Ambulant vor stationär

Gesundheit erhalten bedeutet bei alten Menschen auch, ihnen ein Leben im gewohnten sozialen Umfeld, in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Moderne Technik kann dazu beitragen, dieses Ideal bei einer zunehmend größeren Zahl an alten Menschen auch wirklich umzusetzen.

Betreuung daheim hat viele Vorteile

Pflegebedürftige Menschen können heute sowohl zu Hause als auch im Pflegeheim versorgt werden. Ob das eine oder das andere die bessere Lösung ist, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Die Versorgung zu Hause hat aber einige prinzipielle Vorteile, weswegen heute vielfach versucht wird, diesen Weg durch bessere ambulante Versorgungsstrukturen und durch den Einsatz innovativer Technologien zu stärken.

Zu den Vorteilen der Versorgung in den eigenen vier Wänden zählt, dass die älteren Menschen eher in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Dadurch können sie all ihre Alltagstätigkeiten erhalten – eine wichtige Voraussetzung, um körperlich, geistig und sozial aktiv und integriert zu bleiben. Auch finanzielle Erwägungen sprechen für eine ambulante pflegerische Versorgung, denn sie ist den meisten Fällen deutlich kostengünstiger. Schließlich hat die Versorgung daheim auch medizinische Vorteile: Die Gefahr von Infektionserkrankungen ist zu Hause eindeutig geringer als in medizinischen oder pflegerischen Einrichtungen.

Telemedizin bei chronischen Krankheiten

Ein Problem bei der ambulanten Betreuung im Alter besteht darin, dass bei vielen chronischen Erkrankungen eine engmaschige Kontrolle von Vitalwerten beziehungsweise regelmäßige Arztkontakte wünschenswert oder notwendig sind. Gerade in ländlichen Regionen kann das wegen der damit verbundenen Anfahrtswege für alte Menschen oder den Arzt mühsam sein. Eine Antwort hierauf liefert die Telemedizin, also die medizinische Fernbetreuung bei chronischen Erkrankungen unter Zuhilfenahme moderner Informations- und Kommunikationstechnologie.

Telemedizin kann bei zahlreichen Erkrankungen helfen, die Versorgung zu optimieren. So können Funktionsparameter von Schrittmachern oder implantierbaren Defibrillatoren heute zunehmend auf Distanz abgefragt werden. Das erspart lange Wege zum Schrittmacherspezialisten. Bei chronischem Herzversagen lässt sich telemedizinisch anhand des Gewichtsverlaufs und anderer Parameter erkennen, ob eine Verschlechterung droht oder nicht. Im Idealfall können dadurch Klinikeinweisungen verhindert werden. Auch außerhalb der Kardiologie wird Telemedizin immer intensiver in Studien evaluiert, beispielsweise bei Patientinnen und Patienten mit Schlaganfällen, mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung oder mit Zuckerkrankheit.

Altersgerechtes Wohnen

Neben Telemedizinsystemen können auch andere IKT-gestützte Assistenzsysteme dazu beitragen, bei alten Menschen einen frühzeitigen Umzug ins Pflegeheim zu vermeiden. Solche Lösungen, bei denen es nicht so sehr um die medizinische Versorgung geht, sondern vor allem darum, den Alltag im Alter sicherer zu machen, werden unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) zusammengefasst. Unter AAL verstehen Expertinnen und Experten altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben älterer Menschen.

Ein seit langem etabliertes, sehr einfaches und alltagstaugliches AAL-System ist der Hausnotruf, den diverse kommerzielle Anbieter und auch viele Sozialdienste im Portfolio haben. Viele moderne AAL-Lösungen nutzen innovative Sensorik, um den klassischen Hausnotruf zu erweitern. So evaluieren Forschungsprojekte beispielsweise unterschiedliche Sturzsensoren, die am Körper getragen oder an Teppichen angebracht werden können. Sie treten dann in Aktion, wenn ein alter Mensch nach einem Sturz nicht mehr selbst Hilfe rufen kann. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich die nötige Hilfe zu lange verzögert.

Die Sicherheit im Alter erhöhen können auch unterschiedliche Systeme für die Hausautomatisierung. Die Palette reicht hier vom automatisch gesteuerten Herd bis hin zu umfangreichen elektronischen „Butler“-Systemen, die über eine einfach zu bedienende Nutzeroberfläche alle möglichen Funktionen anbieten.  AAL-Lösungen können auch im Zusammenhang mit präventivmedizinischen Szenarien im Alter eingesetzt werden. So gibt es beispielsweise Projekte, in denen Hometrainer, die mit sozialen Netzwerken verknüpft sind, alten Menschen ein gemeinsames Sporterlebnis ermöglichen, ohne dass die betreffenden Personen ihre jeweilige Wohnung verlassen müssten.

  • Ältere Menschen

    Die Menschen in den Industrienationen werden immer älter. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Doch Gesundheitsversorgung und medizinische Forschung werden dadurch vor neue Herausforderungen gestellt. Krankheiten behandeln, Lebensqualität erhalten und das soziale Umfeld beachten – das sind die Eckpfeiler für gesundes Altern.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/aeltere-menschen.php)
  • Eine Erkrankung kommt selten allein

    Viele Erkrankungen sind im Alter häufiger als in jungen Jahren. Weil Multimorbidität die Regel ist, nicht die Ausnahme, geht es bei alten Menschen nicht nur um die optimale Behandlung einzelner Erkrankungen, sondern um ein medizinisches Gesamtkonzept.
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  • Lebensqualität erhalten

    Völlig gesund zu sein ist ein Anspruch, der im Alter kaum aufrecht zu erhalten ist. Medizinisch geht es bei älteren Menschen deswegen nicht so sehr um die Abwesenheit von Krankheit, sondern um Lebensqualität trotz Krankheit.
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  • Infektionen verhindern

    Infektionen sind eine Hauptursache von Krankheit und Tod im Alter. Vor allem Lungenentzündung und Grippe machen dem alternden Körper schwer zu schaffen. Der Schutz vor Infektionen ist daher ein wichtiges Instrument zum Erhalt von Gesundheit und Lebensqualität bei älteren Menschen.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/infektionen-verhindern.php)

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