Verhaltensprävention – Was jeder selbst tun kann

Das gesundheitsbezogene Verhalten des Einzelnen ist ein Schlüssel für eine erfolgreiche Prävention. Die Verhaltensprävention ist deswegen Schwerpunkt vieler Präventionsprogramme. Gerade bei einigen typischen Volkskrankheiten lässt sich dadurch viel erreichen.

Der Verzicht auf Zigaretten, mehr Bewegung und eine bessere, ausgewogene Ernährung sind die drei präventivmedizinischen Ansatzpunkte, die vielen beim Stichwort Verhaltensprävention als erstes einfallen. Doch das Spektrum ist deutlich breiter. Als eine der erfolgreichsten Kampagnen zur Verhaltensprävention der letzten Jahrzehnte gilt –zumindest in den Industrienationen – die Kampagne zum Schutz vor der HIV-Infektion. Sie stellt bekanntlich ein verantwortungsbewusstes Verhalten beim Geschlechtsverkehr in den Mittelpunkt.
Festzulegen, was genau gesundes Verhalten ist, ist nicht immer einfach. Viele Erkenntnisse zu gesundem und weniger gesundem Verhalten stammen aus großen epidemiologischen Studien, bei denen zehntausende Probandinnen und Probanden teilweise über Jahrzehnte begleitet wurden. Die Framingham-Studie aus den USA ist eine der bekanntesten derartigen Bevölkerungsstudien. In Deutschland hat die PROCAM-Studie ähnliche Basisarbeit geleistet. Die populationsbezogene Forschung (auf bestimmte Bevölkerungsgruppen bezogene Forschung)" trägt also nicht nur dazu bei, die Effektivität spezieller Präventionsmaßnahmen in Studien zu untersuchen. Sie hilft auch dabei, Ansatzpunkte für Prävention zu identifizieren.

Tabak und die Folgen

Zigarettenrauch ist einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren überhaupt. Entsprechend stehen Maßnahmen zur Tabakkontrolle und zur Tabakentwöhnung ganz vorne auf der Agenda von vielen breit ansetzenden Präventionsbemühungen und auch auf der Präventionsagenda der Weltgesundheitsorganisation. Tabakrauch erhöht das Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen, Lungenkrebs und einer Reihe anderer Krebserkrankungen, darunter Blasenkrebs, Nierenkrebs und Brustkrebs. Es wird geschätzt, dass allein in Europa jährlich 1,3 Millionen Menschen verfrüht an den Folgen von Tabakkonsum sterben (WHO, Assmann-Stiftung).

Seit in immer mehr Ländern relativ rigide Rauchverbote im öffentlichen Raum eingeführt wurden, lassen sich die gesundheitlichen Folgen der Tabakkontrolle auch mit Zahlen belegen. So zeigte eine Metaanalyse zum Effekt von Rauchverboten, die Daten aus den USA, Italien, Kanada und Irland berücksichtigte, eine Verringerung der Klinikeinweisungen wegen Herzinfarkt um ein Fünftel (Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung, BVPG). Eine weitere Übersichtsarbeit analysierte elf Schlüsselstudien und fand eine Abnahme der Herzinfarktrate durch Rauchverbote um bis zu 47 Prozent (Institute of Medicine).

Der Nutzen körperlicher Bewegung

Neben dem Verzicht auf Zigarretten und der richtigen Ernährung ist körperliche Bewegung zumindest im Bereich der großen Volkskrankheiten die wichtigste Präventionsmaßnahme, die jeder selbst in der Hand hat. Regelmäßige körperliche Bewegung verringert das Risiko einer koronaren Herzerkrankung mit ihren Folgen wie Herzinfarkt oder chronischem Herzversagen. Bewegung wirkt sich auch positiv auf den Stoffwechsel aus und verbessert eine ganze Reihe von kardiovaskulären Risikofaktoren, darunter Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes und Übergewicht (Assmann-Stiftung). Etwas jüngeren Datums ist die Erkenntnis, dass regelmäßige körperliche Bewegung mit einer geringeren Krebshäufigkeit assoziiert ist und einen günstigen Einfluss auf den Verlauf von Tumorerkrankungen nehmen kann. Vor allem für den Brustkrebs und den Darmkrebs ist der schützende Einfluss körperlicher Bewegung gut belegt. (Deutsches Krebsforschungszentrum)

Wie viel körperliche Bewegung ist aus Präventionssicht optimal? Die meisten Fachleute empfehlen, fünfmal wöchentlich eine halbe Stunde oder – bei sehr intensivem Training – dreimal wöchentlich zwanzig Minuten Sport zu machen (Weltgesundheitsorganisation, American Heart Association, Assmann Stiftung, BVPG). Die Belastung sollte dabei vorzugsweise unter aeroben Bedingungen stattfinden. Beim aeroben Training wird der Muskulatur ausreichend Sauerstoff zugeführt, sodass sie nicht auf andere, ineffizientere Stoffwechselwege ausweichen muss. Was „aerob“ ist, lässt sich messen. Für den Alltag taugt auch eine einfache Regel: Aerob ist eine sportliche Betätigung dann, wenn zwar geschwitzt wird, aber nicht innerhalb von wenigen Minuten die Puste wegbleibt. 

Richtig essen ist gesund

Eine gesunde Ernährung ist ein wichtiger Hebel für die Prävention. Die wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen Ernährung und der Entstehung von Krankheiten sind allerdings relativ komplex, sodass sich auch Expertinnen und Experten oft schwer tun, zu sagen, in welchem Umfang ein ganz bestimmter Nahrungsbestandteil nun gesundheitsförderlich ist oder nicht.

Aus Sicht der Präventivmedizin geht es beim Thema Ernährung vor allem um zwei Dinge. Zum einen ist es wichtig, nicht zu viel und nicht zu kalorienreich zu essen. Denn dadurch kann es zu Übergewicht kommen, das mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen assoziiert ist. Außer der Menge ist auch die Zusammensetzung der Nahrung entscheidend. Eine vollwertige Ernährung erhöht das allgemeine Wohlbefinden und reduziert das Krebsrisiko und das metabolische Risiko, also die Gefahr von Stoffwechselerkrankungen wie etwa Typ-2 Diabetes.

Konkret empfohlen wird von Ernährungsexperten, sich nicht einseitig, sondern vielseitig und abwechslungsreich zu ernähren. Frisches Obst und Gemüse sollten reichlich, Fleisch und Fleischwaren sowie Fett und fettreiche Nahrungsmittel dagegen eher weniger zu sich genommen werden. Fischgerichte ein- bis zweimal die Woche sind vor allem im Hinblick auf eine Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos eine gute Wahl. Ballaststoffhaltige Nahrung wie Vollkornprodukte und Kartoffeln reduziert teilweise das Krebsrisiko. Generell hilft es, Mahlzeiten selbst zuzubereiten und möglichst auf Fertignahrungsmittel zu verzichten. (Deutsches Institut für Ernährung, BVPG)

  • Prävention

    Die Prävention ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Aktionsfeld für Gesundheitssysteme und medizinische Forschung geworden. Maßnahmen, die dazu beitragen, Krankheiten zu vermeiden und gesund zu bleiben, verringern individuelles Leid und leisten einen Beitrag, die medizinische Versorgung auf Dauer finanzierbar zu halten.
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  • Impfungen – Das schärfste Schwert der Prävention

    Prävention bedeutet, Krankheiten zu verhindern, bevor sie auftreten. Eine der wirkungsvollsten Präventionsmaßnahmen sind Impfungen. Sie schützen vor schweren Infektionen mit Viren und Bakterien, indem sie das Immunsystem bei seinem Kampf gegen die Keime unterstützen.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/impfungen-das-schaerfste-schwert-der-praevention.php)
  • Verhältnisprävention – Die Bedeutung des Milieus

    Die Verhältnisprävention zielt nicht auf das Verhalten des Einzelnen, sondern auf die Verhältnisse, in denen der Mensch lebt. Der Vorteil: Präventionsprogramme können gezielt dort ansetzen, wo das Risiko am höchsten ist.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/verhaeltnispraevention-die-bedeutung-des-milieus.php)
  • Früh erkannt ist halb behandelt

    Die Früherkennung von Erkrankungen, die schwere Folgen haben können, ist ein Sonderfall der Prävention, der zunehmend Bedeutung erlangt. Die Forschung kann helfen, die Frage zu beantworten, welche Früherkennungsangebote für den Einzelnen wirklich sinnvoll sind.
    [mehr] (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/frueh-erkannt-ist-halb-behandelt.php)

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