Aktionsfeld 4: Versorgungsforschung

Der Anspruch, jedem Menschen eine bestmögliche und sichere Therapie zu ermöglichen, bleibt von zentraler Bedeutung für die Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig steigt der Druck, auch im Gesundheitssystem Kosten zu begrenzen; gute Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Überlegungen müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Die Bundesregierung fördert den Aufbau einer leistungsstarken deutschen Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie und stellt dabei Patientenorientierung und Patientensicherheit in den Mittelpunkt.

Das Gesundheitssystem steht vor der Herausforderung, medizinische und organisatorische Verbesserungen für alle Menschen nutzbar zu machen und gleichzeitig die Leistungen bezahlbar zu halten. Der Anteil chronisch kranker und multimorbider Menschen wächst, während die finanziellen Ressourcen für die Deckung eines wachsenden medizinischen und pflegerischen Bedarfs begrenzt sind. Zudem entsteht Ausgabendynamik durch immer mehr und bessere Behandlungsmöglichkeiten in vielen Bereichen der Versorgung, beispielsweise durch Innovationen in der diagnostischen Bildgebung, durch neue Arzneimittel oder durch neue Hightech-Lösungen in Strahlentherapie, Chirurgie oder Intensivmedizin.

Weniger sichtbar, aber ebenso bedeutsam wie der medizinische und technische Fortschritt sind die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten in der Psychotherapie und die Gesundheitsdienstleistungen wie z. B . Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, pflegerische Therapien. Diese spielen für die Lebensqualität der Patienten eine besondere Rolle, z. B . bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, psychischen Erkrankungen, Demenzen und muskuloskelettalen Erkrankungen. In unserem solidarisch finanzierten Gesundheitssystem sind die finanziellen Ressourcen begrenzt, daher haben Kosten-Nutzen-Erwägungen in der Medizin in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Eine entsprechende Bewertung neuer, aber auch bereits etablierter Verfahren ist unerlässlich, damit durch das Gesundheitssystem nur sinnvolle und wirksame Maßnahmen erstattet werden. Dabei muss sich der Nutzen von Behandlungen nicht nur in klinischen Studien, sondern insbesondere im Versorgungsalltag unter Berücksichtigung aller Bevölkerungsgruppen belegen lassen. Wegen der starken Abhängigkeit des Gesundheitssystems von nationalen Gegebenheiten und aufgrund der Komplexität des Versorgungsgeschehens lassen sich internationale Forschungsergebnisse jedoch nur begrenzt übertragen. Deshalb ist auch in Deutschland eine leistungsfähige Versorgungsforschung erforderlich.

Das Selbstverständnis der Versorgungsforschung

Versorgungsforschung wird hier verstanden als die Wissenschaft, die die Kranken- und Gesundheitsversorgung und ihre Rahmenbedingungen beschreibt und erklärt, unter Alltagsbedingungen evaluiert und davon ausgehend Versorgungskonzepte entwickelt. Dies schließt unterschiedliche Disziplinen ein, wie z. B. die Rehabilitationswissenschaften, die Pflegeforschung, Forschung zur allgemeinmedizinischen Versorgung und Palliativmedizin sowie die Gesundheitsökonomie. Als Grundvoraussetzung für eine effiziente Versorgungsforschung muss auch die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von Versorgungsdaten verbessert werden. Die Versorgungsforschung dient im Gesundheitswesen zur Orientierung über Qualität, Therapiesicherheit, Nutzen und Nachhaltigkeit der Versorgung.

Im Unterschied zu anderen Ländern fand in Deutschland eine systematische und wissenschaftliche Analyse des Versorgungsgeschehens und der Patientensicherheit im Versorgungsalltag sowie der sich daraus ergebenden Fragestellungen lange Zeit kaum statt. Die Bundesregierung hat hier mit ihren bisherigen Fördermaßnahmen (z. B. Public Health, Rehabilitationswissenschaften, Versorgungsforschung und Allgemeinmedizin) wesentliche Aufbauhilfe geleistet, sodass der Anschluss an die internationale Spitzenforschung punktuell gelungen ist. Diese Initiativen werden oft in Partnerschaft mit Kostenträgern im Gesundheitswesen durchgeführt. Das ermöglicht einen größeren Praxisbezug der Forschungsprojekte und eine raschere Umsetzung der Ergebnisse in den Versorgungsalltag

  • Die Förderung der Versorgungsforschung

    Ziel der Forschungsförderung der Bundesregierung zur Versorgungsforschung ist es, wissenschaftliche Evidenz für die Verbesserung von Qualität und Sicherheit, des Nutzens und der Nachhaltigkeit der gesundheitlichen Versorgung zu erbringen. So werden die Grundlagen für neue Lösungsstrategien zu Gestaltung, Organisation und Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens geschaffen. Dabei stehen in der Versorgungsforschung in besonderem Maße Patientenorientierung und Patientensicherheit im Mittelpunkt.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/foerderung-der-versorgungsforschung.php)

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