Wer den Zusammenhang zwischen Krankheiten und Ernährung verstehen will, muss die molekularen Prozesse im Körper begreifen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler folgen den Nährstoffen auf ihrem Weg durch den Körper und machen dabei oft erstaunliche Entdeckungen.
Adipositas (krankhafte Fettsucht) und Diabetes mellitus sind die traurigen Spitzenreiter unter den ernährungsbedingten Volkskrankheiten. Mehr als sieben Millionen Menschen sind allein in Deutschland an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Oft sind sie auch adipös, also viel zu dick. Tatsächlich ist das Risiko eines Typ-2-Diabetes bei adipösen Menschen dreimal so hoch, wie bei Normalgewichtigen. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und siebzehn Jahren sind übergewichtig – jeder Hundertste, so schätzen Expertinnen und Experten, leidet auch an einem Typ-2-Diabetes (Quelle: diabetesDE).
Ernährungsmedizinerinnen und Ernährungsmediziner werden deshalb nicht müde, von Anfang an eine ausgewogene und nicht zu kalorienreiche Ernährung zu fordern. Adipositas und Typ-2-Diabetes beweisen: Selbst Erkrankungen, denen eine genetische Veranlagung zugrunde liegen, können durch eine bewusste Ernährung gemildert werden. Spezielle Ernährungsprogramme für Kinder und Erwachsene unterstützen die Betroffenen und ihre Angehörigen während der Therapie.
Hohe Blutfettwerte, hoher Blutdruck, zu viel Blutzucker und Übergewicht – treffen mindestens drei dieser Parameter zu, heißt die Diagnose heute: Metabolisches Syndrom. Noch bis vor wenigen Jahren galten diese Erkrankungen als einzelne Leiden. Sie wurden unabhängig voneinander diagnostiziert und entsprechend therapiert. Erst als im Jahr 2005 in den USA erste Leitlinien entwickelt wurden, die die Einzelerkrankungen in ihrer Gesamtheit erfassten, begann auch in Deutschland ein Umdenken. Heute ist das Metabolische Syndrom als eigenständige Erkrankung auch hierzulande anerkannt.
Auslöser des Metabolischen Syndroms ist eine stammbetonte Adipositas, also eine Fettleibigkeit, die vor allem die Körpermitte betrifft. Sie ist zugleich die traurige Klammer um die vier Teilerkrankungen des Metabolischen Syndroms. Entsprechend heißt die Therapie der Wahl: Abnehmen, abnehmen, abnehmen. Sie ist wirkungsvoller als jedes Medikament und der bislang einzige therapeutische Ansatz, der alle Komponenten des Metabolischen Syndroms gleichermaßen erfasst. Eine vollwertige Ernährung kann nach heutigen Erkenntnissen die Symptome aller Teilerkrankungen gleichermaßen lindern und die Lebensqualität steigern – in einigen Fällen bis zur Heilung.
Ernährungsforscherinnen und Ernährungsforscher haben erkannt, dass einige Inhaltstoffe unserer Nahrungsmittel den Körper vor Krankheiten schützen können – und zwar auch dann, wenn wie beim Krebs genetische Veranlagungen vorliegen. Was liegt da näher, bestimmte Nahrungsmittel zusätzlich mit den Heil bringenden Stoffen auszustatten? Sogenanntes functional food (funktionelle Lebensmittel) soll eine gesunde Ernährung noch gesünder machen.
Noch aber sind zusätzlich Forschungsanstrengungen notwendig. So fehlt es zum Beispiel an genauen Kenntnissen über die Zusammensetzung einzelner Nahrungsmitteln. Auch die Wirkung von Nährstoffen und ihre Wege im menschlichen Stoffwechsel müssen weiter untersucht werden. Übrigens auch dort, wo bereits funktionelle Nahrungsmittel angeboten werden. Denn ob und wenn ja, welche Wirkungen die bereits auf dem Markt befindlichen Lebensmittel wie probiotische Joghurts oder vitaminreiche Cerealien tatsächlich haben, ist nicht ausreichend geklärt. Da es in Deutschland und der EU bisher auch keine verbindliche Definition für funktionelle Lebensmittel gibt und mögliche Nebenwirkungen vielfach unbekannt sind, raten Expertinnen und Experten bei den vorhandenen Lebensmitteln mit gesundheitlichem Zusatznutzen zur Vorsicht. Eine gesunde Ernährung können sie jedenfalls bislang nicht ersetzen.
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(URL: http://gf.pt-dlr.de/_media/ernaehrungforschung.pdf)
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(URL: http://gf.pt-dlr.de/_media/Stoffwechselforschung.pdf)
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