Fünf deutsch-afrikanische Netzwerke starten

Die deutschen und afrikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Netzwerke, der wissenschaftliche Beirat, die Förderorganisationen und politischen Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland und Afrika tauschen sich in Daressalam, Tansania, zu den Chancen aus, die die Maßnahme bietet, um Afrikas Gesundheitssystem zu stärken und wichtige vernachlässigte Krankheiten zu erforschen.

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Denn Infektionskrankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber, Lungentuberkulose oder parasitäre Erkrankungen sind bei uns selten. In den Regionen dieser Welt, die von Armut geprägt sind, sterben dagegen aber auch heute noch viele Millionen Menschen an den Folgen solcher Erkrankungen. Aus diesem Grund unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Zusammenarbeit Deutschlands mit Afrika durch eine fünfjährige Fördermaßnahme bis 2022.


Copyright: Pavel Desort
Auftakttreffen der deutsch-afrikanischen Netze in Daressalam, Tansania

Fünf Netzwerke stärken die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit

Ziel ist es, die wissenschaftliche Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich zwischen Deutschland und den Ländern Subsahara-Afrikas (SSA) nachhaltig zu stärken und Krankheiten, die Menschen in Afrika besonders gefährden, zu erforschen. Neben exzellenter Forschung sind der Auf- und Ausbau von Forschungskapazitäten sowie die Stärkung der innerafrikanischen Vernetzung wesentliche Aufgaben der Netzwerke.

Gefördert werden fünf deutsch-afrikanische Netzwerke, die von afrikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern koordiniert werden und aus je zwei deutschen und bis zu sieben afrikanischen Partnern aus 14 afrikanischen Ländern bestehen. Der Großteil der Projekte widmet sich armutsassoziierten Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder parasitären Wurmerkrankungen. Aber auch nicht-übertragbare Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck, deren Fälle in SSA seit Jahren rasant ansteigen, sind Teil des Forschungsprogramms. Alle Projekte zielen ferner auf einen Ausbau der Labor- und Klinik-Kapazitäten in SSA ab.

Die fünf Gesundheitsnetze im Einzelnen:

ANDEMIA

Afrikanisches Netzwerk für verbesserte Diagnostik, Epidemiologie und Management häufig vorkommender Infektionskrankheiten

Insbesondere Kinder leiden in Subsahara-Afrika (SSA) unter Erkrankungen der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts. Hinzu kommen akute Fieber unbekannten Ursprungs und Infektionen mit multiresistenten Erregern. Zusammengenommen fordern diese Erkrankungen auch heute noch viele Todesopfer. Dennoch werden sie trotz ihres häufigen Vorkommens - in internationalen Förderprogrammen und von lokalen Gesundheitsbehörden vernachlässigt.

Das Netzwerk ANDEMIA hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Krankheiten länderübergreifend zu bekämpfen. Hierfür werden in den afrikanischen Partnerländern aussagekräftige Daten an Kliniken erhoben. Diese Daten sollen zu einem besseren Verständnis der Gesundheitsprobleme in SSA beitragen und tiefergehende Analysen ermöglichen, damit zukünftig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Hierzu gehören beispielsweise gezielte Therapien, aber auch eine Kontrolle des Ausbruchs und ein entsprechendes Hygienemanagement. Erkenntnisse, die über Erregerreservoirs und Ausbreitungsdynamiken gewonnen werden, sind zudem essentiell, um sich weltweit besser auf Infektionsausbrüche vorbereiten zu können.

Mehr Informationen zum Netzwerk erhalten sie im englischsprachigen Faktenblatt zu ANDEMIA.

CEBHA+

Netzwerk für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung und Public Health in Afrika

Zu den Hauptursachen für die erhebliche Krankheitslast in Subsahara-Afrika (SSA) gehören neben Infektionskrankheiten wie AIDS oder Malaria auch nicht-übertragbare Krankheiten und Unfallverletzungen. Unzureichende Personalressourcen, eine schwache Infrastruktur im Gesundheitssystem und begrenzte Versorgungskapazitäten verstärken die Problematik.

Das deutsch-afrikanische Netzwerk CEBHA+ hat sich daher das Ziel gesetzt, langfristig Kapazitäten und Infrastrukturen für eine präventive und kurative Gesundheitsversorgung in SSA zu etablieren. CEBHA+ wird afrikanische Forschungsinstitutionen stärken und ein Verständnis für die Notwendigkeit und Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Gesundheitsinstitutionen schaffen. Nationale oder länderübergreifende CEBHA+-Exzellenzzentren sollen Institutionen im Gesundheitswesen künftig beratend zur Seite stehen.

Mehr Informationen zum Netzwerk erhalten Sie im englischsprachigen Faktenblatt zu CEBHA+.

CYSTINET-Africa

Aufbau eines Zystizerkose-Netzwerks in Subsahara-Afrika

Der Schweinebandwurm infiziert Mensch und Tier. Bandwurmeier oder -larven werden über nicht durchgekochtes Fleisch und fäkale Verunreinigungen in der Erde, im Wasser oder auf pflanzlichen Lebensmitteln aufgenommen. Die anschließend durch den Körper wandernden Larven führen zur Bildung von Zysten, deren Folge chronische Schmerzen – und bei Befall des Gehirns – z. B. auch Blindheit oder Epilepsie sein können. Man spricht dann von einer Zystizerkose oder Neurozystizerkose. Allein in Subsahara-Afrika (SSA) leiden Millionen Menschen an dieser armutsassoziierten und vernachlässigten Tropenkrankheit. Obwohl eine Infektion mit Bandwürmern vermeidbar ist und trotz existierender Behandlungsmöglichkeiten verbreitet sich die Zystizerkose zunehmend in weiten Teilen SSAs bei Mensch und Tier.

CYSTINET hat deshalb das Ziel, Infektionen mit dem Schweinebandwurm zu verhindern und die Zystizerkose dadurch auszurotten. Das Netzwerk verfolgt dabei das One Health-Konzept. Es basiert darauf, die Infektionsmechanismen bei Mensch und Tier als Gesamtansatz zu untersuchen. Zudem werden neue Behandlungsmöglichkeiten ausprobiert. Aufklärungsmaterial soll das Bewusstsein für die Erkrankung und ihre Vermeidungsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit schaffen.

Mehr Informationen zum Netzwerk erhalten Sie im englischsprachigen Faktenblatt zu CYSTINET.

TAKeOFF

Netzwerk zur Überwindung der Schwierigkeiten bei der Bekämpfung von Filariose

Fadenwürmer oder Filarien sind Parasiten, die von Stechmücken auf den Menschen übertragen werden. Mit mehr als 200 Millionen Infizierten sind vor allem die Bevölkerungen Afrikas und Asiens von dieser vernachlässigten Tropenkrankheit betroffen. Bei starkem Befall kommt es zur Lymphatischen Filariose. Dabei schwellen einzelne Gliedmaßen sehr stark an, sodass man auch von der sogenannten Elephantiasis oder Elefantenkrankheit spricht. Die Erkrankung geht einher mit starken Schmerzen, schweren körperlichen Beeinträchtigungen und großem seelischen Leid.

Das TAKeOFF-Netzwerk baut eine Plattform auf, die sowohl klinische Studien und Forschung zu Filarien als auch die Patientenversorgung miteinander verzahnt. Hier können unter anderem klinische Studien zu neuen Behandlungs- und Diagnosemöglichkeiten vorbereitet und durchgeführt werden. Gleichzeitig wird die Ausbildung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie von Kliniken vor Ort unterstützt. Die Gesundheitsministerien und WHO-Kontrollprogramme werden dabei miteinbezogen.

Mehr Informationen zum Netzwerk erhalten Sie im englischsprachigen Faktenblatt zu TAKeOFF.

TB Sequel

Netzwerk zur Untersuchung der klinischen, mikrobiologischen und immunologischen Faktoren, die ungünstige Langzeitfolgen für Lungen-TB-Patienten haben

Die Tuberkulose (TB) ist mit bis zu 1,8 Millionen Todesfällen jährlich eine der tödlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Das belegen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2015. Besonders in Entwicklungsländern wie Subsahara-Afrika (SSA) ist TB weit verbreitet. Das häufigste Krankheitsbild beim Menschen ist die Lungentuberkulose. Eine Behandlung ist langwierig und geht oft mit starken Nebenwirkungen einher. Selbst nachdem eine Therapie erfolgreich alle TB-Bakterien eliminieren konnte, leiden bis zu 50% der Betroffenen noch an chronischen Langzeitfolgen wie moderaten oder schweren Lungenfunktionsstörungen.

Das Netzwerk TB Sequel untersucht Begleiterkrankungen, Risikofaktoren und Langzeitkomplikationen der TB sowie deren Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit in SSA. Im Zentrum steht eine Studie, die bis zu 1600 TB-Patientinnen und -Patienten über mehrere Jahre standardisiert beobachtet und untersucht, um eine Heilung möglich zu machen. Weiterhin werden die Kapazitäten zur erfolgreichen Erforschung und Behandlung der TB in den afrikanischen Partnerländern ausgebaut, indem Ausbildungsprogramme geschaffen, Kliniken besser ausgestattet und Exzellenzzentren gebildet werden.

Mehr Informationen zum Netzwerk erhalten Sie im englischsprachigen Faktenblatt zu TB Sequel.



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