Verbund

Digitales Therapiesystem für hochgradig Hörgeschädigte (THERESIAH)

Förderkennzeichen: 13GW0209 A-D
Fördersumme: 2.062.258 EUR
Förderzeitraum: 2018 - 2021
Projektleitung: Dr. Jörg-Hendrik Bach
Adresse: HörTech gGmbH
Marie-Curie-Str. 2
26129 Oldenburg

Patienten, die ertaubt sind bevor die Sprachentwicklung eingesetzt oder vollständig abgeschlossen ist, haben häufig neben der Hörschädigung, die unter Umständen durch Cochlea-Implantate behandelt werden kann, auch Probleme bei der Artikulation bzw. Aussprache. Aufgrund der starken Schwerhörigkeit oder Taubheit kann die eigene Stimme nur noch eingeschränkt mit den eigenen Ohren wahrgenommen werden. Die Patienten haben also nur geringe Möglichkeiten, die eigene Aussprache zu hören und zu überprüfen.

In Deutschland sind etwa eine Million Menschen von einer hochgradigen Hörstörung betroffen. Bei Patienten, die ein Cochlea-Implantat erhalten, wird postoperativ eine logopädische bzw. sprachtherapeutische Rehabilitation unternommen, um das Sprechen zu trainieren. Die Therapie ist bislang nicht bei allen Patienten erfolgreich. Ein wichtiger Baustein, der bei der Behandlung fehlt, ist das Mentoring der Patienten bei der Anwendung der Sprachübungen im Alltag. Zudem haben Patienten, die keine CI-Implantation erhalten, sondern ein klassisches Hörgerät, bislang keinen Anspruch auf die Therapie.

Das Projekt THERESIAH hat das Ziel, den Rehabilitations- bzw. Präventionserfolg insgesamt zu erhöhen und die therapeutischen Angebote einer breiteren Schicht von Betroffenen zugänglich zu machen. Hierzu wird eine Therapiesoftware entwickelt, die die Aussprache der Patienten automatisch erkennt und bewertet und Lektionen zum eigenständigen Training der Aussprache enthält. Das im Projekt zu entwickelnde digitale Gesamtsystem besteht aus Softwaremodulen zur Aussprachebewertung sowie zur Durchführung von Hör- und Sprechübungen, auf Basis eines PCs oder Tablet-PCs mit Hör-Sprechgarnitur und Anbindung eines Elektromyographen (EMG) sowie eines speziell darauf abgestimmten selbstadaptierenden Trainingsprogramms.

Das System bietet zudem den Ärzten und Logopäden innerhalb derselben Software einen Profi-Modus, der einerseits dem Patienten ermöglicht, sowohl bei der ambulanten Reha wie auch zuhause mit demselben Trainingsprogramm zu arbeiten, andererseits dem Therapeuten Einfluss auf die Steuerung des Trainings gibt, um die Rehabilitation individuell auf den Patienten abzustimmen. Mit dem angestrebten Medizinprodukt soll die Effektivität und Effizienz der Gesundheitsversorgung im Bereich der Hör- und Sprachstörungen erhöht werden.