Verbund

Digitale Therapie der Lese-Rechtschreibstörung (Prosodiya)

In Deutschland sind 4 bis 8 Prozent der Bevölkerung von einer Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche = LRS) betroffen. Die korrekte Beherrschung der Schriftsprache ist jedoch eine Schlüsselkompetenz. Erhebliche Defizite wirken sich auf die mentale Gesundheit und soziale Inklusion des Einzelnen sowie die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Prosperität der Gesellschaft aus. Oft erhalten Betroffene zusätzliche psychiatrische Diagnosen, was erhebliche Kosten im Gesundheitssystem verursacht. Demgegenüber sind in der Regel gute Begabungen in anderen Bereichen vorhanden, die ungenutzt bleiben, weil die Schullaufbahn durch mangelhafte Rechtschreibung negativ beeinflusst wird. Dieses Wirkungsgefüge nachhaltig zu durchbrechen, ist durch die bestehenden Angebote bisher nicht effizient gelungen. Die Verfügbarkeit von Therapieplätzen ist nicht flächendeckend möglich und darüber hinaus ist die Behandlung sehr kostenintensiv.

Die Projektpartner des Verbundprojekts Prosodiya haben sich zum Ziel gesetzt, die erste wissenschaftlich basierte und umfassende digitale LRS-Therapie in Deutschland zu entwickeln und therapeutisch zu demonstrieren. Konventionelle Lerninhalte digital zu vermitteln ist in der pädagogischen Praxis Standard und wissenschaftlich evaluiert. Bei therapeutischen Methoden ist die klassische Therapiestunde dagegen nach wie vor Stand der Dinge. „Prosodiya“ will dieses Dogma durchbrechen und auch für therapeutische Aufgaben auf die angeborene Intuition und Neugier der Nutzer setzen. Es soll eine wirksame und zugleich kosteneffiziente Form der Therapie geschaffen werden, die beliebig skalierbar ist. Der Therapeut wird synergetisch unterstützt. Dadurch wird eine flächendeckende Therapie ohne ständige Verfügbarkeit des Therapeuten möglich.

„Prosodiya“ baut auf mehreren funktionalen Modulen auf. Die Systembasis soll an eine Spielidee angelehnt werden. Therapeutisch wird der Fokus auf Sprachrhythmus gesetzt. Erstmalig sollen multimodale Elemente (vor allem körpereigene Gedächtnisstützen) in die Therapieeingebunden werden.

Das innovative Therapieprogramm soll auf einem bereits evaluierten Lehr- und Lernmodell aufsetzen. Eine bereits im Vorschulalter greifende Eingangsdiagnostik wird erarbeitet. Die Ergebnisse sollen nach Projektende zu einer Medical-App für mobile Geräte weiterentwickelt und durch die TIL GmbH vermarktet werden.