Vorhofflimmern - Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Der Sinusknoten ist der Taktgeber für den Herzrhythmus: Wenn wir uns anstrengen, erhöht er die Taktfrequenz. In Ruhe verringert er sie. Vom Sinusknoten breitet sich die elektrische Erregung wellenartig aus, zunächst über die Vorhöfe und dann über die Herzkammern. Überall, wo die Erregung ankommt, ziehen sich die Muskelzellen zusammen. Das Ganze ist so synchronisiert, dass das Herz mit jedem Herzschlag die optimale Blutmenge in den Kreislauf pumpt.

Manchmal rast und pocht und stolpert es

Bei einigen Menschen funktioniert dieses Reizleitungssystem nicht so ganz. Das häufigste Problem ist das Vorhofflimmern. Dabei breitet sich die elektrische Erregung nicht schön synchron über die Vorhöfe aus, sondern „kreist“ durch das Gewebe – eine Art Kurzschluss. Die Folge ist, dass die elektrische Erregung unregelmäßig und häufig recht schnell auf die Herzkammern übertragen wird. Die Kammern reagieren darauf, indem sie ihrerseits unregelmäßig schlagen. Manche Patienten spüren das gar nicht. Andere empfinden ein Herzrasen oder Herzstolpern, oder sie beschreiben ein unangenehmes Pochen in der Brust. Wie oft das auftritt, ist unterschiedlich. Bei manchen hört es gar nicht mehr auf. Experten reden dann von „permanentem Vorhofflimmern“. Andere haben das Problem nur ab und zu. Das Vorhofflimmern ist „intermittierend“.

Warum spielt der Vorhof verrückt?

Wie einige andere Herzerkrankungen ist auch das Vorhofflimmern im höheren Alter häufiger als bei jungen Erwachsenen. Das Alter ist aber nicht die einzige Ursache dafür, dass der Vorhof verrücktspielt. Die wichtigsten Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern einhergehen, sind der Bluthochdruck und die koronare Herzerkrankung. Auch hormonelle Faktoren können Vorhofflimmern begünstigen. So kontrollieren Ärzte bei neuem Vorhofflimmern zum Beispiel immer die Schilddrüsenhormone.

Weil Vorhofflimmern so eng mit dem Alter und mit hohem Blutdruck zusammenhängt, wundert es nicht, dass es in Industrienationen immer häufiger wird. Manche sprechen bereits von einer neuen Epidemie oder Volkserkrankung. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie schätzt, dass derzeit etwa 800.000 Menschen in Deutschland Vorhofflimmern haben. In den kommenden 50 Jahren könnte sich die Häufigkeit verdoppeln.

Das Behandlungsspektrum wird breiter

Angesichts dieser Zahlen wundert es nicht, dass neue Behandlungskonzepte bei Vorhofflimmern seit Jahren ein wichtiges Forschungsgebiet für die klinische Forschung in der Kardiologie sind. Bei kaum einer anderen Herzerkrankung hat sich in letzter Zeit so viel getan. Eine wichtige Neuerung ist beispielsweise die Katheterbehandlung („Ablation“), die bei einem Teil der Patienten die Beschwerden deutlich lindern kann. Auch wurden neue Medikamente zugelassen, die eine bessere Kontrolle des Herzrhythmus versprechen als bisher eingesetzte Präparate. Um Auswirkungen und Anwendung dieser neuen Therapieverfahren zu evaluieren, sind Patientenregister nötig. Sie liefern die nötigen Verlaufsdaten für eine effektive Versorgungsforschung.

Vorhofflimmern kennen, Schlaganfälle verhindern

Das Vorhofflimmern ist nicht nur deswegen so wichtig, weil es immer häufiger wird. Es kann für die Patienten auch gravierende Konsequenzen haben. Zwar ist es an sich nicht lebensbedrohlich. Das Herz kommt damit klar, auch auf Dauer. Die Gefahr besteht allerdings darin, dass  sich innerhalb des Vorhofs Blutgerinnsel („Thromben“) bilden, die bei einem normal aktiven Vorhof nicht entstehen würden. Im ungünstigsten Fall können sich diese Gerinnsel von der Vorhofwand lösen und werden dann mit dem Blutstrom in Richtung Gehirn weitergeleitet. Das Resultat ist ein Schlaganfall, dessen Schweregrad davon abhängt, wie groß das verstopfte Blutgefäß im Gehirn ist.

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft schätzt, dass pro Jahr bis zu 40.000 Schlaganfälle in Deutschland auf diesen Mechanismus zurückzuführen sind – eine enorme Zahl. Die meisten dieser Schlaganfälle ließen sich verhindern, wenn die Patienten rechtzeitig erkannt würden und konsequent blutverdünnende Medikamente einnähmen. Wie sich der Anteil der optimal behandelten Patienten erhöhen lässt, ist ein wichtiger Fokus der Versorgungsforschung zum Vorhofflimmern.

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