Typ-1-Diabetes: Welchen Einfluss haben Pubertät, Ernährung und Sport auf die Entstehung? - Neue Studie sucht Kinder und Jugendliche, die teilnehmen möchten
Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Gab es noch im Jahr 2005 etwa 15.000 Neuerkrankungen bei Kindern unter 15 Jahren in Europa, so rechnen Forscher Schätzungen zufolge bereits im Jahr 2020 mit mehr als 24.000 neuen Fällen.
Das Immunsystem ist überlebenswichtig – es schützt unseren Körper vor Krankheitserregern. Voraussetzung hierfür ist, dass der Körper zwischen körpereigenen und körperfremden Stoffen unterscheiden kann. Komplexe Mechanismen helfen dem Immunsystem dabei, körpereigene Stoffe zu erkennen und körperfremde Stoffe in gefährlich oder nicht gefährlich einzuteilen. Manchmal ist diese Unterscheidung allerdings fehlerhaft: Werden an sich harmlose körperfremde Stoffe, wie zum Beispiel Nahrungsbestandteile, als gefährlich eingestuft, können Allergien entstehen. Werden hingegen körpereigene Stoffe irrtümlich als gefährlich erkannt, kann der Körper mit der Entwicklung einer Autoimmunerkrankung reagieren. Autoimmunerkrankungen umfassen so unterschiedliche Krankheitsbilder wie Multiple Sklerose, bestimmte rheumatische Erkrankungen, aber auch Typ-1-Diabetes, die insulinpflichtige Form der Zuckerkrankheit.
Beim Typ-1-Diabetes wendet sich das Immunsystem gegen die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse und zerstört sie. Der daraus entstehende Insulinmangel kennzeichnet den Erkrankungsbeginn. Die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes kann durch Laboruntersuchungen bestimmt und verfolgt werden. Schlüsselelemente sind hierbei die Autoantikörper – Antikörper, die gegen Bestandteile der Insulin produzierenden Zellen gerichtet sind. Sie sind wichtige Marker für die Prognose und Diagnostik von Typ-1- Diabetes und ermöglichen eine individuelle Einschätzung des Risikos. Meist bricht ein Typ-1-Diabetes zwischen dem zehnten und vierzehnten Lebensjahr aus. Was bisher nicht hinreichend geklärt werden konnte, sind die Auslöser und Ursachen der Krankheit. „Derzeit gehen wir davon aus, dass für die Entstehung von Typ-1-Diabetes verschiedene Faktoren zusammenspielen und zwar sowohl Umweltfaktoren als auch genetische Komponenten“, erklärt Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin der Forschergruppe Diabetes an der Technischen Universität München.
Den Ursachen während der Pubertät auf der Spur
Die neue Studie TEENDIAB, die im Rahmen des Kompetenznetzes Diabetes mellitus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt wird, soll deshalb herausfinden, warum Kinder und Jugendliche im Alter zwischen acht und achtzehn Jahren an Typ-1-Diabetes erkranken. Die Wissenschaftler haben sich zum Ziel gesetzt, genetische und umweltbedingte Faktoren zu identifizieren, die den Autoimmunprozess in Gang setzen und zur Entwicklung von Typ-1-Diabetes führen. „Besonders interessiert uns hierbei, ob es Zusammenhänge zwischen der Pubertät, Übergewicht, der Ernährung, der sportlichen Aktivität und der Entwicklung von Inselautoimmunität und Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen gibt“, beschreibt Professor Ziegler. „So können wir die Ursachen von Typ-1-Diabetes erkennen und daran arbeiten, neue Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.“ TEENDIAB ist die weltweit erste Verlaufsbeobachtungsstudie zur Entwicklung von Typ-1-Diabetes während der Pubertät.
Wer kann mitmachen?
Um zu untersuchen, welche Faktoren die Entstehung von Typ-1-Diabetes beeinflussen, ist das Kompetenznetz Diabetes mellitus auf die Hilfe von Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern angewiesen. „Wir planen deutschlandweit 1.500 Kinder in die TEENDIAB-Studie aufzunehmen“, so Professor Ziegler. Teilnehmen können Kinder ab einem Alter von acht Jahren bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres, in deren familiärem Umfeld, also bei Mutter, Vater oder Geschwistern, bereits ein Typ-1-Diabetes aufgetreten ist. Geplant ist, die Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von achtzehn Jahren in regelmäßigen Abständen zu beobachten. Die Termine beinhalten die Untersuchung auf diabetesspezifische Antikörper, die typischen Vorboten einer Diabeteserkrankung. „Das bedeutet für die teilnehmenden Familien einen großen Vorteil: Der Befund, dass ein Kind bisher keine Inselautoantikörper gebildet hat, kann die Angst der Eltern vor der Entstehung eines Typ-1-Diabetes verringern“, so Professor Ziegler. „Außerdem kann im Fall der Fälle durch unsere engmaschigen Untersuchungen die Diagnose Typ-1-Diabetes frühzeitig gestellt werden. Das hilft, Komplikationen wie Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden.“
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler
Forschergruppe Diabetes
der Technischen Universität München
Kölner Platz 1
80804 München
Tel.: 0800 82848-68
Fax: 089 3068-7509
E-Mail:
teendiab@lrz.tu-muenchen.de
Stand 16.05.2012