Völlig gesund zu sein ist ein Anspruch, der im Alter kaum aufrecht zu erhalten ist. Medizinisch geht es bei älteren Menschen deswegen nicht so sehr um die Abwesenheit von Krankheit, sondern um Lebensqualität trotz Krankheit.
Viele alte Menschen sind nach klassisch-medizinischen Kriterien „krank“: Sie nehmen wegen einer chronischen Erkrankung dauerhaft Medikamente ein, auch wenn sie sich persönlich vielleicht nicht oder jedenfalls nicht ständig krank fühlen. Die medikamentöse Therapie zielt bei chronischen Erkrankungen darauf ab, langfristige Komplikationen zu verhindern. Das gilt für junge wie alte Patienten gleichermaßen. Im Alter kommt aber noch ein wichtiger Aspekt hinzu: Es gilt, die körperliche und geistige Funktionsfähigkeit zu erhalten. Denn nur wer im Alltag einigermaßen klarkommt, hat auf Dauer eine gute Lebensqualität. Vor allem die körperliche Funktionsfähigkeit ist dabei eminent wichtig. Alte Menschen müssen im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung bleiben.
Viele Maßnahmen können dazu beitragen, die körperliche Funktionsfähigkeit im Alter zu erhalten. Scheinbar einfach, aber nicht zu unterschätzen, ist die Verhinderung von Unfällen, speziell Stürzen. Einem alten Menschen, der nach einem Sturz mehrere Wochen mit gebrochenem Hüftgelenk im Bett liegen muss, fällt es schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Nicht selten wird ein Sturz zum Anlass für die Übersiedlung ins Pflegeheim.
Nach Klinikaufenthalten kann eine professionelle Rehabilitation dazu beitragen, die Funktionsfähigkeit im Alltag wieder herzustellen. Eine weitere Säule sind medizintechnische Interventionen, die darauf abzielen, spezifische Defizite, die der körperlichen Funktionsfähigkeit im Weg stehen, zu beheben. Der traditionelle Gehstock wird heute ergänzt durch Maßnahmen wie den Gelenkersatz oder auch die Implantation von Schrittmachern. Beides zielt nicht primär auf die Verlängerung des Lebens sondern darauf, dass der Körper funktioniert und die Lebensqualität des Menschen erhalten bleibt.
Zur körperlichen Funktionsfähigkeit und damit zur Lebensqualität gehören auch die Sinne, die im Alter häufig als erstes nachlassen. Außer zu Problemen im Alltag kann ein Verlust von Sehkraft oder Hörvermögen auch negative soziale Folgen haben, die sich wiederum auf die Psyche des Menschen auswirken. Seh- und Hörstörungen früh zu erkennen und effektive Maßnahmen dagegen zu ergreifen ist deswegen ein wichtiger Faktor, um im Alter die Gesundheit insgesamt zu erhalten.
Abgesehen von angeborenen oder genetisch bedingten Störungen der Sinne ist der Gleichgewichtssinn der erste Sinn des Menschen, der altersbedingt nachlässt. Nachweisbar ist das bereits ab dem dritten Lebensjahrzehnt. Störungen des Gleichgewichtssinns werden oft nicht als solche erkannt, weil sie lange Zeit gut kompensiert werden können, vor allem durch den Sehsinn. Lassen die Augen im Alter nach, ist das deswegen bei vielen Menschen doppelt problematisch: Nicht nur fällt das Sehen schwerer. Auch die körperliche Beweglichkeit wird deutlich eingeschränkt, weil die Augen als wichtigster Kompensationsmechanismus für Gleichgewichtsstörungen wegfallen.
Eine sehr stark soziale Dimension hat der altersbedingte Verlust des Hörvermögens. Wer schlecht hört, dem droht die soziale Isolation, vor allem dann, wenn dem Umfeld oder auch den Betroffenen selbst nicht bewusst ist, dass ein Hörproblem vorliegt. Neueren Daten zufolge hört nur jeder fünfte Mensch zwischen 61 und 70 Jahren normal. Etwa genauso viele sind hochgradig schwerhörig. Zwischen 71 und 80 Jahren ist etwa jeder dritte Mensch hochgradig schwerhörig. Jenseits des 80. Lebensjahrs ist es mehr als jeder zweite (Universität Witten-Herdecke).
Lebensqualität im Alter geht über den Erhalt der körperlichen Funktionsfähigkeit und der Sinnesleistungen hinaus. Wenn einer Vereinsamung und der Entwicklung von Depression im Alter entgegen gewirkt werden soll, dann ist auch der Erhalt oder zumindest weitgehende Erhalt der geistigen Gesundheit wichtig, speziell die Verhinderung von Demenzerkrankungen. Gerade in diesem Bereich gibt es noch erheblichen Forschungsbedarf. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wissen heute, dass der Weg zur Demenz früh im Leben beginnt – lange bevor die Gedächtnisstörungen evident werden. Derzeit werden erste Mechanismen identifiziert, die dazu beitragen könnten, das Auftreten einer Demenz zu verhindern. Regelmäßige körperliche und geistige Betätigung scheinen hier genauso mit hinein zu spielen wie die Ernährung. Bekannt ist auch, dass Demenzen seltener auftreten, wenn der Blutdruck gut kontrolliert ist.
(URL: http://gf.pt-dlr.de/de/training-statt-bettruhe.php)
(URL: http://gf.pt-dlr.de/de/2491.php)
(URL: http://gf.pt-dlr.de/de/reiskorn-im-ohr.php)
(URL: http://gf.pt-dlr.de/de/2485.php)