Das vorhandene Wissen bezüglich der patho-physiologischen Mechanismen als Grundlage für die Prognose und Diagnose neurodegenerativer Erkrankungen ist noch unvollständig. Es gibt jedoch aus klinischer, genetischer und biochemischer Sicht deutliche Hinweise darauf, dass verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen auf molekularer Ebene gemeinsame Mechanismen zugrunde liegen. Solche Gemeinsamkeiten wurden darüber hinaus auch für andere Erkrankungen beschrieben. Hierauf begründet sich die Vermutung, dass neurodegenerative Erkrankungen als Teil eines Netzwerkes chronischer Erkrankungen verstanden werden müssen. Es besteht daher ein Bedarf für einen systembiologischen Ansatz, um Erkrankungen als Mehrebenen-Netzwerk-Störungen zu beschreiben. Um dies zu erreichen, sollten experimentelle und computerbasierte Ansätze miteinander verknüpft werden. Entsprechende Analysen sollten sich auf die molekulare, zelluläre und organische Ebene erstrecken. Im Rahmen des „EU Joint Programme – Neurodegenerative Disease Research“ (JPND) werden die vorliegenden, länderübergreifenden Förderrichtlinien veröffentlicht, um interdisziplinäre Forschungsansätze über die traditionellen klinischen Grenzen hinweg zu fördern. Diese neuen Ansätze könnten zu einer veränderten Definition klinischer Phänotypen und zu neuen Behandlungswegen für neurodegenerative Erkrankungen basierend auf dem Verständnis komplexer chronischer Erkrankungen führen.
Die folgenden Förderorganisationen haben beschlossen, gemeinsame Richtlinien für multinationale Forschungsprojekte in diesem Bereich zu fördern, um hierdurch einen Mehrwert gegenüber bereits bestehenden nationalen Förderaktivitäten zu realisieren. Die Fördermaßnahme wird zeitgleich durch die Förderorganisationen der jeweiligen Länder umgesetzt und zentral vom „Joint Call Secretariat“ (JCS) koordiniert. Für die operative Umsetzung der nationalen Teilvorhaben in einem Verbund gelten die jeweiligen nationalen Richtlinien.
– Belgien, Research Foundation – Flanders region
– Deutschland, Bundesministerium für Bildung und Forschung
– Finnland, Academy of Finland
– Frankreich, French National Research Agency
– Ireland, Science Foundation Ireland
– Italien
– Ministry of Health
– Ministry of Education, Universities and Research
– Kanada, Canadian Institutes of Health Research
– Luxemburg, National Research Fund
– Niederlande, The Netherlands Organisation for Health Research and Development
– Norwegen, The Research Council of Norway
– Polen, National Science Centre
– Portugal, Foundation for Science and Technology
– Slowakei, Ministry of Education, Science, Research and Sports of the Slovak Republic
– Spanien, National Institute of Health Carlos III
– Schweden, Swedish Research Council
– Türkei, Scientific and Technological Research Council of Turkey
1. Ziele der Fördermaßnahme
Ziel dieser Förderrichtlinien ist die Einrichtung einer begrenzten Anzahl ambitionierter, innovativer, multinationaler und multidisziplinärer Verbundvorhaben, die
- experimentelle Ansätze aus der grundlagenorientierten Forschung, der prä-klinischen und/oder der klinischen Forschung mit computerbasierten Ansätzen verbinden,
- durch Netzwerkanalysen in unterschiedlichen neurodegenerativen und anderen chronischen Erkrankungen gemeinsame und differierende Mechanismen aufklären,
- durch Untersuchung von Erkrankungen über traditionelle klinische Grenzen hinweg einen Mehrwert zu bestehenden Forschungsaktivitäten darstellen und damit das Verständnis der patho-physiologischen Mechanismen dieser Erkrankungen verbessern.
Gefördert werden Vorhaben, die neurodegenerative Erkrankungen thematisieren wie z.B. die Alzheimererkrankung und andere Demenzen, Parkinsonerkrankung und mit Parkinson verwandte Erkrankungen, Prionenerkrankungen, Motoneuronerkrankungen, Huntington-Krankheit, Spinozerebelläre Ataxie (SCA) oder Spinale Muskelatrophie (SMA). Die Vorhaben können sowohl unterschiedliche neurodegenerative Erkrankungen als auch neurodegenerative und andere chronische Erkrankungen umfassen.
2. Stand der Fördermaßnahme
Die „Richtlinien zur Förderung von Europäischen Forschungsprojekten zur krankheitsübergreifenden Analyse von Mechanismen mit Bezug zu neurodegenerativen Erkrankungen“ wurden am 02.12.2013 zeitgleich von insgesamt 16 JPND-Partnerländern veröffentlicht. In Reaktion hierauf wurden 90 Projektskizzen beim JPND „Joint Call“-Sekretariat (Leitung: PT-DLR) eingereicht. Nach einer wissenschaftlichen Begutachtung wurden 35 Projektskizzen ausgewählt, einen Vollantrag zu stellen. Die wissenschaftliche Auswahl der eingegangenen 35 Vollanträge wurde durch ein gemeinsames internationales Expertengremium vorgenommen. Die Begutachtung des wissenschaftlichen Gutachtergremiums sowie der an der Fördermaßnahme beteiligten Partnerorganisationen im September 2014 führten zu Förderempfehlungen von 10 Verbünden.
3. Geförderte Vorhaben
a) Kurzbeschreibungen der laufenden Vorhaben
In diesem Verbund sollen Gene erforscht werden, die den Schweregrad neurodegenerativer Erkrankungen beeinflussen. Hierbei sind die Arbeiten nicht auf eine bestimmte neurodegenerative Erkrankung fokussiert. Vielmehr sollen Gene identifiziert werden, die mehrere dieser Erkrankungen zugleich betreffen. Solche Gene könnten als allgemeine „Regulatorgene“ grundlegende Krankheitsprozesse steuern. Die Universität Tübingen wird Regulatorgene für Alzheimer, Parkinson und spinozerebelläre Ataxien erforschen. Ein typisches Merkmal dieser Erkrankungen sind Proteinablagerungen im Gehirn. Genetische Mechanismen werden als Ursache für diese Ablagerungen vermutet. Die Arbeiten umfassen umfangreiche bioinformatische Analysen zu genetischen Studien am Menschen und an Modellorganismen. Die Daten werden anschließend mit vorhandenen Daten von erkrankten Patientinnen und Patienten verglichen.
Identifikation von Genen, welche die Schwere neurodegenerativer Erkrankungen beeinflussen
|
Eberhard Karls Universität Tübingen |
Leiter: |
Prof. Dr. Olaf Rieß |
Proteinablagerungen finden sich als typisches Merkmal zahlreicher neurodegenerativer Erkrankungen, beispielsweise bei Alzheimer, Parkinson und spinozerebellären Ataxien. Die Ablagerungen können sich innerhalb oder außerhalb von Nervenzellen befinden. Als Ursache hierfür werden unter Anderem genetische Mechanismen vermutet. Die beteiligten Gene spielen daher möglicherweise auch eine wichtige Rolle für den Ausbruch und den Verlauf der jeweiligen Erkrankung. In diesem Vorhaben sollen mögliche genetische "Modifier" identifiziert werden. Solche Modifier könnten die Regulation der entsprechenden Gene und damit auch den Verlauf der Erkrankung verändern. Die Arbeiten umfassen umfangreiche bioinformatische Analysen zu genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) am Menschen, aber auch an anderen Modellorganismen. Weiterhin sollen auch proteomische und genomische Studien mit einbezogen werden. Die Universität Tübingen wird auch Expressionsdaten von transgenen Tiermodellen der Parkinson-Erkrankung und bestimmten Ataxien generieren. Die Daten werden außerdem mit vorhandenen Daten von erkrankten Patientinnen und Patienten verglichen.
JPND Verbundprojekt CeBioN
Im Verbund wird die Rolle von Mitochondrien bei neurodegenerativen Erkrankungen erforscht. Mitochondrien sind Bestandteile von Körperzellen, die maßgeblich für die Energieproduktion der Zellen verantwortlich sind. Bei vielen neurodegenerativen Erkrankungen werden allerdings Funktionsstörungen der Mitochondrien beobachtet. Welche Auswirkungen dies auf die Erkrankungen hat, ist bislang nicht vollständig erforscht. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wird daher krankheitsübergreifende Analysen der mitochondrialen Funktion durchführen. Ziel ist es, mögliche gemeinsame Krankheitsmechanismen bei Alzheimer, Parkinson und der Huntington Erkrankung aufzuklären. Ein besseres Verständnis wird langfristig dazu führen, diese Erkrankungen besser behandeln zu können. Mitochondrien gelten dabei als potenzielles therapeutisches Ziel.
Zelluläre Bioenergetik bei neurodegenerativen Erkrankungen - systembasierter Ansatz und Kandidatenanalyse
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Dr. Daniele Bano |
Mitochondrien sind Bestandteile von Körperzellen. Sie sind maßgeblich für die Energieproduktion der Zellen des menschlichen Körpers verantwortlich. Bei vielen neurodegenerativen Erkrankungen werden allerdings Funktionsstörungen der Mitochondrien beobachtet, beispielsweise in deren Bioenergetik. Welche Auswirkung dies auf die Erkrankung hat, ist bislang nicht vollständig erforscht. Mitochondrien stellen jedoch ein potenzielles therapeutisches Ziel dar. Daher sollen in diesem Vorhaben krankheitsübergreifende Analysen der mitochondrialen Funktionen durchgeführt werden. Ziel ist es, gemeinsame und individuelle Mechanismen bei neurodegenerativen Erkrankungen aufzuklären. Die Arbeiten konzentrieren sich hierbei auf die Alzheimer-, Parkinson- und die Huntington Erkrankung. Im Fokus stehen der Einfluss der Calcium-Homöostase und des AMPK-Signalweges auf die Bioenergetik von Mitochondrien. In einem Hochdurchsatz-Screening sollen zudem potenzielle Wirkstoffkomponenten identifiziert werden. Hierbei soll auch erforscht werden, ob durch diese Wirkstoffe die Auswirkungen neurodegenerativer Erkrankungen gemildert werden können. Neben biochemischen Arbeitstechniken kommen auch computerbasierte Modellierungen zum Einsatz. Hierdurch sollen krankheitsübergreifende Effekte und Mechanismen besser identifiziert und erforscht werden können.
JPND-Verbundprojekt INCURE
Im Vorhaben wird der Einfluss des angeborenen Immunsystems auf neuronale Funktionen und neuronalen Zelltod untersucht. Die Arbeiten werden an den drei häufigsten neurodegenerativen Krankheiten durchgeführt: Alzheimer- und Frontotemporale Demenz sowie Parkinson. Hierbei sollen krankheitsübergreifende Signalnetzwerke identifiziert werden. Entsprechende Signalwege stehen im Verdacht, das angeborene Immunsystem zu beeinflussen. Dies wiederum könnte sich dann auf die jeweilige Erkrankung auswirken. Die Forschungsarbeiten sollen in Mausmodellen der jeweiligen Erkrankung durchgeführt werden. Entsprechende Befunde werden anschließend in humanem post-mortem Material, beispielsweise Gehirngewebe oder Liquorproben, überprüft. Langfristig werden die Ergebnisse helfen, die genannten Erkrankungen besser zu behandeln.
Aktivierung der angeborenen Immunität bei neurodegenerativen Erkrankungen
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Prof. Dr. Michael Heneka |
Im Vorhaben wird der Einfluss des angeborenen Immunsystems auf neuronale Funktionen und neuronalen Zelltod untersucht. Die Arbeiten werden an den drei häufigsten neurodegenerativen Krankheiten durchgeführt: Alzheimer- und Frontotemporale Demenz sowie Parkinson. Hierbei sollen krankheitsübergreifende Signalnetzwerke identifiziert werden. Diese Signalwege könnten das angeborene Immunsystem beeinflussen und in der Folge durch eine Fehlregulation zum Entstehen neurodegenerativer Krankheiten beitragen. Entsprechende Forschungsarbeiten sollen in Mausmodellen der jeweiligen Krankheit durchgeführt werden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den betreffenden Gen-Netzwerken sollen analysiert werden. Hierbei sind insbesondere Knotenpunkte und regulatorischen Gruppen zwischen verschiedenen Netzwerken von Interesse. Entsprechende Befunde werden anschließend an menschlichem Gehirnmaterial oder an Nervenwasserproben überprüft.
|
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig |
Leiter: |
Prof. Dr. Martin Korte |
Das zentrale Nervensystem ist eine komplexe und fragile Struktur. Diese Struktur muss ständig moduliert werden, um Informationen zu speichern. Sie ist daher anfällig für Verletzungen, invasive Pathogene oder neurodegenerative Erkrankungen. Daher spielt auch das Immunsystem im Gehirn eine wichtige Rolle. Mikroglia sind Zellen des angeborenen Immunsystems im Gehirn. Sie verrichten viele physiologische Funktionen, beispielsweise bei der Homöostase von Gehirngewebe oder der Modulation von Synapsen. Mikroglia spielen jedoch auch bei neurodegenerative Erkrankungen eine Rolle. Sie erhalten eine konstante Immunantwort aufrecht und vernachlässigen gleichzeitig ihre physiologischen Funktionen. Diese chronische Aktivität des Immunsystems steht jedoch im Verdacht, den Fortschritt von neurodegenerative Erkrankungen zu fördern. In diesem Vorhaben wird daher die Aktivität der Mikroglia weiter erforscht. Hierfür sollen ein systembiologischer Ansatzes und funktionale Analyse kombiniert werden. Dabei liegt der Fokus auf den drei häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen: Alzheimer- und Frontotemporale Demenz sowie Parkinson. Die Arbeiten werden in Tiermodellen dieser Erkrankungen durchgeführt.
JPND-Verbundprojekt PrPC&PDK1
Ziel des Verbundes ist es, gemeinsame Krankheitsmechanismen bei unterschiedlichen neurodegenerativen Erkrankungen zu identifizieren. Darunter befinden sich Alzheimer- und Frontotemporale Demenz, Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose, Spinozerebelläre Ataxie sowie Prionenerkrankungen. Typisch für diese Erkrankungen sind Proteinablagerungen im Gehirn. Diese Proteinablagerungen könnten entstehen, wenn bestimmte Signalwege des menschlichen Körpers in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.
Die PrPC / PDK1 / TACE Signalwege als Kreuzungspunkte mehrerer neurodegenerativer Erkrankungen
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Prof. Dr. Peter Heutink |
Im Vorhaben werden gemeinsame Krankheitsmechanismen bei verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen untersucht. Darunter befinden sich die Alzheimer- und die Frontotemporale Demenz, Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose, Spinozerebelläre Ataxie sowie Prionenerkrankungen. Typisch für diese Erkrankungen sind Proteinablagerungen im Gehirn oder im Nervensystem. Zumeist entstehen diese Aggregate durch fehlerhaft hergestellte Proteine im Körper. In diesem Vorhaben sollen die molekularen und die zellulären Mechanismen entschlüsselt werden, die hierfür verantwortlich sind. Dabei konzentrieren sich die Arbeiten auf die sogenannte PrPC/PDK1/TACE/TNFR1 Signalisierungsachse. Hierbei handelt es sich um Signalwege, die bestimmte Körperfunktionen beeinflussen und steuern. Proteinaggregate könnten entstehen, wenn diese Signalwege in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Entsprechende Studien sollen daher an kultivierten Zellen, an humanem post-mortem Gehirngewebe und in Mausmodellen durchgeführt werden. Die Aktivitäten der Signalisierungsachse sollen unter verschiedenen Bedingungen gemessen werden. Außerdem soll die Signalisierungsachse bewusst beeinflusst werden, um entsprechende Fehlregulationen zu provozieren. Entsprechendes Wissen ist erforderlich, um die Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen besser zu verstehen. Dieses Wissen stellt zugleich die Basis dar, um zu einem späteren Zeitpunkt mögliche Therapien zu entwickeln.
JPND Verbundprojekt Fly-SMALS
Im Verbundprojekt sollen gemeinsame genetische Grundlagen der Spinalen Muskelatrophie (SMA) und Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) identifiziert werden. Beides sind Erkrankungen von Nervenzellen, die Bewegungen steuern. Hierzu werden in einem ersten Schritt genetische Modelle in Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) etabliert. Das Erbgut von Fliegen und Menschen ist zu großen Teilen identisch oder sehr ähnlich. Fruchtfliegen eignen sich daher sehr gut für genetische Analysen. In einem zweiten Schritt sollen die Ergebnisse der genetischen Analysen dann an humanen Gewebeproben überprüft werden.
Identifizierung und Validierung gemeinsamer zellulärer Genexpressions- und Ribostase-Signalwege, bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Spinaler Muskelatrophie (SMA) in Drosophila
|
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen |
Leiter: |
Prof. Dr. Jörg B. Schulz |
Motoneuron-Erkrankungen betreffen motorische Nervenzellen und damit den Muskel- und Bewegungsapparat des Menschen. Zu den häufigsten Erkrankungen dieser Art gehören die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und die Spinale Muskelatrophie (SMA). Beide gehören zu den neurodegenerativen Erkrankungen und basieren möglicherweise auf gemeinsamen zellulären Signalwegen. Diese Signalwege werden durch genetische Aktivitäten beeinflusst. Genetische Mutationen wirken sich daher auf die Funktion der Signalwege und somit auf die Erkrankungen aus. Diese Arbeitshypothese soll in dem Verbundvorhaben, das von der RWTH Aachen geleitet wird, überprüft werden. Hierzu werden zunächst genetische Tiermodelle in Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) entwickelt und getestet. Es sollen Schaltstellen identifiziert werden, die bei Fehlregulierung zur Neurodegeneration und damit zu ALS oder SMA führen. Die Ergebnisse werden bioinformatisch analysiert und letztlich in humanen Gewebeproben validiert. Hierbei sollen auch Biomarker zur klinischen Differentialdiagnose entwickelt werden. Denn während SMA genetisch diagnostiziert werden kann, tritt ALS meist sporadisch auf und ist besonders im Anfangsstadium schwierig zu diagnostizieren. Ein zuverlässiger ALS-Biomarker wäre hier ein wertvoller großer Fortschritt.
JPND Verbundprojekt Neu TARGETs
Ziel des Verbundes ist es, gemeinsame Krankheitsmechanismen bei Alzheimer und Parkinson zu identifizieren. Typisch für beide Erkrankungen sind Proteinablagerungen (Plaques) in den Nervenzellen. Die genaue Bedeutung dieser Plaques bei der Entstehung und dem Verlauf der Erkrankungen ist jedoch noch unklar. Daher wird untersucht, wie sich die Plaques bilden, wie sie transportiert werden und welche gemeinsamen Prozesse beiden Erkrankungen zugrunde liegen. Des Weiteren soll erforscht werden, ob die Ausbildung der Plaques verhindert oder verlangsamt werden kann.
Therapeutische Ansätze zur Hemmung der Ausbreitung pathogener Proteinaggregate bei neurodegenerativen Erkrankungen
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Prof. Dr. Mathias Jucker |
Im Vorhaben werden gemeinsame Krankheitsmechanismen bei Alzheimer und Parkinson untersucht. Typisch für beide Erkrankungen sind Proteinablagerungen im Gehirn. Diese entstehen, wenn Proteine im Körper fehlerhaft hergestellt werden. Die Proteinablagerungen beginnen in ganz spezifischen Gehirnregionen. Von dort aus breiten sie sich dann in weitere Regionen des Gehirns aus. Die Bedeutung der Proteinablagerungen bei der Entstehung und dem Verlauf der Erkrankungen ist jedoch noch nicht vollständig bekannt. In Tübingen sollen daher solche Proteinablagerungen bei Alzheimer- und bei Parkinsonerkrankung genauer erforscht werden. Untersucht werden beispielsweise Toxizität, Ausbreitungsmechanismen und Transport der fehlerhaften Proteine. Im Fokus ist dabei besonders die frühe Phase der fehlerhaften Proteinablagerungen. Diese erfolgt weit bevor erste Krankheitssymptome auftreten. Es soll überprüft werden, ob diese frühe Phase als möglicher therapeutischer bzw. präventiver Ansatzpunkt verwendet werden kann. Hierfür werden eine Vielzahl von biochemischen und bildgebenden Ansätzen verwenden.
JPND Verbundprojekt CrossSeeds
Es sollen gemeinsame Krankheitsmechanismen bei Alzheimer, Parkinson und Huntington untersucht werden. Charakteristisch für alle drei Erkrankungen sind Proteinablagerungen (Plaques) in den Nervenzellen. Die Plaques unterscheiden sich jeweils in ihrer Zusammensetzung und Struktur. Trotzdem könnten gemeinsame Mechanismen existieren, die dafür verantwortlich sind, dass sich die Plaques bilden und gegenseitig beeinflussen. Diese Mechanismen sollen in diesem Verbundprojekt in Tiermodellen untersucht werden. Die Ergebnisse sollen in eine frei zugängliche, öffentliche Datenbank überführt werden. Gleichzeitig sollen mögliche Immunisierungsstrategien entwickelt und erprobt werden. Das Ziel ist, das Entstehen der Plaques zu unterbinden. Dies wäre ein neuer therapeutischer Ansatzpunkt im Kampf gegen diese Erkrankungen.
Protein Cross Seedings bei neurodegenerativen Erkrankungen
|
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg |
Leiter: |
Prof. Dr. Stephan von Hörsten |
Die Arbeiten der Universität Erlangen konzentrieren sich insbesondere auf die Huntington-Erkrankung. Im Fokus stehen dabei solche Huntington-Aggregate, die durch Aktivität des Proteins Glutaminyl-Cyclase entstehen. Auch soll erforscht werden, ob die Huntington-Aggregate auch Proteine enthalten, die bisher eher bei der Alzheimer- oder der Parkinsonerkrankung erwartet wurden. Hierdurch ergeben sich mögliche gemeinsame Krankheitsmechanismen bei unterschiedlichen neurodegenerativen Erkrankungen. Die entsprechenden Arbeiten werden in Maus- und Rattenmodellen der Huntington Erkrankungen durchgeführt. Es soll untersucht werden, in welchen Gehirnstrukturen entsprechende Plaques auftreten. In Bezug auf die Glutaminyl-Cyclase Aktivität soll außerdem eine neu entwickelte Immunisierungsstrategie überprüft werden. Die spezifische Immunisierung stellt einen möglichen neuen Therapieansatz dar.
Mechanismen des pathogenen Protein Cross Seedings bei neurodegenerativen Erkrankungen
|
Universität Leipzig |
Leiter: |
Prof. Dr. Steffen Roßner |
Die Arbeiten der Universität Leipzig konzentrieren sich insbesondere auf die Alzheimer-Erkrankung. Im Fokus stehen dabei solche Proteinablagerungen, die durch Aktivität des Enzyms Glutaminyl-Cyclase entstehen. Es soll untersucht werden, in welchen Gehirnstrukturen das Enzym und die Proteinablagerungen auftreten. Die entsprechenden Arbeiten werden in Maus- und Rattenmodellen der Alzheimer-Erkrankung durchgeführt. Gleichzeitig soll erforscht werden, mit welchen anderen Proteinen diese interagieren. Durch die Interaktion verschiedener pathologischer Proteine können sich deren Eigenschaften ändern. Dies kann Auswirkungen auf die jeweiligen Krankheitsmechanismen und -verläufe haben. Ein besseres Verständnis der Protein-Interaktionen ist daher erforderlich, um neue Therapien zu entwickeln. Die Aktivität der Glutaminyl-Cyclase stellt hierbei einen möglichen zentralen Ansatzpunkt dar. Eine Glutaminyl-Cyclase-spezifische Immunisierungsstrategie soll in Alzheimer-Mausmodellen untersucht werden.
Charakterisierung modifizierter Amyloidpeptide zur Ableitung von Impfstoff-Strategien und spezifischen Nachweismethoden
|
Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) |
Leiter: |
Prof. Dr. Hans-Ulrich Demuth |
Im Verbundprojekt CrossSeeds werden potenzielle Gemeinsamkeiten molekularer Krankheitsmechanismen der Alzheimer-, Parkinson- und Huntington-Erkrankung untersucht. Ein typisches Merkmal dieser neurodegenerativen Erkrankungen sind fehlerhaft gefaltete Proteine. Hierdurch kommt es zu Proteinablagerungen, sogenannten Aggregaten, im Nervensystem. Die Aggregate können dabei sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein und sich in verschiedenen Regionen des Nervensystems befinden. Proteinablagerungen unterschiedlicher Art können aber auch parallel in bestimmten Gehirnregionen auftreten und durch gegenseitige Stimulation entstehen. Dieser Prozess wird auch als "Cross-Seeding" bezeichnet. Welche Auswirkungen dies auf den Verlauf der jeweiligen Erkrankung hat, ist bislang nur unzureichend erforscht. Hier setzen die Arbeiten des Fraunhofer IZI-MWT an. Im Fokus stehen dabei Proteinablagerungen, die beispielsweise durch Pyroglutamat modifiziert wurden. Entsprechende Aggregate sollen isoliert und näher untersucht werden. Gleichzeitig soll erforscht werden, ob der hierbei zugrunde liegende Mechanismus ein möglicher therapeutischer Ansatzpunkt ist. Hierfür werden entsprechende Impfstoffe hergestellt, um die Eigenschaften der Aggregate zu verändern oder deren Bildung zu verhindern. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie soll in Tiermodellen der jeweiligen Erkrankung durchgeführt werden.