Geistig fit mit Omega-3-Fettsäuren und Resveratrol

Omega-3-Fettsäuren und der Pflanzenstoff Resveratrol können die Leistungsfähigkeit des Gehirns verbessern und seiner Degeneration entgegenwirken. Dafür sprechen die Ergebnisse einer durch das Bundesforschungsministerium geförderten Studie.

Ein älteres Paar spielt Schach.

Bestimmte Nahrungsbestandteile können das Gehirn schützen und seine Leistungen verbessern.

DLR Projektträger / BMBF

Das besondere Interesse der Ärztin Prof. Agnes Flöel gilt den Omega-3-Fettsäuren sowie einem Pflanzenstoff namens Resveratrol. Letzterer gehört zu den so genannten „Kalorienbeschränkungs-Mimetika“: Er ruft im Körper ähnliche Wirkungen hervor, wie sie bei einer Kalorienbeschränkung – etwa infolge stark verminderter Nährstoffaufnahme – beobachtet werden.

Es gibt eine Reihe von wissenschaftlichen Belegen dafür, dass sich sowohl die Omega-3-Fettsäuren als auch die Kalorienbeschränkungs-Mimetika positiv auf das Herz-Kreislauf-System sowie den Fett- und Cholesterinstoffwechsel auswirken. Demnach schützen sie ebenfalls vor entzündlichen Prozessen sowie Krebs und verlängern die Lebenserwartung von Zellen. Diese Effekte wurden vor allem in Zellkulturen und Tierversuchen beobachtet. Was fehlt, sind aussagekräftige Untersuchungen mit Menschen. Diese Lücke will Prof. Agnes Flöel schließen. „Unsere Zielgruppe sind ältere Menschen, die langsam vergesslich werden und leichte kognitive Einschränkungen haben, aber noch nicht dement sind“, so die Leiterin der neurologischen Abteilung der Universitätsklinik in Greifswald. Leichte kognitive Einschränkungen äußern sich beispielsweise durch ein Nachlassen der Gedächtnisleistung. Sie stellen im Alltag keine Behinderung dar, überschreiten aber das normale Maß der Altersvergesslichkeit.

Interventionsstudie zur Wirkung von Omega-3-Fettsäuren und Resveratrol

Prof. Agnes Flöel konnte mehr als 100 Männer und Frauen zwischen 50 und 75 Jahren zur Teilnahme an einer Interventionsstudie gewinnen. Eine Gruppe nahm ein halbes Jahr lang täglich Resveratrol mit den Mahlzeiten ein, eine zweite dagegen Fischöl, das reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Eine Kontrollgruppe erhielt wiederum wirkstofffreie Kapseln. Vor Beginn und nach Abschluss der Studie absolvierten die Freiwilligen verschiedene Gedächtnistests und ließen sich mittels Magnetresonanztomographie untersuchen.

Die in den drei unterschiedlichen Gruppen erfassten Daten unterscheiden sich deutlich. Studienleiterin Prof. Agnes Flöel fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen: „Die Omega-3-Fettsäuren hatten einen positiven Einfluss auf die Struktur und Verbindung von Hirnarealen, die für Gedächtnisleistungen zuständig sind. Das spiegelte sich auch in den Testergebnissen wider: Unsere Probandinnen und Probanden schnitten nach der Studienzeit signifikant besser ab als vorher. Besonders deutlich zeigten sich diese Effekte, wenn es darum ging, sich möglichst schnell auf neue Situationen einzustellen und neue Aufgaben rasch und richtig auszuführen.“ Dagegen ließen sich durch die Einnahme von Resveratrol vor allem die Gedächtnisleistungen verbessern.

Ein hoher Blutzuckerspiegel wirkt sich negativ auf die Gehirnleistungen aus

Umgekehrte Effekte hatte Glukose. Dies zeigte die Untersuchung gesunder älterer Frauen und Männer, die nicht an der Berliner Studie teilgenommen, aber eine Blutprobe abgegeben und sich per Gedächtnistests und Magnetresonanztomographie untersuchen hatten lassen. Flöels Team bestimmte im Blut die Menge an Glukose, die an den roten Blutfarbstoff gebunden ist – denn sie gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der zurückliegenden vier bis zwölf Wochen. Je höher der Anteil dieses „Langzeit-Blutzuckers“ war, desto schlechter fielen die Gehirnleistungen der Testpersonen aus, und umso schlechter war der Zustand der untersuchten Hirnstrukturen.

„Dies betrifft wohlgemerkt gesunde ältere Menschen ohne Typ 2-Diabetes mit einem normalen Blutzuckerspiegel“, betont Prof. Agnes Flöel: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch diese Menschen durch eine dauerhafte leichte Senkung des Blutzuckerspiegels ihre Gedächtnisleistungen im Alter erhalten könnten“, kommentiert Flöel ihre Studie. „Dies können gesunde Personen erreichen, indem sie – vor allem im mittleren Lebensalter – Übergewicht vermeiden, reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Fisch essen sowie regelmäßig körperlich aktiv sind. Um gesicherte Aussagen zu treffen, sind allerdings noch weiterführende Studien nötig.“

Omega-3-Fettsäuren kombiniert mit körperlicher und geistiger Aktivität bieten zusätzlichen Schutz

Prof. Agnes Flöel ist überzeugt, dass die Möglichkeiten für Erhalt und Verbesserung von Gehirnleistungen noch längst nicht ausgeschöpft sind. „Wir haben zunächst überprüft, ob Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen zusätzlich profitieren, wenn sie die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren mit regelmäßiger körperlicher und geistiger Aktivität kombinieren.“ Ihre Versuchsergebnisse legen diese Vermutung nahe. „Bei Demenzerkrankungen – aber auch im Alter – nimmt das Volumen des Gehirns ab. Die von uns untersuchte Kombination aus Omega-3-Fettsäuren und körperlicher sowie geistiger Aktivität mildert diesen Prozess ab. Und sogar mehr als das: Bei einigen Probandinnen und Probanden konnten wir eine erneute Zunahme des Hirnvolumens beobachten“, ergänzt die Neurologin. Ob sich durch diese Volumenzunahme auch die Leistungsfähigkeit des Gehirns verbessert, konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dieser Versuchsreihe allerdings nicht klären. Dafür planen sie eine Studie mit mehr Teilnehmenden, die über einen größeren Zeitraum läuft.

Rotwein ist gesund. Stimmt´s?

In Frankreich ist die Lebenserwartung höher und das Herzinfarktrisiko niedriger als in Deutschland – obwohl man dort ebenso fettreich isst und sogar mehr raucht als hierzulande. Das „französische Paradox“ gibt seit Jahren Anlass zu Spekulationen, dass der – mäßige, aber regelmäßige – Genuss von Rotwein gesund hält. Viele seiner rund 500 Inhaltsstoffe können nachweislich die Gesundheit fördern, darunter auch das in hohen Konzentrationen enthaltene Resveratrol. Um dessen positive Effekte auf Gehirnstrukturen und Gedächtnisleistungen nutzbar zu machen, sollte man allerdings nicht auf Rotwein zurückgreifen, warnt Prof. Agnes Flöel: „Um die nötige Dosis zu erreichen, müsste man täglich viele Liter Wein trinken. Das ist natürlich völlig absurd. Die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Alkohols würden mögliche positive Effekte des Resveratrol bei weitem übertreffen.“