Herzversagen: Wenn die Leistung des Herzens nachlässt

Das Herz pumpt pro Minute etwa vier bis sechs Liter Blut durch den Körper. Leider funktioniert es aber nicht immer einwandfrei: Bei Menschen, die an Herzversagen leiden, hat das Herz Schwierigkeiten, diese Menge Blut durch den Kreislauf zu pumpen.

Verschiedene Medikamente in einer offenen Hand.

Zur Therapie einer chronischen Herzinsuffizienzstehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung.

DLR Projketträger / BMBF

Anfangs merken die Betroffenen das oft gar nicht. Erst wenn die Kompensationsmechanismen, über die das Herz verfügt, ausgeschöpft sind, kommt es zu Beschwerden. Wenn plötzlich die Luft beim Treppensteigen knapp wird oder wenn schon Spaziergänge zur Qual werden, dann ist Herzversagen ein möglicher Grund dafür. Auch sogenannte Ödeme, also Wassereinlagerungen in den Beinen, können auf eine Herzschwäche hindeuten. Die Ultraschalluntersuchung des Herzens („Echokardiographie“) ist in solchen Situationen ein wichtiges diagnostisches Werkzeug.

Akutes Herzversagen

Die Begriffe Herzversagen oder Herzinsuffizienz beschreiben einen Funktionsverlust des Herzens, der mannigfache Ursachen haben kann. Fachleute unterscheiden zwischen akutem und chronischem Herzversagen. Das akute Herzversagen ist relativ selten. Es kann zum Beispiel im Rahmen von Virusinfektionen auftreten, die das Herz in Mitleidenschaft ziehen („Herzmuskelentzündung", „Myokarditis“). Bei Patientinnen und Patienten mit akutem Herzversagen entwickelt sich relativ plötzlich Luftnot. Die Betreffenden - viele von ihnen sind vorher völlig herzgesund - können sich nicht mehr richtig belasten und kommen oft schnell in die ärztliche Praxis, weil sie Symptome dieser Art nicht kennen. Entzündungen des Herzmuskels sind schwere Erkrankungen, die sich aber bei den meisten Menschen unter richtiger Behandlung wieder vollständig zurückbilden.

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) „Prävention der Herzinsuffizienz und ihrer Komplikationen" trägt zu einer optimierten Therapie der Herzschwäche bei. Rund 120 Forschende aus der Medizin und den Naturwissenschaften arbeiten hier fächerübergreifend daran, die komplexen Krankheitsmechanismen zu entschlüsseln und neue Ansätze für Behandlung und Vorbeugung zu entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stärkt mit den IFBs den nachhaltigen Aufbau von umfassenden Zentren zu den wichtigen Krankheitsbereichen.

Chronisches Herzversagen ist eine Volkskrankheit

Zahlenmäßig weit bedeutender ist das chronische Herzversagen, die „chronische Herzinsuffizienz“. Sie entwickelt sich über Jahre hinweg und ist in einer alternden Gesellschaft eine der ganz großen medizinischen Herausforderungen. Es wird geschätzt, dass derzeit allein in Deutschland etwa 1,3 Millionen Menschen an einer chronischen Herzinsuffizienz leiden, mit stark steigender Tendenz. Die chronische Herzinsuffizienz gehört zu den häufigsten Anlässen für ambulante Arztbesuche. Seit 2008 ist sie auch der wichtigste einzelne Grund für akute Klinikeinweisungen in Deutschland.

Typisch für diese Erkrankung ist ein "wellenförmiger" Verlauf. Sind sie gut behandelt, leben die Patientinnen und Patienten im Alltag oft ohne größere Einschränkungen. Es kann aber immer wieder zu plötzlichen Verschlechterungen kommen. Im Fachjargon heißen dieser Ereignisse Dekompensationen: Die Luft wird knapper, die Beine schwellen an. Wird hier nicht rechtzeitig gegen gesteuert, muss stationär behandelt werden.

Die chronische Herzinsuffizienz ist die gemeinsame Endstrecke einer Reihe von Herzerkrankungen. Die wichtigste davon ist die koronare Herzerkrankung. Andere wichtige Ursachen sind verschiedene Gendefekte, die den Herzmuskel betreffen. Auch metabolische Faktoren aus dem Fettgewebe können sich ungünstig auf die Herzfunktion auswirken. Schließlich können auch Erkrankungen der Herzklappen und ein schlecht behandelter Bluthochdruck zum chronischen Herzversagen führen.

Engmaschige Betreuung ist das A und O

Für die Behandlung von Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz steht ein breites Spektrum an Medikamenten zur Verfügung. Mit ihnen lassen sich Krankenhauseinweisungen weitgehend verhindern. Zwei Herausforderungen gibt es dabei: Zum einen müssen Erkrankten konsequent erkannt und behandelt werden. Zum anderen sollten bestimmte Parameter, vor allem Gewicht und Blutdruck, engmaschig kontrolliert werden, um eine Verschlechterung rechtzeitig zu erkennen. Ein wichtiger Schwerpunkt der klinischen Forschung im Bereich Herzinsuffizienz ist deswegen die Entwicklung und Evaluierung neuer Versorgungskonzepte, die darauf abzielen, die ambulante Therapie zu optimieren. Beispiele sind der Einsatz von speziell geschultem Pflegepersonal sowie die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik zur Überwachung („Telemonitoring“).

Auch bei optimaler Betreuung kann leider nicht verhindert werden, dass sich die Herzfunktion bei einigen Patientinnen und Patienten so stark verschlechtert, dass nur eine Herztransplantation helfen kann. Technische Herzunterstützungssysteme („Herzpumpen“), die die Zeit bis zur Transplantation überbrücken können, stehen deswegen ebenfalls im Fokus der Herzinsuffizienzforschung.

Das Europäische Netzwerk Herz-Kreislauf-Erkrankungen („ERA-NET Cardiovascular Diseases“, kurz: ERA-CVD) vereint aktuell 23 Partner aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Ihr gemeinsames Ziel ist es, sowohl neue als auch bereits vorhandene Forschungsaktivitäten und -programme der beteiligten Länder zu koordinieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert dabei die Beteiligung der deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Ergebnisse aus der Gesundheitsforschung

Schwimmende Zebrafische

Selbstheilung von Zebrafischen

Forschende untersuchen, wie es Zebrafischen gelingt, Verletzungen ihres Herzens vollständig auszuheilen. Wenn sich ein solcher Mechanismus auch im menschlichen Herz aktivieren ließe, könnten Herzinsuffizienzen zukünftig wirkungsvoll vermieden werden.

DZHK-Forscher vom Standort Hamburg/Kiel/Lübeck züchten im Labor Herzgewebe aus umprogrammierten menschlichen Körperzellen.

Erfolge mit Herzgewebe aus dem Labor

Transplantation von menschlichem Herzgewebe auf kranke Tierherzen gelungen

Eine Person nimmt tiefgefrorene Proben aus einem speziellen Tiefkühler

Suchaktion im Genom

Genetischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf der Spur