Aktionsfeld 2: Individualisierte Medizin

Das Verständnis grundlegender Krankheitsmechanismen wächst, eine auf die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen zugeschnittene Medizin wird greifbar. Damit rückt auch das Erreichen des Ziels näher, ein selbstbestimmtes Leben im Alter bei gutem Gesundheitszustand zu ermöglichen. Die Bundesregierung unterstützt deshalb die Entwicklung von Diagnostika und Therapeutika und spannt in der Förderung den Bogen entlang des Innovationsprozesses von der lebenswissenschaftlichen Grundlagenforschung über die präklinische und klinisch-patientenorientierte Forschung bis zur Marktreife.

Eine der zentralen Herausforderungen der Gesundheitsforschung ist es, für jeden Patienten und jede Patientin das höchstmögliche Maß an therapeutischer Wirksamkeit bei gleichzeitiger Minimierung der Nebenwirkungen zu erreichen. Die großen Fortschritte in der Erforschung von Krankheitsursachen und neue diagnostische Technologien lassen dieses Ziel näher rücken – wir befinden uns auf dem Weg zu einer individualisierten Medizin.




 

 

 

 

 

 

 

 

Im Rahmen der individualisierten Medizin werden auch die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse von verschiedenen Bevölkerungsgruppen bei der Gesundheitsversorgung und der Prävention besonders berücksichtigt. So brauchen etwa Kinder und Jugendliche andere Therapieverfahren als erwachsene oder alte Menschen; Frauen und Männer reagieren verschieden auf manche Arzneimittel, und multimorbide Menschen bedürfen individuell angepasster Behandlungsverfahren. Zudem werden Häufigkeit und Verlauf von Krankheiten oft vom jeweiligen sozialen Hintergrund beeinflusst.

In der Vision der individualisierten Medizin wird es bereits vor Beginn der Behandlung möglich sein, das für den Einzelnen optimale therapeutische Verfahren auszuwählen. So wird sich vorab feststellen lassen, ob der Patient oder eine bestimmte Patientengruppe ein Arzneimittel gut vertragen wird oder ob das Arzneimittel bei der jeweiligen individuellen Veranlagung und dem Erkrankungstyp tatsächlich wirksam werden kann. Krankheits- und therapierelevante Gene, Proteine und andere Moleküle werden für eine spezifische Diagnose und eine maßgeschneiderte Therapie genutzt. Therapien lassen sich gezielt und damit wirksamer einsetzen und führen somit zu besseren Ergebnissen für Patientinnen und Patienten. Dabei wird es für die Übertragung der Forschungsergebnisse in medizinische Produkte und Verfahren und in die allgemeine Versorgung darauf ankommen, Wirksamkeit und Nutzen der neuen Möglichkeiten genau zu bewerten.

Therapeutische Unikate

Neben der Auswahl geeigneter Arzneimittel bietet die individualisierte Medizin auch ein großes Potenzial für patientenspezifische Medizinprodukte. Sogenannte therapeutische Unikate, die passgenau für den einzelnen Patienten angefertigt werden, sind in der Prothetik bereits Routine. In Zukunft wird auch die regenerative Medizin Verfahren entwickeln und bereitstellen, die patientenspezifisch sind. Erste Therapieverfahren befinden sich bereits in der klinischen Anwendung, z. B. bei der Regeneration des Immunsystems oder von Knorpeln und Haut. Einen wichtigen Beitrag leisten Untersuchungen zu den sogenannten Advanced Therapies mit gewebebasierten Methoden (Tissue Engineering), mit Zellen (Zelltherapie) und genbasierten Ansätzen (Gentherapie). Bis zur Routineanwendung müssen jedoch noch Fragen zu Wirksamkeit, Nutzen, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Normung und Standardisierung durch entsprechende Studien beantwortet werden. Des Weiteren müsste das Potenzial an Chancen und Risiken im Bereich der individualisierten Medizin im Hinblick auf Patientenautonomie, Nichtdiskriminierung und Verteilungsgerechtigkeit untersucht werden. Erste Schritte auf dem Weg zur individualisierten Medizin sind das Verständnis grundlegender Krankheitsmechanismen und die Identifizierung molekularer Schaltstellen für die Ausprägung einer Erkrankung. Wichtig sind Diagnostik und darauf aufbauend die Entwicklung geeigneter Therapien.

Die meisten Volkskrankheiten haben viele Ursachen; häufig spielen Ernährung, Bewegung und individuelle genetische und physische Ausprägungen mit Umwelteinflüssen zusammen. Viele der sogenannten seltenen Erkrankungen entstehen dagegen durch die Mutation einzelner Gene. Von den ca. drei Milliarden genetischen Bausteinen ist etwa jeder tausendste von Mensch zu Mensch verschieden. Ein wesentliches Ziel der Forschung ist es, diejenigen Genvarianten zu identifizieren, die Krankheiten verursachen bzw. ihre Träger vor Krankheiten schützen. Basis für die Identifizierung krankheitsrelevanter Gene, deren Funktionsanalysen oder die Beschreibung der komplexen Wechselwirkungen ist die lebenswissenschaftliche Grundlagenforschung, zu der in diesem Kontext insbesondere die medizinische Genomforschung, die Systembiologie, die Computational Neuroscience und die Stammzellforschung gehören.


  • Die Forschungsförderung zur individualisierten Medizin

    In der Förderung wird indikationsoffen der Bogen von der Grundlagenforschung über die präklinische und klinisch-patientenorientierte Forschung bis in die Gesundheitswirtschaftgespannt und so – mit dem Ziel einer schnellen und effektiven Translation – die systematische Entwicklung von Produkten und Verfahren entlang des Innovationsprozesses ermöglicht.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/forschungsfoerderung-zur-individualisierten-medizin.php)

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