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Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz: Angemessen aufgestellt für den Fall der Fälle?

Wie sind Organisationen des Bevölkerungsschutzes auf eine gesundheitliche Notlage wie die Corona-Pandemie vorbereitet, wie können sie am wirkungsvollsten unterstützen? Dazu erarbeiten Forschende an der FU Berlin im Projekt BePal konkrete Vorschläge.

Einsatzkräfte in einem Rettungswagen

Bei einer gesundheitlichen Notlage wie der Corona-Pandemie sind Organisationen und Einsatzkräfte des Bevölkerungsschutzes besonders gefragt.

ASB

Schnell und verlässlich informieren, effizient schützen und helfen – das ist Aufgabe des Bevölkerungsschutzes und gilt in einer gesundheitlichen Notlage ganz besonders. In der Bekämpfung der aktuellen Corona-Pandemie sind Institutionen wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und Organisationen wie das Technische Hilfswerk, das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund, Rettungsdienste und Feuerwehren wichtige Mittler zwischen Behörden und Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie der Öffentlichkeit. Auf welche Kapazitäten und Potenziale sie bei dieser Aufgabe zurückgreifen können, analysieren Forschende der Katastrophenforschungsstelle (KFS) an der Freien Universität Berlin zusammen mit Partnern aus der Praxis des Bevölkerungsschutzes im Projekt BePal. Ihre Erkenntnisse sollen in konkrete Empfehlungen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst und die im Bevölkerungsschutz tätigen Organisationen münden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Professor Dr. Martin Voss haben ihre Untersuchungen so angelegt, dass sie flexibel an die jeweilige Pandemieentwicklung angepasst werden können. In einem ersten Schritt geht es zunächst um die Aufarbeitung des gegenwärtigen Forschungsstandes zu den rechtlichen, administrativen und sozio-historischen Grundlagen des gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes. „Anders als der Zivilschutz liegt der Katastrophenschutz ebenso wie die Eindämmung der Pandemie in der Zuständigkeit der Bundesländer – mit allen Vor- und Nachteilen, die eine föderale Aufgabenverteilung mit sich bringt“, beschreibt Voss.

Bei einem gesundheitlichen Notstand wie dem Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 greifen die Tätigkeiten der Organisationen und Mitarbeitenden des Zivil- und Katastrophenschutzes aber in vielfältiger Hinsicht ineinander. In Führungs- und Krisenstäben, in den Bereichen Medizin und Pflege, Betreuung, Transport und Logistik oder auch bei bundesweit eingerichteten Hotlines und Krisentelefonen arbeiten die verschiedenen Akteure eng zusammen. Diese Unterstützungsleistungen werden in BePal im Dialog mit betroffenen Akteuren analysiert, beispielsweise im Rahmen von Workshops, Begehungen vor Ort oder Interviews.

Wie die Mitarbeitenden in Kliniken und Pflegeeinrichtungen gelten diese meist ehrenamtlichen Einsatzkräfte als systemrelevant und sind in der gegenwärtigen Krise zugleich einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Auf diesen Aspekt und darauf, wie eine Unterstützung durch Hilfsorganisationen auch bei eigener Betroffenheit sichergestellt werden kann, richten die Forschenden ebenfalls besonderes Augenmerk. „Am Ende unserer Arbeiten werden wir konkrete Vorschläge unterbreiten können, welche Einsatzszenarien und -optionen, aber auch Veränderungen und Anpassungen notwendig sind, um den gesundheitlichen Bevölkerungsschutz angemessen aufzustellen“, beschreibt Voss das Ziel von BePal. „Dies gilt für die aktuelle Lage, aber auch für den Fall künftig auftretender Infektionskrankheiten und Pandemien.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung öffnete zu Beginn der SARS-CoV-2 Pandemie das Rapid Response Modul der „Richtlinie zur Förderung eines Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten“ für einen Förderaufruf zur Erforschung von Covid-19. Ab dem 3. März 2020 konnten Forschende Anträge stellen, um zum Verständnis des Virus und dessen Ausbreitung beizutragen sowie um therapeutische und diagnostische Ansätze gegen Covid-19 zu entwickeln und um ethische, rechtliche und sozio-ökonomische Implikationen (ELSA) im Zusammenhang mit der Pandemie zu erforschen.