Ältere Menschen

Die Menschen in den Industrienationen werden immer älter. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Doch Gesundheitsversorgung und medizinische Forschung werden dadurch vor neue Herausforderungen gestellt. Krankheiten behandeln, Lebensqualität erhalten und das soziale Umfeld beachten – das sind die Eckpfeiler für gesundes Altern.

Der Blick auf die Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung in den letzten hundert Jahren ist ein eindrucksvoller Beleg für die enormen Fortschritte, die Hygiene, bessere Ernährung, Gesundheitsversorgung und Medizin gebracht haben. Ein heute 65jähriger Mann kann im Durchschnitt davon ausgehen, dass er noch 17 Jahre leben wird. Bei einer Frau im selben Alter sind es 20 Jahre. Wer heute als Knabe geboren wird, kann sich statistisch auf 77 Lebensjahre freuen, ein Mädchen auf 82 Jahre. Alles in allem leben wir heute rund doppelt so lange wie noch vor 100 Jahren. (Statistisches Bundesamt)

Die Moderne hat aber nicht nur eine höhere Lebenserwartung gebracht, sondern in vielen Ländern auch dazu geführt, dass weniger Kinder geboren werden. Beides zusammen führt zu einem Phänomen, das in der Wissenschaft die demographische Alterung der Bevölkerung genannt wird. Die aus den Schulbüchern bekannte Bevölkerungspyramide mit vielen jungen und wenigen alten Menschen wandelt sich in einen Bevölkerungsbaum, bei dem die älteren Semester dominieren. Im Jahr 2060 wird in Deutschland voraussichtlich jeder dritte über 65 Jahre alt sein und jeder siebte über 80 Jahre. Im Moment sieht das noch anders aus: Im Jahr 2008 war jeder fünfte über 65, und nur jeder zwanzigste Deutsche war hochbetagt. (Statistisches Bundesamt, BMI)

Alter: Was ist das eigentlich?

Für den einzelnen Menschen ist das Altern ein Phänomen, das persönliche, soziale und körperliche Dimensionen hat. Die Leistungsfähigkeit des Körpers lässt im Alter generell nach, wobei der Zeitpunkt, ab dem das spürbar wird, sehr unterschiedlich sein kann. Bei der geistigen Leistungsfähigkeit ist die Situation komplizierter. Älteren Menschen fällt es tendenziell schwerer als jungen Menschen, neue Dinge zu lernen. Auch Kurzzeitgedächtnis, Reaktionsvermögen und die Sinnesleistungen werden eher schlechter. Umgekehrt steigt die Lebenserfahrung, wodurch vieles kompensiert oder sogar überkompensiert werden kann.

Die Biologie des Alterns und die biologischen Gründe für den Alterungsprozess sind bisher nur unvollständig erforscht. Viele Mechanismen werden diskutiert, die Zellen altern lassen, darunter reaktive Sauerstoffmoleküle und Abfallprodukte des Zellstoffwechsels, die sich in den Körperzellen ansammeln. Bekannt ist auch, dass die individuellen Gene mit darüber entscheiden, ob ein Mensch sehr alt werden kann oder nicht. Der Alterungsprozess unserer Körperzellen, der sich unter anderem an molekularen Strukturen im Zellkern festmachen lässt, läuft bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich schnell ab. Aus Zellmodellen sind zumindest bei Tieren Gene bekannt, die die zelluläre Alterung verlangsamen können. Nicht zuletzt diese Erkenntnisse haben in den letzten Jahren Diskussionen darüber befeuert, ob die Lebensspanne des Menschen künstlich verlängert werden kann. Aus der Perspektive der Evolutionsbiologie allerdings macht Unsterblichkeit keinen Sinn: Veränderung braucht Werden und Vergehen.

Alter und Krankheit gehen oft Hand in Hand

Alter und Krankheit hängen eng miteinander zusammen. Zwar gibt es kaum Erkrankungen, die ausschließlich im Alter auftreten. Sehr viele vor allem chronische Erkrankungen allerdings sind im Alter häufiger als in jungen Jahren – aus unterschiedlichen Gründen. Bei vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen beispielsweise lagert der Körper über Jahrzehnte hinweg giftige Stoffe ein. Irgendwann wird das für die Betreffenden spürbar: Sie entwickeln Symptome wie Brustschmerzen oder Gedächtnisverlust.

Auch viele Krebserkrankungen sind im Alter häufiger als in jungen Jahren. Das liegt daran, dass die genetischen Veränderungen, die zu Krebs führen, über Jahre akkumulieren, bevor das Zellwachstum irgendwann außer Kontrolle gerät. Bei einigen Erkrankungen des Bewegungsapparats wiederum nutzen sich beispielsweise die Gelenke im wahrsten Sinne des Wortes ab. Dieser Vorgang passiert unter normalen Umständen nicht von heute auf morgen, sondern dauert Jahrzehnte. Gelenkerkrankungen sind deswegen eine weitere Domäne des älteren Menschen.

Alter als medizinische und soziale Herausforderung

Die zunehmende Alterung stellt Medizin und Gesellschaft vor große Herausforderungen: Wie kann ein leistungsfähiges Versorgungssystem für immer mehr chronisch kranke Menschen organisiert werden, wenn gleichzeitig durch den demographischen Wandel weniger Geld zur Verfügung steht? Wie kann die Gesundheitsvorsorge im Alter verbessert werden, um Klinikaufenthalte möglichst zu vermeiden? Was ist zu tun, um die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit im Alter zu erhalten? Wie kann alten Menschen ein möglichst unabhängiges Leben mit möglichst guter Lebensqualität ermöglicht werden? Fragen wie diese sind bisher nur teilweise beantwortet. Die biomedizinische Forschung kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie neue Versorgungskonzepte und innovative Technologie auf ihre Tauglichkeit hin überprüft.

Von hoher Bedeutung ist im Alter auch das Nebeneinander unterschiedlicher Erkrankungen, im Fachjargon Multimorbidität genannt. Es hat zur Folge, dass sich bestimmte Symptome unter Umständen gar nicht eindeutig einer bestimmten Erkrankung zuordnen lassen. Auch die medizinische Behandlung wird dadurch erschwert: Viel stärker als bei jungen Menschen muss im Alter darauf geachtet werden, dass alle Therapien gut miteinander harmonieren.

  • Eine Erkrankung kommt selten allein

    Viele Erkrankungen sind im Alter häufiger als in jungen Jahren. Weil Multimorbidität die Regel ist, nicht die Ausnahme, geht es bei alten Menschen nicht nur um die optimale Behandlung einzelner Erkrankungen, sondern um ein medizinisches Gesamtkonzept.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/eine-erkrankung-kommt-selten-allein.php)
  • Lebensqualität erhalten

    Völlig gesund zu sein ist ein Anspruch, der im Alter kaum aufrecht zu erhalten ist. Medizinisch geht es bei älteren Menschen deswegen nicht so sehr um die Abwesenheit von Krankheit, sondern um Lebensqualität trotz Krankheit.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/lebensqualitaet-erhalten.php)
  • Infektionen verhindern

    Infektionen sind eine Hauptursache von Krankheit und Tod im Alter. Vor allem Lungenentzündung und Grippe machen dem alternden Körper schwer zu schaffen. Der Schutz vor Infektionen ist daher ein wichtiges Instrument zum Erhalt von Gesundheit und Lebensqualität bei älteren Menschen.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/infektionen-verhindern.php)
  • Ambulant vor stationär

    Gesundheit erhalten bedeutet bei alten Menschen auch, ihnen ein Leben im gewohnten sozialen Umfeld, in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Moderne Technik kann dazu beitragen, dieses Ideal bei einer zunehmend größeren Zahl an alten Menschen auch wirklich umzusetzen.
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