Neurodegenerative Erkrankungen sind Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems, die stark mit dem Lebensalter zusammenhängen. Die Alzheimer Demenz und mit ihr verwandte Störungen sind die am häufigsten auftretenden neurodegenerativen Erkrankungen. In Europa sind zwischen 6,3 und 7,3 Millionen Menschen hiervon betroffen. Es wird erwartet, dass sich diese Zahl aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung alle 20 Jahre verdoppelt.
Neurodegenerative Erkrankungen sind bislang unheilbar. Derzeit verfügbare Therapieansätze setzen überwiegend bei den Symptomen an, nicht jedoch bei den Krankheitsursachen. Um diese Situation zu verbessern, ist weitere Forschung notwendig. Für diese Bekanntmachung wurden daher drei Forschungsgebiete von hoher Priorität ausgewählt:
• Genetische, epigenetische und umweltbedingte Risiko- und Schutzfaktoren
• Längsschnittuntersuchungen an Kohorten
• Moderne experimentelle Modelle
Alle drei Themen profitieren von Forschungsansätzen, bei dem Expertisen aus verschiedenen Ländern zusammengeführt werden. Die gemeinsame Bekanntmachung soll daher einen Mehrwert gegenüber bestehenden nationalen Förderaktivitäten im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen erbringen. Sie wurde zeitgleich durch die Förderorganisationen der jeweiligen JPND Mitgliedsstaaten veröffentlicht.
• Deutschland, Bundesministerium für Bildung und Forschung
• Belgien
- Research Foundation – Flanders
- The Fund for Scientific Research
• Dänemark, Innovation Fund Denmark
• Finnland, Academy of Finland
• Frankreich, French National Research Agency
• Großbritannien, Medical Research Council
• Israel, Chief Scientist Office, Ministry of Health
• Italien
- Ministry of Health
- Ministry of Education, Universities and Research
• Kanada, Canadian Institutes of Health Research
• Luxemburg, National Research Fund
• Niederlande, The Netherlands Organisation for Health Research and Development
• Norwegen, The Research Council of Norway
• Österreich, Federal Ministry of Science, Research and Economy
• Polen, National Centre for Research and Development
• Portugal, Foundation for Science and Technology
• Rumänien, Ministry of National Education
• Slowakische Republik, Ministry of Education, Science, Research and Sport of the Slovak Republic
• Spanien, National Institute of Health Carlos III
• Schweden, Swedish Research Council
• Türkei, Scientific and Technological Research Council of Turkey
1. Ziele der Fördermaßnahme
Ziel der Bekanntmachung ist die Förderung einer begrenzten Anzahl ambitionierter, innovativer, multinationaler und multidisziplinärer Verbundvorhaben, die einen Mehrwert für das jeweilige Forschungsgebiet erzeugen. Anträge können dabei mehrere der oben genannten Themen umfassen. Gefördert werden ausschließlich Vorhaben zu neurodegenerativen Erkrankungen, z.B. der Alzheimererkrankung und anderen Demenzen, Parkinsonerkrankung und mit Parkinson verwandte Erkrankungen, Prionenerkrankungen, Huntington-Krankheit, Motoneuronerkrankungen, Spinozerebelläre Ataxie (SCA) oder Spinale Muskelatrophie (SMA).
2. Stand der Fördermaßnahme
Die „Richtlinien zur Förderung von Europäischen Forschungsprojekten zu Neurodege-nerativen Erkrankungen: Risiko- und Schutzfaktoren, Längsschnittuntersuchungen an Kohorten und moderne experimentelle Modelle“ wurden im Januar 2015 von den teilnehmenden JPND-Partnerländern veröffentlicht. Auf die Bekanntmachung gingen insgesamt 175 Projektskizzen ein. Hiervon wurden, nach einer wissenschaftlichen Bewertung, 55 Projektskizzen für einen Vollantrag ausgewählt. Die Begutachtung der 55 Vollanträge erfolgte durch ein internationales Expertinnen- und Expertengremium. Im September 2015 wurden daraufhin 29 transnationale Forschungsverbünde zur Förderung empfohlen.
3. Geförderte Vorhaben
a) Kurzbeschreibungen der laufenden Vorhaben
JPND Arbeitsgruppe EUFIND - Europäisches Netzwerk für Ultrahochfeld-Bildgebung bei neurodegenerativen Erkrankungen
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Prof. Dr. Emrah Düzel |
JPND Verbundprojekt EADB
Nach derzeitigem Wissen ist das Alter der wichtigste Risikofaktor für die Alzheimer Demenz. Es ist jedoch bekannt, dass neben dem Alter noch andere Risikofaktoren für diese Erkrankung existieren. Besonders wichtig sind hierbei genetische Faktoren. Man geht davon aus, dass sie für einen Großteil der krankheitsrelevanten Vorgänge bei der Alzheimer Demenz verantwortlich oder zumindest relevant sind. Nach aktuellen Einschätzungen sind jedoch viele dieser Risikofaktoren noch unbekannt. Weitere Forschungsarbeiten sind daher nötig, um die Ursachen und die Krankheitsmechanismen der Alzheimer Demenz besser zu verstehen.
Das transnationale Forschungsvorhaben „EADB“ erforscht bekannte und neue genetische Risikofaktoren der Alzheimer Demenz. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stützen ihre Arbeit auf genetische Proben von Patientinnen und Patienten sowie gesunden Kontrollpersonen. Diese Proben werden in einer genetischen Biomaterialbank, einer sogenannten „DNA-Bank“, gespeichert. Das Ziel des Verbundes ist es, die bereits vorhandene DNA-Bank um zusätzliche Proben zu erweitern. Hierdurch soll die größte europäische DNA-Bank für Alzheimer Demenz in Europa entstehen. Die hohe Probenzahl ermöglicht dann besonders tiefgehende und verlässliche genetische Analysen.
Identifizierung genetischer Risikofaktoren, die einen Einfluss auf die Progressionsrate der Alzheimer Erkrankung haben.
|
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn |
Leiter: |
PD Dr. Alfredo Ramirez |
Charakterisierung und Definition klinischer Phänotypen von MCI und AD sowie Definition medizinischer Ausschlusskriterien des EADB-Kollektivs
|
Universität zu Köln |
Leiter: |
Prof. Dr. Frank Jessen |
JPND Verbundprojekt DACAPO-AD
Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung. Sowohl genetische als auch äußere Risikofaktoren beeinflussen den Ausbruch der Erkrankung maßgeblich. Zu den äußeren Risikofaktoren zählen fettreiche Ernährung, Kopfverletzungen, Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und systemische Infekte. Es ist bekannt, dass eine bestimmte Ausprägung im sogenannten „Apolipoprotein-E4-Gen“ (ApoE-Gen) das Risiko einer Alzheimer-Demenz deutlich erhöht, insbesondere wenn einer der äußeren Risikofaktoren vorliegt. Hingegen gibt es eine andere Ausprägung im gleichen Gen, die das Risiko einer Demenz deutlich senkt. Die zugrundeliegenden Signalwege dieser Zusammenhänge sind allerdings noch weitgehend unerforscht. Im transnationalen Forschungsvorhaben DACAPO-AD werden die Interaktionen zwischen dem häufigsten genetischen Risikofaktor auf dem ApoE-Gen und den oben genannten äußeren Risikofaktoren erforscht. Dabei untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Signalwege in Mausmodellen, die entweder die gefährdende oder die schützende Genvariante des ApoE-Gens tragen und die systematisch den erworbenen Risikofaktoren ausgesetzt werden. Langfristig können die Ergebnisse dazu beitragen, neue Behandlungsansätze zu entwickeln.
Entschlüsselung der Interaktionen zwischen äußeren Risikofaktoren und ApoE-Signalwegen bei der Alzheimer-Erkrankung
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Prof. Dr. Gabor Petzold |
Untersuchung zu äußeren Risikofaktoren und dem ApoE-Genotyp bei der Alzheimer-Erkrankung
|
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn |
Leiter: |
Prof. Dr. Michael Heneka |
JPND-Verbundprojekt SNOWBALL
Im Verlauf der Alzheimer Demenz sterben Nervenzellen im Gehirn ab, oftmals bedingt durch toxische Reaktionen oder Entzündungsprozesse. Dieselben drastischen Auswirkungen kann auch ein Schlaganfall auf Nervenzellen haben. Jedoch sind die Ursachen hierfür völlig verschieden, denn ein Schlaganfall ist die Folge einer Durchblutungsstörung und damit eines Sauerstoffmangels im Gehirn (Ischämie). Obwohl sich beide Erkrankungen fundamental unterscheiden, bedingen sie sich möglicherweise gegenseitig. Forschungsergebnisse zeigen, dass ein Schlaganfall die Entwicklung einer Demenz vorantreiben kann. Die Krankheitsmechanismen, die hierbei wirken, sind jedoch bislang unzureichend erforscht. Das transnationale Forschungsvorhaben „SNOWBALL“ untersucht die komplexen Wechselwirkungen von Alzheimer Demenz und Schlaganfall. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konzentrieren sich hierbei auf den gegenseitigen Einfluss von toxischen Proteinablagerungen und Entzündungsreaktionen im Gehirn, biochemischen Veränderungen an der Blut-Hirn-Schranke und Gefäßverschlüssen. Die Arbeiten erfolgen überwiegend an Mausmodellen. Proben von Zerebrospinalflüssigkeit, die von Schlaganfallpatientinnen und -patienten gewonnen werden, ergänzen jedoch die gewonnenen Erkenntnisse.
Wechselwirkung und Einfluss von zerebralem Amyloid und zerebraler Ischämie auf das Fortschreiten einer Neurodegeneration
|
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg |
Leiter: |
Prof. Dr. Marc Fatar |
Einfluss von Mikroglia und mikroglialem MyD88 auf die Wechselwirkung von zerebralem Amyloid und zerebraler Ischämie bei Neurodegeneration
|
Universität des Saarlandes |
Leiter: |
Prof. Dr. Klaus Fassbender |
JPND Verbundprojekt CicProt
Alzheimer Demenz (AD) und die Huntington Erkrankung (HD) werden durch eine gestörte Signalweitergabe in den neuronalen Netzwerken des Gehirns hervorgerufen. Besonders betroffen sind hierbei die Gehirnregionen des Neocortex, Hippocampus und das Striatum. Bislang existieren keine effizienten Behandlungsmethoden für diese Erkrankungen. Daher ist es besonders wichtig, Schutzmechanismen und präventive Aspekte zu erforschen. Das Protein BDNF ist hierbei interessant, denn es wirkt protektiv gegen AD und HD. Veränderungen des BDNF-Stoffwechsels spielen nach derzeitigen Erkenntnissen eine Rolle beim Ausbruch beider Erkrankungen. Die zellulären Ursachen dafür sind jedoch noch weitgehend unverstanden. Das CircProt Konsortium wird daher die Funktion von BDNF für den Schutz der neuronalen Netzwerke, die bei den beiden Erkrankungen betroffen sind, näher erforschen. Das interdisziplinäre und transnationale Konsortium umfasst insgesamt acht europäische Forschungsgruppen.
Protektion synaptischer Schaltkreise durch BDNF/TrkB- und Arc-Signalwege in Mausmodellen der Alzheimer-Demenz (AD) und des Morbus Huntington (HD)
|
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg |
Leiter: |
Prof. Dr. Volkmar Lessmann |
Dynamik dendritischer "spines" und strukturelle Plastizität
|
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf |
Leiter: |
Prof. Dr. Kurt Gottmann |
JPND Verbundprojekt BRIDGET
Die Entwicklung von Präventionsstrategien gegen Demenzen, insbesondere gegen die Alzheimer Demenz, ist eine große Herausforderung. Eine wichtige Hürde stellt die Identifikation pathologischer Prozesse dar, die schon viele Jahre vor dem Ausbruch der Demenz beginnen und deren Erforschung zur Entwicklung effizienter Präventionsansätze beitragen könnte. Das Vorhaben der Universitätsmedizin Greifswald ist Teil eines transnationalen Kooperationsprojektes. Im Vorhaben werden genetische Risikovarianten sowie protektive genetische Varianten dahingehend erforscht, inwiefern sie bei der strukturellen Alterung des Gehirns eine Rolle spielen. Außerdem sollen Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit mit neuen bildgebenden Verfahren im alternden Gehirn analysiert werden. Dazu werden Menschen der Allgemeinbevölkerung untersucht, die ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer Demenz haben.
Bildgebung, Kognition, Demenz und Next Generation Sequencing - Ein interdisziplinärer Ansatz zur Analyse und Identifikation von Risikofaktoren und protektiven Faktoren neurodegenerativer Erkrankungen
|
Universitätsmedizin Greifswald |
Leiter: |
|
JPND Verbundprojekt EPI-AD
Die Alzheimer Erkrankung ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie beeinflusst die Integrität und die Funktion des Gehirns, woraus eine fortschreitende kognitive Verschlechterung resultiert. Es ist bekannt, dass die Erkrankung teilweise auf vererbten Faktoren beruhen kann. Entsprechende genetische Merkmale, soweit diese bereits bekannt sind, gelten als Risikofaktoren. Gleichzeitig können aber auch umweltbedingte Einflüsse die genetische Konstitution eines Menschen beeinflussen. Solche Einflüsse werden als epigenetische Faktoren bezeichnet. Auch sie nehmen Einfluss auf die Alzheimer Erkrankung, jedoch sind epigenetische Einflüsse bislang wenig erforscht. Der transnationale Forschungsverbund EPI-AD untersucht epigenetische Mechanismen bei der Alzheimer Demenz. Hierbei konzentrieren sich die Arbeiten auf den Hirnstamm, der das Gehirn mit dem Rückenmark verbindet. Nach aktuellen Forschungsergebnissen kommt dem Hirnstamm eine Schlüsselrolle bei der epigenetisch bedingten Alzheimer Pathologie zu. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysieren die Auswirkungen epigenetischer Veränderungen im Hirnstamm auf die Entwicklung und den Verlauf der Alzheimer Demenz.
Bedeutung epigenetischer Dysregulation im Hirnstamm bei Alzheimerscher Erkrankung
|
Julius-Maximilians-Universität Würzburg |
Leiter: |
Prof. Thomas Haaf |
Epigenetische Faktoren in der Progression der Alzheimer Erkrankung
|
Universitätsklinikum Bonn |
Leiter: |
PD Dr. Alfredo Ramirez |
JPND Verbundprojekt STAD
Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Form der Demenz. Dabei ist in der Hirnregion des Hippocampus bereits in frühen Stadien der Erkrankung die Kommunikation zwischen Nervenzellen gestört. Langfristig führt dies zum Absterben von Nervenzellen. Die genauen zellulären Mechanismen sind jedoch noch unzureichend verstanden. Im transnationalen Forschungsverbund STAD wird erforscht, welche Rolle bestimmte Proteine bei der Regulation von Genexpression im Kontext der Alzheimer-Erkrankung spielen. Diese Proteine werden von den synaptischen Kontaktstellen zwischen Nervenzellen in die Zellkerne transportiert. Es wird die Hypothese untersucht, dass Veränderungen im Proteintransport von der Synapse zum Zellkern zur Alzheimer-Erkrankung beitragen. Außerdem wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss dabei metabolische Faktoren haben, beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck. Am Universitätsklinikum Hamburg soll dafür ein Mausmodell entwickelt werden, in dem die Interaktion von synaptischer Dysfunktion, Proteinablagerungen und metabolischen Faktoren analysiert werden kann.
Die Kommunikation von Synapsen mit dem Zellkern bei der Alzheimer-Erkrankung
|
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf |
Leiter: |
Dr. Michael R. Kreutz |
JPND Verbundprojekt GBA-PARK
Die Parkinson-Krankheit ist nach der Alzheimer Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie beginnt meist nach dem 55. Lebensjahr und sowohl Frauen als auch Männer sind betroffen. In Europa sind etwa 1,2 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt. Für die Erkrankung ist ein fortschreitender Verlust bestimmter Nervenzellen verantwortlich. Dabei beeinflussen krankheitsspezifische Risikofaktoren den Ausbruch und den Verlauf der Erkrankung maßgeblich. Genetische Veränderungen im Glucocerebrosidase-Gen (GBA1) zählen zu den bedeutendsten Risikofaktoren bei Parkinson.
GBA1-Mutationen bei Morbus Parkinson: klinische und biochemische Prodromalsymptome, Risikoprofile und pathogenetische Nachbildung von therapeutischen Interventionen
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Prof. Dr. Donato Di Monte |
Das Vorhaben des DZNE e.V. ist Teil eines transnationalen Kooperationsprojektes, das den Einfluss von Veränderungen im GBA1 Gen untersucht. Im Vorhaben soll insbesondere die Wechselwirkung zwischen dem GBA1 Gen und weiteren Risikogenen der Parkinson-Krankheit (Gen-Gen-Interaktion) bzw. Umwelteinflüssen (Gen-Umwelt-Interaktionen) erforscht werden. Neben dieser krankheitsspezifischen Ursachenforschung sollen auch potenzielle neue Wirkstoffe auf ihr therapeutisches oder diagnostisches Potenzial überprüft werden.
JPND Verbundprojekt MADGIC
Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie beruht auf Veränderungen im Gehirn, die zum Absterben von Nervenzellen führen. Die genauen Krankheitsmechanismen sind jedoch noch unzureichend verstanden. Im transnationalen Forschungsvorhaben MADGIC werden verbesserte Zellkulturmodelle entwickelt und in Mausmodelle transplantiert. Dafür werden Stammzellen verwendet, die aus Körperzellen erwachsener Menschen generiert werden, sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (IPS). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen dabei die Rolle des Immunsystems und den Einfluss unterschiedlicher Risikofaktoren, wie zum Beispiel Altern und Durchblutungsstörungen sowie genetische Faktoren. Ziel ist es, die Merkmale der Erkrankung genau zu analysieren, um herauszufinden, wie die Alzheimer-Erkrankung möglichst früh erkannt werden kann. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Herstellung verbesserter zellulärer und tierischer Modelle zur Identifizierung von Krankheitsmerkmalen und therapeutischen Angriffspunkten bei der Alzheimer-Krankheit
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Prof. Dr. Michael Heneka |
Im Projekt sollen verbesserte zelluläre Modelle der Alzheimer Krankheit auf der Basis humaner Zellkulturen etabliert werden. Angestrebt wird die Herstellung von Patienten-abgeleiteten Zellkulturen durch Reprogrammierungstechnologien und deren Untersuchung in 3D-Zellkulturansätzen. Ein weiteres Ziel ist es, diese Zellen in Wildtyp- und Alzheimer-relevante Mausmodelle zu transplantieren. Dieser Ansatz wird verfolgt, um die unterschiedlichen Beiträge neuronaler und glialer Zellen zur Krankheitsentstehung zu analysieren und neuronal-intrinsische von extrinsischen Mechanismen zu differenzieren. Insbesondere soll so auch eine Rolle der Neuroinflammation für das Voranschreiten relevanter Krankheitsmechanismen aufgeschlüsselt werden. Unterschiedliche Faktoren, die das Risiko eine Alzheimer Krankheit zu entwickeln fördern (altern, Ischämie, systemische Entzündung, oxidativer Stress), werden ebenso wie genetische Faktoren untersucht werden. Moderne Untersuchungtechniken einschließlich der Kernspintomographie und fortschrittlicher Mikroskopieverfahren werden eingesetzt, um diese aufwendigen Modellansätze möglichst präzise zu untersuchen. In einem translationalen Ansatz sollen Biomarker der frühen Krankheitsentwicklung zu identifiziert werden. Ein weiteres Ziel ist die Isolierung einzelner molekularer Mechanismen, die für die Entwicklung therapeutischer Ansätze nutzbar sind.
JPND Verbundprojekt NAB3
Die Alzheimer Demenz ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie beruht auf Veränderungen im Gehirn, die das Absterben von Nervenzellen bewirken. Bei diesen Prozessen spielt die Blut-Hirn-Schranke eine wichtige Rolle. Sie trennt das zentrale Nervensystem vom Blutkreislauf und stellt somit eine Barriere dar, die nicht ungehindert passiert werden kann. Sie schützt dabei das Nervensystem ebenso wie sie mögliche Therapien beeinflusst, da auch Medikamente diese Barriere überwinden müssen. Die genauen physiologischen Prozesse an der Blut-Hirn-Schranke sind jedoch noch unzureichend verstanden und daher Gegenstand intensiver Forschung. Der transnationale Forschungsverbund NAB3 erforscht diese physiologischen Prozesse im Kontext der Alzheimer Erkrankung.
Entwicklung eines an die Alzheimer Erkrankung angelehnten in vitro-Modells der Blut-Hirn-Schranke
|
Charité - Universitätsmedizin Berlin |
Leiter: |
Prof. Dr. Thomas G. Ohm |
JPND Verbundprojekt 3DMinBrain
Das Risiko, an einer neurodegenerativen Erkrankung wie etwa der Alzheimer Demenz oder Parkinson zu erkranken, hängt von vielen Faktoren ab. Diese krankheitsabhängigen Risikofaktoren können beispielsweise genetisch bedingt oder umweltabhängig sein. Es ist wichtig, sie zu verstehen, um das Auftreten und den Verlauf der Erkrankung besser einschätzen zu können. Wovon das Risiko zu erkranken abhängt, ist bei neurodegenerativen Erkrankungen bislang aber noch unzureichend erforscht.
Das Vorhaben des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) ist Teil eines transnationalen Kooperationsprojektes. Im Vorhaben wird ein experimentelles Modell entwickelt, mit dem krankheitsabhängige Risikofaktoren analysiert werden können. Hierzu werden sogenannte „induzierte pluripotente“ Stammzellen speziell kultiviert und sollen die natürliche Komplexität eines menschlichen Gehirns nachbilden. Mit Hilfe dieses Modells künstlicher „Mini-Gehirne“ sollen anschließend genetische Risiken für die Alzheimer Demenz und die Parkinson Krankheit entschlüsselt werden.
Hochdurchsatz-Screening von humanen neuroektodermalen Organoiden für innovative Wirkstoffforschung bei neurodegenerativen Erkrankungen
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
Prof. Dr. Peter Heutink |
3D MinBrain ist ein innovatives und multidisziplinäres Kooperationsprojekt. In dem transnationalen Forschungsvorhaben wird die Machbarkeit eines experimentellen Modells getestet, um den Prognoseverlauf neurodegenerativer Erkrankungen analysieren zu können. Basis hierfür sind künstliche humane Mini-Gehirne, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSCs) entwickelt werden. Die natürliche Komplexität von Gehirnen wird durch automatisierte 3D Kultivierung der Zellen nachgebildet. Durch bildgebende Verfahren werden molekulare Mechanismen untersucht, die bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielen. Mit diesen Modellen sollen die wichtigsten genetischen Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit (AD) und die Parkinson-Krankheit (PD) weiter entschlüsselt werden. Diese genetischen Risikofaktoren wurden ursprünglich durch GWAS und Exom-Sequenzierungen identifiziert. So sollen etwa Signalwege charakterisiert werden, die zur Aß und Tau-Pathologie bei der Alzheimer Erkrankung sowie zur a-synuclein Aggregation und Toxizität in späten Formen der Parkinson Krankheit führen. Hierbei sollen auch die Aggregations- und Seeding-Hypothese von Proteinen in der Alzheimer- und Parkinson-Erkrankung bewertet sowie die Grenzen der Infektionsmöglichkeiten durch menschliche Prionen-Stämmen getestet werden.
JPND Verbundprojekt aSynProtec
Die Parkinson Erkrankung ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Die Betroffenen leiden an Symptomen wie etwa Muskelstarre, verlangsamten Bewegungen oder Haltungsinstabilität. Auf molekularer Ebene ist die Ansammlung des Proteins Alpha‐Synuclein charakteristisch für die Erkrankung. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Entwicklung und der Verlauf der Parkinson Erkrankung durch die kontinuierliche Ausbreitung solcher Alpha‐Synuclein Aggregate angetrieben wird. Die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen sind jedoch erst zum Teil erforscht. Der transnationale Forschungsverbund aSynProtec untersucht die Mechanismen der Alpha‐Synuclein-Ausbreitung. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf dem Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Risikofaktoren bei der Entstehung und dem Verlauf der Erkrankung. Ein besseres Verständnis der molekularen, strukturellen und zellulären Krankheitsprozesse ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Entwicklung neuer Therapien und präventiver Ansätze.
Ausbreitung von Alpha-Synuclein Aggregaten: Die Rolle des Mikrobioms
|
Georg-August-Universität Göttingen |
Leiter: |
Prof. Dr. Tiago Outeiro |
Einfluss der Darmflora auf die Entwicklung der Synucleinopathie in Nagetiermodellen des Morbus Parkinson
|
Eberhard Karls Universität Tübingen |
Leiter: |
Prof. Dr. Olaf Rieß |
JPND Verbundprojekt REfrAME
Eine Gemeinsamkeit von verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen besteht darin, dass sich Proteine in abnorme Strukturvarianten umformen und im zentralen Nervensystem ablagern. Bei der am stärksten verbreiteten Form der Demenz, der Alzheimer Erkrankung, sind „Beta-Amyloid“ und „Tau“ betroffen, bei der Parkinson-Krankheit „Alpha-Synuclein“ und bei den Prionenerkrankungen „Prion-Proteine“. Die genauen Eigenschaften der missgefalteten Proteine sind jedoch noch unzureichend verstanden und daher Gegenstand intensiver Forschung. Das Vorhaben der Universität Tübingen ist Teil eines transnationalen Kooperationsprojektes. Im Vorhaben werden die missgefalteten Proteine „Beta-Amyloid“ und „Alpha-Synuclein“ biochemisch und biophysikalisch untersucht. Die Arbeiten werden an menschlichem Gehirngewebe sowie in transgenen Mäusen durchgeführt. Ziel ist es, die verschiedenen Strukturvarianten zu charakterisieren, um daraufhin ihren Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu untersuchen.
Protein-Missfaltung in neurodegenerativen Erkrankungen - Risikoeinschätzung und Modellentwicklung
|
Eberhard-Karls-Universität Tübingen |
Leiter: |
Prof. Dr. Mathias Jucker |
Die Ablagerung missgefalteter Proteine im zentralen Nervensystem ist ein gemeinsames Merkmal verschiedener neurodegenerativer Erkrankungen. Ein Charakteristikum der am stärksten verbreiteten Form der Demenz, der Alzheimer-Erkrankung, ist die zerebrale Ablagerung von aggregiertem Amyloid-ß und Tau, während für die Parkinson-Erkrankung neuronale Einschlüsse, sog. Lewy-Körperchen, charakteristisch sind, die vorwiegend aus dem Protein a-Synuclein bestehen. Bei den Prionenerkrankungen sind sog. Prionen, aggregierte, missgefaltete Prionenproteine, im gesamten zentralen Nervensystem verbreitet. Eine Vielzahl an Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Umformung nativer Proteine in abnorme Strukturvarianten und der vielschichtigen Pathogenese. Das Ziel dieses Projekts ist die Erforschung der abnormalen Strukturvarianten innerhalb der verschiedenen Erkrankungen. Die so gewonnenen Resultate sollen dann mithilfe mehrerer Versuchswerkzeuge mit den funktionellen und klinischen Ergebnissen in Relation gesetzt werden. Es gibt mittlerweile immer mehr Anhaltspunkte, dass missgefaltete Proteine im Hirn unterschiedliche Missfaltungszustände, abnormale Strukturvarianten, annehmen können (ähnlich wie für die Prionen beschrieben), und dass solche abnormalen Strukturvarianten den klinischen Verlauf der Erkrankung beeinflussen können. In diesem Teilprojekt sollen solche strukturellen Varianten von Abeta und a-Synuclein in Autopsiehirnen von AD und PD (familiär und sporadisch) und entsprechenden transgenen Mäusen untersucht werden. Dazu werden a) lumineszente konjugierte Oligothiphene (LCO), b) eine neuartige Durchflusszytometrie-Technik und c) biochemische Methoden (Immunoblot, PK-Resistenz etc) benutzt. Abeta- und a-Synuclein-Strukturvarianten sollen in Mäusen propagiert und auf ihre biologische Aktivität untersucht werden. Das Ziel ist, gut definierte Strukturvarianten mit dem klinischen Verlauf der Erkrankung zu korrelieren.
JPND Verbundprojekt ModelPolyQ
Weiterentwickelte Modelle für die Polyglutaminerkrankungen Morbus Huntington, Spinocerebelläre Ataxie Typ 3 und Spinocerebelläre Ataxie Typ 7
|
Eberhard Karls Universität Tübingen |
Leiter: |
Dr. Huu Phuc Nguyen |
JPND Verbundprojekt PROP-AD
Eine typische Veränderung im Gehirn bei der Alzheimer-Demenz besteht darin, dass sich zwischen den Nervenzellen klumpige Ablagerungen aus Eiweißen, den Beta-Amyloid-Peptiden, bilden. Im normalen Stoffwechsel werden Beta-Amyloid-Peptide kontinuierlich erzeugt, lagern sich aber nicht ab. Bei der Alzheimer-Demenz werden Beta-Amyloid-Peptide nicht mehr vollständig abgebaut. Stattdessen lösen sie in Form sogenannter „seniler Plaques“ schädliche Reaktionen aus, die zum Absterben von Nervenzellen führen. Auch außerhalb des Gehirns werden Beta-Amyloid-Peptide gebildet. Dabei verhindert eine intakte Blut-Hirn-Schranke, dass diese Peptide in das Gehirn übertreten. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Beta-Amyloid-Peptide im Zusammenhang mit der Alzheimer-Erkrankung möglicherweise in der Lage sind, über die Blutbahn in das Gehirn zu gelangen. Um diese Annahme zu überprüfen und somit die Krankheitsmechanismen der Alzheimer-Demenz besser zu verstehen, sind weitere Forschungsarbeiten notwendig. Das transnationale Forschungsvorhaben „PROP-AD“ erforscht die mögliche Ausbreitung von Beta-Amyloid-Peptiden vom Körper über die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn. Dabei werden speziell im Labor hergestellte Beta-Amyloid-Peptide in genetisch veränderten Mausmodellen dahingehend untersucht, ob und unter welchen Bedingungen sie die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Weitere Analysen werden durchgeführt, um die Transporteigenschaften von Beta-Amyloid-Peptiden und ihre Rolle bei der Alzheimer Demenz zu untersuchen.
Die Rolle der Blut-Hirn-Schranke bei der Ausbreitung von peripheren Beta-Amyloid-Peptiden in das Gehirn
|
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz |
Leiter: |
Prof. Dr. Claus Pietrzik |
JPND Verbundprojekt 3DPD
Zur Erforschung der Parkinson-Erkrankung werden traditionell Tiermodelle und Zellkulturen herangezogen. Zunehmend wird an der Entwicklung von in vitro-Organsystemen, sogenannten „Organoiden“, gearbeitet. Dabei handelt es sich um dreidimensionale Zellkulturmodelle, die mithilfe von menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen (IPS) auf einem elektronischen Chip erzeugt werden. Diese können biologische Prozesse von lebenden Systemen, zum Beispiel von Nervenzellen, widerspiegeln. Das Vorhaben des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Tübingen ist Teil eines transnationalen Kooperationsprojektes. Im Vorhaben soll mithilfe dieses neuartigen in vitro-Ansatzes ein künstliches Mittelhirn-Organoid mit nahezu natürlichen Gewebeeigenschaften hergestellt werden. Hierzu werden patientenspezifische Zellen aus IPS-Linien von Parkinson-Erkrankten kultiviert. Ziel ist es, die mit der Parkinson-Krankheit verbundenen Veränderungen nachzubilden und so realitätsnahe Analysen des Krankheitsverlaufs am Modell zu ermöglichen.
Verwendung von menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen für die Herstellung dreidimensionaler Mittelhirn-Organoide zur optimierten Modellierung der Parkinson-Erkrankung
|
Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin |
Leiter: |
Prof. Dr. Hans Schöler |
Ziel des Forschungsvorhabens ist die Entwicklung eines neuen in vitro-Ansatzes zur Untersuchung der Parkinson Erkrankung mittels patientenspezifischer Zellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS), die in einem neuartigen 3D Hydrogel-Microfluid-Kultursystem zur Ausbildung von Mittelhirn-Organoiden kultiviert werden. Die "Organ-on-a-chip"-Technologie hat das vielversprechende Potenzial die in vitro/in vivo-Lücke zu überbrücken, indem sie im 3D Kultursystem nahezu native Gewebebedingungen für die Zellen bietet und ist somit als ein sehr bedeutender Fortschritt für die Diagnostik und Therapie anzusehen. Zurzeit hält das Konsortium 5 hiPSC Linien von Gesunden und 5 Zelllinien von Parkinson-Patienten mit der LRRK2 Mutation p.Gly2019Ser und deren isogene Kontrollen vor. Für das neuartige Organoiden-3D-Kultursystem werden weitere iPSC-Linien aus Parkinsonpatienten mit einer krankheitsauslösenden Mutation in Parkin (3 Patienten: Compound-Heterozygotie [exon2 del];[c.1083+1insG (Intron 9)]), DJ-1 (2 Patienten: homozygot. p.Val8Glufs*6 und homozygot. p.Pro158del), FBXO7 (2 Patienten: (homozygot. p.Arg498Stop und Compound-Heterozygotie [p.Thr22Met];[IVS7 +1 G/T] )(Di Fonzo et al, 2009)), SYNJ1 (2 Patienten: (hom. p.Arg258Gln) (Quadri et al, 2013), und SNCA (2 Patienten: (SNCA locus triplication)(Olgiati et al., 2015)) verwendet. Fibroblasten der Parkinsonpatienten werden nicht-integrativ im mRNA/miRNA Ansatz reprogrammiert und für die genetischen Parkinson-Erkrankungen werden isogene Kontrollzelllinien mittels CRISPR/Cas9 System (Wang et al., 2014) etabliert. Wenigstens 2 Klone/Patient, die den Standard-Qualitätstest (endogene Expression von Pluripotenzfaktoren, Nichtnachweisbarkeit der transfizierten mRNAs/miRNAs, Test auf chromosomale Abweichungen, Analyse des epigenetischen Status, Fähigkeit zur Differenzierung in alle 3 Keimblätter) erfolgreich durchlaufen haben, werden zur Etablierung 3D Hydrogel-Microfluid-Kultursysteme herangezogen.
JPND Verbundprojekt SYNACTION
Bei der Parkinson-Krankheit, der Multisystematrophie und der Lewy-Körper-Demenz handelt es sich um neurodegenerative Erkrankungen. Eine Gemeinsamkeit dieser Erkrankungen besteht darin, dass sich fehlgefaltete Alpha-Synuklein Proteine im Gehirn ablagern. Die genauen Prozesse, die bei der Ausbreitung von Alpha-Synuklein-Ablagerungen eine Rolle spielen und sich auf den Verlauf der jeweiligen Erkrankung auswirken, sind jedoch noch unzureichend verstanden. Sie sind daher Gegenstand intensiver Forschung. Im transnationalen Forschungsvorhaben SYNACTION werden zunächst fehlgefaltete Proteinvarianten von Alpha-Synuklein strukturell, biochemisch und zellbiologisch analysiert. In einem zweiten Schritt wird die Ausbreitung der Alpha-Synuklein-Ablagerungen mittels hochauflösenden bildgebenden Verfahren in transgenen Mäusen untersucht. Es wird zudem untersucht, inwieweit das Immunsystem bei diesen Prozessen eine Rolle spielt.
Aufschlüsselung der pathophysiologischen Rolle der Alpha-Synuklein-Aggregation, Fortleitung und Neuroinflammation bei Neurodegeneration
|
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn |
Leiter: |
Prof. Dr. Michael Heneka |
Fehlgefaltete Proteinaggregate, sogenannte Synukleinopathien, treten bei einer Vielzahl neurodegenerativer Erkrankungen auf, auch wenn sich die zugrundeliegenden Proteine unterscheiden (Synuklein bei Parkinson, amyloid beta bei Alzheimer und Huntingtin bei Morbus Huntington). Das molekulare Kernmerkmal von Synukleinopathien sind synukleinreiche Ablagerungen. Es gibt Hinweise darauf, dass ein initialer pathogenetischer Prozess die Ausbreitung der Fehlfaltung und damit der Erkrankung im Gehirn auslöst. Dieses Projekt untersucht daher die Hypothese, dass distinkte klinische und pathologische Phänotypen durch heterogene Alpha-Synuklein Veränderungen und eine dadurch vermittelte unterschiedliche Neurotoxizität und Neuroinflammation ausgelöst werden. Das Projekt wird sowohl Tiermodelle untersuchen als auch humane Proben aus den entsprechenden Erkrankungen analysieren.
JPND Verbundprojekt ESMI
Die Spinozerebelläre Ataxie Typ 3 (SCA3) wird nach den zuerst beschriebenen großen Familien auf den Azoren auch Machado-Joseph-Erkrankung genannt. Sie ist die häufigste Form der autosomal dominant vererbten Ataxie-Krankheiten. Die SCA 3 äußert sich je nach Krankheitsbeginn mit sehr unterschiedlichen Symptomen, wie Schädigungen peripherer Nervenbahnen, Muskelschwund, spastischen Lähmungen, Bewegungs- und Gefühlsstörungen sowie dem Sehen von Doppelbildern. Die Krankheit ist bisher nicht heilbar. Um die molekularen Mechanismen dieser Krankheit besser zu verstehen und um neue Behandlungsansätze entwickeln zu können, sind große, gut charakterisierte Studienkohorten und weitere Forschungsarbeiten notwendig.
Im transnationalen Forschungsvorhaben „ESMI“ soll eine große Kohorte mit Patientinnen und Patienten sowie SCA3-Mutationsträgern aufgebaut werden. Hierzu werden acht bereits bestehende Kohorten aus Europa und den USA in eine gemeinsame Datenbank integriert. Im Vorhaben sollen innovative Untersuchungsmethoden und Biomarker entwickelt und validiert werden. Dies umfasst eine hoch sensitive motorische Testbatterie, ambulante Sensor-basierte Aktivitätsmessung, innovative Bildgebungsanalysen, Untersuchungen von Blut- und Liquormarkern sowie Messungen des Krankheitsproteins, Ataxin-3. Weiterhin wird der Einfluss von Lebensstilfaktoren auf die Krankheit erforscht.
Europäische Spinozerebelläre Ataxie Typ 3 / Machado-Joseph-Krankheit Initiative
|
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. |
Leiter: |
|
|
Eberhard Karls Universität Tübingen |
Leiter: |
Prof. Dr. Olaf Rieß |
JPND Verbundprojekt CureALS
Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems mit Beginn im Erwachsenenalter. Dabei treten fortschreitende und irreversible Schädigungen der Nervenzellen auf, die für die Muskelbewegungen verantwortlich sind. Die genauen molekularen Mechanismen sind noch unzureichend verstanden und daher Gegenstand intensiver Forschung. Im transnationalen Forschungsvorhaben CureALS werden veränderte Proteinablagerungen an den Motoneuronen und die Rolle möglicher neuronaler Schutzmechanismen untersucht. Es werden zellbiologische und biophysikalische Methoden verwendet, die speziell auf Patienten angepasste pluripotenten Stammzellen basieren. Dabei wird der Einfluss genetischer, umweltbedingter und geschlechtsbedingter Risikofaktoren erforscht. Ziel ist es, wirkstoffähnliche Stoffe zu identifizieren, welche die Bildung veränderter Proteinablagerungen und damit das Absterben der Nervenzellen verhindern könnten.
Stress-Granuli und Proteostase in Motoneuronen - auf dem Weg zu einem mechanistischen Verständnis von ALS
|
Eberhard Karls Universität Tübingen |
Leiter: |
Prof. Dr. Olaf Rieß |
|
Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik |
Leiter: |
PhD Simon Alberti |
|
Technische Universität Dresden |
Leiter: |
Dr. Jared Sterneckert |