Dossier

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Unter dem Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße zusammengefasst. Es handelt sich in der Regel um chronische Erkrankungen, die schwere Folgen haben können, wenn sie nicht konsequent behandelt werden.

Eine Kardiologin führt einen Herzultraschall an einem Patienten durch.

Der Herzultraschall gibt Aufschluss über Struktur und Funktion des Herzens.

DLR Projektträger / BMBF

Mechanistisch gesehen ist das Herz eine Pumpe, die bei einem durchschnittlich trainierten und durchschnittlich großen Menschen pro Tag rund 7.000 Liter Blut durch den Körper bewegt. Mit dem Blut transportiert der Körper Nährstoffe und Sauerstoff zu den Organen. Allein das menschliche Gehirn als der Großverbraucher unter den Organen beansprucht etwa ein Fünftel des gesamten Blutvolumens.  Bei den meisten Menschen schlägt das Herz zwischen 60 und 90 Mal pro Minute. Ein Achtzigjähriger hat also normalerweise zwischen 2,5 und 3,8 Milliarden Herzschläge hinter sich.

Bis ins späte Mittelalter hinein hielt sich die antike Meinung, wonach das Blut im Körper verbraucht werde. Erst im Jahr 1628 beschrieb der englische Arzt William Harvey den Blutkreislauf, wie wir ihn heute kennen. Streng genommen verfügt der Mensch über zwei Blutkreisläufe, den großen Körperkreislauf, der vom linken Herz versorgt wird und den kleinen Lungenkreislauf, den das rechte Herz versorgt.

Die wichtigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Überblick

Zahlen des Statistischen Bundesamt zufolge war im Jahr 2008 jede sechste bis siebte Entlassdiagnose in deutschen Krankenhäusern eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Vier von zehn Todesfällen in Deutschland sind derzeit auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück zu führen. In anderen Industrienationen ist das ähnlich. Diese Zahlen schlagen sich auch in den Behandlungsstatistiken nieder: Acht der zwanzig im Jahr 2009 am häufigsten verordneten Medikamente waren Medikamente gegen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Auch wenn das Spektrum der Herz-Kreislauf-Erkrankungen breit ist, so sind es einige wenige Erkrankungen, die den größten Anteil daran ausmachen. Der Bluthochdruck ist die mit Abstand häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung. Etwa 20 Prozent aller Erwachsenen sind davon betroffen. Im Alter liegt die Quote deutlich höher. Die Nummer zwei unter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die koronare Herz-Erkrankung, eine von mehreren Erscheinungsformen der „Arterienverkalkung“  oder Atherosklerose. Über drei Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen. Etwa zwei Millionen Deutsche leiden an chronischem Herzversagen oder Herzinsuffizienz, einer Erkrankung, bei der die Pumpleistung des Herzens immer weiter nachlässt.

Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) bietet Forschenden einen Rahmen, um Ideen gemeinsam, besser und schneller umsetzen zu können. Dies geschieht mit dem Ziel, neue Ergebnisse möglichst schnell für alle Menschen verfügbar zu machen und Therapie, Diagnostik und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern. Das DZHK ist eines von sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten eingerichtet wurden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Folgen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind medizinisch und auch volkswirtschaftlich deswegen so bedeutsam, weil sie für den Patienten schwere Folgen nach sich ziehen können. So führen atherosklerotische Gefäßveränderungen bei einigen Menschen dazu, dass sich Blutgefäße verschließen. Passiert das am Herzen, erleiden die Betreffenden einen Herzinfarkt. Ein Gefäßverschluss im Gehirn führt zu einem Schlaganfall. Herzerkrankungen können außerdem die Funktion des Herzens selbst beeinträchtigen. Das äußert sich zum Beispiel durch Herzrhythmusstörungen wie das häufige Vorhofflimmern, das etwa eine Million Menschen in Deutschland betrifft.

Das Europäische Netzwerk Herz-Kreislauf-Erkrankungen („ERA-NET Cardiovascular Diseases“, kurz: ERA-CVD) vereint aktuell 23 Partner aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Ihr gemeinsames Ziel ist es, sowohl neue als auch bereits vorhandene Forschungsaktivitäten und -programme der beteiligten Länder zu koordinieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert dabei die Beteiligung der deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Herausforderung für Forschung und Gesundheitswesen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind für die Betroffenen oft schwerwiegend und für das Gesundheitswesen teuer. Und: Sie sind häufig vermeidbar. Forschung in diesem Bereich kann sich deswegen für das Individuum und für die Gesellschaft auszahlen. Im Bereich der Grundlagenforschung interessieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielsweise die genetischen Grundlagen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die molekularen Mechanismen, die dazu beitragen, dass das Herz oder die Blutgefäße Schaden davon tragen. Im Bereich der klinischen Forschung geht es um die Etablierung neuer Therapieverfahren. Und die Versorgungsforschung kümmert sich unter anderem um die Frage, wie Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen optimal betreut werden können, um schwerwiegende Folgen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Wassereinlagerung zu vermeiden.

Mit den Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren (IFB) baut das Bundesministerium für Bildung und Forschung Modellzentren zu wichtigen Krankheitsbereichen auf. In den Zentren werden Forschung und Patientenversorgung eng verzahnt, damit die Ergebnisse aus der Forschung schneller dem Menschen zu Gute kommen. Drei der insgesamt acht IFBs forschen im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen – beispielsweise zu den Themen Herzinsuffizienz, Thrombose und Schlaganfall.

Ergebnisse der Gesundheitsforschung

Ultraschall der Halsschlagader

Micro-RNA stabilisieren Ablagerungen

Kleine RNA-Schnipsel, sogenannte microRNA, können das Schlaganfallrisiko senken

Schwimmende Zebrafische

Selbstheilung von Zebrafischherzen

Forschende untersuchen, wie es Zebrafischen gelingt, Verletzungen ihres Herzens vollständig auszuheilen. Wenn sich ein solcher Mechanismus auch im menschlichen Herz aktivieren ließe, könnten Herzinsuffizienzen zukünftig wirkungsvoll vermieden werden.

Übergewichtige Frau beim Nordic Walking

Sport senkt Herz-Kreislauf-Risiko

Wer täglich sieben bis acht Minuten ins Schwitzen kommt, reduziert sein Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes bereits um 20 Prozent.

Ultraschalluntersuchung einer Schwangeren.

Schwangerschaft trotz Herzschwäche

Bromocriptin verbessert die Behandlung von schwangerschaftsbedingter Herzschwäche.