Infektionen sind eine Hauptursache von Krankheit und Tod im Alter. Vor allem Lungenentzündung und Grippe machen dem alternden Körper schwer zu schaffen. Der Schutz vor Infektionen ist daher ein wichtiges Instrument zum Erhalt von Gesundheit und Lebensqualität bei älteren Menschen.
Wie alle anderen Organe des Menschen ist auch das Immunsystem, die wichtigste Waffe des menschlichen Körpers gegen Krankheitserreger, einem Alterungsprozess unterworfen. Im Laufe der ersten Lebensjahrzehnte steigt die Immunkompetenz durch Lernprozesse des Immunsystems zunächst an. Die Neigung zu Infektionen verringert sich dadurch. Es gibt aber auch einen gegenläufigen Trend: Die Zahl der Abwehrzellen, speziell der so genannten T-Zellen, nimmt mit dem Alter ab. Die Produktion von schützenden Antikörpern lässt nach. Dadurch und aufgrund weiterer Mechanismen steigt die Anfälligkeit für Infektionen – und hier vor allem für Infektionen, mit denen das Immunsystem noch keinen Kontakt hatte – im höheren Alter an.
Aus Gründen, die im Einzelnen noch erforscht werden, funktioniert im Alter auch die unspezifische Abwehr anders. So ist die Fieberreaktion bei alten Menschen deutlich geringer ausgeprägt. Das ist nicht nur deswegen wichtig, weil Fieber wahrscheinlich ein Schutzmechanismus des Körpers ist, sondern auch, weil es zur Diagnose einer Infektion herangezogen wird. Infektionen im Alter werden auch deswegen oft viel später erkannt als in jüngeren Jahren.
Vor allem zwei Infektionen sind in unseren Breiten für alte Menschen lebensgefährlich: die Grippe und die meist durch Pneumokokken verursachte bakterielle Lungenentzündung. Wie gefährlich diese beiden Infektionen sind, zeigt ein Blick in die Statistik: Im Jahr 2008 starben in Deutschland rund 11.700 Menschen an Grippe oder Lungenentzündung. Fast 10.300 davon waren 75 Jahre oder älter (Statistisches Bundesamt).
Zumindest ein Teil dieser Todesfälle ist unnötig, weil sowohl die Grippe als auch die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung zu den Erkrankungen gehören, die durch Impfungen vermieden werden können. Wegen der besonderen Risikokonstellation im Alter empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts allen Menschen ab sechzig Jahren eine jährliche Impfung gegen die saisonale Grippe sowie eine zumindest einmalige Impfung gegen Pneumokokken.
Krankenhäuser stellen bei nicht optimaler Hygiene einen wichtigen Lebensraum für Krankheitserreger dar. Diese „Krankenhauskeime“ verursachen nosokomiale Infektionen, also Infektionserkrankungen,
die sich Patienten im Krankenhaus zuziehen. Sie sind deswegen problematisch, weil die Krankenhauskeime teilweise ausgesprochen resistent gegen Antibiotika und damit oft schwer behandelbar sind.
Es wird geschätzt, dass in Deutschland 10.000 bis 20.000 Menschen pro Jahr an Krankenhausinfektionen sterben (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung). Die Hauptleidtragenden sind dabei ältere Menschen – aus mehreren Gründen: Zum einen leben Krankenhauskeime bevorzugt auf Intensivstationen, wo der Anteil älterer Menschen überproportional hoch ist. Zum anderen sind ältere Menschen im Krankenhaus fast immer chronisch krank. Viele chronische Erkrankungen gehen – genauso wie höheres Alter – mit einer eingeschränkten Immunabwehr einher. Die konsequente Umsetzung der offiziellen Hygieneempfehlungen für Krankenhäuser, die in Deutschland unter anderem vom Robert Koch Institut formuliert werden, ist deswegen gelebte Altersmedizin.