Ernährung

Die moderne Ernährungsforschung beweist: Essen hält Leib und Seele zusammen. Denn wer sich ausgewogen ernährt, fördert nicht nur sein Wohlbefinden. Eine bedarfsgerechte und vollwertige Kost kann auch dazu beitragen, die Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen.

Zahlreiche Erkrankungen sind direkt oder indirekt mit der Ernährung verbunden. Allen voran die sogenannten Volkskrankheiten Diabetes mellitus, Fettsucht (Adipositas) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber auch einige Formen von Krebs sowie chronische Entzündungsprozesse werden durch bestimmte Nährstoffe beeinflusst. Die Krankheiten beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen. Sie belasten auch die Gesellschaft. Der Grund: Ernährungsbedingte Leiden verursachen nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums ein Drittel aller Kosten im Gesundheitswesen. Die Frage, ob und wie durch eine bewusste und in Zukunft möglicherweise auch individuelle Ernährung das Krankheitsgeschehen positiv beeinflusst werden kann, rückt damit zunehmend in das öffentliche Interesse. Die Ernährungsforschung avanciert zu einer der wichtigsten Herausforderungen der modernen Gesundheitsforschung.

 Ernährungsgewohnheiten: Was wir essen.

Die gute Nachricht vorweg: Die Deutschen essen immer gesünder. Diesen positiven Trend belegen ernährungswissenschaftliche Studien, wie die Nationale Verzehrstudie II und der Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsforschung (DGE), die seit vielen Jahren die Ernährungsgewohnheiten in Deutschland dokumentieren.

So greifen die Deutschen immer öfter zu ballaststoffhaltigen Getreideprodukten wie Brot, Brötchen oder Nudeln. Und auch Obst und Gemüse stehen inzwischen vermehrt auf dem Speiseplan. Trotzdem – und das ist die weiterhin schlechte Nachricht – essen die Deutschen weiterhin zu viel Fleisch, zu viel Fettiges und viel zu viel Süßes.

Beispiel Fleisch: Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich rund 60 Kilogramm ist der Fleischkonsum zwar in den vergangenen Jahren stetig gesunken (Quelle: Statistisches Bundesamt, Vom Erzeuger zum Verbraucher, Fleischversorgung in Deutschland 2008 und Ernährungsbericht 2008). Er liegt jedoch noch immer über den Empfehlungen der Expertinnen und Experten. Diese raten zu einem Verzehr von höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch oder Wurstwaren pro Woche – also maximal halb so viel wie bisher.

Auch Fette nutzen die Bundesdeutschen sparsamer als früher. Dieser Trend ist zu begrüßen, denn vor allem ein Zuviel an tierischen Fetten belastet den Stoffwechsel. Weil aber der gesamte Fettkonsum sinkt, gehen dem Körper auch wertvolle ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen verloren.

Kritisch sehen Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftler die neu entdeckte Liebe der Deutschen zu Gelee- und Gummibonbons. Diese Süßigkeiten enthalten viel Fett und sehr viel Zucker und damit jede Menge unnötiger Kalorien. Mit 2,9 Kilogramm pro Kopf und Jahr halten Gummibärchen & Co sogar den Verzehr-Rekord unter den Zuckerwaren im engeren Sinne (Quelle: BMELV Statistik). Doch auch der Konsum von Schokolade ist enorm: Im Schnitt verzehrt jede Bundesbürgerin und jeder Bundesbürger alle drei bis vier Tage eine Tafel Schokolade. Alarmierend ist: Naschereien und gesüßte Lebensmittel sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt. So konstatiert der Ernährungsbericht 2008, dass bereits 4-Jährige jeden Tag so viel Zucker zu sich nehmen, wie ungefähr in einer halben Tafel Schokolade enthalten ist.

Weitere Informationen zur Ernährungssituation von Jugendlichen und Erwachsenen finden Sie hier.

Ernährungsfehler: Wenn die Ernährung nicht zum Leben passt.

Langes Sitzen und wenig Bewegung gepaart mit einer ungesunden Ernährung – der Lebensstil einer modernen Gesellschaft leistet ernährungsbedingten Erkrankungen Vorschub. Allein in Deutschland leidet etwa jeder Zehnte an einem Diabetes mellitus (Quelle: diabetesDE); 75 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen sind übergewichtig (Quelle: IASO, 2007). Doch damit nicht genug: Wer zuckerkrank oder adipös ist, trägt ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen wie Nierenschäden, bestimmte Formen von Krebs, Bluthochdruck und Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems. Aktuelle Forschungen bestätigen: Die Ernährung spielt bei der Entstehung dieser Erkrankungen eine Schlüsselrolle – als Ursache eines Leidens, zunehmend aber auch als Bestandteil einer Therapie.

Individuelle Diätpläne erleichtern schon heute solchen Menschen das Leben, die aufgrund einer Variation im Erbgut sensibler auf bestimmte Nahrungsmittel reagieren als andere. So leiden immer mehr Deutsche an einer Lebensmittelallergie (Quelle: Aktionsplan gegen Allergien, BMELV 2010). Und auch die Zahl der Menschen, die wegen einer Stoffwechselerkrankung bestimmte Nährstoffe nicht vertragen, wächst. Die Gründe für die zunehmende Überempfindlichkeit gegenüber einigen Nahrungsmitteln sind bislang nicht ausreichend geklärt. Ernährungswissenschaftlerinnen und Ernährungswissenschaftler erforschen deshalb die Hintergründe dieser Erkrankungen und sind den molekularen Mechanismen auf der Spur. Ihre Ernährungspläne sind schon heute individuell zugeschnitten und an das Leben der Betroffenen angepasst.

Weitere Informationen zur Stoffwechselforschung finden Sie hier

 Ernährungsmythen: Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

Der Volksmund weiß: Wasser auf Kirschen verursacht Bauschmerzen und Spinat macht stark. Aber stimmt das auch? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben es untersucht und so manchen Ernährungsirrtum aufgedeckt.

Kaffee ist zum Beispiel nicht per se ungesund. Im Gegenteil: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finden immer mehr Beweise, dass Kaffee die Zellen fit hält und zur Entgiftung des Körpers beiträgt. Auch der Wasserhaushalt gerät durch eine Tasse Kaffee nicht in Schieflage. Das Getränk wirkt zwar harntreibend, in der Gesamtbilanz eines Tages aber ist dieser Effekt nicht spürbar. Weil Kaffee anregend auf Herz und Kreislauf wirkt, raten Expertinnen und Experten dazu, den Durst lieber mit Saftschorlen und Mineralwasser zu löschen.

Spinat ist gesund – stark macht er nicht. Dass Spinat besonders viel Eisen enthält, ist wohl der bekannteste Fall in der Geschichte der Ernährungsirrtümer. Schuld daran hat wahrscheinlich ein simpler Übertragungsfehler. Nicht 40, sondern nur knapp vier Milligramm Eisen sind in 100 Gramm Spinat enthalten – zum Muskelaufbau à la Popeye reicht das nicht. Vitamine, Mineralien und viele Ballaststoffe machen Spinat trotzdem zu einem wertvollen Nahrungsmittel.

Es stimmt: Kohl ist gesund. Brokkoli zum Beispiel enthält nicht nur viel Vitamin C. Das Gemüse bildet auch sogenannte Glukosinolate. Das sind sekundäre Inhaltstoffe, mit denen sich eine Pflanze beispielsweise gegen gefräßige Insekten wehrt. Neuere Forschungen zeigen: Von bestimmten Glukosinolaten profitiert auch der Mensch. Sie sollen das Immunsystem anregen und das Krebsrisiko mindern.

Wer gerne Apfelsaft trinkt, sollte zur naturtrüben Variante greifen. Forscher fanden heraus, dass einige Substanzen in den Trübstoffen Darmkrebs vorbeugen können. An dem alten englischen Sprichwort „One apple a day, keeps the doctor away“ (Ein Apfel am Tag erspart den Arzt) ist also tatsächlich etwas dran. 

Nähere Informationen zum Thema: "Schützt Apfelsaft vor Darmkrebs" finden Sie hier.

Ins Reich der Märchen gehört die Ansicht, dass Wasser auf Kirschen Bauchschmerzen verursacht. Diese Warnung stammt noch aus einer Zeit, zu der das Trinkwasser aus dem Brunnen geholt wurde und mit Keimen belastet war. Heutiges Trinkwasser ist frei von Bakterien und schmeckt deshalb auch zu Kirschen.

  • Was ist gesunde Ernährung?

    Die Frage, was eine gesunde Ernährung ist, können selbst Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch nicht ausreichend beantworten. Die Wege, die die Nährstoffe im menschlichen Körper nehmen, sind hoch komplex und trotz umfangreicher Forschungen bis heute nicht vollständig verstanden. Denn: Jeder Mensch is(s)t anders.
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  • Nährstoffe - was drin ist, im Essen

    Fleisch, Obst und Gemüse enthalten wertvolle Nährstoffe. Einige müssen umgebaut werden, damit der Körper sie nutzen kann, andere passen wie der Schlüssel ins Schloss und setzen wichtige Stoffwechselprozesse in Gang.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/naehrstoffe-was-drin-ist-im-essen.php)
  • Richtig ernährt in jeder Lebensphase

    Wer wann welche Nährstoffe braucht und welche Mengen ratsam sind, hängt auch von der Lebensphase eines Menschen ab. So sind die Bedürfnisse eines aktiven Sportlers anders als die eines Büroangestellten, die eines Kindes anders als die älterer Menschen.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/richtig-ernaehrt-in-jeder-lebensphase .php)
  • gesunde Ernährung - gesunder Körper

    Wer den Zusammenhang zwischen Krankheiten und Ernährung verstehen will, muss die molekularen Prozesse im Körper begreifen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgen den Nährstoffen auf ihrem Weg durch den Körper und machen dabei oft erstaunliche Entdeckungen.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gesunde-ernaehrung-gesunder-koerper.php)

Dokumente

  • Ernährungsforschung

    [PDF]

     (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/MASTER_BMBF_Ernaehrungsbroschuere_2013_V03.pdf)

 

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