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Prozessbezogene, kontextsensitive Entscheidungsunterstützung und Simulation zur Therapieunterstützung am Beispiel chronischer Wunden (PosiThera)

Chronische Wunden treten als Folge oder Begleiterscheinung diverser Erkrankungen wie z.B. Diabetes, Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen sowie bei langfristiger Immobilität auf. In Deutschland leiden drei bis vier Millionen Menschen unter chronischen Wunden. Bedingt durch den demographischen Wandel ist die Tendenz steigend. Wunden, die dauerhaft nicht abheilen, sind verantwortlich für Amputationen und Todesfälle. Darüber hinaus sind sie pflege- und kostenintensiv. Für die Versorgung eines Patienten mit chronischen Wunden veranschlagen Experten einen durchschnittlichen Kostenaufwand von 800 Euro pro Monat. Die Versorgung von chronischen Wunden ist eine interdisziplinäre, intersektorale und Berufsgruppen übergreifende Aufgabe. Die Abläufe erfordern ein hohes Maß an Abstimmung zwischen Krankenhausabteilungen, Medizinern und Pflegekräften sowie den stationären und ambulanten Therapeuten. Durch Kommunikations- und Dokumentationslücken wird heutzutage in vielen Fällen das optimale Therapieziel für den jeweiligen Patienten verfehlt oder verspätet erreicht. Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung einer innovativen Software zur therapiebegleitenden Entscheidungsunterstützung und zur Simulation von Behandlungsansätzen. Leitlinien zur Wundversorgung, die in einer Wissens- und Terminologiedatenbank gespeichert sind, und Informationen über Grunderkrankung und Krankheitsverlauf aus der elektronischen Patientenakte werden durch die Software PosiThera kombiniert. Patientenspezifische Handlungsempfehlungen zur Festlegung der nächsten Therapieschritte für die Wundversorgung werden als Ergebnis an den Anwender gegeben. Verschiedene Behandlungspfade können zur Wahl der optimalen Therapie simuliert werden. Die Darstellung wird auf den jeweiligen Versorgungsschritt (Diagnose, Therapie und Nachsorge) und Akteur (Hausarzt, Facharzt, Pflegekraft) zugeschnitten. Eine serverbasierte Architektur ermöglicht den stationären und ambulanten Einsatz. Durch den integrativen Ansatz stellt PosiThera sicher, dass interdisziplinäres Wissen in den Therapieprozess einfließt und zu einer hochqualitativen Wundversorgung führt. Zum Projektende steht ein evaluierter Demonstrator der Software zur Verfügung. Dieser soll anschließend von der ATACAMA Software GmbH zur Marktreife weiter entwickelt werden. Das zu entwickelnde Medizinprodukt soll als eigenständige Software für mobile Endgeräte nutzbar sein, sich darüber hinaus aber auch in bestehende Krankenhausinformations- und Praxissysteme integrieren lassen.