Eine Erkrankung kommt selten allein

Viele Erkrankungen sind im Alter häufiger als in jungen Jahren. Weil Multimorbidität die Regel ist, nicht die Ausnahme, geht es bei alten Menschen nicht nur um die optimale Behandlung einzelner Erkrankungen, sondern um ein medizinisches Gesamtkonzept.

Erkrankungen des Bewegungsapparats

Der Bewegungsapparat umfasst Muskeln, Knochen und Gelenke, also jene Organe, die uns in aufrechter Position halten und uns Bewegungen erlauben, ohne die wir im Alltag nicht existieren könnten. Keine anderen Organe sind derartigen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Vor allem auf die Gelenke wirken, etwa bei körperlicher Arbeit oder beim Sport, enorme Kräfte. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass gerade die Gelenke bei vielen Menschen im Alter Probleme machen.

Die Arthrose, bei der sich der Gelenkknorpel und in der Folge die angrenzenden Knochen degenerativ verändern, ist eine Volkserkrankung älterer Menschen. Etwa einer von vier Erwachsenen hat in Deutschland eine Arthrose an zumindest einem Gelenk. Bei über 60jährigen ist es jeder zweite (Robert Koch Institut, Stiftung orthopädische Universitätsklinik Heidelberg). Eine Arthrose kann fast alle Gelenke betreffen. Am häufigsten machen Hüfte, Knie, Schulter und Wirbelsäule Probleme. Einige Gelenke können bei starken Schmerzen heute durch Kunstgelenke ersetzt werden. Das ist aber nicht immer die beste Lösung. Wie auch bei anderen Erkrankungen im Alter ist das medizinische Management bei Arthrose sehr individuell.

Andere Erkrankungen des Bewegungsapparats, die im Alter häufiger sind als in jüngeren Jahren, sind die rheumatischen Gelenk- und Muskelerkrankungen und die Osteoporose. Von einer Osteoporose, einem „Knochenschwund“, ist in Deutschland jede fünfte Frau über 80 Jahren betroffen.  Mindestens eine von 50 Frauen über 50 Jahren erleidet pro Jahr einen Knochenbruch, der auf eine Osteoporose zurückgeht (Dachverband Osteologie). Knochenbrüche als Folge einer Osteoporose können verhindert werden, wenn Menschen mit erhöhtem Risiko früh erkannt und angemessen behandelt werden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eine weitere große Gruppe von Erkrankungen, die nicht nur, aber doch überwiegend bei alten Menschen vorkommen. Die wichtigsten altersassoziierten Krankheiten aus diesem Bereich sind die koronare Herzerkrankung, also die „Verkalkung“ der Herzkranzgefäße, die zerebrovaskuläre Gefäßerkrankung, die die Blutgefäße des Gehirns betrifft und die periphere arterielle Verschlusskrankheit, bei der sich die Arterien verengen, die die Beine versorgen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind für alte Menschen aus zwei Gründen relevant. Zum einen verursachen sie Symptome, die die Lebensqualität massiv einschränken können. Wer nicht mehr ohne Brustschmerz Treppen steigen kann oder wer alle 50 Meter stehen bleiben muss, weil die Beine schmerzen, der tut sich schwer, seinen Lebensabend zu genießen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind aber auch deswegen so relevant, weil sie fatale Folgen haben können. Vier von zehn Menschen sterben in Deutschland an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Statistisches Bundesamt). Dahinter verbergen sich vor allem Herzinfarkte und Schlaganfälle, von denen zumindest ein Teil verhindert werden könnte, wenn eine konsequente Sekundärprävention betrieben würde.

Krebs: Auch eine Alterserkrankung

Krebs eine Alterserkrankung? Vielen ist das gar nicht so bewusst. Doch Krebs entsteht in der Regel in Folge einer Anhäufung von genetischen Veränderungen. Und die kommen nicht alle auf einmal, sondern entwickeln sich über Jahre und Jahrzehnte. Statistisch lässt sich das eindeutig zeigen: Bei Menschen über 60 Jahren beträgt das Risiko, innerhalb von fünf Jahren an einer der zehn häufigsten Krebsformen zu erkranken, über 20 Prozent (Robert Koch Institut). Etwa 400.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs. Etwa die Hälfte davon sind Menschen über 65. Die häufigsten Krebsformen im Alter sind zugleich die häufigsten Krebsformen überhaupt: Bei Männern dominieren Lungenkrebs, Darmkrebs und Krebs der Prostata. Bei Frauen sind es Brustkrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs. Dazu kommt bei beiden Geschlechtern noch der helle Hautkrebs, der in den üblichen Krebsstatistiken gar nicht erfasst wird. 200.000 Menschen erkranken daran pro Jahr. Und ein Großteil der Betroffenen ist über 60.

Zwischen Demenz und Depression

Einige neurologische und psychiatrische Erkrankungen sind ebenfalls mit dem Alter assoziiert. Bei neurodegenerativen Erkrankungen kommt es zu einem schrittweisen Abbau von Nervenzellen. Das verursacht Symptome, wenn eine kritische Grenze überschritten wird. Die beiden wichtigsten neurodegenerativen Erkrankungen bei alten Menschen sind die Demenz und die Parkinsonsche Erkrankung. Es wird geschätzt, dass in Deutschland allein eine Million alte Menschen mit einer Demenzerkrankung leben (Deutsche Gesellschaft für Neurologie). Etwa 150.000 Menschen leiden an einer Parkinson—Erkrankung (Deutsche Parkinson-Vereinigung).

Auch die Depression ist bei alten Menschen weit häufiger als bei jungen Menschen. In Deutschland ist bei enger Definition schätzungsweise jeder Zehnte, bei weiter gefasster Definition, jeder Vierte Mensch ab 70 Jahren depressiv. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer (Berliner Altersstudie). Gerade eine Erkrankung wie die Depression verdeutlicht, wie multidimensional das Thema Gesundheit im Alter ist. Eine Depression im Alter kann biologische Wurzeln haben. Aber sie ist auch im Kontext der sozialen Vereinsamung zu sehen, zu der es bei vielen Menschen im Alter kommt.

  • Ältere Menschen

    Die Menschen in den Industrienationen werden immer älter. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Doch Gesundheitsversorgung und medizinische Forschung werden dadurch vor neue Herausforderungen gestellt. Krankheiten behandeln, Lebensqualität erhalten und das soziale Umfeld beachten – das sind die Eckpfeiler für gesundes Altern.
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  • Lebensqualität erhalten

    Völlig gesund zu sein ist ein Anspruch, der im Alter kaum aufrecht zu erhalten ist. Medizinisch geht es bei älteren Menschen deswegen nicht so sehr um die Abwesenheit von Krankheit, sondern um Lebensqualität trotz Krankheit.
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  • Infektionen verhindern

    Infektionen sind eine Hauptursache von Krankheit und Tod im Alter. Vor allem Lungenentzündung und Grippe machen dem alternden Körper schwer zu schaffen. Der Schutz vor Infektionen ist daher ein wichtiges Instrument zum Erhalt von Gesundheit und Lebensqualität bei älteren Menschen.
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  • Ambulant vor stationär

    Gesundheit erhalten bedeutet bei alten Menschen auch, ihnen ein Leben im gewohnten sozialen Umfeld, in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Moderne Technik kann dazu beitragen, dieses Ideal bei einer zunehmend größeren Zahl an alten Menschen auch wirklich umzusetzen.
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