Aktionsfeld 3: Präventions- und Ernährungsforschung

Erkenntnisse über den Einfluss von Ernährung, Bewegung, sonstigem Verhalten und Umwelt auf die Aktivität von Genen eröffnen neue Möglichkeiten, um die Entstehung von Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen und ihnen vorzubeugen. Das Wissen darüber, ob und wie Prävention funktioniert, muss weiter wachsen. Unter dem Dach der nationalen Präventionsstrategie entwickelt das BMBF einen Aktionsplan, der die Forschungsförderung zu allen für Präventions- und Ernährungsforschung relevanten Ansätzen – von der Epigenetik bis zur Epidemiologie – zusammenführt und interdisziplinär verknüpft.

Die Entstehung oder der Verlauf von Krankheiten kann durch Ernährung, Bewegung, Verhaltensweisen oder Umweltfaktoren beeinflusst werden. Bei der Aufklärung der Wechselwirkungen zwischen krankheitsauslösenden Genmutationen und externen Faktoren sind jedoch noch vielfältige Forschungsfragen zu klären. Bekannt ist, dass verschiedene Ansätze vorbeugend wirken können: regelmäßiger Sport, gesunde Ernährung, Impfungen, aber auch umweltbezogene Maßnahmen wie die Reduzierung von Feinstäuben oder allergieauslösenden Stoffen. Dabei bewirkt erfolgreiche Prävention zweierlei: Sie steigert Wohlbefinden und Gesundheit und birgt zugleich erhebliche Einsparpotenziale für die Sozialsysteme.

Nicht jeder Raucher erkrankt an Krebs, und nicht jeder Nichtraucher ist davor geschützt. Nichtrauchen reduziert aber die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung – selbst wenn eine Veranlagung für Krebs vorliegt. Prädisposition einerseits und Verhalten, Ernährung, Bewegung und weitere Lebensstilfaktoren andererseits beeinflussen also gemeinsam die Gesundheit des Menschen. Das wahre Ausmaß dieser Wechselwirkungen wird erst seit einigen Jahren deutlich. Die Erkenntnis, dass durch Umweltfaktoren hervorgerufene chemische Veränderungen der Erbsubstanz an die nächste Generation weitergegeben werden können, ist der Ausgangspunkt für die Forschungsrichtung der Epigenetik. Erkenntnisse aus der Epigenetik tragen entscheidend dazu bei, die Funktionsweise von Prävention besser zu verstehen.

Primärprävention, Sekundärprävention und Tertiärprävention

Das Verständnis der Zusammenhänge von Prädisposition, Ernährung und Umwelt ist auch für die Erforschung von Allergien bedeutend. Präventionsmaßnahmen werden drei Kategorienzugeordnet, wobei die Übergänge in der Praxis fließend sind: Primärprävention, Sekundärprävention und Tertiärprävention. Primärpräventive Maßnahmen dienen im Regelfall der generellen Gesundheitsförderung, in ihrem Mittelpunkt stehen häufig Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung. Maßnahmen der Sekundärprävention haben zum Ziel, Krankheiten besonders früh zu erkennen. Dadurch soll der Verlauf der Krankheit günstig beeinflusst oder ihr Auftreten sogar ganz verhindert werden. In diesen Bereich fallen beispielsweise die Maßnahmen zur Früherkennung bei Krebs. Tertiäre Präventionsmaßnahmen sollen Rückfällen vorbeugen, haben also beispielsweise zum Ziel, dass kein weiterer Schlaganfall eintritt. Die tertiäre Prävention ist eine wichtige Komponente in der Rehabilitation, mit deren Hilfe nicht nur Rückfälle, sondern auch Komplikationen oder Folgeerkrankungen vermieden werden können.

Bis vor wenigen Jahren galt, dass Präventionsmaßnahmen häufig ohne ausreichenden wissenschaftlichen Nachweis ihrer Wirksamkeit, aber auch ihrer möglichen unerwünschten Effekte durchgeführt wurden, da nur wenige entsprechende Studien vorlagen. Da sich z. B. sekundärpräventive Maßnahmen der Krankheitsfrüherkennung an klinisch gesunde, beschwerdefreie Menschen richten, ist es besonders wichtig, den Nutzen dieser Maßnahmen (z. B. bessere Prognose aufgrund der früheren Krankheitsentdeckung) gegen mögliche Risiken (z. B. psychische Belastung durch falsch-positive Diagnosen, Überdiagnose und Übertherapie) abwägen zu können. Für die Planung und Durchführung einer Präventionsmaßnahme wie auch einer Therapie ist eine belastbare Datengrundlage unerlässlich. Hierzu dienen beim gesunden Menschen die populationsbezogene Epidemiologie sowie beim kranken Menschen die klinische Epidemiologie.

Der Gesundheitsstatus wird durch die Ernährung beeinflusst

In der klinischen und bevölkerungsbezogenen Epidemiologie gewinnen prospektive Langzeituntersuchungen, die Entwicklungen im Krankheitsgeschehen sowie den Einfluss von positiven und negativen Faktoren evaluieren, immer mehr an Bedeutung. Der Gesundheitsstatus des Menschen wird auch durch die Ernährung beeinflusst. Mit einer frühzeitigen Ernährungsumstellung werden oftmals Stabilisierungen oder Verbesserungen des Gesundheitsstatus erreicht. Zunehmend sind auch Kinder und Jugendliche von ernährungsmitbedingten Erkrankungen betroffen, in Deutschland sind ca. 2 Millionen von ihnen übergewichtig.

Bei den Erwachsenen sind es ca. 37 Millionen. Zwar werden beinahe täglich neue Ernährungsempfehlungen und Diätratgeber veröffentlicht, aber nach wie vor sind grundlegende Fragen über die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Bewegung und deren Wirkungsweise im menschlichen Körper ungeklärt. Wodurch wird das Ernährungsverhalten des Einzelnen bestimmt? Welche Unterschiede gibt es in der Metabolisierung (Verstoffwechselung) zwischen den einzelnen Menschen? Wann und aus welchen Gründen isst der Mensch? Nach welchen molekularen Mechanismen wirken Inhaltsstoffe der Nahrung beim Menschen auf das Immun-, Hormon- und Verdauungssystem sowie die Hirnfunktion? Der Beantwortung dieser Fragen, die für eine funktionierende Prävention ganz entscheidend ist, widmet sich die Ernährungsforschung.

Der demografische Wandel und geänderte Lebensumstände stellen die Präventions- und Ernährungsforschung auch in Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit vor große Herausforderungen – beispielsweise in Hinblick auf eine infolge hohen Alters oder Multimorbidität geschwächte Immunabwehr oder auf lebensmittelbedingte zoonotische Krankheiten. Für den eindrucksvollen Anstieg der Lebenserwartung und das deutliche Sinken der Kindersterblichkeit sind die Erfolge der Impfstoffentwicklung mit verantwortlich. So konnten allein durch die globale Initiative zur Impfung gegen Masern die weltweiten Masern-Todesfälle von 733.000 Menschen im Jahr 2000 auf 164.000 im Jahr 2008 gesenkt werden. Während einigen Krankheiten durch Impfungen also effektiv vorgebeugt werden kann, fehlt es für diverse chronische Infektionen wie HIV/Aids, Hepatitis oder Tuberkulose nach wie vor an Impfstoffen.

  • Die Förderung der Präventions- und Ernährungsforschung

    Das BMBF entwickelt einen Aktionsplan zur Präventions- und Ernährungsforschung, der die für beide Bereiche relevanten Forschungsansätze zusammenführt und interdisziplinär verknüpft.
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