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Das Virus in Sub-Sahara-Afrika bekämpfen

Der routinemäßige Nachweis von SARS-CoV-2 ist eine wichtige Voraussetzung dafür, den Erreger einzudämmen. Das Gesundheitsforschungsnetzwerk ANCOS schafft diese Möglichkeit in den ländlichen, oft ärmeren Regionen Afrikas.

Das Krankenhaus Kisantu in der Demokratischen Republik Kongo ist einer der Studienstandorte von ANCOS und ANDEMIA.

Das Krankenhaus Kisantu in der Demokratischen Republik Kongo ist einer der Studienstandorte von ANCOS und ANDEMIA.

Dr. Grit Schubert

Auch in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara breitet sich das Coronavirus SARS-CoV-2 rasant aus. In den zumeist durch Armut geprägten Regionen fehlt allerdings vielerorts die Möglichkeit, den Erreger nachzuweisen. „Angesicht der derzeitigen Pandemie ist es dringend erforderlich, einen Test auf SARS-CoV-2 für Menschen mit akuten respiratorischen Symptomen auch in diesen Regionen Afrikas anbieten zu können. Denn nur wenn die Verbreitung des Virus überwacht wird, können wir die Menschen schützen, indem wir drohende Ausbruchgeschehen und Risikogebiete erfolgreich erfassen“, erläutert Dr. Grit Schubert.

Die Wissenschaftlerin des Robert Koch-Instituts koordiniert das deutsch-afrikanische Gesundheitsforschungsnetzwerk ANCOS (Afrikanisches Netzwerk für Coronavirus Surveillance). Ziel dieses Netzwerkes ist es, den routinemäßigen Nachweis von SARS-CoV-2 in den Laboren der Public Health-Institute und Universitätskliniken in Burkina Faso, Côte d’Ivoire, in der Demokratischen Republik Kongo und in Südafrika zu etablieren, sowie mittels mobiler Sequenziertechniken vor Ort genomische Forschungsdaten zur Verbreitungsdynamik des Virus zu generieren. Eine schnelle Einführung der entsprechenden Tests wird durch die enge Anbindung an das bereits seit 2017 erfolgreich laufende „African Network for the Detection, Epidemiology and Management of common Infectious Agents“ (ANDEMIA) möglich, welches ebenso wie ANCOS durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Adja Traore von der Elfenbeinküste trainiert am Robert-Koch-Institut den Umgang mit der mobilen MinION-Technik, mit der SARS-CoV-2 sequenziert wird.

Adja Traore von der Elfenbeinküste trainiert am Robert-Koch-Institut den Umgang mit der mobilen MinION-Technik, mit der SARS-CoV-2 sequenziert wird.

Andreas Sachse

Ziel von ANDEMIA ist es, respiratorische und gastrointestinale Krankheiten und akute Fieber unbekannten Ursprungs sowie die Ausbreitung von multiresistenten Erregern in Sub-Sahara Afrika zu bekämpfen. Denn im Vergleich zu anderen Regionen der Welt verursachen diese Erkrankungen hier unverhältnismäßig viele Krankheits- und Todesfälle, insbesondere bei Kindern. Um die jeweiligen Krankheitserreger gezielt nachweisen zu können, wurden daher bereits in den vergangenen Jahren an allen 12 ANDEMIA-Standorten entsprechende Laboruntersuchungen von Blut- und Nasenabstrichen etabliert. Das wird es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern voraussichtlich auch ermöglichen, die Patientenproben aus den vergangenen Monaten nachträglich auf SARS-CoV-2 zu testen und so die Ausbreitung rückwirkend zu erfassen, um gezielte Gegenmaßnahmen für kommende Ausbruchsgeschehen zu entwickeln.

Ein weiterer wichtiger Ansatz der Forschenden liegt darin, mögliche Ko-Infektionen mit anderen Krankheitserregern nachzuweisen und zu untersuchen, inwiefern diese den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung beeinflussen können.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung öffnete zu Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie das Rapid Response Modul der „Richtlinie zur Förderung eines Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten“ für einen Förderaufruf zur Erforschung von Covid-19. Ab dem 3. März 2020 konnten Forschende Anträge stellen, um zum Verständnis des Virus und dessen Ausbreitung beizutragen sowie um therapeutische und diagnostische Ansätze gegen Covid-19 zu entwickeln.