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Advanced Fluid Control For Minimal Invasive Surgery (AFluCoMIS)

Die minimal-invasive Chirurgie (MIC) ist mit weltweit 13,2 Millionen Operationen pro Jahr eine inzwischen weit verbreitete Operationsmethode und erlaubt den Zugang zum Körperinneren über nur wenige und örtlich begrenzte kurze Schnitte. Die MIC zeichnet sich neben vielen weiteren Vorteilen vor allem durch eine wesentlich reduzierte Narbenbildung sowie durch eine raschere Rückbildung von operationsbedingten Schmerzen aus. Die Genesungs-zeit des Patienten verkürzt sich erheblich.

Für den Operationserfolg bei der MIC ist allerdings ein differenziertes Zusammenspiel der eingesetzten Instrumente und Techniken von großer Bedeutung. Neben Endoskopie und radiologischer Bildgebung gehört dazu vor allem das Flüssigkeitsmanagement. Während eines minimal-invasiven Eingriffes müssen kontinuierlich Spüllösungen in das Operationsgebiet gebracht und wieder abgesaugt werden. Um intraoperative Schwellungen sowie postoperative Komplikationen, etwa aufgrund von Einblutungen, organbezogenen Unterkühlungen oder einer eingetrübten Sicht während der Operation, zu vermeiden, sind große Sorgfalt und permanente Kontrolle vonnöten. Durch menschliches Versagen kommt es heute immer noch zu derartigen Komplikationen.

Im Rahmen des beantragten Projektes soll der Prototyp eines vernetzten Operations-Gerätesystems entwickelt und umgesetzt werden, der insbesondere für ein patienten- und fallspezifisches Flüssigkeitsmanagement bei MIC-Eingriffen sorgen soll. Die technologische Herausforderung besteht vor allem darin, alle im Operationsprozess anfallenden Patienten-, Diagnose-, Therapie- und Gerätedaten kontinuierlich aufzunehmen und zu bewerten. Auf dieser Basis sollen die während des Eingriffes eingesetzten Saug- und Spülgeräte und andere Zusatzgeräte optimal auf den Patientenzustand, das Operationsgebiet und den Operationsverlauf abgestimmt werden.

In Verbindung mit einer Steuerungs- und Regelungstechnik, die dafür eigens zu entwickeln ist, können die gegenwärtig immer noch auftretenden Komplikationen für den Patienten nach minimal-invasiven Eingriffen in Zukunft effektiv verringert werden. Darüber hinaus kann das integrierte Leitsystem mit seinen telemedizinischen Assistenzfunktionen sowohl die Planung als auch die Durchführung minimal-invasiver Eingriffe nachhaltig verbessern.

Weitere Vorteile für den Patienten, das Operationsteam und den Therapeuten entstehen durch die Möglichkeit zur digitalen Vernetzung mit medizinischen Fachkollegen. So kann sich der Operateur während des Eingriffes andere Experten außerhalb des OP-Saals hinzuziehen und die Verlaufsdaten der Operation mit qualitätsgesicherten Behandlungsstandards abgleichen. Auch die Vor- und Nachsorge kann einrichtungs- und sektorenübergreifend als integrierte Versorgungsleistung organisiert und sichergestellt werden.