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Digitales Unterstützungssystem für die patientenspezifische Cochlea-Implantat-Therapie (my-CI)

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit 250 Millionen Menschen an Hörverlust. In Deutschland sind über 16 Millionen Bundesbürger davon betroffen – Tendenz steigend. Cochlea-Implantate (CI) können bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit eine Therapieoption sein. In Deutschland erhalten etwa 3.000 bis 4.000 Patienten ein Cochlea-Implantat, insgesamt hören hierzulande etwa 30.000 Menschen mit dieser Unterstützung. Eine CI-Versorgung ist dann angezeigt, wenn mittels bester herkömmlicher schallverstärkender Hörgeräte kein ausreichendes Sprachverstehen mehr erzielt werden kann. Das ist bei zerstörten Haarzellen der Fall. Über eine elektrische Reizung des Innenohres wird ein Höreindruck vermittelt, der über den intakten Hörnerv ins Gehirn geleitet wird.

Bisher ist es für Mediziner eine große Herausforderung, die Tiefe festzulegen, in der die CI-Elektrode in das Innenohr der Patienten vorgeschoben werden soll. Eine tiefe Einführung kann zum besseren elektrisch vermittelten Hören führen. Andererseits trägt eine zu tiefe Ein-bettung der Elektrode das Risiko, eines teilweisen oder völligen Verlustes der verbliebenen Hörleistung. Die Entscheidung ist bislang abhängig von der Erfahrung des Operateurs und wird aufgrund einer Vielzahl an zur Verfügung stehenden Implantatmodellen, Elektrodendesigns- und –längen immer komplexer. Ziel dieses Vorhabens ist es, eine digitale und objektive Entscheidungshilfe zu entwickeln, die Mediziner und Audiologen darin unterstützt, herauszufinden, ob ein Cochlea-Implantat bei Patienten eine Therapieoption wäre und in wel-cher Tiefe ein entsprechendes Gerät den größten Therapieerfolg verspricht.

Die Softwarelösung soll als App nicht nur spezialisierten Kliniken, sondern auch niedergelassenen Ärzten und Hörgeräteakustikern helfen, auf der Basis von Versorgungsdaten eine vernünftige Entscheidung zu treffen, ob und welche CI-Modelle sich für den Patienten eignen und wie tief sie eingesetzt werden.

Grundlage hierfür sind die patientenindividuellen Daten, aber auch die Analyse von Versorgungsdaten und Expertenwissen.

Die App verspricht zielgerichtet und kostengünstig eine Steigerung der Qualität der Patientenversorgung. Durch eine optimale Diagnostik und datenbasierte Therapieentscheidung können eine langjährige unzureichende Behandlung und damit einhergehende kognitive Folgeschäden verhindert werden. Der schnelle Zugang zu hochspezifischem Expertenwissen und Versorgungsdaten – insbesondere auch in ländlichen Regionen – ermöglicht die Qualität der Therapie auch in nicht-spezialisierten Kliniken und Versorgungszentren zu erhöhen. Damit wird langfristig eine Verbesserung des individuellen Versorgungserfolgs erreicht.