Unter dem Dach der Nationalen Präventionsstrategie entwickelt das BMBF einen Aktionsplan zur Präventions- und Ernährungsforschung, der die für beide Bereiche relevanten Forschungsansätze zusammenführt und interdisziplinär verknüpft.
Ergebnis bisheriger Forschung ist, dass schon im Mutterleib durch Ernährung und toxische Einflüsse erbliche Faktoren für den Rest des Lebens an- oder abgeschaltet werden. Gerade bei Krankheiten wie Diabetes und Adipositas zeigt sich die Bedeutung dieser sogenannten metabolischen Programmierung im Jugendalter. Aberauch in späteren Lebensabschnitten können Umwelteinflüsse erbliche Faktoren nachhaltig beeinflussen. Forschungsbedarf besteht auch bei der Klärung, welche Umwelteinwirkungen welche epigenetischen Modulationen zur Folge haben und welche Konsequenz daraus für die menschliche Gesundheit folgt. Diesbezügliche Forschungsprojekte werden künftig in enger Abstimmung mit der Forschungsförderung zur individualisierten Medizinermöglicht.
Das BMBF fördert schon seit einigen Jahren Projekte zur Erforschung des Nutzens von Maßnahmen der Primärprävention. Die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Präventionsmaßnahmen nur dann erfolgreich sein können, wenn sie auf die jeweilige Zielgruppe (etwa Frauen, Männer, Eltern, Betriebsangehörige, Menschen mit Migrationshintergrund) zugeschnitten und der jeweils optimale Zugangsweg (z. B. persönliche Ansprache durch den Hausarzt, Tageszeitung, Internet) genutzt wurde. Auch für alte Menschen sind gesundheitsfördernde Maßnahmen von Vorteil, aber nur, wenn diese ihrem Alter entsprechend gestaltet sind, und nur, wenn die Aufforderung dazu über einen adäquaten Zugangsweg erfolgt, wie die persönliche Ansprache durch den Hausarzt. Die Förderung dieser Forschung soll in Umfang und Themenbreite ausgeweitet und systematisiert werden. Künftig sollen Effektivität, Effizienz und unerwünschte Effekte von Maßnahmen der Primär-, Sekundär-und Tertiärprävention erforscht werden, insbesondere ihre längerfristige Wirksamkeit. Auch die Entwicklung neuer evidenzbasierter Präventionskonzepte ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.
Die deutsche epidemiologische Forschung nimmt im internationalen Vergleich bisher keine herausragende Rolle ein. Ein nachhaltiger Ausbau der Epidemiologie setzt strukturfördernde Maßnahmen voraus. Hierzu gehören spezifisch epidemiologisch ausgerichtete Lehrstühle an den Hochschulen, um sowohl exzellente Forschung zu betreiben als auch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden. Aber auch der Aufbau von epidemiologischen Nachwuchs-Forschungsgruppen ist erforderlich. Des Weiteren wird unter der Bezeichnung „Deutsche Studie für Gesundheit und Prävention“ eine nationale Kohorte mit 200.000 gesunden Studienteilnehmern im Alter zwischen 20 und 70 Jahren geplant. Dabei soll der Gesundheitsstatus von Männern und Frauen aus verschiedenen Regionen Deutschlands über einen längeren Zeitraum verfolgt werden, um Zusammenhänge zwischen Genen, Verhalten, Ernährung, Bewegung und Umwelt bei der Entstehung von Krankheiten aufzudecken.
Die nationale akademische Ernährungsforschung wird so aufgestellt, dass sie in stärkerem Maße als bisher Lösungen für die aktuellen ernährungsbedingten Gesundheitsprobleme entwickelt. Darüber hinaus können neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Ernährungsbereich zur Entwicklung innovativer, konsumentenfreundlicher und gesundheitsfördernder Produkte und Dienstleistungen beitragen. Forschung und Entwicklung in Wissenschaft und Wirtschaft werden durch Profilbildung der Forschungsstandorte gestärkt und so ein international kompetitives Niveau erreicht, Synergieeffekte erzielt und Ressourcen effizienter eingesetzt. Die Innovationsfähigkeit der deutschen Ernährungsindustrie und der Nachwuchs werden gezielt unterstützt (capacity building). Deutschland wird zudem aktiv an der gemeinsamen Planung der Forschungsprogramme in Europa (Joint Programming) im Bereich Gesundheit, Ernährung und Prävention ernährungsbedingter Krankheiten mitwirken und so die Stärkung der deutschen Forschungslandschaft und deren Einbindung in den europäischen Forschungsraum vorantreiben.
Die umweltbezogene Gesundheitsforschung vermeidet langfristig Krankheitskosten. Bislang fehlt es an einer Bewertung der relativen Bedeutung verschiedener Umweltlasten für einzelne Krankheiten (Environmental Burden of Disease, EBD). Außerdem müssen Daten generiert werden, die rechtzeitig über die Belastung der Bevölkerung informieren (Frühwarnsystem), und es muss ermittelt werden, ob umweltgerichtete Maßnahmen Erfolg haben (Monitoring). Geeignete Instrumente hierfür sind die Fortführung der Umweltsurveys, die Einbeziehung von Geburtskohorten bei neuen Studien und die Weiterentwicklung des Human-Biomonitorings. Gleichzeitig sollte die Forschung zu Fein- und Ultrafeinstaub (< 100 Nanometer) vorangetrieben werden. Gesundheitliche Fragestellungen zu synthetischen Nanomaterialien, die zunehmend in neuen Technologien eingesetzt werden, werden unter dem Dach des Aktionsplans Nanotechnologie bearbeitet.
Um die Schwierigkeiten bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen HIV oder Tropenkrankheiten wie Malaria zu lösen, müssen die anwendungsorientierte Grundlagenforschung intensiviert und neue Verfahren zur Impfstoffentwicklung erforscht werden. Gleichzeitig ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft notwendig, um in Deutschland nicht nur die grundlegenden Erkenntnisse zu gewinnen, sondern auch die darauf basierende Impfstoffentwicklung und wirtschaftliche Verwertung zu ermöglichen. Deutschland steht zu seiner Mitverantwortung für Länder, die die Kosten für die Entwicklung neuer Impfstoffe gegen Tropenkrankheiten allein nicht aufbringen können, und beteiligt sich deshalb auf europäischer Ebene an der Zusammenarbeit mit Afrika bei der klinischen Entwicklung und Erprobung neuer Impfstoffe.
(URL: http://gf.pt-dlr.de/de/Forschungsfoerderung.php)