Effekte
eines Sport- und Bewegungsprogramms auf die Progredienz der
Alzheimererkrankung bei Patienten im Frühstadium der Erkrankung zu
erfassen. 75 zuvor nicht aktive Patienten die sich im Frühstadium der
Erkrankung befinden, werden für ein Jahr unter Aufsicht ein moderates
gesundheitsorientiertes Bewegungsprogramm absolvieren. Die Progredienz
der Erkrankung von Teilnehmern dieser „Sportgruppe" wird definiert über
eine Vielzahl an kognitiven Tests ebenso wie einer strukturellen und
funktionalen Bildgebung und epigenetischer Veränderungen. Die
Veränderung der Progredienz wird im Anschluss in Relation gesetzt zu
zwei Kontrollgruppen, deren Umfang an körperlicher Aktivität im
Jahresverlauf nicht, bzw. nur sehr moderat verändert wurde.
Untersuchung der strukturellen Hirnkorrelate von intensivem sportlichem Training mittels MRT
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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn |
Leiter: |
Prof. Dr. Bernd Weber |
Mit Hilfe struktureller und funktioneller Kernspintomographie werden an der Universitätsklinik Bonn die Effekte des Trainings auf den Verlauf der Hirnatrophie untersucht. Dabei werden verschiedene MRT-Sequenzen verwendet, um sowohl Faserbahnen als auch kortikale Netzwerke betrachten zu können. Im Fokus stehen dabei mediotemporale Strukturen und deren Konnektivität. Dabei werden die Gruppen hinsichtlich der verschiedenen Parameter sowohl cross-sektional als über den Untersuchungsverlauf verglichen.
JPND Verbundprojekt MindAD
Im EU-Programm zur Erforschung neurodegenerativer
Erkrankungen (EU Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research,
JPND) arbeiten EU-Mitglieds- und assoziierte Staaten sowie Kanada
zusammen. Hierdurch soll die Forschung auf diesem Gebiet transnational
gebündelt und gestärkt werden. Neurodegenerative Erkrankungen sollen so
effektiver bekämpft werden. Das Ziel der aktuellen Bekanntmachung ist
es, präventive Strategien zu entwickeln und in Pilotstudien zu
überprüfen.
Das Vorhaben ist Teil des transnationalen Forschungsverbundes MindAD. Im
Vorhaben werden mehrere Interventionsstudien übergreifend ausgewertet.
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit wichtige Faktoren, wie
beispielsweise Ernährung sowie körperliche, soziale und geistige
Aktivität, frühzeitig positiv beeinflusst werden können, um dadurch den
Beginn der Alzheimer-Demenz möglicherweise zu verzögern oder
aufzuhalten. Die Analysen der Studien umfassen molekulare Marker,
Bildgebung, kognitive Prozesse sowie Fragen zur Lebensqualität. Darauf
aufbauend werden international anwendbare Strategien zur
Demenzprävention entwickelt und in einer Pilotstudie überprüft. Das
Universitätsklinikum des Saarlandes ist insbesondere an den
Untersuchungen der pathologischen Prozesse mit Hilfe von
Biomarker-Profilen beteiligt. Zudem wird im Saarland erforscht, welche
Faktoren die Teilnahme an präventiven Maßnahmen begünstigen oder
erschweren. Die Ergebnisse dieses Projekts sollen dazu beitragen, das
Frühstadium der Alzheimer-Demenz besser zu verstehen und den
Krankheitsverlauf möglichst frühzeitig aufzuhalten oder zu verzögern.
Multimodale Präventionsstrategien bei der Alzheimer-Erkrankung für ältere Menschen und für Betroffene im prodromalen Krankheitsstadium
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Universitätsklinikum des Saarlandes und |
Leiter: |
Prof Dr. Tobias Hartmann |
Die Alzheimer Demenz (AD) ist nicht heilbar. Die Alzheimer Krankheit (AK) beginnt Jahrzehnte vor der AD. Das Risiko einer AK ist abhängig von beeinflussbaren Risikofaktoren (RF). Eine frühe Intervention der RF soll die AD verzögern oder die AK heilen. Bei einer Frühdiagnose (AK ohne AD) spricht man von prodromaler AK. Bisher gibt es weltweit nur wenige interventionelle Studien bei prodromalen AK, die an Patienten durchgeführt wurden. Die ersten Studien befinden sich aktuell in der Auswertung und wurden zumeist in Europa durchgeführt. MindAD vereinigt fünf dieser Studien, um eine übergreifende Auswertung zu erreichen. Die Auswertung erfasst Biomarker, kognitiven Parameter, Umsetzung der Therapie, Lebensqualität und Kosteneffizienz. Es werden Strategien zur Demenzprävention entwickelt und in einer Pilotstudie evaluiert.
JPND-Verbundprojekt EURO-SCD
Neurodegenerative Erkrankungen, wie beispielsweise die Alzheimer-Demenz, sind eine der großen Herausforderungen der Menschheit in unserem Jahrhundert. In einer älter werdenden Gesellschaft wird die Zahl der Patientinnen und Patienten mit solchen Erkrankungen steigen. Bisher existiert keine wirksame Therapie. Das subjektive Gefühl einer Verschlechterung der Merk- und Denkfähigkeit bei älteren Menschen geht häufig tatsächlich messbaren Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten voraus und kennzeichnet daher oft schon das Vorstadium der Alzheimer-Demenz. Der Verbund wird ein Beurteilungsprotokoll erarbeiten, mit dessen Hilfe subjektive kognitive Beeinträchtigung einheitlich erfasst wird und verschiedene Studien aus unterschiedlichen Standorten länderübergreifend verglichen werden können. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung einer Internetplattform, bei der Betroffene an einem auf ihre Bedürfnisse und Situation abgestimmten Programm teilnehmen können. Das Programm zielt darauf ab, den Lebensstil positiv zu beeinflussen.
Subjektive kognitive Beeinträchtigung im Rahmen präklinischer Stadien der Alzheimer-Demenz: Europäische Initiative zur Harmonisierung und zu einer internetbasierten Lebensstil-modifizierenden Präventionsstrategie
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Universität zu Köln |
Leiter: |
Prof. Dr. Frank Jessen |