Stammzellen

Die Entwicklungen in der Stammzellforschung lassen neue Anwendungsmöglichkeiten für Medizin und Wissenschaft in greifbare Nähe rücken. Dadurch werden Fragen hinsichtlich diagnostischer, präventiver oder therapeutischer Nutzung von Verfahren aufgeworfen, die die Gewinnung von Stammzellen sowie verfeinerte Reprogrammierungs- und Differenzierungsmethoden ermöglichen. Jedoch sind die neuen Verfahren auch mit Bedenken verbunden, mit denen man sich individuell und gesamtgesellschaftlich auseinandersetzen muss. Fragen zu Nutzen und Risikoabwägung des klinischen Einsatzes von Stammzelltherapien stellen sich, um das großes Potential für Patientinnen und Patienten abschätzen zu können. Aber auch grundlegende Fragen zur möglichen Erzeugung künstlicher menschlicher Keimzellen für den therapeutischen Einsatz oder die Reproduktionsmedizin müssen diskutiert werden, zum Beispiel. Wie wirken sich Stammzelltherapien in der Praxis auf die Beteiligten aus? Wie unterschieden sich natürliche und künstliche Embryonen in moralischer und rechtlicher Sicht? Sollten Verfahren der Stammzellforschung gewerblich genutzt werden? Wie gehen andere Länder mit diesen kritischen Themen um?
Um frühzeitig kritische Fragen zu identifizieren und zu beantworten, die sich aus der modernen Stammzellforschung ergeben, fördert das BMBF im Förderschwerpunkt „Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der modernen Lebenswissenschaften“ fachübergreifende Forschungsprojekte zum Thema „Stammzellen“.

Multiple Risiken - Kontingenzbewältigung in der Stammzellforschung und ihren Anwendungen

Der internationale Diskurs zur Ethik der Stammzellforschung und ihrer Anwendungen erfuhr in den letzten 15 Jahren einen erheblichen Wandel. Er verschob sich von einer Debatte, die sich vornehmlich ethischen Grundsatzfragen widmete, zu einer Diskussion, die nun Chancen und Risiken in den Vordergrund rückte.

TP 1: Ethische Analyse

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät
Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin

Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Heiner Fangerau
0211 81-13940
01GP1606A
232.686 EUR
01.04.2016 - 31.03.2019

 

Projekt-Internetseite 

Die Untersuchung dieser Diskursverschiebung steht im Zentrum dieses Teilprojektes. Auf der Basis verschiedener Repräsentationen des medizinethischen Diskurses will das Teilprojekt a) rekonstruieren, wie und warum die angesprochene Verschiebung erfolgte, b) die Motoren der Diskursverschiebung identifizieren, c) analysieren, ob und inwiefern der Risikodiskurs moralische Normen des alten Diskurses transportiert und zuletzt d) die Hypothese prüfen, dass moralische Fragen innerhalb des Risikodiskurses sich als wertorientierte Spuren in einer zweckorientierten Welt verstehen lassen. Differenziert nach Stammzelltypen sollen die Argumente für und wider die Ausweitung spezifischer Stammzellforschungen und -anwendungen auf ihren moralischen Gehalt hin analysiert werden. Mittels Datenbankrecherchen sollen die relevanten Beiträge aus Fachzeitschriften und Richtlinien von Fachgesellschaften und politischen Akteuren zum ethischen Umgang mit Stammzellforschung- und Anwendung identifiziert. Auf Basis dieses Korpus sollen im zweiten Schritt systematisch die Hauptakteure des Diskurses ermittelt und in nach Zugehörigkeitsmerkmalen sortiert werden. In einem dritten Schritt sollen die vorgebrachten ethischen Argumente und die Argumente, die Chancen und Risiken adressieren, erfasst und kategorisiert werden. Eine Korrelation der Ergebnisse aus Schritt 2 und 3 soll dazu dienen, institutionelle, nationale, stammzellytypenbasierte und diachrone Differenzgrößen zu ermitteln. Im letzten Schritt sollen dann wertorientierte und zielorientierte Argumentstrukturen analysiert werden und das Verhältnis von Wert- und Zweckorientierung im Diskurs rekonstruiert werden.

 

TP 2: Politikwissenschaftliche Analyse

Universität Duisburg-Essen
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften
Institut für Politikwissenschaft

Lotharstr. 65
47057 Duisburg

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Renate Martinsen
0203 379-2282
01GP1606B
248.369 EUR
01.04.2016 - 31.03.2019

Vor dem Hintergrund öffentlich ausgetragener Stammzelldebatten und einer dynamischen Entwicklung in diesem biomedizinischen Forschungsfeld wächst die Kontingenz von Entscheidungen, die – sobald sie einen Bezug auf kollektiv verbindliches Entscheiden aufweisen – zu „politischen" Risiken transformiert werden und damit auf politische Entscheidungsträger zurechenbar sind. Durch den Einbezug gesellschaftlicher Akteure in politische Willensbildungsprozesse wird gegenwärtig zunehmend versucht, die Legitimation von politischen Entscheidungen in sensiblen Policyfeldern auf eine sozial breitere Basis zu stellen (Stichwort „Governance"). Im Teilprojekt sollen gesellschaftliche Diskurse zu Chancen und Risiken der Stammzellforschung und ihren Anwendungen mit Mitteln der qualitativen Sozialforschung einer differenzierten Analyse unterzogen und für die politische Praxis fruchtbar gemacht werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass die positiven und negativen Visionen, die in den zukunftsorientierten Diskursen transportiert werden, eine steuernde Wirkung in der Gegenwart entfalten sowie Prognosen bezüglich der Anschlussfähigkeit konkreter Entscheidungspolitiken in den unterschiedlichen Bereichen der Stammzellforschung und -praxis an die gesellschaftlichen Kommunikationsprozesse ermöglichen.

 

TP 3: Rechtliche Analyse

Universität Augsburg
Juristische Fakultät
Professur für Öffentliches Recht

Universitätsstr. 24
86159 Augsburg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Ulrich M. Gassner
0821 598-4590
01GP1606C
207.806 EUR
01.04.2016 - 31.03.2019

Das Hauptziel des Teilprojekts besteht in der Analyse und Darstellung des geltenden Rechtsrahmens in der Bundesrepublik Deutschland und der EU für ausgewählte bedeutsame Methoden der Stammzelltherapie und Stammzellforschung vor dem Hintergrund des gegenwärtigen medizin-ethischen und sozialwissenschaftlichen Diskurses und auf Grundlage eines risikobasierten Ansatzes. Das Teilprojekt verfolgt dabei einen zweifachen methodischen Ansatz. Aus einer dogmatischen Sichtweise wird „de lege lata" die geltende Rechtslege für drei ausgewählte Methoden stammzellbasierter Therapie und Forschung analysiert und aufgezeigt. Mögliche Regelungslücken oder Unzulänglichkeiten der bestehenden gesetzlichen Regelungen sollen so erkannt werden. Zu diesem Zweck erfolgt auch eine rechtsvergleichende Betrachtung mit der Gesetzeslage in Großbritannien. Die Analyse der bestehenden Regularien folgt den klassischen juristischen Arbeitsmethoden der historischen, grammatikalischen, systematischen und teleologischen Auslegung; mithin also einem hermeneutischen Ansatz. Ausgehend von dieser Analyse erfolgt in einem zweiten Schritt aus einer normativen Betrachtung heraus die Entwicklung alternativer Lösungsmöglichkeiten für die erkannten Probleme des geltenden Rechtsrahmens. Unter Einbindung der Ergebnisse zum medizin-ethischen und sozialwissenschaftlichen Diskurs aus den weiteren beiden Teilprojekten soll auf diesem Weg ein Gesetzesentwurf erarbeitet werden.

 

Der manipulierbare Embryo. Implikate der biotechnologischen Beeinflussbarkeit von Spezieszugehörigkeit und Entwicklungspotential bei Embryonen für das Spezies- und das Potentialitätsargument - eine normative Analyse

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Philosophisch-Pädagogische Fakultät
Philosophie - Professur für Bioethik

Ostenstr. 26
85072 Eichstätt

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Markus Rothhaar
08421 93-21620
01GP1605
314.340 EUR
01.05.2016 - 30.04.2019

 

Projekt-Internetseite 

Das Projekt untersucht systematisch, welche Relevanz neue biotechnologische Möglichkeiten der Manipulation von Entwicklungspotential und Spezieszugehörigkeit (menschlicher) Embryonen bzw. Zellen für das Potentialitäts- und das Speziesargument haben. Während oft nur die Frage gestellt wird, welchen normativen Status die so manipulierten Embryonen besitzen, wird hier davon ausgegangen, dass die Frage nach dem Status technisch manipulierter Embryonen und die Frage nach den Implikaten jener Manipulationsmöglichkeiten für die betreffenden Argumente selbst nicht getrennt voneinander behandelt werden können. Sie sollten vielmehr in einer gemeinsamen systematischen Reflexion zusammengeführt werden, die das Forschungsprojekt leisten will.

 

HumArGam: Humane artifizielle Gameten. Erzeugung und genetische Veränderung von aus humanen pluripotenten Stammzellen differenzierten Gameten und ihre ethische und rechtliche Bewertung.

Neue Entwicklungen in der Stammzellforschung zeigen, dass sich aus murinen iPS-Zellen Zellen generieren lassen, die primordialen Keimzellen ähnlich sind, und sich in vivo zu funktionellen Gameten ausreifen lassen. Aufgrund der Erzeugung in vitro sind die auf diese Weise generierten iPS-Zellen und primordialen Keimzellen zugänglich, so dass an ihnen genetische Modifikationen, beispielsweise mit der CRISPR-Cas9 Methode, einfach vorgenommen werden können. Unter der Annahme, dass sich diese Möglichkeiten auf den Menschen übertragen lassen, entstehen eine Vielzahl neuartiger biologischer, medizinischer, rechtlicher, philosophischer und ethischer Fragen. Das interdisziplinäre Verbundprojekt wird diese Fragen systematisch identifizieren und unter den Aspekten der Artifizialität, Verfügbarkeit, Verwendbarkeit und Manipulierbarkeit artifizieller Gameten strukturieren. Die Fragen werden im Hinblick auf anwendbare ethische und rechtliche Argumente, Kriterien und Normen analysiert, die argumentativen Zusammenhänge offengelegt und ihre normative Bedeutung beleuchtet. Anhand des Vergleichs mit bestehenden ethischen und rechtlichen Normen, lässt sich möglicher Regulierungsbedarf für die neuartigen Felder der Erzeugung, Verwendung und Modifizierung artifizieller Gameten identifizieren. Auf Basis dieser Ergebnisse ist es das übergeordnete Ziel des Verbundprojektes, einen normativ reflektierten Handlungsrahmen für den Umgang mit artifiziellen Gameten zu entwickeln und ihn als Grundlage politischer Entscheidungsfindung zu präsentieren.

TP1: Ethik

PTHV Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar gGmbH
Lehrstuhl Ethik, Theorie und Geschichte der Medizin

Pallottistr. 3
56179 Vallendar

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Dr. Thomas Heinemann
026 16402-510
01GP1604A
298.798 EUR
01.06.2016 - 31.05.2019

 

Projekt-Internetseite 

Jüngste Ergebnisse aus dem Tierreich über die in vitro-Differenzierung von funktionalen Gameten aus pluripotenten Stammzellen zeigen, dass diese Verfahren wahrscheinlich auf die menschliche Spezies übertragbar sind. Zudem ist zu erwarten, dass neue Techniken der Genom-Editierung, wie CRISPR-Cas9 und TALEN, eine effiziente und gezielte genetische Modifikation der auf diese Weise generierten künstlichen menschlichen Gameten erlauben. Beide Möglichkeiten eröffnen neue Szenarien in der Forschung und können zu neuartigen Formen der menschlichen Fortpflanzung führen, die grundlegende ethische Fragen aufwerfen. Das philosophische Teilprojekt (TP 1 Ethik) wird detailliert und strukturiert die philosophischen und ethischen Fragen analysieren, die die Erzeugung, Modifizierung und Verwendung von aus menschlichen pluripotenten Stammzellen erzeugten Gameten betreffen, und das ethische Profil dieses Handlungsfeldes erarbeiten. Das übergeordnete Ziel des Projekts ist es, in enger Zusammenarbeit mit dem juristischen und dem biologischen Teilprojekt einen ethisch reflektierten normativen Rahmen für die mögliche Erzeugung und Verwendung artifizieller menschlicher Gameten zu entwickeln. Dieser soll als Grundlage für einen öffentlichen politischen Diskurs dienen, der sich auch mit der Frage des rechtlichen Regulierungsbedarfs beschäftigt.

 

TP2: Recht

Universität Passau
Juristische Fakultät
Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Staats- und Verwaltungsrecht, Völkerrecht, Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht

Innstr. 39
94032 Passau

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Hans-Georg Dederer
0851 509-2340
01GP1604B
280.009 EUR
01.06.2016 - 31.05.2019

Das juristische Teilprojekt wird detailliert die rechtlichen Fragen analysieren, die die Erzeugung, Modifizierung und Verwendung von aus menschlichen pluripotenten Stammzellen abgeleiteten Gameten umfassen. Die enorme Vielfalt rechtlicher Fragestellungen wird eingehend und umfassend systematisiert und beantwortet werden. Die Erkenntnisse der ethischen und biologischen Teilprojekte sind dabei für die gründliche Untersuchung der auftretenden Rechtsprobleme von unmittelbarer Relevanz. Die rechtliche Analyse wird auf zwei zentralen Hypothesen aufbauen, die detailliert im Antrag des Verbundprojektes dargestellt sind. 1) Funktionale humane Gameten können aus iPS-Zellen erzeugt werden, die durch die Reprogrammierung von somatischen Zellen gewonnen werden. 2) CRISPR-Cas9 oder TALEN sind effiziente, hochpräzise Instrumente zur genetischen Modifikation von iPS-Zellen, iPS-Zellen-abgeleiteten primordialen Keimzellen (PGC) und von iPS-Zellen-abgeleiteten Gameten. In Übereinstimmung mit dem Gesamtkonzept des Verbundprojektes ist das juristische Forschungsfeld durch vier Aspekte geprägt, die spezielle Charakteristika von iPS-Zellen-abgeleiteten Gameten darstellen: „Artifizialität", „Verfügbarkeit", „Verwendbarkeit", „Manipulierbarkeit".

 

TP 3: Biologie 

Medizinische Hochschule Hannover
Exzellenzcluster REBIRTH
AG Translationale Hepatologie und Stammzellenbiologie

Carl-Neuberg-str. 1
30625 Hannover

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Tobias Cantz
0511 532-5251
01GP1604C
130.570 EUR
01.06.2016 - 31.05.2019

Neue Entwicklungen in der Stammzellforschung zeigen, dass sich aus murinen iPS-Zellen primordialen Keimzellen generieren lassen, die sich in vivo zu funktionellen Gameten ausreifen lassen. Aufgrund der Erzeugung in vitro sind diese Zellen für genetische Modifikationen relativ eibfach zugänglich. Unter der Annahme, dass sich diese Möglichkeiten auf den Menschen übertragen lassen, entstehen eine Vielzahl neuartiger biomedizinischer, rechtlicher und philosophischer Fragen. Diese soll das interdisziplinäre Verbundprojekt systematisch identifizieren und unter den Aspekten der Artifizialität, Verfügbarkeit, Verwendbarkeit und Manipulierbarkeit artifizieller Gameten strukturieren. Dieses Teilprojekt soll die relevante Literatur auf dem Gebiet der Gametogenese, der genetischen Modifikation von Gameten sowie der neueren Therapieansätze in der Reproduktionsmedizin aufarbeiten und neue Entwicklungen antizipieren, die für eine Neuverortung des ethischen und rechtlichen Rahmen der Verwendung von menschlichen künstlichen Gameten in Forschung und Reproduktionsmedizin sowie für die genetische Veränderung von künstliche Keimzellen relevant sein werden.

 

PAMEP: Das Patentwesen als Medium der Ethisierung und Politisierung der Stammzellforschung und die Konsequenzen seiner Funktionserweiterung für die Lebenswissenschaften

Die Patentierung der Ergebnisse humaner embryonaler Stammzellforschung ist zu einem wichtigen Impulsgeber für ethische und politische Kontroversen auf dem Feld der Lebenswissenschaften geworden. Beobachten lässt sich eine Ethisierung und Politisierung des Patentwesens. Entscheidend für diese Entwicklung sind Öffnungsklauseln in Rechtstexten sowie nicht-legislative Akteure.

TP1: Ethik

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Theologische Fakultät
Wissenschaftlich-Theologisches Seminar

Kisselgasse 1
69117 Heidelberg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Klaus Tanner
06221 54-3292
01GP1603A
396.232 EUR
01.04.2016 - 31.03.2019

 

Projekt-Internetseite 

Ziel des TP1 ist die Untersuchung der ethischen Grundlagen und Argumentationsmuster sowohl in der Entwicklung als auch in der Auslegung des Patentrechts im Bereich der Stammzell-Forschung und in vergleichbaren Problemfeldern in enger Abstimmung mit dem rechtlichen TP2. Hierbei werden klassische Patentierungsvoraussetzungen ebenso auf ihre ethische Bedeutung analysiert wie die Interpretationsräume von Grundrechten und Öffnungsklauseln im Gefüge des Patentwesens in legislativen und nicht-legislativen Zusammenhängen auf nationalstaatlichen Ebenen, in der EU und in internationalen Vereinbarungen. Inwiefern diese Ethisierung in Einklang oder in Konflikt mit menschenrechtlichen Ansätzen steht, wird eruiert werden. Welche Folgen die Politisierung des Patentrechts im Bereich der Stammzellforschung zeitigen und welche Möglichkeiten und Grenzen hieraus erwachsen, wird Gegenstand des TP1 sein. Das ethische TP1 wird erforderliche Begriffsklärung und Operationalisierung von „Ethisierung" und „Politisierung" vornehmen. Es widmet sich Gesetzgebungsverfahren, Entscheidungen von Patentämtern und Gerichten auf internationaler und nationaler Ebene und auf EU-Ebene. Es beschäftigt sich mit den zivilgesellschaftlichen Reaktionen auf Patente von Ergebnissen aus der Stammzell-Forschung und weiterer biotechnologischer Entitäten (genetisches Material, Myriad-Fall). Es untersucht die Einflussnahmen von kirchlichen Verbänden, Umweltschutzorganisationen, einzelnen Forschern, Forschungsorganisationen, Unternehmensvertretern und Wirtschaftsverbänden, die eine Ethisierung und Politisierung des Patentrechts bewirken. Hierbei wird der medialen Aufbereitung eine große Bedeutung eingeräumt.

 

TP2: Recht

Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstr. 4
69117 Heidelberg

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Paul Kirchhof
06221 54-7458
01GP1603B
53.828 EUR
01.04.2016 - 31.03.2019

Das Hauptaugenmerk des juristischen TP2 richtet sich auf die Möglichkeiten und Grenzen einer menschen- und grundrechtlichen Interpretation der patentrechtlichen Öffnungsklauseln im Völkerrecht und im Recht der Europäischen Union. Es wird analysiert, welche legislativen, patentamtlichen und gerichtlichen Interpretationsräume dieser Klauseln auf nationalstaatlichen Ebenen und in der EU wahrgenommen werden. Die europäischen Entwicklungen werden aber auch im weltweiten Zusammenhang rechtsvergleichend verortet. Das funktionell erweiterte Patentwesen wird ins Menschenrechtssystem eingegliedert, seine Legitimation bewertet und seine Bedeutung für die Innovationsförderung in der Biotechnologie erschlossen.

 

ClinhiPS: Eine naturwissenschaftliche, ethische und rechtsvergleichende Analyse der klinischen Anwendung von humanen induzierten pluripotenten Stammzellen in Deutschland und Österreich

Ziel des interdisziplinären Forschungsverbundes ist die Identifizierung und Behebung von Problemen im Bereich der klinischen Anwendung von humanen induzierten pluripotenten Stammzellen in Deutschland und Österreich. Um dieses Ziel zu erreichen, wird Verbundprojekt dieses Thema aus naturwissenschaftlicher, ethischer und rechtsvergleichender Perspektive analysieren und Lösungsstrategien entwickeln.

TP3: Rechtsvergleichende Analyse

Universität Mannheim
Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik

Schloß
68161 Mannheim

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Jochen Taupitz
0621 181-1328
01GP1602A
282.586 EUR
01.04.2016 - 31.03.2018

 

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Teilprojekt 3 besteht aus einer rechtsvergleichenden Analyse der klinischen Anwendung von humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (hiPS-Zellen) in Deutschland und Österreich. Dieses Teilprojekt wird – in Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Christian Kopetzki von der Abteilung Medizinrecht des Instituts für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien – die deutsche Rechtslage mit der österreichischen Rechtslage vergleichen und die rechtlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Hinblick auf die klinische Anwendung von hiPS-Zellen aufzeigen. Hierbei werden insbesondere die rechtlichen Anforderungen untersucht, die im Rahmen der Anwendung zukünftiger Therapien mit hiPS-Zellen in den deutschen und österreichischen Kliniken zu beachten sind. Darüber hinaus wird auf den EU-Rechtsrahmen eingegangen und festgestellt, inwieweit die klinische Anwendung von hiPS-Zellen auf europäischer Ebene harmonisiert ist. Ferner werden rechtliche Mängel und Lücken im deutschen Regulierungsansatz identifiziert und Handlungsempfehlungen für den deutschen Gesetzgeber gegeben. Teilprojekt 3 soll zudem als rechtlicher Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte, Forscherinnen und Forscher sowie Patientinnen und Patienten dienen. Es wird die deutsche mit der österreichischen Rechtslage verglichen und es werden die rechtlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Hinblick auf die klinische Anwendung von hiPS-Zellen aufgezeigt. Darüber hinaus wird der EU-Rechtsrahmen analysiert und der Umfang der EU Harmonisierung ermittelt. Ferner werden rechtliche Mängel und Lücken identifiziert und behoben.

 

TP1: Naturwissenschaftliche Grundlagen

Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT)
Working Group Preclinical Nanotechnology & Nanotoxicology

Joseph-von-Fraunhofer-Weg 1
66280 Sulzbach

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Guenter Fuhr
06897 9071-100
01GP1602B
182.763 EUR
01.04.2016 - 31.03.2018

Das Ziel des Teilprojektes 1 ist die Analyse der naturwissenschaftlichen Grundlagen und Aspekte einer klinischen Anwendung von humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (hiPS-Zellen) im Rahmen der Regenerativen Medizin und des Tissue Engineerings. Bis jetzt sind keine zuverlässigen klinischen Resultate vorhanden. Folglich muss geklärt werden, wie der Gesamtprozess so etabliert werden kann, dass er sowohl den klinischen Richtlinien entspricht, als auch anwendbar für große Patientengruppen wird. Dazu müssen alle medizinischen Prozessschritte evaluiert und eine Vielzahl von Labor- und Qualitätsmanagement-Themen berücksichtigt werden. Nebenwirkungen können noch Jahrzehnte nach einer erfolgreichen Stammzelltherapie auftreten, weswegen eine kontinuierliche postoperative Überwachung sowie die Erfassung und Handhabung von patientenspezifischen Daten erforderlich werden. Die ausführliche Analyse der naturwissenschaftlichen Grundlagen bildet den Ausgangspunkt für die anschließende Identifizierung und Evaluierung von Risiken, ethischen Problemen und rechtlichen Fragestellungen und stellt somit die Basis für die anderen Teilprojekte dar. Um die naturwissenschaftlichen Grundlagen bereitzustellen, werden folgende Strategien angewandt: 1. Durchführung literaturbasierter Recherchen aller hochrangigen Journale/Publikationen; 2. Diskussion offener wissenschaftlicher u. klinischer Fragestellungen mit Partner-Einrichtungen; 3. Besichtigung klinischer Labore, in denen Stammzelltherapien durchgeführt werden können.

 

TP2: Ethische Analyse

Georg-August-Universität Göttingen
Universitätsmedizin
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin

Humboldtallee 36
37073 Göttingen

Leiterin:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Claudia Wiesemann
0551 39-9006
01GP1602C
192.329 EUR
01.04.2016 - 31.03.2018

Teilprojekt 2 zielt auf eine Analyse ethischer Fragen der klinischen Implementierung von hiPS-Zelltherapien durch einen Vergleich der Debatten in Deutschland und Österreich mit solchen in den angelsächsischen Ländern. Zudem wird für die Entwicklung ethischer Richtlinien eine Analyse relevanter Stakeholder sowie einschlägiger ethischer Konzepte vorgenommen. Es erfolgt zunächst eine Analyse der derzeitigen ethischen Debatte und des öffentlichen Diskurses inkl. der Rekonstruktion der ethischen Debatte zur Totipotenz. Es werden relevante Fallstudien bzgl. deren klinischer Anwendung identifiziert und eine Analyse ethischer Konzepte durchgeführt. Weiterhin erfolgt eine kritische Diskussion unterschiedlicher Zugänge zur Einbeziehung von Patienten und der Öffentlichkeit; die Identifikation relevanter Stakeholder; die Entwicklung geeigneter Instrumente für die klinische Implementierung und die Organisation einer Stakeholder-Konferenz. Schließlich werden die Ergebnisse zusammengefasst, ethischer Richtlinien für hiPS-Zelltherapien entworfen und die Ergebnisse öffentlich präsentiert (Konferenz, Workshops).

 

Retterbeziehungen: Stammzelltransplantationen und Retterbeziehungen. Ethik, narrative Rekonstruktion und psychosoziale Implikationen pädiatrischer Blutstammzelltransplantationen.

Universität zu Lübeck
Sektion Naturwissenschaften
Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung

Königstr. 42
23552 Lübeck

Leiter:
Tel.:
FKZ:
Betrag:
Laufzeit:

Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter
0451 7079-9815
01GP1601
511.772 EUR
01.05.2016 - 30.04.2019

 

Projekt-Internetseite

Über die langzeitlichen psychosozialen und ethischen Implikationen allogener Blutstammzelltransplantationen für die Familienmitglieder und über die Veränderungen, die sich in den Familienbeziehungen ergeben können, ist wenig bekannt. Die emotionale Anpassung, die Widerstandsfähigkei und die Ängstlichkeit wurden quantitativ in Studien bis zu 1 Jahr post-operativ gemessen. Geplant ist eine explorative qualitative empirische Ethik-Studie über die Ansichten von Spendern, Empfängern und anderen betroffenen Familienangehörigen zur Bedeutung dieser Operation und zu ihrer eigenen narrativen, biographischen und ethischen Verarbeitung, die den Ereignissen der Transplantation zwischen den Geschwistern im pädiatrischen Kontext folgt. Die Studie berücksichtigt geglückte als auch missglückte Operationen, sowie Rückblicke in zeitlich kurzen, mittleren und längeren post-operativen Abständen. Das gewonnene Wissen könnte wichtig sein, um ethische Implikationen auch anderer Stammzelltransplantationen besser zu verstehen. Mehr als 90 qualitative face-to-face Interviews in 30 Familien in Deutschland, die eine Transplantation von hämatopoietischen Stammzellen zwischen Geschwistern erlebt haben, sind geplant. Erforscht werden die Implikationen und die Integration der vergangenen Ereignisse in das Leben der Teilnehmenden, ihre Familienbeziehungen, ihre Identität und ihre Biographien.  

 

 


 

 

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